Zuwanderung, Intergrationpolitik in Schweden

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neuester Beitrag: 09.09.05 13:57
eröffnet am: 09.09.05 12:52 von: KTM 950 Anzahl Beiträge: 6
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09.09.05 12:52

8001 Postings, 5577 Tage KTM 950Zuwanderung, Intergrationpolitik in Schweden


Bericht der Unabhängigen Kommission Zuwanderung
8.2. Schweden

Seit Mitte der neunziger Jahre hat Schweden eine Reihe von Maßnahmen und Reformen zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Zuwanderern durchgeführt. Für Kinder von Zuwanderern sind seit 1998 ein besonderer Schwedischunterricht und eine Unterrichtung in anderen Fächern gesetzlich vorgeschrieben. 1999 wurde ein staatliches Einwanderungsamt geschaffen, das sich mit allen Fragen der Einwanderung und Einbürgerung befasst.

Kernstück der schwedischen Integrationspolitik ist das Programm "Schwedisch für Einwanderer". Seit 1995 haben alle Neuzuwanderer über 16 Jahren einen Rechtsanspruch auf Teilnahme an dem Programm, den sie innerhalb von drei Jahren nach ihrer Einreise wahrnehmen können. Ausländische Sozialhilfeempfänger sind allerdings im Sinne einer Gegenleistung zur Teilnahme verpflichtet. Der Beginn des Integrationskurses soll spätestens drei Monate nach der Einreise erfolgen und ist für alle Teilnehmer kostenlos. Sanktionen, wie sie in den Niederlanden gesetzlich vorgesehen sind, kennt das schwedische Modell nicht.

Personen, die vor 1995 nach Schweden zugewandert sind, werden nicht in das Erstförderungsmodell einbezogen, sondern sind auf die Einrichtungen der kommunalen Erwachsenenbildung angewiesen. Diese bieten einer großen Zahl von Einwanderern individuell ausgerichtete Kurse an.

Erklärtes Ziel des Integrationskurses "Schwedisch für Einwanderer" ist es, den Erwachsenen Schwedischkenntnisse für Alltag und Beruf sowie ein besseres Verständnis für die schwedische Gesellschaft und die von ihnen angestrebten Arbeitsmarktbereiche zu vermitteln. Unter dem Stichwort "soziokulturelle Kompetenz" sollen die Teilnehmer die Fähigkeit erhalten, ihre künftigen Möglichkeiten in der schwedischen Gesellschaft realistisch einzuschätzen und zu verbessern.

Wie in den Niederlanden umfasst der schwedische Integrationskurs deshalb sowohl Sprachunterricht als auch berufliche Orientierung und Gesellschaftskunde. Zusätzlich finden im schwedischen Integrationsunterricht Gespräche zwischen Kursteilnehmern und potenziellen Arbeitgebern aus verschiedenen Beschäftigungsbereichen wie der Industrie, dem Dienstleistungsbereich und dem öffentlichen Dienst statt. Im Hintergrund steht dabei der Gedanke, mögliche Arbeitgeber in die Integrationsmaßnahmen einzubeziehen und frühzeitig Kontakte zwischen Zuwanderern und Betrieben herzustellen.

Der von der Regierung ausgearbeitete Kursplan sieht durchschnittlich 525 Stunden à 60 Minuten vor. Im Bedarfsfall kann die Stundenzahl jedoch auch wesentlich höher liegen. Die Lehrer sollen möglichst "Schwedisch als Zweitsprache" studiert haben. Da ähnlich wie in den Niederlanden das Ziel besteht, die Kursteilnehmer rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren, werden Integrationskurse für berufstätige Zuwanderer auch abends angeboten.

Die Organisation der Integrationskurse liegt in der Hand der Gemeinden, die in zwei Jahren höchstens 30.000 DM für jeden in der Kommune angesiedelten erwachsenen Neuzuwanderer vom Staat erhalten, für Kinder höchstens 18.000 DM. Nach Ablauf von zwei Jahren muss die Gemeinde gegebenenfalls weitere Integrationskosten übernehmen.

Um der Bedeutung und Eigenständigkeit des Integrationsgedankens Rechnung zu tragen, wurde in Schweden eine eigene Behörde geschaffen. Sie widmet sich ausschließlich Fragen der Integration, während aufenthaltsrechtliche Aufgaben weiterhin an anderer Stelle wahrgenommen werden.

Eine abschließende Bewertung der schwedischen Integrations- und Erstförderungspolitik lässt sich derzeit noch nicht vornehmen. Problematisch scheint auch hier das in den Kursen erreichte Sprachniveau zu sein, und öfters werden Motivationsprobleme bei Teilnehmern beklagt. Wie groß der Beitrag der Integrationskurse zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen der Teilnehmer ist, lässt sich noch nicht bewerten, weil der Beginn des Erstförderprogramms in eine Phase konjunkturell bedingter hoher Arbeitslosigkeit fiel, von der die ausländischen Arbeitskräfte überproportional betroffen waren. Es ist jedoch anzunehmen, dass die schwedische Integrationspolitik - ähnlich wie die der Niederlande - zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation von Einwanderern beiträgt.  

09.09.05 12:57

8001 Postings, 5577 Tage KTM 950Lösungsansätze zur Intergration der Zuwanderer

Lösungsansätze
Im Juni 1998 wurde eine neue staatliche Behörde, das Integrationsamt, zur Überprüfung von Integrationsfragen in der gesamten Gesellschaft ins Leben gerufen. Das schwedische Parlament hat beschlossen, die Einwanderungspolitik durch eine die gesamte Bevölkerung angehende Integrationspolitik zu ersetzen. Das neu eingerichtete Integrationsamt wird folgende Aufgabenbereiche haben:

? Beobachtung und Auswertung der gesellschaftlichen Entwicklung aus der Perspektive der Integration
? Förderung von gleichen Rechten und Möglichkeiten für alle, ungeachtet ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft
? Vorbeugung und Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung.

