Wenn muslimische Mädchen auf ihre jüdische

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neuester Beitrag: 07.12.06 18:56
eröffnet am: 05.12.06 22:09 von: johannah Anzahl Beiträge: 14
neuester Beitrag: 07.12.06 18:56 von: Karlchen_II Leser gesamt: 2435
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05.12.06 22:09
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3488 Postings, 5527 Tage johannahWenn muslimische Mädchen auf ihre jüdische

Mitschülerin losgehen.

Muslimischer Antisemitismus war in Deutschland lange ein Tabu-Thema. Bis herauskam, dass ein jüdisches Mädchen auf einer Berliner Schule monatelang gedemütigt wurde. Am Ende konnte es nur noch unter Polizeischutz zur Schule gehen.

Von Jana Hensel

Berlin - Trotz ihrer Außergewöhnlichkeit ist diese Szene längst zur Normalität geworden: wenn die Kinder der Jüdischen Schule in Berlin-Mitte das schwere, eiserne Schultor verlassen und auf die Straße hinaus laufen, schauen ihnen Überwachungskameras zu. Die Kleinen verlieren sich in alle Richtungen, während die Großen noch ein wenig, einen Kaffee in der Hand, auf dem Gehweg in der Großen Hamburger Straße herumstehen und mit den beiden Polizisten, die hier ständig postiert sind, eine rauchen. Sie könnten in dieser Szene, die überall anders eine friedliche wäre, die großen Kumpels der Jungen und Mädchen sein.

In Kreuzberg sieht es noch mal anders aus. An der Lina-Morgenstern-Schule wurde, wie erst jetzt bekannt wurde, ein 14-jähriges jüdisches Mädchen monatelang wiederholt von muslimischen Jugendlichen wegen ihres Glaubens beschimpft und gedemütigt, sodass sie schließlich unter Polizeischutz zur Schule gegangen ist. Dem RBB erzählte sie, wie ein vielleicht normaler Streit zweier pubertierender Mädchen eskalierte.

Nachdem ein arabischstämmiges Mädchen sie ?Scheiß-Jüdin? genannt und geschlagen hatte, wird diese zwei Tage von der Schule suspendiert. Doch schon am nächsten Tag steht eine Gruppe muslimischer Jugendlicher vor dem Schultor. Einer von ihnen ruft: ?Wer ist denn hier das jüdische Mädchen??, und als sie loszulaufen beginnt, laufen ihr die anderen hinterher. Eine Glasflasche wird nach ihr geworfen, sie rettet sich schließlich in einen Hausflur und wartet dort, bis die Bande abzieht. Mit der Drohung wiederzukommen.

Das nächste Mal sind es zwei arabische Mädchen, die das jüdische Mädchen auf dem Schulhof bespucken, schlagen und zu ihr sagen: ?Du dreckige Scheiße, geh dich aufhängen.?

Allein in diesem Jahr soll es, Experten zufolge, 190 solcher antisemitischen Vorfälle in Berlin gegeben haben. Das sind rund 50 Prozent mehr als in den Jahren zuvor. Immer häufiger treten dabei muslimische Jugendliche mit türkischer oder arabischer Herkunft in Erscheinung.

Das Büro von Tatjana Glampke liegt nah der Neuköllner Rütli-Straße. Es ist im vierten Stock einer der typischen Fabriketagen, die sich weiträumig in vielen Berliner Hinterhöfen ausbreiten. Die junge Diplom-Pädagogin kennt die Lina-Morgenstern-Schule. Sie kennt auch das jüdische Mädchen, und erzählt, dass es in deren Klasse eine große Solidarität nach den Vorfällen gegeben habe.

Seit fast zehn Jahren betreibt sie mit ihrem Kollegen Peter Wagenknecht das Aufklärungsprojekt ?Tacheles-Reden?. Sie laden Schüler der oberen Klassen zu Antisemitismus-Workshops ein und erzählen, dass das Thema erst in den vergangenen Jahren auch im Unterricht stärkere Beachtung findet.

Viele Berliner Migrantenkinder zählen zu ihren Schülern. Die beiden Akademiker sind vorsichtig, wenn sie ihre Sätze sprechen. Sie haben Angst, die Sache mit dem muslimischen Antisemitismus aufzubauschen oder in einen alarmistischen Ton zu verfallen. Sie betonen, dass auch von deutschen Schülern relativierende oder zumindest distanzierende Bemerkungen zu hören sind. Dennoch sagt Peter Wagenknecht: ?Das Wort ,Jude? ist dabei, auf den Hitlisten der Schimpfwörter neben ,Opfer? weit nach oben zu wandern.?

