Wie in Berlin gekungelt wird

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neuester Beitrag: 27.12.06 17:42
eröffnet am: 26.12.06 00:01 von: denkidee Anzahl Beiträge: 20
neuester Beitrag: 27.12.06 17:42 von: denkidee Leser gesamt: 900
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bewertet mit 4 Sternen

26.12.06 00:01
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112127 Postings, 6299 Tage denkideeWie in Berlin gekungelt wird

Wie in Berlin gekungelt wird

Öffentliche Geheimtreffs und verborgene Restaurants
Das Politiker gerne kungeln, ist altbekannt. Ob im legendären Cafe Einstein in Reichstagsnähe oder im Edel-Restaurant im versteckten Hinterhof - Oliver Guenther berichtet, wo die Politiker beim Kungeln gerne gesehen werden möchten - und wo nicht.

Von Oliver Guenther, HR, ARD-Hauptstadtstudio

 [Bildunterschrift: Cafe Einstein unter den Linden: Wer sich hier wohl als nächstes mit wem trifft?]
Das Cafe Einstein unter den Linden: Auf den ersten Blick ein ganz normales Cafehaus. Gepflegte Atmosphäre, im Hintergrund das Röcheln der Kaffeemaschine. In Sachen Politikertreff aber ist das Einstein wohl einmalig. Nirgendwo treffen sich so viele Politiker wie hier. "Wir sind ganz in der Nähe des Reichstages. Um uns herum sind die politischen Fraktionen, aber eben auch fast alle journalistischen Fraktionen", sagt Einstein-Chef Gerald Uhlig.

Serie: Wie in Berlin gekungelt wird: Wo treffen sich Politiker, wenn sie beim überparteilichen Plausch gesehen werden wollen? Und wo finden die wirklich heimlichen Treffs statt? Was hat es mit der "Pizza-Connection" und dem "Andenpakt" auf sich? Eine Serie in fünf Teilen.

Die Folge: Das "Einstein" ist für Politiker der richtige Ort, wenn man gesehen werden will - und wenn Journalisten darüber schreiben sollen. Als Kurt Beck und Altkanzler Gerhard Schröder sich hier beispielsweise zum gemeinsamen Frühstück trafen, war die Botschaft nach außen klar: Beck wird neuer SPD-Chef. Denn im Einstein ist man nie unter sich. Zwar gibt es Hinterzimmer- und -Türen, aber die bleiben offen. "Wenn hier einer die Tür zumacht, dann wäre ich das. Das passiert aber nicht", stellt Einstein-Chef Uhlig klar.

 
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26.12.06 00:03
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112127 Postings, 6299 Tage denkideeUngestört bei edlem Rotwein

Ungestört bei edlem Rotwein

 [Bildunterschrift: Geld sammeln, wo es vorhanden ist: Rudolf Seiters und die Begum Inaara Aga Khan im Cafe Einstein in Berlin, einem beliebten Treffpunkt für Politiker und andere Prominente. ]

Wer es diskreter haben will und beim Kungeln ungestört sein möchte, für den gibt es andere Orte. Zum Beispiel das Berliner Restaurant "Maxwell" in der Bergstraße, fünf Autominuten vom Reichstag entfernt. Viel edles Holz, viel Leder, weiß eingedeckte Tische. Bei "Loup de Mer" vom Lavasteingrill und edlem Rotwein bleibt man ungestört. Genau das suchen Politiker im "Maxwell", ist sich Restaurantleiter Werner Marquard sicher: "Wir liegen in einem Hinterhof und man wird nicht gleich gesehen. Am nächsten Tag fragen die Leute zwar, wer denn da mit den dicken Limousinen angefahren kam. Aber die Politiker sitzen hier sehr abgeschirmt", zählt Marquard die Vorzüge seines Etablissements auf.

