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eröffnet am: 13.09.05 10:47 von: MD11 Anzahl Beiträge: 1
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4020 Postings, 6465 Tage MD11interessant für Bulldog-Sport Fahrer

Forschung gegen den Feinstaub


Die Selbstzünder sind zwar sparsam, aber nicht sehr sauber ? neue Systeme sollen die Abgase nun wirkungsvoll reinigen.


Der Dieselantrieb hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zunächst wegen seines geringen Temperaments und lautstarken Nagelns höchstens bei Lastwagen und Taxis eingesetzt, galt er zusammen mit der Einführung des Katalysators für Benzinmodelle als Saubermann und wurde entsprechend gefördert. Dank aufwändiger Entwicklungsanstrengungen unterscheiden sich moderne Diesel kaum noch von konventionellen Ottomotoren, was auch ihrne gestiegenen Absatz erklärt. Inzwischen liegt der Marktanteil bei rund 40 Prozent. Allerdings gilt der Diesel jetzt wegen der Feinstaubdebatte wieder als höchst bedenklich.


Nun ist Mercedes offenbar ein deutlicher Schritt nach vorn gelungen. In Serienfahrzeugen der E-Klasse, aber auch im Konzeptauto ?Bionic Car?, kommen CDI-Motoren zum Einbau, die eine Verringerung der Stickoxid-Emissionen im Abgas um bis zu 80 Prozent erreichen. Drei Buchstaben kennzeichnen die neue Technik: SCR (Selective Catalytic Reduction). Nutzfahrzeuge von DaimlerChrysler haben den zusätzlichen SCR-Kat seit Oktober 2004 schon serienmäßig an Bord. Jetzt soll ? zunächst in den USA ? die Abgasreinigung auf Personenwagen übertragen werden.


In den Vereinigten Staaten müssen bis 2007/2009 besonders scharfe Abgasgesetze erfüllt werden. Gleichzeitig rechnen Fachleute angesichts auch in den USA ständig steigender Energiepreise mit einer Erhöhung des Dieselanteils auf bis zu zehn Prozent.


Für Europa hält Mercedes-Forschungschef Thomas Weber Werte ?nahe an der künftigen Euro-5-Abgasnorm und eines Tages sogar darüber hinaus? erreichbar. Bis zur Einführung in der Alten Welt muss Mercedes allerdings der durch die neuen Maßnahmen verursachten schlechteren Verbrauchswerte der ?sauberen? Dieselmotoren entgegenwirken. Der SCR-Kat erhöht nach jetzigem Stand der Technik den Verbrauch um knapp fünf Prozent. Ausgeglichen wird dieser Nachteil aber durch den erzielten Fortschritt bei den Emissionen: Mercedes-Manager Weber spricht vom saubersten Diesel der Welt und beteuert, die Motoren seien ?sauber als der Toyota D-Nox-Filter?.


Die Reinigung durch die SCR-Technik und den zusätzlichen Betriebsstoff ?AdBlue? läuft über einen chemischen Prozess ab. Dazu wird eine wässrige Harnstofflösung exakt dosiert in die Abgasanlage eingespritzt. Die problematischen Stickoxide werden so in unschädlichen Stickstoff und Wasser umgewandelt. In Mercedes-Fahrzeugen und im Konzeptfahrzeug Bionic befindet sich der Vorratsbehälter in der Reserveradmulde. Eine Füllung reicht bis zum üblichen Wartungsintervall (rund 15000 Kilometer). Zur Technik der Serienmodelle gehört natürlich auch ein wartungsfreier Dieselpartikelfilter. Das Konzeptauto Bionic, das sich optisch an den aerodynamisch günstigen und trotzdem stabilen ?Box-Fish? (Kofferfisch) anlehnt, besitzt einen CDI-Dieselmotor mit 103 kW/140 PS. Er verbraucht im EU-Fahrzyklus nur 4,3 Liter Dieselkraftstoff auf 100 Kilometer ? zwanzig Prozent weniger als ein vergleichbares Serienmodell.


Der klobig wirkende Bionic, der jetzt dem breiten Publikum erstmals auf der IAA in Frankfurt gezeigt wird, basiert auf der Mercedes A-Klasse. Er ist 4,24 Meter lang, bietet Platz für vier Insassen plus Gepäck. Mit einem cw-Wert von 0,19 ist das Konzeptfahrzeug für diese Größenklasse extrem strömungsgünstig; zudem ist es in Leichtbauweise konzipiert. In dieser Form wird der Bionic mit Sicherheit nicht in Serie gehen, wie Mercedes-Manager versichern. Er wird eher als ?Aggregateträger? verstanden und soll gleichzeitig dokumentieren, wie die beiden Probleme der Zukunft, Verbrauch und Abgas, gelöst werden können.


Grundsätzlich wollen die deutschen Hersteller den Diesel in den USA ?salonfähig? machen. Mercedes-Manager Weber sieht da besonders große Einsparmöglichkeiten, weil sich durch einen bedeutenden Diesel-Anteil in Nordamerika ein Volumen von der Größe der Öllieferungen aus Saudi-Arabien einsparen ließe. Gerade deshalb will er das in den USA noch immer belastete ?Diesel-Image drehen? und ist sich sicher, dass es gelingen wird. Von US-Regierungsseite hat er die Zusage für den Ausbau des Tankstellennetzes bis 2006. Rückenwind gibt es auch durch den stark gestiegenen Treibstoffpreis, die Gallone kostet inzwischen knapp 2,60 Dollar. Vor einem Jahr waren es 60 Cent weniger. Zu den Preisen der SCR-Technik sagt Weber noch nichts, nur, dass die Kosten unter denen des in den Vereinigten Staaten besonders beliebten Hybridantriebs liegen.


Die Kombination von Elektro- und Dieselantrieb (statt Benzinantrieb) wird als ?Ziel der Zukunft? eingeschätzt. Zu den Nachteilen des Diesel-Konzepts zählen das höhere Gewicht des Selbstzündermotors und der kostenbedingt höhere Kaufpreis. Außerdem ist der Verbrauchsvorteil des Diesel-Hybrids gegenüber dem reinen Dieselantrieb offenbar nicht so groß wie der des Benziner-Hybrids gegenüber dem ausschließlichen Ottomotorantrieb. Für die Brennstoffzelle als Antrieb sieht Forschungschef Weber eine Zukunft ?für Stadt- und Ballungsräume, in denen Emissionsfreiheit (Pkw-Verkehr ohne Abgase) gefordert wird?. Deshalb wird sie auch bei Mercedes, wie übrigens auch von allen anderen Herstellern, weiterentwickelt.  

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