Wie US-Unis ihre Athleten durchs Studium schummeln

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SPIEGEL ONLINE - 01. Dezember 2006, 06:12
URL: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,449926,00.html

SPORT-ASSE

Wie US-Unis ihre Athleten durchs Studium schummeln

Von Sebastian Moll

Sport ist an US-Hochschulen ein Milliardengeschäft. Wer dicke Muskeln hat, darf im Studium auch dünne Bretter bohren - in Virginia reichte einem Footballer eine Zehn-Seiten-Arbeit fürs Examen. Die Zeiten für akademische Nieten werden allerdings härter.

 

Eigentlich dachte Professor James Gundlach, er kenne seine Pappenheimer. Ein Sportnachmittag belehrte den Soziologie-Dekan der Universität von Auburn im US-Bundesstaat Virginia eines Besseren. Kurz vor dem Anpfiff des Football-Heimspiels seiner Hochschule nahm der Stadionsprecher eine akademische Ehrung vor, die eigentlich in Gundlachs Zuständigkeitsbereich gehört hätte. Der Moderator präsentierte einen muskelbepackten Offensivspieler des Teams stolz als Musterstudenten der Soziologie.

Dekan Gundlach indes hatte den jungen Mann noch nie gesehen. Auch eine Umfrage unter Kollegen ergab, dass der Sportler bisher den Fachbereich nicht betreten hatte.

Die Sportabteilung von Auburn wollte mit der Ehrung demonstrieren, dass sie den Auftrag, ihren Spitzenathleten auch Bildung zuteil werden zu lassen, ernst nimmt. Die Untersuchung, die Gundlach einleitete, ergab jedoch genau das Gegenteil: Die Sportler waren per Einzelunterricht durch den Unibetrieb geschleust worden - Vorlesungen und Seminare hatten sie nie besucht.

Tutor der Athleten war ein Angestellter des Sport-Fachbereichs, der nicht selten die Seminararbeiten, die er den Studenten aufgab, gleich selbst schrieb. Meist riet der Pseudo-Professor seinen Footballern zum Studienfach Soziologie, weil es in dieser Disziplin wenig nachprüfbares hartes Wissen gebe. Ein Defensivspieler des Football-Teams, John Langenfeld, gab zu, dass er für seinen Soziologie-Abschluss nur ein einziges Buch lesen und auf zehn Seiten zusammenfassen musste. An den Titel des Buches konnte er sich nicht erinnern.

Mit zehn Seiten zum Soziologie-Abschluss

Ganz so hatte es auch Tom Wolfe in seinem Roman "I am Charlotte Simmons" beschrieben: die Welt auf dem Campus einer amerikanischen Elite-Universität, an der Sportler ein laues Leben genießen und mit allerlei Privilegien verhätschelt werden. Die Affäre von Auburn entfachte in den USA im Sommer abermals eine breite Diskussion über Sinn und Unsinn des College-Sports.

Die Universitätsmannschaften, insbesondere in den wichtigsten Profisportarten Football und Basketball, sind große kommerzielle Unternehmen, die sich vom übrigen Hochschulbetrieb völlig abgelöst haben. Die Vollzeitsportler sind nur noch pro forma Studenten, ihre Immatrikulation ist eine Farce. Ihr wahrer Job: Sie sollen der Universität auf dem Spielfeld Prestige und Geld einzubringen.

Die Endspiele der College-Ligen im Football und im Basketball sind große nationale Fernsehereignisse. Die "March-Madness" genannte Endrunde im Basketball wird von geschätzt 25 Millionen Amerikanern gesehen. Der Fernsehsender CBS hat dem Collegesportverband NCAA für sechs Milliarden Dollar die Rechte an allen seinen Meisterschaften bis zum Jahr 2013 abgekauft.

Entsprechend üppig sind die Uni-Sportmannschaften ausgestattet. Bei Universitäten wie Texas oder Florida, die auf den sportlichen Erfolg großen Wert legen, geht man von Jahresbudgets von mehr als 40 Millionen Dollar (31 Millionen Euro) aus. Star-Trainer aus dem Profigeschäft werden angeheuert. Dem Football-Lehrer Mack Brown zum Beispiel zahlt die Universität von Texas 2,6 Millionen Dollar pro Jahr. Und bei der Football-Mannschaft der Universität von Florida beträgt allein das Reisebudget 1,2 Millionen Dollar pro Saison.