 
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26.12.06 00:04
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112127 Postings, 6299 Tage denkideeKungelrunde geplatzt

Kungelrunde geplatzt

 [Bildunterschrift: Trifft sich im Maxwell gerne zum Plausch mit Kollegen: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ]

Im "Maxwell" traf sich auch die wohl hochrangigste Kungelrunde des Jahres. Der amtierende Außenminister Frank Walter Steinmeier lud seine Vorgänger Genscher, Fischer und Kinkel zum Gedankenaustausch. Die Presse erfuhr es erst mit Verspätung. Aber auch an solchen Orten gibt es Überraschungen. Als sich vor wenigen Wochen ein paar FDP-Abgeordnete mit SPD-Kollegen heimlich im "Maxwell" treffen wollten, saßen da zufällig schon Außenminister Steinmeier und der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann. Das Geheimtreffen war geplatzt. Der Zufall habe letztlich dazu geführt "dass wir dann nach dem Treffen doch stärker an die Öffentlichkeit gegangen sind, als es geplant war, weil wir gesagt haben: Das können wir jetzt nicht der 'Bild'-Zeitung überlassen", erinnert sich FDP-Mann Michael Kauch.  
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26.12.06 00:23
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1276 Postings, 5153 Tage RochusSchmidtWas kungeln die Säcke denn da,

wie man den Wähler verarscht?  

26.12.06 05:39
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112127 Postings, 6299 Tage denkideeBequeme Treffen im Bundestags-Restaurant

Bequeme Treffen im Bundestags-Restaurant

 [Bildunterschrift: Warum kompliziert? Die Grünen-Abgeordnete Anna Lührmann bevorzugt die Bundestagskantine.]

Vielleicht liegt es an solchen Pannen, dass manche sich beim Kungeln überhaupt keine Mühe mehr geben - und einfach den naheliegendsten Ort für ihre Treffen wählen: das Abgeordneten-Restaurant im Bundestag. Für die grüne Politikerin Anna Lührmann ist das Lokal im Reichstag schlicht der praktischste Ort, weil in der Berliner Terminhetze besonders günstig gelegen.

Deshalb trifft sich die Grüne hier inzwischen auch mit Kollegen aus anderen Fraktionen, wenn?s mal was zu besprechen gibt. Anfänglich allerdings nicht ohne Skrupel: "Wir haben immer gedacht: Na ja, wenn man uns da zusammen sieht, was für ein Skandal", blickt Lührmann auf den Beginn der Kungelrunden zurück. Inzwischen ist sie deutlich gelassener: "Irgendwann haben wir die Scheu verloren und jetzt treffen wir uns immer da."

 
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26.12.06 11:09
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112127 Postings, 6299 Tage denkideeAls Schwarze und Grüne Pizza aßen

Als Schwarze und Grüne Pizza aßen

Gedankenspiele über einer schwarz-grüne Koalition sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon in den neunziger Jahren trafen sich regelmäßig junge Abgeordnete beider Parteien bei einem Bonner Nobelitaliener. Die Gesprächsrunde wurde als "Pizza Connection" legendär.

Von Oliver Guenther, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Es begann 1995 in einem noblen italienischen Restaurant namens "Sassella" in Bonn. Damals trafen sich erstmals junge Bundestagsabgeordnete von CDU und Grünen zu geheimen Gesprächen. Mit dabei waren etwa der ehemalige Staatssekretär Matthias Berninger von den Grünen, der heutige CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und sein Parteikollege Hermann Gröhe.

In Unionskreisen wurde die schwarz-grüne Tafelrunde argwöhnisch beäugt. Der damalige CSU-Generalsekretär Porzner und erklärte Gegner der Gruppe soll gedroht haben, man werde die "Pizza Connection" im Auge behalten, erinnert sich Berninger. "Damit ist ihm bis heute die Ehre zuteil geworden, dass er diesen Namen erfunden hat", berichtet der Grüne über den Beginn der "Pizza Connection".

 [Bildunterschrift: Medienwirksames Präsent: Die CDU spendierte den Grünen kürzlich Pizza - in Anlehnung an die historische Gesprächsrunde. ]

 
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26.12.06 11:34
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7460 Postings, 5718 Tage potti65rot-gelbe liebe

wowereit hat sich bestimmt mit den westerwelle getroffen.ich finde ein schönes paar.liebe unter männern ist die wahre liebe und sprengt alle politischen ketten.  

26.12.06 12:11

112127 Postings, 6299 Tage denkideeTreffen im Hinterzimmer

Treffen im Hinterzimmer

Selbige ist wohl eine bekanntesten Kungelrunden der Politik. Nicht zuletzt, weil sie von Anfang an eine der schillerndsten war. Junge Grüne und schwarze Politiker, die sich in der Ära Kohl regelmäßig bei einem Italiener im Hinterzimmer treffen - das beflügelte nicht nur die Phantasie. Für viele in beiden Parteien sei das schlicht ein Schock gewesen, schmunzelt der CDU-Mann Gröhe, einer der Mitbegründer der "Pizza Connection". Schließlich habe ein Teil der Union "die Grünen damals noch zwischen Hausbesetzer, Terrorsympathisanten und Steinewerfer angesiedelt", weiß Grohe.

