usa drohen syrien

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eröffnet am: 16.04.03 13:45 von: nemesis Anzahl Beiträge: 1
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In der Logik des globalen Krieges

Es klingt alles sehr vertraut. Die Hinweise auf die Produktion von Chemiewaffen, die Vorwürfe, Terrorgruppen zu unterstützen, ebenso wie die subtilen Drohungen, ohne gleich von einem militärischen Angriff zu sprechen. Als nach dem 11. September in Washington die Forderung nach einem Angriff auf den Irak mehr oder weniger offen ausgesprochen wurde, klang sie ähnlich unglaublich wie die derzeitigen gegen Syrien.

Kommentar
von ERIC CHAUVISTRÉ

Die aktuellen Drohungen bedeuten nicht, dass ein Krieg gegen Syrien in den nächsten Wochen oder Monaten bevorsteht - selbst wenn die Argumente der Befürworter eines Irakkriegs weitgehend auch auf Syrien passen. Die starken Worte aus Washington müssen nicht einmal bedeuten, dass die Bush-Administration überhaupt eines Tages einen Angriff erwägt. Die Äußerungen des Präsidenten belegen aber - und das ist ausreichend Grund zur Besorgnis -, dass die noch sehr viel offener redenden Strategen aus dem Umfeld der Bush-Administration keine Spinner sind: Pentagon-Berater James Woolsey etwa spricht schon offen von einem neuen "Weltkrieg".

Ob und wann die Bush-Administration weitere Schlachten plant, hängt vor allem von der innenpolitischen Entwicklung in den USA ab. Es könnte sein, dass vielen Amerikanern die "Stars and Stripes" auf einer Saddam-Statue in Bagdad ausreichend Genugtuung sind für die Anschläge von New York und Washington. Es kann aber auch sein, dass die Bush-Administration alles tut, um die Kriegsstimmung aufrechtzuerhalten: Wenn die Wiederwahl Bushs in anderthalb Jahren wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage gefährdet sein sollte, könnten seine Berater eine neue Konfrontation für nützlich halten, um die Wahlbürger wieder hinter dem Oberbefehlshaber im Weißen Haus zu sammeln.

Anlässe für Kriegspläne und Aufmärsche wird es leider genügend geben: Neue Terroranschläge sind nach dem Irakkrieg nicht nur denkbar, sondern wahrscheinlich. Und dies gerade weil der Irakkrieg eine asymmetrische Exekution war. Die US-Armee hat wieder einmal ihre absolute technische Überlegenheit demonstriert. Bei den Regierungen potenzieller Gegner dürfte dies den Eindruck verstärkt haben, die USA nur mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen von einem Angriff abhalten zu können. Die Bush-Administration schafft sich so mit jeder Schlacht die Legitimation für die nächste: Der angestrebte neue Weltkrieg wird zum sich selbst erhaltenden System.

taz Nr. 7032 vom 16.4.2003, Seite 1, 85 Zeilen (Kommentar), ERIC CHAUVISTRÉ,  Leitartikel

 

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