Wir fallen im Standortvergleich weiter zurück

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Deutschland fällt im Standortvergleich zurück

24. August 2003 Gemessen an der Investitionstätigkeit, hat sich die Position Deutschlands international seit Beginn der neunziger Jahre verschlechtert. Nach einer Analyse des Bundesfinanzministeriums ist die Investitionsquote - der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) - seit 1991 um 3,2 Prozentpunkte gefallen. Schlechter schnitten im Vergleich mit europäischen und großen Industriestaaten nur Finnland und Japan ab. Dagegen stieg der Anteil der Investitionen am BIP etwa in Dänemark um 5,1 Prozent oder in Portugal um 4,9 Prozent.

Besonders stark fiel die deutsche Investitionsquote in jüngster Zeit. Von 22,5 Prozent im Jahr 2000 ging der Wert herunter auf 19,7 Prozent im vergangenen Jahr. Im ersten Halbjahr 2003 hat sich diese Abwärtsentwicklung abgeschwächt, ist aber nicht zum Stillstand gekommen.

Die Investitionsquote gilt unter Ökonomen als ein Maß dafür, wie attraktiv ein Standort ist. Volkswirte beobachten die Entwicklung mit Sorge, weil über viele Jahre niedrige Investitionen das Wachstumspotential einer Volkswirtschaft drücken. Das Wachstumspotential für Deutschland wird mittlerweile auf rund 1,5 Prozent geschätzt; in den achtziger Jahren sprach man noch von rund 2 Prozent.

Abwärtstrend in Deutschland

Bei der Interpretation der Investitionsquote als Standortindikator sind einige Besonderheiten zu beachten. Zum Beispiel mag auf den ersten Blick beruhigend wirken, daß die Investitionsquote in Deutschland mit zuletzt 19,7 Prozent immer noch nahe am europäischen Durchschnitt von 20,4 Prozent lag. Dies als positiv zu werten vernachlässigt aber, daß Deutschland maßgeblich den europäischen Durchschnitt mit bestimmt: Mit jedem Prozentpunkt weniger in Deutschland sinkt auch der europäische Durchschnitt. Wichtiger für die Beurteilung der Standortqualität ist ohnehin die Änderung der Investitionsquote. Sie zeigt an, ob ein Land Investoren für Anlagen im Inland begeistern kann.

Das Bundesfinanzministerium sucht den Abwärtstrend in Deutschland unter anderem damit zu begründen, daß die Bauinvestitionen im Normalisierungsprozeß nach dem Wiedervereinigungsboom systematisch zurückgehen. Tatsächlich ist die Quote der Bauinvestitionen von knapp 15 Prozent des BIP im Jahr 1993 auf knapp elf Prozent gefallen und liegt damit mittlerweile unter der westdeutschen Quote vor der Wiedervereinigung. Das Ministerium vermutet, daß die Schrumpfung noch nicht beendet ist. Schließlich lag der Anteil der Bauinvestitionen am BIP im vergangenen Jahr in den neuen Ländern mit 16,3 Prozent immer noch deutlich höher als im Westen mit 9,8 Prozent.

Ausrüstungsinvestitionen vom Konjunkturzyklus abhängig

Ergänzend verweist das Finanzministerium darauf, daß die Ausrüstungsinvestitionen in neue Maschinen und Anlagen maßgeblich vom Konjunkturzyklus bestimmt seien. Dies erkläre zum Teil, warum die gesamten Investitionen in den vergangenen beiden Jahren mit den niedrigen Wachstumsraten von 0,8 und 0,2 Prozent so stark eingebrochen sind. In der Tat zeigen die Ausrüstungsinvestitionen gleichlaufende Schwankungen mit dem Konjunkturzyklus: Läuft die Wirtschaft schlechter, investieren die Unternehmen weniger.

Ökonomen verweisen in der Regel aber auch auf den Umkehrschluß, daß die Wirtschaft schlecht läuft, wenn die Unternehmen weniger investieren. Die Folgerung ginge deshalb zu weit, daß die Investitionsquote allein durch eine politisch nicht beeinflußbare, maßgeblich von der Weltwirtschaft abhängige Binnenkonjunktur bestimmt sei.

Einen guten Teil zum Niedergang der Investitionsquote in Deutschland trägt nach Ansicht des Finanzministeriums auch bei, daß in "reifen" Industriestaaten weniger investiert werde. Deutschland scheint diese These zu belegen. Die Investitionsquote ist von mehr als 27 Prozent Anfang der siebziger Jahre im Trend gefallen. Doch auch "reife" Industriestaaten sind für Wachstum nie zu alt und können sich vom Trend abkoppeln: Die Vereinigten Staaten haben ihre Investitionsquote in den neunziger Jahren von 15,5 auf 20 Prozent erhöht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung,  

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