Italienische Lebensart und handfeste Politik

Die "Pizza Connection" war allerdings eher eine gesellige Runde als ein Politklüngel. Man speiste edel und trank Wein, verstand sich gut und kannte sich teilweise schon von der Uni. Einmal allerdings sollte der Gesprächskreis mit Neigung zur italienischen Lebensart im Bundestag handfest Politik machen: Im Streit um den Besuch des damaligen iranischen Außenministers Ali Akbar Welajati war die "Pizza Connection" sich im November 1995 einig: Welajati wurde vom Bundestag mit den Stimmen von SPD, Grünen und einigen Unionsabweichlern von einer damals angesetzten Islam-Konferenz ausgeladen. "Es war die einzige Abstimmungsniederlage, die Helmut Kohl in seinen 16 Regierungsjahren zu erleiden hatte" erinnert sich Matthias Berninger genüsslich.

 [Bildunterschrift: Matthias Berninger: Mit der "Connection" Kanzler Kohl ausgehebelt. ]

 
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26.12.06 14:04

112127 Postings, 6299 Tage denkideeDie zweite Generation ist da

Mit dem Beginn der rot-grünen Regierung 1998 und dem Unzug des Politbetriebs von Bonn nach Berlin bröckelte die "Connection". Das änderte sich allerdings wieder schlagartig nach der letzten Bundestagswahl 2005. Seitdem wird immer offener über künftig mögliche schwarz-grüne Koalitionen spekuliert. Eine späte Folge der "Pizza Connection", meint CDU Mann Gröhe und verkündet stolz: "Da waren wir schon ein bisschen Trendsetter." Zumal viele aus der "Connection" Karriere gemacht haben. Beispiel Norbert Röttgen von CDU und der grüne Volker Beck. Beide sind heute Geschäftsführer ihrer Fraktion.

Die zweite Generation ist da
Ob es die "Pizza Connection" noch gibt oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fest steht: Auch in Berlin hat sich inzwischen wieder ein Kreis mit jungen Grünen und Unionspolitikern gefunden. Sozusagen die zweite Generation der"Pizza Connection". Mit von der Partie ist immer noch der grüne Matthias Berninger. Führt der Weg der "Pizza Connection" von Bonn über Berlin am Ende in die "Jamaika-Koalition"? Berninger ist zurückhaltend: "Ich glaube, dass die Kontakte untereinander eine extrem hohe Bedeutung haben. Aber sie werden nicht über künftige Koalitionsoptionen entscheiden."

Berninger selbst wird das aber wohl nicht mehr erleben. Er scheidet im Februar aus der Politik aus. Ein Einschnitt auch für die namhafte Pizza-Runde. Denn Berninger ist der letzte, der bis heute übrig geblieben ist aus der Ursprungsrunde - der "Pizza Connection", die im Bonner Restaurant "Sassella" begann.

(Foto: Entstammt der "Pizza Connection": Norbert Röttgen]
 
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26.12.06 14:29

112127 Postings, 6299 Tage denkideeDer Andenpakt - ein erfolgreicher Klassiker

Wie in Berlin gekungelt wird

Der Andenpakt - ein erfolgreicher Klassiker
So richtig frei sprechen kann ein Politiker selten - schließlich gilt es, sich den Rücken freizuhalten - und das manchmal auch gegen die eigenen Parteifreunde. Aber es gibt Runden, in denen das möglich ist - in der CDU zum Beispiel zwischen den Mitglieder des so genannten Andenpakts. Was als Zusammenschluss einiger junger Christdemokraten begann, ist heute die vielleicht mächtigste Seilschaft in der Union.

Von Oliver Guenther, HR, ARD-Hauptstadtstudio

25. Juli1979: In einem Flugzeug hoch über den südamerikanischen Anden gründen mehrere Mitglieder der Jungen Union den Andenpakt. Mit dabei der heutige CDU-Verteidigungsminister Franz-Josef Jung. Er erinnert sich: "Es war so, dass wir auf unserer ersten größeren Auslandsreise mit dem Bundesvorstand der Jungen Union durch Südamerika waren. Die Termine begannen um halb acht Uhr morgens und endeten um halb zwölf Uhr nachts, von Land und Leuten hat man überhaupt nichts mitbekommen. Deshalb haben wir über den Anden den Pakt für mehr Ambiente in der Politik geschlossen."

