WiWo - beim blättern entdeckt, bitte kommentieren

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neuester Beitrag: 27.02.03 18:04
eröffnet am: 27.02.03 17:09 von: volvic Anzahl Beiträge: 5
neuester Beitrag: 27.02.03 18:04 von: Gekko is ba. Leser gesamt: 215
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27.02.03 17:09

1380 Postings, 7639 Tage volvicWiWo - beim blättern entdeckt, bitte kommentieren

schon mit einem leichten schmunzel habe ich heute die storry zum thema aktien in der WiWo gelesen. wer kennt sie nicht, die heissen aktientips verschiedener magazine? und die treffer werden alle paar wochen wiederholt, die nieten-tips einfach schnell tot geschwiegen. hat man 1999/2000 und 2001 noch bei jedem 15-20% kursrückgang eine kaufchance gesehen, so wars 2002 schon anders. erste vorsichtige berichte haben auch von verschiedenen aktien abgeraten.
was man heute zu lesen kriegt geht dann aber extrem in die richtung "übervorsichtig". da werden titel wie GENERAL ELECTRIC, MICROSOFT, DELL, etc. angepriesen. alles werte die man auch schon in der vergangenheit zu 3-4fachen kursen mit "strong buy" empfohlen hat. aber heute ist alles anders. die unternehmen seien zwar gut, aber irgend ein haar in der suppe hat man bei allen gefunden. zu viele schulden, zu wenig wachstum, etc. etc. vor allem diese unverschämten KGV´s zwischen 15 uns 20 geben den vorsichtigen redakteuren der WiWo doch ARG zu denken. nein, der clevere leser soll die aktien im auge behalten, aber lieber erst später zugreifen. GE bei 12 dollar, Microsoft bei 10 dollar und Intel bei 6 bis 8 dollar. gegen diese preise hätte ich nichts einzuwenden, wahrlich nicht. aber wenn ein magazin bei "besonders aussichtsreichen" kandidaten dazu rät auf im schnitt nochmal 50% kursrückgang zu warten, nachdem die kurse nun schon 3 jahre erheblich gelitten haben und meistens 60-90% unter höchstkurs stehen, dann fragt sich der geneigte leser doch unweigerlich: ist das jetzt nicht vielleicht ein bischen zuviel des guten mit der vorsicht? und was wenn die papiere diese kursziele erreichen? gibt WiWo aus angst die leute könnten die aktien dann tatsächlich kaufen schnell die parole aus von diesem niveau nochmal auf einen "kleine" 75% korrektur zu warten, weil alles noch zu teuer wäre?
im grunde ist die vorsicht und die kritische einstellung zu den unternehmensbilanzen, gewinnwachstumen, etc. absolut lobenswert. aber sie zeigt auch wie schlecht recherchiert und unvorsichtig in den letzten 5 jahren private anleger per medienrummel in den markt getrieben wurden.

und nun meine frage an euch: deutet sich langsam eine übertreibung in total-pessimismus an?

volvic
 

27.02.03 17:26

1380 Postings, 7639 Tage volvicwieder zuviel text?

muss ich mich mehr auf 5 zeiler konzentrieren, damit das auch gelesen wird?

volvic  

27.02.03 17:31

348 Postings, 6866 Tage Gekko is backlangsam ist gut ;-)

Mal ganz ehrlich, falls die oben postulierten Kursziele erreicht werden würden, dann hätten wir wahrscheinlich ganz andere Probleme als fallende Aktienkurse ...

Z.B. die Schweiz reiht sich in die Achse des Bösen ein und wird kurzerhand anektiert ;-) (uups, dass war wohl doch etwas geschmacklos).

Die aktuelle Bewertung (deutscher Gesamtmarkt) wäre aus meiner Sicht nur gerechtfertigt, wenn sich Deutschland auf ein 10 Jahre währendes Null-Wachstum bzw. Rezession zubewegt. Das dies nicht auszuschließen ist, zeigt ja Japan. Dennoch bin ich ein viel zu großer Optimist, um davon auszugehen. Trotz, oder gerade wegen seiner vielen Probleme, schlummert ein sehr großes Potenzial in diesem Land. Wenn man nicht daran glaubt und/oder nicht bereit ist mit anzupacken, um dieses Potenzial zu heben, dann sollte man sich vielleicht fragen, ob man hier wirklich richtig ist / was man eigentlich erreichen will.

Das ist ja wieder schön pathetisch geworden, sorry for that ;-)

Um noch mal kurz auf den Punkt zu kommen: habe schon ein paar mal die Frage aufgeworfen, ob für einzelne Werte (vor allem Bayer & Thyssen) der Wendepunkt nicht bereits vor einer "Lösung" des Irak-Konflikts kommen könnte. Leider ist noch keine wirkliche Diskussion darüber entstanden ...  

Hasta luego - Gekko  

27.02.03 17:47

1380 Postings, 7639 Tage volvicich denke wir haben die

"ganz anderen" probleme schon jetzt. schau dir doch mal die deutsche versicherungs und bankenbranche an. so wie die im moment rotieren glaube ich sind die erledigt bei DAX kursen von unterhalb 1600 punkten. klar, die sehen wir nicht von heute auf morgen, aber in 6 monaten, wer weiss? ich bin mir zwar auch recht sicher, bevor eine deutsche bank pleite geht greifen die anderen stützend ein, und natürlich auch die regierung. aber wenn erstmal alle mit dem rücken zur wand stehen ist es nicht mehr so leicht einen schritt zurück zu machen und jemanden aufzufangen.

wundere mich sehr wie wenig deutsche unternehmen gegen risiko abgesichert sind. wenn ich weniger umsatz mache, dann verdiene ich eben weniger. aber ich mache noch sehr sehr lange gewinn, auch mit nur 25% des normalen umsatzes. und selbst wenn ich minimale verluste schreibe, die rücklagen reichen da locker für 10 jahre durststrecke aus. wie können super clevere grossunternehmen sich da so ins abseitz manövrieren, dass sie bei einer noch deutlicheren dax schwäche hops gehen?

volvic  

27.02.03 18:04

348 Postings, 6866 Tage Gekko is back@volvic

Das Risikoproblem ist aus meiner Sicht ein eher ein Strukturelles und weniger ein Managmentproblem. Die Kapitalstruktur deutscher Unternehmen setzt sich im Schnitt aus erheblich weniger Eigen-, dafür umso umso Fremdkapital, als z.B. bei US-Unternehmen zusammen. Den Hauptgrund dafür sehe ich in der durchschnittlichen Investitions- und Wertaufbewahrungspräferenz der Deutschen. Denn das Fremdkapital, welches durch die Banken bereit gestellt wird, kommt ja auch nicht aus dem nichts. Das sind größtenteils die Gelder der braven Sparer, die es vorziehen, die Anlageentscheidung den Banken zu überlassen.

Das wirkt in einer solchen Phase wie ein gewaltiger Leverage. Aber nach oben genauso, wie nach unten.

Ausnahmen sind rar und vor allem durch politische Gründe erwachsen (siehe die unglaublich solide und günstige Refinanzierung der Versorger Eon und RWE über Rückstellungen).

Aus meiner Sicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine spekulative Attacke dieses System zum Einsturz bringt, relativ gering. Ich sehe einfach die fundamentale Begründung. Doch die braucht es meistens, da solche Attacken für gewöhnlich nur schneller Probleme aufdecken und beschleunigen.

Gruß - Gekko  

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