Wie eine ID spurlos verschwand...

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neuester Beitrag: 23.08.05 07:53
eröffnet am: 22.08.05 10:58 von: B Ghost Anzahl Beiträge: 8
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22.08.05 10:58
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3379 Postings, 5666 Tage B GhostWie eine ID spurlos verschwand...

Amnesie-Patient
 
Mysteriöser Piano Man soll Deutscher sein

Der geheimnisvolle blonde Klavierspieler mit Gedächtnisverlust, den die britische Polizei vor vier Monaten am Strand von Kent entdeckt hat, soll Deutscher sein. Das berichtet zumindest der britische "Daily Mirror". Dem Blatt zufolge hat der Mann die Ärzte monatelang getäuscht.

DPADer "Piano-Mann": Simulant aus Deutschland?
London - Nach Angaben des Blattes handelt es sich bei dem anfangs so rätselhaften Fall von Amnesie um eine große Täuschung. Der Mann habe nicht wirklich unter Gedächtnisverlust gelitten, schreibt der "Daily Mirror" unter Berufung auf eine anonyme Quelle im Little-Brook-Hospital in Dartford, wo der blonde, etwa zwei Meter große Mann behandelt worden war.

Eine Krankenschwester habe am Freitag das Zimmer des vermeintlich gedächtnisgestörten Patienten betreten und gefragt: "Werden Sie heute mit uns sprechen?" Daraufhin habe der Mann sein monatelanges Schweigen gebrochen und nur geantwortet: "Ja, ich denke, das werde ich tun." Das Personal sei völlig verblüfft gewesen: "Wir dachten, er würde für immer bei uns bleiben", zitiert die Zeitung den Krankenhausangestellten.

Ärzte und Ermittler hatten sich monatelang bemüht, den Namen des anscheinend verstörten Mannes herauszufinden. Er sei ein Schiffbrüchiger, der sich an Land habe retten können und nun unter Schock stehe, lautete eine Spekulation. Einer anderen Version zufolge sollte es sich um einen tschechischen Musiker handeln. Doch alle Spuren führten ins Leere.

Dem "Daily Mirror" zufolge erzählte der Mann, den Krankenhaus und Medien nur als "Piano-Mann" bezeichneten, seine ganze Geschichte. Er sei Deutscher, homosexuell und Sohn eines Bauern. Mit dem Eurostar-Zug sei er nach Großbritannien eingereist. Als die Polizei ihn am 8. April in einem durchnässten Abendanzug am Strand von Kent gefunden habe, habe er gerade einen Selbstmordversuch hinter sich gehabt. "Er befand sich offensichtlich in einem Stress-Zustand und sprach nicht mit der Polizei", wird der Insider zitiert. Von da an habe er sein Schweigen gewahrt - auch als ihn Ärzte untersuchten.

Bei seinem Simulieren kamen dem Mann offenbar seine Berufserfahrungen zugute: Weil er früher mit psychisch kranken Menschen gearbeitet habe, habe er ihre charakteristischen Verhaltensweisen imitierten können. Auf diesen Trick seien sogar zwei erfahrene Ärzte hereingefallen.

Die Zeitung widerspricht bisherigen Meldungen, der Mann habe hervorragend Klavier spielen können. Laut der Quelle im Krankenhaus kam der Spitzname des Patienten ganz anders zustande: Weil er nicht sprach, reichten ihm die Mediziner ein Blatt Papier und einen Stift. Daraufhin zeichnete der Mann einen Klavierflügel - seinen Angaben zufolge sei das Instrument einfach das Erste, was ihm in den Kopf gekommen sei. Laut "Mirror" hat der Mann entgegen Medienberichten niemals im Krankenhaus ein Klavierkonzert gegeben. Als man ihn an ein Piano gesetzt habe, habe er stattdessen dauernd auf dieselben Tasten getippt.

Inzwischen sei der Mann zurück nach Deutschland geflogen. Sein Name soll frühestens dann bekannt gegeben werden, wenn die Behörden ihre eigenen Untersuchungen abgeschlossen haben. Ärzte, die sich darum bemüht hatten, die Identität ihres rätselhaften Patienten zu klären, erwägen nach Angaben des Blattes, den Mann auf Schadensersatz zu verklagen.
 

 

22.08.05 11:01

24466 Postings, 5840 Tage EinsamerSamariterHui...das bin ich ;) Was mach ich denn da? o. T.

22.08.05 11:04

51340 Postings, 7403 Tage eckiErst Selbstmordversuch, nun Schadensersatzklage

Der Typ machts wohl nicht mehr lange, diesesmal mit ärztlicher Hilfe....

Grüße
ecki  

22.08.05 11:15

2919 Postings, 6418 Tage Spuk*JIMPS* o. T.

22.08.05 11:19

3379 Postings, 5666 Tage B GhostBite um Quellenangabe fürs *JIMPS*

Konnte ich aktuell nicht finden.



Danke  

22.08.05 11:23

16571 Postings, 6650 Tage MadChartJuhnke, Mosi, Papst, usw.

Na? Schnackelt's?  

22.08.05 11:31

3379 Postings, 5666 Tage B GhostJaja. Aber erzähl das mal dem " Spiegel"

Da stand dieser bericht nämlich HEUTE drin.