Seit einigen Jahren hat die Regierung auch das Amt eines besonderen Integrationsministers vorgesehen. Gegenwärtig ist dies Ulrika Messing.  

09.09.05 12:58

8001 Postings, 5577 Tage KTM 950Maßnahmen der schwedischen Regierung


Staatliche Maßnahmen
Bereits 1986 erhielt Schweden ein Gesetz zur Verhinderung der Diskriminierung von Zugewanderten auf dem Arbeitsmarkt, das Gesetz gegen ethnische Diskriminierung. Gleichzeitig wurde das Amt des Ombudsmanns gegen ethnische Diskriminierung (DO) eingerichtet, was bisher einmalig in der Welt ist.
1994 erfolgte eine strengere Fassung des Gesetzes, wonach die ethnische Diskriminierung am Arbeitsplatz verboten ist. Auch die Stellung des DO wurde gestärkt. Im neuen Gesetz wurde den Arbeitgebern unter anderem die Beweispflicht auferlegt, dass bei der Einstellung eines Mitarbeiters dieser für die Anstellung, Beförderung oder Auswahl zur Fortbildung besser geeignet ist als die nicht eingestellte Person.
Neben der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt hat der DO auch zur Aufgabe, die ethnische Diskriminierung in anderen Bereichen des Gemeinwesens zu verhindern. Der DO befasste sich mit Fragen der Diskriminierung in der Gaststättenbranche, im Ausbildungswesen und auf dem Wohnungsmarkt.
Die Zahl der Anzeigen beträgt in diesem Jahr etwa 900?1000, die jährliche Steigerungsrate beläuft sich auf 30%. Nach wie vor haben viele Arbeitgeber eine negative Haltung, was die Einstellung ausländischer Akademiker, aber auch nicht ausgebildeter ausländischer Personen anbelangt. Nach DO Margareta Wadstein ist es schwierig, in Schweden akzeptiert zu werden und eine Arbeit zu erhalten, wenn nicht deutlich definierte »schwedische Qualifikationen« erfüllt werden, wie z.B. Sprachkenntnisse, Normen und Kenntnisse über nicht ausgesprochene gesellschaftliche Regeln. Viele Zugewanderte mit guten akademischen Ausbildungen bezeugten immer wieder in den Medien, wie sie absichtlich bei der Stellensuche aufgrund ihres ausländischen Familiennamens, ihres Akzents oder ihrer Hautfarbe vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen wurden.

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09.09.05 13:00

8001 Postings, 5577 Tage KTM 950Heutige Situation


Abschließend sei erwähnt, dass im Herbst 1998 bei den Parlamentswahlen in Schweden keine fremdenfeindlichen oder rassistischen Parteien Erfolg hatten. Hier unterscheidet sich Schweden von mehreren anderen Ländern Europas, wie z.B. Dänemark, Norwegen, Frankreich, Österreich oder Belgien, die vor kurzem Wahlen abgehalten hatten, in denen fremdenfeindliche Parteien aufsehenerregende Erfolge verbuchen konnten. Das Interesse an Einwanderungsfragen ist in den vergangenen Jahren in der schwedischen Gesellschaft zurückgegangen, sie waren kaum ein politisches Thema im Wahlkampf.
Die Behauptung, dass einwanderungsfeindliche Kräfte in Schweden besiegt sind, ist noch zu früh. Doch hat die schwedische Diskussion bestenfalls die Einwandererfrage hinter sich gelassen, um sich stattdessen den wichtigeren und konstruktiveren Fragen der bestmöglichen Integration der neuen Schweden zu widmen.  

09.09.05 13:19

8001 Postings, 5577 Tage KTM 950Auch die Schweden haben

eine starke Zuwanderung, nicht nur aus Europa. Sie gehen das Problem schon viele Jahre an. Dort ist es normal, dass den Zuanderen, die die schwedische Sprache nicht oder nur unzureichend beherrschen ein Sprachkurs verordnet wird um dadurch eine bessere Intergrationsmöglichkeit zu schaffen. Das Intergrationsprogramm dauert dort 3 Jahre und die Zuwanderer haben sogar einen Rechtsanspruch darauf!
1986 wurde die gesetzlich Lage soweit geändert, dass Ausländische Mitbürger nicht benachteiligt werden dürfen bei der Arbeitsplatzwahl.

In Norwegen wird das Problem ähnlich behandelt, wobei die Norweger in der glücklichen Lage sind, dass sie eine Situation wie wir in den 70iger haben und aus Gründen der Arbeitskräfte Mangel Ausländer brauchen.  

09.09.05 13:57

64714 Postings, 7698 Tage Kickynicht nur in Schweden,auch in Berlin

http://www.berlin.de/sengsv/auslb/index.html
gibt es massive Integrationsbemühungen und einen Integrationsbeauftragten,ein Infopaket für Zuwanderer und sogar einen Interkulturellen Kalender für die verschiedenen Feste,den man runterladen kann.Inzwischen müssen Kinder,die die Schule besuchen ,zuerst mal deutsch können,denn auch hier sind die mangelhaften Schulkenntnisse und fehlenden Hauptschulabschlüsse mit ein Grund für fehlende Berufsbildung der Ausländerkinder  

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