Nachdem in der Arbeit vor ein paar Jahren eher soziale Themen der Integration im Vordergrund standen, über das Leben der Migranten in zwei Welten gesprochen wurde, erleben sie die muslimischen Jugendlichen heute sehr ?religiös politisiert?. Man findet sich schnell in religiösen Diskussionen mit ihnen wieder, auch wenn, wie Tatjana Glampke sagt, deutsche Rechtsradikale viel gewalttätiger sind als Muslime, deren Antisemitismus verbal stattfindet.

Für die Jüdische Gemeinde zu Berlin liegt das Problem auf der Hand. Dort wird den Eltern geraten, ihre Kinder auf die jüdischen Schulen zu schicken, denn nur hier seien sie vor Übergriffen geschützt. Und auch die Leiterin der Schule, Elke Witting, hat gegenüber dem ?Tagesspiegel? bestätigt: ?Wir haben pro Klasse mindestens einen Schüler, der wegen antisemitischer Vorfälle von einer anderen Schule gewechselt ist.? Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, widerspricht seinen Glaubensgenossen: ?Mit allem Respekt vor der Jüdischen Gemeinde, genau das ist das falsche Signal?, sagt er. ?Ich halte nichts von Ghettoisierung. Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen: wie gehen wir mit der Gewaltbereitschaft an Schulen um!?

Es scheint wenige Menschen in Deutschland zu geben, die sich mit dem Problem eines immer stärker werdenden muslimischen Antisemitismus beschäftigen. Zahlen und Studien darüber gibt es bisher nicht. Die Berliner Oranienstraße ist das liberale Aushängeschild des multikulturellen Kreuzberg. Hier liegen türkische Gemüseläden neben linken Buchhandlungen und schicken Sushi- oder Burger-Läden. Ein urbanes Publikum begegnet hier von jeher einer zugewanderten Bevölkerung. Aber dennoch, die Anziehungskraft des Kiezes hat nachgelassen, er ist von anderen Stadtbezirken ein wenig ins Abseits gedrängt worden, von Stadtbezirken, in denen die Probleme nicht in solcher Schärfe sichtbar werden.

Genau deswegen könnte jemand wie Aycan Demirel einer der Männer des 21. Jahrhunderts werden. Vom Schreibtisch seines Büros schaut er auf die Oranienstraße. Über seinem Computer an der Wand hängt eine Klarsichtfolie, in der man seine grüne Einbürgerungsurkunde aus dem Jahr 2005 wie ein Kunstwerk betrachten kann. Er selbst hat mit rotem Edding ?100 % Staatsbürger? quer über die Folie geschrieben.

Vor drei Jahren gründete der Türke, der seit 16 Jahren in Berlin lebt, die ?Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus? ? eine der weltweit wenigen arabisch-migrantischen Projekte dieser Art. Bevor Bundespräsident Horst Köhler nach Israel fuhr, traf er sich unter anderem mit Aycan Demirel, um sich zu beraten und hat dann in der Knesset erzählt, dass in Kreuzberg türkische und arabische Jugendliche nach jüdischen Wurzeln suchen würden.

Und das tun sie tatsächlich. Überall an den Wänden hängen Pläne des umliegenden Kiezes, auf denen die jüdische Geschichte der Straßen eingezeichnet wurde.

Trotzdem will Aycan Demirel die Sache nicht beschönigen. Schon vor zehn Jahren war er schockiert über die ?vehementen? Äußerungen von Jugendlichen. Israelfeindlichkeit gehörte schon da zum anerkannten Vokabular. Mehr noch will Demirel beobachtet haben, wie diese Äußerungen gerade hier, im multikulturellen Kreuzberger Milieu, von lokalen Akteuren mit Duldung und mitunter Sympathie lange toleriert wurden. Man wollte die oft aus Palästina oder dem Libanon stammenden Jugendlichen aus ihrer Herkunftsgeschichte verstehen können.

An ein Erlebnis erinnert er sich noch heute: Eine Gruppe junger Mädchen lernte Volkstanz, ein palästinensisches, elfjähriges Mädchen unter ihnen kam heimlich zu den Proben. Als es zu einer Aufführung kommen sollte und es dem Mädchen wieder verboten war, daran teilzunehmen, sagte die Mutter: ?Meine Tochter kann sich ohne meine Erlaubnis in Israel in die Luft sprengen, aber sie wird ohne meine Erlaubnis nicht an der Aufführung teilnehmen.? Das Mädchen war in Deutschland geboren.

Durch die Oranienstraße ziehen hupende Autokarawanen in so einer ohrenbetäubenden Lautstärke, da hätte Deutschland mindestens Fußballweltmeister werden müssen. Aycan Demirel bemerkt den Lärm gar nicht, er spricht weiter und erinnert sich allenfalls daran, letzte Woche zur Hochzeit seiner Cousine auch so durch die Straßen gefahren zu sein.

