Wohlwollende Unbekümmertheit

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neuester Beitrag: 23.11.04 14:44
eröffnet am: 23.11.04 13:41 von: bammie Anzahl Beiträge: 2
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8970 Postings, 5841 Tage bammieWohlwollende Unbekümmertheit

Ist der Franken so stark? Oder der US-Dollar so schwach? Die Antwort auf diese Fragen fällt nicht leicht. Nur eins scheint sicher: Wenn derzeit die währungspolitische Position der USA zu beschreiben ist, benutzen Devisenexperten gerne den Begriff "Benign Neglect". Das bedeutet soviel wie wohlwollende Unbekümmertheit und bezeichnet die Haltung der Amerikaner, nichts gegen die Dollarschwäche zu unternehmen.

Die ökonomische Begründung für dieses scheinbare Desinteresse lautet: Die USA importieren wesentlich mehr als sie exportierten. Deshalb wächst auch das Defizit in der Handelsbilanz. Eine Abwertung des US-Dollar stimuliert die Ausfuhren und trägt somit zum Abbau des Fehlbetrags bei. Das finden die Amerikaner gut. Für die Europäer und die Japaner ist die Lage dagegen weniger angenehm. Droht doch die Aufwertung von Euro und Yen das zarte Konjunkturpflänzchen verkümmern zu lassen. Deshalb sähe man es auf dem alten Kontinent und in Asien gerne, wenn sich die US-Notenbank gegen den Verfall des US-Dollar stemmen würde.

Der Auftritt von Fed-Chef Alan Greenspan im Rahmen des G20-Gipfels in Frankfurt war ein regelrechtes Lehrstück in Sachen "Benign Neglect". Fast schon gelangweilt sprach der mächtigste Notenbanker über die US-Konjunktur und bemerkte, dass der Anstieg des US-Leistungsbilanzdefizits nicht ewig mit dem gegenwärtigen Tempo weitergehen sollte. Um zwei Sätze später anzuführen, dass Interventionen am Devisenmarkt langfristig die Entwicklung von Wechselkursen nicht beeinflussen könnten. Frei übersetzt heißt das: Der US-Dollar muss weiter schwach bleiben.

Die Antwort der Devisenanleger folgte prompt. Sie schickten den Greenback gegenüber Franken & Co. erneut auf Talfahrt. Amerika dürfte sich auch künftig aus dem Interventionsgerede heraushalten. Anleger sollten es daher Greenspan gleich tun, den US-Dollar links liegen lassen und auf einen weiter steigenden Franken setzen. Die Rallye dürfte dank der eindeutigen Stimmung noch eine Weile anhalten. Und selbst wenn, die Konjunkturdaten aus der Schweiz einmal nicht so gut ausfallen: der Trend spricht für den Franken und dieser ist bekanntlich des Anlegers bester Freund.

Carsten Stern kommentiert als Chefredakteur der ibas AG - FXdirekt Woche für Woche die aktuelle Entwicklung der wichtigsten Währungen.

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23.11.04 14:44

7114 Postings, 6623 Tage KritikerUnd was sollte Grünspan tun? o. T.

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