Was aus einer Laune begann, gilt heute vielen als der mächtigste Geheimbund der Politik: der Andenpakt. Seine Mitglieder sind ein "Who ist Who" der CDU-Prominenz - Franz Josef Jung, Roland Koch, Christian Wulff, um nur die Bekanntesten zu nennen.

[Bildunterschrift: Prominente Andenpaktler: Verteidigungsminister Jung...]  
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26.12.06 22:22

112127 Postings, 6299 Tage denkideeAbsolute Vertraulichkeit und Loyalität

Absolute Vertraulichkeit und Loyalität

Ralf Neukirch ist Autor des "Spiegel". Zusammen mit einem Kollegen hat er vor drei Jahren die erste größere Geschichte über den Andenpakt geschrieben: "Das war sehr schwierig und aufwändig. Die Stärke dieses Pakts liegt ja gerade darin, dass bisher niemand davon wusste und niemand darüber geschrieben hat. Die Mitglieder des Paktes tauschen sich nicht in der Öffentlichkeit aus."

Die wichtigsten Regeln des Andenpaktes sind absolute Vertraulichkeit und Loyalität untereinander. Kein Mitglied fordert den Rücktritt eines anderen oder tritt bei Wahlen gegen ihn an. Und vor allem: Nichts dringt nach draußen. "Damit ist der Pakt eigentlich das einzige Gremium in der Union, in dem offen geredet wird", meint Neukirch. "Es gibt ja sonst nichts, weder das Präsidium noch die Fraktion, selbst bei kleineren Dreier-, Viererrunden kommt ja meistens was raus - beim Pakt ist das anders und darin liegt seine große Bedeutung."

 [Bildunterschrift: ...Hessens Ministerpräsident Koch...]  
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26.12.06 23:26

112127 Postings, 6299 Tage denkideeMännerbund gegen Angela Merkel?

Männerbund gegen Angela Merkel?

Der Andenpakt gilt aber nicht nur als CDU-interne Seilschaft. Viele sehen im Andenpakt auch einen Männerbund gegen die Parteivorsitzende Angela Merkel. Das habe sich geändert, meint Spiegel Autor Neukirch. Und vielleicht hat der Pakt seinen Höhepunkt schon hinter sich. Das Problem sei schlicht der Erfolg der Mitglieder, denn damit stoße der Pakt womöglich an seine Grenze, so Neukirch. "Die Frage ist, wer einmal Nachfolger von Angela Merkel werden will. Die Mitglieder des Paktes sind mittlerweile so weit aufgestiegen, dass es vermutlich mal einer von ihnen werden wird und da sind die Eigeninteressen dann doch größer als das, was den Pakt zusammenhält."

Tatsache ist: Auch fast dreißig Jahre nach dem Nachtflug über den Anden lebt der Pakt. Jährlich trifft man sich, natürlich nur vertraulich und unternimmt zum Beispiel Auslandsreisen, auch mit Ehefrauen. Schließlich stand das Ambiente, die Atmosphäre am Beginn des Paktes. Und Franz-Josef Jung hört man schon an, wie stolz er ist: "Dass er bereits über eine solch lange Zeit hält, finde ich, zeichnet diesen Pakt besonders aus."

 [Bildunterschrift: ...und sein niedersächsischer Kollege Wulff...]  
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27.12.06 10:13

112127 Postings, 6299 Tage denkideeKungeln für den Klimaschutz

Wie in Berlin gekungelt wird

Kungeln für den Klimaschutz
So richtig gut kungeln kann man nur mit Gleichgesinnten. Doch was passiert, wenn sich diese über die Parteigrenzen hinweg finden? Beim Thema Klimaschutz hat dies großes Aufsehen erregt: Vier Politiker, vier Parteien, ein Ziel. Auf einmal wollten viele mitkungeln. Der Zukunftssalon war geboren.

Von Oliver Guenther, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist später Abend im Berliner Regierungsviertel. In Sitzungssaal 6.554 brennt noch Licht. Der Zukunftssalon tagt. Bei Wasser, Wein, Brot und Käse diskutieren rund zwei Dutzend Wissenschaftler, Vertreter von Umweltverbänden, aber auch Unternehmer über Klimaschutz. Vorne hören drei Politiker interessiert zu. Einer von ihnen ist Michael Kauch, der Umweltexperte der FDP. Der Zukunftssalon - die etwas andere Runde in der Hauptstadt.