Nach dem 11. September 2001 könne man auch hier, parallel zu den arabischen Herkunftsländern, eine erstarkte Hinwendung zum Islam und damit zum Islamismus feststellen. Viele der Familien leben mitten in Kreuzberg in der ?desintegrierenden Satellitenwelt arabischer Sender?, die sie immer stärker vom deutschen Alltag isoliert.

Der Zwischenfall an der Lina-Morgenstern-Schule ist für Demirel ?zum Glück noch ein seltener, aber keineswegs ein Einzelfall. Viel gefährlicher ist, dass das Jüdische als das absolut Böse überhaupt angesehen wird.? Auch wenn er differenziert: ?Bei arabischstämmigen Jugendlichen ist der Mainstream von Stereotypen wie Holocaust-Leugnung, teilweiser Hitler-Bewunderung, Israel-Feindlichkeit, offener Antisemitismus sehr stark ausgeprägt.

Bei jungen Türken ist das anders und kommt erst dann zum Vorschein, wenn sie mit islamistischen Organisationen oder Moscheevereinen sowie mit arabischen Gleichaltrigen in Kontakt geraten.? Das sehe er nun auch in den Kursen, die er mit den Jugendlichen durchführt. Egal, ob man dort über Liebe oder Sexualität redet, ?irgendwann kommt man immer zum Juden?.

Menschen wie Aycan Demirel werden im Westen gebraucht wie nie zuvor. Er könnte, doch zum Ende des Jahres läuft die Bundesförderung für die ?Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus? aus, noch eine Weile soll das Büro ehrenamtlich betrieben werden, auch wenn seine Arbeit, wie Aycan Demirel sagt, mehr als ein Fulltimejob ist. Dann wird es irgendwann wohl geschlossen werden. Ausgerechnet in dem Moment, in dem die deutsche Öffentlichkeit ein lange unterschätztes Problem ein wenig zu bemerken beginnt.

Artikel erschienen am 05.12.2006

WELT.de 1995 - 2006  

05.12.06 22:16
1

957 Postings, 5043 Tage ottifant29oh gott bitte nicht schon wieder dieses thema o. T.

 
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06.12.06 00:39
1

3488 Postings, 5527 Tage johannah"oh gott bitte nicht schon wieder .... "

Warum nicht?
Ist denn dieses Thema so plattgetreten, daß es sich nicht mehr lohnt seinen Hirnschmalz dafür einzusetzen?

Nein!
Gerade solche Geschehnisse wie Mißhandlungen von Andersgläubigen durch Andersgläubige in DE sind extrem wichtig und verdienen es, im Fokus der Diskussionen zu sein / zu bleiben.

MfG/Johannah  

06.12.06 00:43

9045 Postings, 7069 Tage taosIn Deutschland

waren Juden immer sehr willkommen.

Sie brauchen nicht arbeiten und bekommen Geld ohne Ende.

Taos
 

06.12.06 01:52
1

3488 Postings, 5527 Tage johannahLöschung


Moderation
Moderator: Talisker
Zeitpunkt: 06.12.06 07:23
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für 12 Stunden
Kommentar: Regelverstoß - inhaltlich bin ich bei dir - aber Beleidigung ist Beleidigung

 

 

06.12.06 09:11

21368 Postings, 6858 Tage ottifant@johannah

Von Talisker lasse ich mich gerne sperren, er hat immer so einen netten Kommentar.  

06.12.06 09:19
5

50060 Postings, 5977 Tage SAKUSo ne shice!

Brauchen wir jetzt etwa schon Muslime, die ausgerechnet uns Deutschen zeigen, wie man mit Juden umgehen muss?!? *kopfschüttel*

So weit isses also schon gekommen - verweichlichte Gesellschaft hier. Multikulti-Dingenskirchens und so weiter und so fort!

Nur mal ne Frage: Wo is der Unterschied, zwischen
Muslime hauen Juden auf's Maul
Muslime hauen Christen auf's Maul
Christen hauen Juden auf's Maul
Christen hauen Muslimen auf's Maul
Juden hauen Muslimen auf's Maul
Juden hauen Christen auf's Maul
...
__________________________________________________
VIVA ARIVA  

06.12.06 09:47

25551 Postings, 6898 Tage Depothalbiererscheiß religionsfreiheit. warum kann man das

gedöns nicht europaweit aus der öffentlichkeit verbannen??

sparte einen haufen geld und ärger...  

06.12.06 10:39
2

51340 Postings, 7228 Tage eckiIhren Nahostkrieg sollen sie gefälligst

daheim austragen und auch lösen. Und wer hier in D andersgläubigen auflauert, der ist noch nicht in unserer Verfassung angekommen. Egal ob Türke, Araber oder Neonazi.

Verknacken zu gemeinnütziger Tätigkeit bis zum abwinken.  