Wahrsheinlich sind es weitere Erkenntnisse..  

23.08.05 07:53

3379 Postings, 5666 Tage B GhostNEUE Einzelheiten/ Widersprüche der Presse

SPIEGEL ONLINE - 22. August 2005, 18:42
URL: 
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,370954,00.html

Deutscher Amnesie-Simulant
 
Piano Man kann gar nicht Klavier spielen

Schwede, Ire, Franzose und Tscheche? Monatelang wurde in ganz Europa über die Identität des "Piano Man" spekuliert. In Wirklichkeit ist der Mann, der angeblich sein Gedächtnis verloren hatte, ein Bayer - und alles andere als ein Klaviervirtuose.

AP"Piano Man" aus Bayern: "Immer nur eine Taste gedrückt"
Berlin - Es begann vor viereinhalb Monaten am Strand von Sheerness auf Sheppey: Dort wurde ein blasser und verängstigter junger Mann mit kurzen blonden Haaren und Mehrtagebart aufgegriffen, der einen tropfnassen schwarzen Anzug mit Krawatte trug - und schwieg. Hinweise auf seine Identität fehlten: Keine Papiere, sämtliche Etiketten waren aus seiner Kleidung gerissen.

Alle Versuche, ihn zum Sprechen zu bewegen, scheiterten zunächst. Stattdessen wurde aus dem Krankenhaus berichtet, der Mann sei ein Klaviervirtuose. Als man ihm einen Zettel und Stift gebracht habe, damit er seinen Namen aufschreibe, habe der Mann nur ein Klavier gezeichnet. Am klinikeigenen Flügel sei er dann zu großer Form aufgelaufen, berichteten britische Medien unter Berufung aus Quellen aus dem Krankenhaus. Schnell hatte der rätselhafte Mann seinen Namen weg: Piano Man - dabei kann er gar nicht Klavier spielen.

Wie die britische Zeitung "Daily Mirror" heute unter Berufung auf einen Klinikmitarbeiter berichtete, zeichnete der junge Mann zwar nach seiner Einweisung in die Klinik durchaus ein Klavier. Als man ihn aber zu diesem brachte, habe er "immer nur eine Taste" gedrückt. Ansonsten schwieg der Mann monatelang. Bis vergangenen Freitag. Als eine Schwester seinen Raum betrat und die Standardfrage "Wollen Sie heute mit uns sprechen?" stellte, antwortete er auf einmal: "Ja, ich denke schon."

Erfolgloser Suizidversuch

Und dann erzählte der mysteriöse Patient laut "Daily Mirror" Folgendes: Er komme aus Deutschland, sei 20 Jahre alt. Er habe zwei Schwestern, sein Vater besitze einen Bauernhof in Bayern. Er selbst sei homosexuell. Als er platschnass am Strand aufgegriffen worden sei, habe er gerade "erfolglos" versucht, Selbstmord zu begehen. Dass er dann in der Klinik einen Flügel gemalt habe, sei einfach zu erklären: Das sei das erste gewesen, was ihm in den Sinn kam. Auch dass er von den Ärzten die ganze Zeit als geistig gestört angesehen wurde, hat dem Klinikmitarbeiter zufolge einen Grund: Der junge Mann aus Bayern habe in der Vergangenheit mit geistig Behinderten gearbeitet, von denen er Verhaltensweisen kopierte.

All dies erzählte der Mann am Freitag der vergangenen Woche, am Samstag schon wurde er laut Klinik "wegen einer deutlichen Verbesserung seines Zustandes" entlassen. Im Krankenhaus waren alle überrascht, mit dieser Wendung hatte niemand gerechnet. Dabei war schon über alles Mögliche spekuliert worden: Unter anderem wurde von tschechischen Medien ein Kinderfoto veröffentlicht, dass den "Piano Man" zeigen sollte. Doch er war es nicht, genauso wenig wie ein Ire namens Dominic, den man in Norwegen erkannt haben wollte. Er habe zu Studentenzeiten in den neunziger Jahren in Oslo gelebt, berichtete die Zeitung "Dagbladet" und druckte ebenfalls zum Beweis Fotos von Dominic.

Wenige Tage nachdem die Berichte erschienen waren, hatte Dominic den Irrtum aufgeklärt: "Ich grüße alle, die ich in Norwegen kenne und will ihnen sagen, dass es mir gut geht - und dass ich keineswegs angefangen habe, Klavier zu spielen", schrieb er belustigt an die Zeitung.

Weniger lustig dürfte es allerdings in den kommenden Wochen für den 20-Jährigen aus Bayern werden. Dem "Daily Mirror" zufolge prüft die Little-Brook-Klinik in Dartford in der Grafschaft Kent, ob sie von ihrem Ex-Patienten Schadenersatz verlangen will - unter anderem finanziellen Ausgleich für die viele Zeit, die die Klinikmitarbeiter für die Suche nach seiner Identität aufbrachten.

Nun ist der Mann nach Deutschland zurückgekehrt, teilte das Auswärtige Amt heute mit. Damit endet eine Geschichte von monatelangen Irrungen, Wirrungen und Spekulationen.

Antje Sator, AFP 
 

 

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