Zinspille kann Anleger nicht trösten !

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News - 02.02.08 09:15
Börsenausblick: Zinspille kann Anleger nicht trösten

Weder die kräftigen Zinssenkungen der US-Notenbank noch die positiven Signale des ISM-Einkaufsmanagerindex haben die Anleger an den Aktienmärkten nachhaltig aufgemuntert: Die meisten Aktienstrategen geben trotz der leichten Kurserholung aus der Vorwoche noch keine Entwarnung für die Börse.


Die Anleger fürchten weitere Kursverluste aufgrund der Finanzkrise. Das würde die Rentenmärkte weiter stützen. Dem Euro würden schwache Aktien dagegen eher schaden.

Das Fazit der Kreditstrategen von Dresdner Kleinwort nach Besuchen bei knapp 30 US-Aktienanlegern: "Die Stimmung rangiert zwischen vorsichtig bis depressiv." Daran änderten auch die US-Zinssenkungen nichts. "Die Höhe der Zinssenkung hat auf das Vertrauen der Anleger gedrückt und noch weiter die Rezessionssorgen erhöht", sagt der Chefökonom Nigel Gault vom Researchehaus Global Insight. Zudem lag der ISM-Einkaufsmanagerindex zwar über der Marke, die Wachstum signalisiert, doch die Gewinne der US-Konzerne stammen überwiegend aus dem Ausland.



Vor allem der überraschende Stellenabbau der US-Wirtschaft sorgt für Skepsis. Im Januar gingen 17.000 Arbeitsplätze verloren. "Es ist schon interessant, dass die Märkte sich unbeeindruckt von den gefallen Jobdaten zeigen. Denn gerade die heimischen Märkte befinden sich in einer Rezession. Im Immobiliensektor sind Baubeginne um 20 Prozent zurückgefallen", so Gault.



Enttäuschende Reaktion

"Die Aktienkurse werden kurzfristig weiter stark schwanken, aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage, schwächeren Unternehmensgewinnen und schlechten Nachrichten von den Bondversicherern", erwartet die Credit Suisse. Die Woche endete versöhnlich: Der Dax stieg auf Wochensicht um 1,x Prozent, der S&P 500 legte um 3,x Prozent zu. Nur der Nikkei verlor 1,0 Prozent.

"Unter dem Strich fiel die Reaktion auf die vorangegangenen kräftigen Kursverluste jedoch enttäuschend aus", urteilt die WGZ Bank - trotz Zinssenkungen und dem Konjunkturpaket der US-Regierung. Das kommt für Dresdner Kleinwort nicht überraschend. Zinssenkungen sind allenfalls mit langer Verzögerung gut für die Börse, stellten die Strategen durch eine Analyse seit 1987 fest: In den sechs Monaten nach einer Zinssenkung fallen die Kurse. Erst danach steigen sie wieder, wenn überhaupt. Für die UBS handelt es sich bei den Gewinnen nur um eine vorübergehende Erholung. Europa-Stratege Nick Nelson erwartet, dass die Aktienkurse noch 12 Prozent fallen müssen, bis der Boden erreicht ist. Zu dem nimmt er an, dass die Firmengewinne durch die Rezession gemessen an ihrem Höhepunkt um 30 Prozent fallen, wie bei früheren Rezessionen auch.



Test: der Jahresausblick der Deutschen Bank

Viele Marktteilnehmer sind noch optimistischer. Trotz der Finanzmarktkrise verharrten die Gewinnprognosen der Analysten für den Dax auf hohem Niveau, schreibt die Commerzbank. "Mit der zunehmenden Sorge vor einer globalen Konjunkturabschwächung beginnen diese nun aber zu bröckeln", so Aktienstratege Andreas Hürkamp.

Als Test gelten Jahresergebnis und Ausblick der Deutschen Bank. Bislang meldete das Institut nur geringe Belastungen aus der Kreditkrise. Andreas Pläsier, Analyst von M.M. Warburg bezweifelt, dass das so bleibt: "Unser Ausblick für 2008 ist vorsichtig, weil die Marktturbulenzen länger andauern als erwartet. Daher dürfte sich der Einnahmestrom aus dem Zinsgeschäft im ersten Halbjahr abschwächen", so Pläsier. Das geringere Wirtschaftswachstum werde auch das Privatkundengeschäft belasten. "Die Berichtssaison der deutschen Banken für das zurückliegende Jahr 2007 hat gerade erst begonnen, da droht noch einiges an Ungemach", warnen die Zinsstrategen der DZ Bank.



Das Schicksal des Euro bleibt eng an die Aktienkurse gekoppelt. "Die Aktienmärkte halten den Schlüssel für die Währungsmärkte in der Hand. Wenn die Kurse fallen und die Risikoaversion der Anleger zunimmt, belastet das den Euro", sagt Ian Stannard von BNP Paribas. Der Zustrom ausländischer Direktinvestitionen in die Eurozone habe sich verlangsamt. Der Euro sei zunehmend von kurzfristigem Kapital abhängig. Auch die Unicredit traut dem Euro nur den Sprung auf 1,50 $ zu, "wenn die Aktienmärkte mitspielen". Am Freitag robbte sich der Euro bis knapp an sein Rekordhoch bei 1,4967 $ heran, rutschte dann aber kräftig ab.

Die Nervosität an den Börsen dürfte weiter für niedrige Bondrenditen sorgen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen rutschte bereits unter 4,0 Prozent. Analysten halten den Bondmarkt für teuer. "Damit die Kurse noch weiter steigen, bräuchte es schon sehr negative Meldungen", so Peter Müller, Zinsanalyst der Commerzbank. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag von ihrer harten geldpolitischen Linie abweichen, dürften festverzinsliche Bonds profitieren, so die Helaba. Davon gehen aber nur wenige aus. Und selbst wenn, viel Raum für sinkende Renditen gibt es auch dann nicht. Die Bewertung von Staatsanleihen sei angesichts der Inflationsgefahren bereits sehr hoch, so Helaba-Analyst Ulf Kraus.

Von Yasmin Osman, Mark Böschen (Frankfurt) und Ning Wang (New York)

Quelle: Financial Times Deutschland  

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