"Das Besondere ist eben", so erklärt Kauch, "dass wir versuchen, Leute aus sehr unterschiedlichen Richtungen zusammenzubringen: aus der Wirtschaft, aus Umweltverbänden aus den Medien, aus der Wissenschaft. Leute, die ansonsten immer nur untereinander über Umwelt reden und nicht miteinander."

[Bildunterschrift: Paul-Löbe-Haus im Regierungsviertel: Einer der Orte, an denen in Berlin Politik gemacht wird]  
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27.12.06 11:40

112127 Postings, 6299 Tage denkideeZeichen setzen

Zeichen setzen

Angefangen hat alles im September, als ein Papier großes Aufsehen erregte. Unter anderem mit der folgenden These: "Der Klimaschutz ist gefährlicher als bislang angenommen". Die Autoren waren vier Abgeordnete aus vier Parteien, aber mit einer gemeinsamen Meinung: In Sachen Klimaschutz muss was passieren. Neben Kauch gehört zu der Gruppe auch Josef Göppel. Der CSU-Umweltexperte ist ein ruhiger besonnener Mann, mit dem Papier aber wollte er ein Zeichen setzen. Göppel wollte aufwecken. "Es war einfach die Sorge, dass wir auf den Klimawandel nicht die richtigen politischen Antworten finden, vor allem nicht genug tun", sagt er.

Die Rechnung ging auf, die Resonanz war groß. Viele meldeten sich und wollten mitarbeiten. Die Idee des "Zukunftssalons" war geboren. Für Kauch ganz klar ein Erfolg, der ohne die ungewöhnliche Klimaschutz-Koalition nicht möglich gewesen wäre: "Das ist einfach so in unserer Mediengesellschaft, dass wenn eine Fraktion etwas voranbringt, dann wird das abgehakt nach dem Motto: Das macht die FDP oder das machen die Grünen oder die CDU. Aber hier wird wahrgenommen, dass sich Leute aus unterschiedlichen Richtungen zusammentun, und das ist etwas, mit dem man das Thema sicher besser transportieren kann."

Mehr als ein Debattierklub

Nicht zuletzt auch in die eigenen Partei. Denn Kauch, Göppel und Co. wollen nicht nur diskutieren - sie wollen auch politische Beschlüsse. Und auch hier spüren die Umweltexperten einen Wandel: In der Union zum Beispiel ist die Initiative von höchster Stelle abgesegnet. Auf diesem Weg soll es jetzt weiter gehen: "Es ist so, dass die Vier, die hier zusammengewirkt haben und eine Reihe anderer eine Speerspitze der Umweltpolitik im deutschen Bundestag bilden wollen", sagt Göppel.

Der "Zukunftssalon" wird also schon bald wieder tagen. Die Initiatoren überlegen schon, wen sie dann noch mit dazu holen können. Dann wird wieder bis spät am Abend das Licht brennen in einem der Sitzungsäle im Berliner Regierungsviertel.

 Grafik: Michael Kauch (Archivbild 1999)]  
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27.12.06 13:15

112127 Postings, 6299 Tage denkideeJunge kungeln, um nicht alt auszusehen

Wie in Berlin gekungelt wird

Junge kungeln, um nicht alt auszusehen

Auch die Jungen kungeln - natürlich für die gute Sache. Über die Parteigrenzen hinweg haben sich junge Abgeordnete von CDU, SPD, Grünen und FDP zusammengetan. Ihr Ziel: Die Rechte der Jungen stärken. Dazu haben sie eine Initiative gegründet: "GiG - Generationengerechtigkeit ins Grundgesetz".

Von Oliver Guenther, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Sie sind zu viert, kommen aus vier Parteien und sind zwischen 23 und 34 Jahre alt, die Grüne Anna Lührmann ist die Jüngste. Besonderes Kennzeichen dieser Kungelrunde: Es geht nicht um irgendwelche Hinterzimmerabsprachen, sondern um ein klares Ziel. Die Rechte der Jungen sollen ins Grundgesetz. Die Initiative nennt sich "Generationengerechtigkeit ins Grundgesetz", abgekürzt "GiG". Jens Spahn, 26 Jahre alt, CDU: "Es ist ja durchaus unüblich hier im deutschen Bundestag, dass fraktionsübergreifend solche Initiativen angegangen werden. Aber ich finde für manch ein Sachthema könnte es enorm nach vorne bringen, wenn das öfter stattfinden würde."