Kein Zweifel, College-Sport ist Big Business. Mit Erfolgen ihrer Teams buhlen amerikanische Universitäten auch um Studienanfänger aus zahlungskräftigen Familien. Angesichts der Mondsummen müssen die Hochschulen sich verstärkt unangenehme Fragen gefallen lassen. Warum zum Beispiel ist der College-Sportverband NCAA noch immer wegen Gemeinnützigkeit von der Steuer befreit? Längst schon ist der ursprüngliche Auftrag, eine ausgewogene Ausbildung von Körper und Geist zu gewährleisten, aus dem Blickfeld verschwunden - im Landesdurchschnitt erwerben gerade einmal 51 Prozent der so genannten Studenten-Athleten auch einen Abschluss. "Was hat das noch mit Hochschulsport zu tun?", wollte deshalb jüngst der Kongressabgeordnete Bill Thomas wissen und forderte eine Überprüfung der Steuerbefreiung für die NCAA.

Von den Milliarden sehen die Sportler nichts

Der Unterschied zwischen College- und Profiligen scheint in erster Linie noch darin zu bestehen, dass die Sportler selbst von den Milliarden, die im Collegesport fließen, wenig bis nichts bekommen. Sie sind ausgebeutete Amateure und wechseln deshalb, sobald sie dazu Gelegenheit haben, zu den Profis. Die College-Turniere sind für sie in erster Linie das Sprungbrett für eine Profikarriere - oft unterschreiben sie schon nach einem College-Jahr bei einem großen Team.

Diejenigen, deren Talent am Ende nicht für den Sprung zu den Profis reicht, sind die wirklichen Opfer der Ausbeutung durch prestige- und geldgierige Universitätsvorstände. Denn sie bekommen im Gegenzug dafür, dass sie die Massen und die Fernsehkameras in die Stadien locken, nicht einmal einen Studienabschluss, der ihnen eine Existenz nach dem Sport sichern würde. Die wenigsten Universitäten kümmern sich wirklich darum, dass ihre Athleten etwas lernen.

Das Tutorenprogramm von Auburn war lediglich ein Zugeständnis an eine halbherzige Reformregel: Seit zwei Jahren werden Mannschaften vom Turnierbetrieb ausgeschlossen, deren Sportler bestimmten akademischen Mindestanforderungen nicht genügen. Danach dürfen die Unis bis zu zehn Prozent weniger Sportlerstipendien verteilen, wenn zu viele Athleten ihr Studium abbrechen oder Prüfungen wiederholen müssen. Mini-Sanktionen, die nach Ansicht von Jim Calhoun, Trainer des Basketballteams von Connecticut, nicht ausreichen: "Man muss die Dinge doch auch aus der Perspektive der Jungs sehen und ihnen helfen, mit den doppelten Anforderungen zurecht zu kommen."

Immerhin gibt es erste Ansätze. So haben die Universitäten von San Diego und von Georgia jetzt Nachhilfezentren für ihre Sportler eingerichtet, wo ihnen nicht bloß die Hausarbeiten geschrieben werden. Michael Kennedy, ein Geographie-Professor aus Kentucky, schlug sogar vor, die Sportler erst vier Jahre spielen zu lassen und denen, die bis dann keine Profis geworden sind, nachträglich als Vergütung ein echtes Studium zu schenken.

Die Idee hat jedoch einen Haken: Die Universitäten müssten dann die Loslösung des Sportbetriebs vom Studienbetrieb eingestehen. Und dann wäre die Gemeinnützigkeit und damit auch die Steuerbefreiung garantiert dahin.




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01.12.06 09:28

8584 Postings, 7111 Tage RheumaxWo hat eigentlich

Bush studiert?  

01.12.06 09:31

61594 Postings, 6189 Tage lassmichrein??? Hat er das ???

Traut man ihm garnicht zu.... Und wie ein Quarterback sieht er ja auch nicht unbedingt aus... *ggg*  

01.12.06 09:46

51340 Postings, 7406 Tage eckiBush wäre so ein Kandidat für die Variante:

Gescheiterter Sportler kriegt hinterher noch Nachhilfe ums Studium zu schaffen.

ABer hatte  ja zu alten Bedingungen studiert. Wieviele Seiten Semesterarbeit hat er schreiben lassen? ;-)  

01.12.06 10:00

8584 Postings, 7111 Tage RheumaxBachel in Geschichte..

Bush besuchte von 1961 bis 1964 die Phillips Academy, auf der auch sein Vater gewesen war, und studierte anschließend von September 1964 bis Mai 1968 Geschichte an der Yale University, wo er, ebenfalls wie sein Vater, Mitglied des Geheimbundes Skull & Bones und des Studentenbundes Delta Kappa Epsilon war, dessen Präsident er, ebenfalls wie sein Vater, im Oktober 1965 wurde. 1968 schloss er sein Studium an der Yale-Universität als Bachelor in Geschichte ab. (aus wikipedia.de)  

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