 [Bildunterschrift: Jens Spahn, Jahrgang 1980, jüngstes Mitglied der Unions-Bundestagsfraktion]
 
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27.12.06 14:17

10041 Postings, 6738 Tage BeMiDieser Thread

entwickelt sich zu einer
"Gebrauchsanweisung" für Ariva-Hoffnunsvolle:

Wie werde ich Spitzenpolitiker!  

27.12.06 14:19

10310 Postings, 7200 Tage chartgranatesehr wichtige Kungelrunde:

Berliner Ariva-Stammtisch,wechselnde Locations.......  

27.12.06 14:30

10041 Postings, 6738 Tage BeMiMir ist der Thread nur

zu einseitig.
Frau denkidee übersieht,
dass es bei der SPD, der FDP, den Grünen usw.
genauso läuft.  

27.12.06 15:00

112127 Postings, 6299 Tage denkideeKungeln, um nicht alt auszusehen

Kungeln, um nicht alt auszusehen

Kennengelernt haben sich die "GiGs" bei einem Workshop für junge Abgeordnete. Bald waren sie sich sich einig, ob Rente oder Klimaschutz: In der Politik sehen die Jungen häufig ziemlich alt aus. "Deswegen müssen z.B. wir als junge Abgeordnete, die vor allen Dingen erst einmal den jungen Menschen in Deutschland verpflichtet sind, uns besonders darum kümmern," meint Anna Lührmann.

Und kümmern heißt arbeiten. Seitdem trifft sich die Gruppe regelmäßig zu Arbeitssitzungen. Peter Friedrich, 34 Jahre, SPD erzählt: "Wir treffen uns in unregelmäßigen Abständen zum gemeinsamen Frühstück," und Anna Lührmann ergänzt: "Meistens morgens um acht, weil wir sonst keine Termine gefunden haben, an denen wir alle gleichzeitig können." Doch das ist nicht das einzige "GiG-Problem". Vier Junge aus vier Parteien heißt auch vier Meinungen, umso wichtiger seien klare Spielregeln, erklärt Anna Lührmann: "Wieviele Leute von welcher Fraktion, wann auf welches Foto können. Auf all so etwas muss man sich einigen, weil sich sonst der eine oder andere schlecht behandelt fühlt."

Gelockerte Atmosphäre

Inzwischen verstehen sich die Jungen aber auch auf anderen Ebenen. Und so geht es bei ihren Treffen nicht mehr nur um Generationengerechtigkeit, sondern auch um persönliches - natürlich streng vertraulich wie Anna Lührmann verrät: "Zu dem Vertrauensverhältnis gehört eben auch, dass ich das jetzt nicht erzähle", sagt sie und lacht, "aber das ist schon eine gute Sache. Dann bekommt man zum Beispiel auch mal mit, wie der Westerwelle so ist."

 Grafik: Anna Lührmann, Bündnis 90/Die Grünen]  
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27.12.06 17:42

112127 Postings, 6299 Tage denkideeVorhut für künftige Koalitionen

Vorhut für künftige Koalitionen

Und noch etwas hat sich geändert. Von ihren Fraktionen wurden die Jungen am Anfang mitunter skeptisch beäugt. Jetzt gilt "GiG" sogar schon als Vorhut für mögliche künftige Koalitionen. Hier hätten die Jungen Vorteile gegenüber den Älteren, so CDU-Mann Spahn: "Eben auch mit Grünen zu reden, was den Älteren unter uns sicherlich schwerer fällt."

Zumal "GiG" funktioniert. Seit Sommer liegt ein gemeinsamer Antrag vor, der Titel lautet natürlich "GiG - Generationengerechtigkeit ins Grundgesetz". Nach rund drei Jahren Arbeit will "GiG" mehr. Nämlich eine Mehrheit, damit aus dem Antrag Wirklichkeit wird. CDU-Mann Spahn erklärt selbstbewusst: "Ich würde mir wünschen, dass viele der Kollegen, die Sonntags von Generationengerechtigkeit reden, sich dann bei der Abstimmung auch dazu bekennen."

Einen haben die Jungen schon überzeugt. "GiG"-Unterstützer Walter Riester, Ex-SPD-Sozialminister, und - nicht mehr ganz so junge 63 Jahre alt.

 [Bildunterschrift: Im Juli stellte die Initiative "Generationengerechtigkeit im Grundgesetz" einen Gruppenantrag im Bundestag um die Rechte der Jungen zu stärken.]  
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