06.12.06 11:01
1

441 Postings, 5030 Tage nasgulEs gibt da im Netz ne wunderbare Seite

mit de-Domain:

http://www.politicallyincorrect.de

Die ist nicht nur proamerikanisch, Pro-Israel und gegen die Islamisierung Europas, nein die sind auch noch, und wer kann das heute noch von sich behaupten, für Grundgesetz und Menschenrechte. Und das Beste daran, da darf man nach Registrierung sogar Kommentare zu den eingestellten Artikeln auf wirklich "extrem" hohem Niveau anbringen. Von Löschungen und Sperrungen ist mir da nichts bekannt. Also ein Hoch(genuss) auf Menschenrechte, Grundgesetz und natürlich die alles überragende Meinungsfreiheit!  

06.12.06 11:41

1894 Postings, 5163 Tage FintelwuselwixMeine Fresse!

Ist das hier der Stammtisch der Bildzeitungsleser, oder was? Oder war das bei einigen hier satirisch/zynisch gemeint (erkennt man ja leider bei geschriebenem Text eher schlecht?
Aber wenn die Meinung von Taos wirklich ernst gemeint war und kein Zynismus, na dann gute Nacht!

@Johannah: Es ist immer das gleiche, ein schlimmes Wort auszusprechen (möglicherweise gegenüber einer "wichtigen" Person) ist in diesem Land eine schlimmere Straftat als ein körperlicher Angriff. Tja, das kann man nur akzeptieren und verzweifeln....  

07.12.06 01:18

97978 Postings, 7327 Tage Katjuscha#1,Oh, Jana Hensel hat nen neuen Job

Find ich das interessanteste an dem Thread hier. :)  

07.12.06 18:53
1

9045 Postings, 7069 Tage taos"Jude" wird zum Mode-Schimpfwort

SPIEGEL ONLINE - 07. Dezember 2006, 16:49
URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,453133,00.html

ANTISEMITISCHE WELLE AN SCHULEN

Jüdische Schüler fliehen vor Nazis und aggressiven Muslimen

Von Jan Friedmann und Björn Hengst

Rechtsextreme Jugendliche und junge Muslime kultivieren einen Hass, der in Deutschland jahrzehntelang für undenkbar gehalten wurde: Sie machen Jagd auf jüdische Mitschüler. Politische Appelle verhallen an vielen Schulen ungehört. "Jude" wird zum Mode-Schimpfwort.

Berlin/Hamburg - Die Jüdische Oberschule in Berlin-Mitte gleicht einem Hochsicherheitstrakt: Wer den imposanten Altbau in der Großen Hamburger Straße betreten will, muss eine Sicherheitsschleuse passieren. Das Gelände ist von einem meterhohen Zaun umgeben, Kameras überwachen jede Bewegung, Polizisten stehen vor dem Gebäude Wache.

DPA

Ein Hausmeister einer Berliner Schule übermalt Hakenkreuze: Antisemitische Vorfälle häufen sich

"Wir sind kein Ghetto", stellt Schulleiterin Barbara Witting klar. "Wir bieten Kindern Schutz, die an anderen Schulen Diskriminierung fürchten müssen." Und solche Übergriffe hätten in den vergangenen zwei Jahren stark zugenommen, beklagt die Direktorin. "Ich habe immer gedacht, dass Juden in Deutschland integriert seien. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass sich Antisemitismus so virulent äußert wie zuletzt."

Zu Wittings Schülerinnen zählen seit dieser Woche auch zwei Mädchen, die bis vor kurzem die staatliche, nicht-konfessionelle Lina-Morgenstern-Oberschule in Berlin-Kreuzberg besuchten. Ihr Leiden hatte für Aufsehen gesorgt: Eine der beiden Freundinnen, 14 Jahre alt, war über Monate hinweg von arabischstämmigen Jugendlichen antisemitisch beschimpft, geschlagen und bespuckt worden. Ihr Schulweg wurde zum Spießrutenlauf, ihre Peiniger lauerten ihr auf und jagten sie durch die Straßen. Am Ende musste das Mädchen auf dem Schulweg sogar unter Polizeischutz gestellt werden.

Antisemitismus nimmt zu

Die Vorfälle in Kreuzberg sind besonders drastisch, doch keine Ausnahme: Der Berliner Senat listet in seiner Studie "Gewaltsignale an Berliner Schulen 2004/2005" unter dem Stichwort "(Rechts-)Extremismus" 62 gemeldete Vorfälle auf, ein starker Anstieg gegenüber dem Vorjahr, in dem nur 39 Fälle gemeldet wurden. Unter der Kategorie fasst der Senat "antisemitisch, rassistisch/fremdenfeindlich, rechtsextrem, volksverhetzend oder fundamentalisch/islamistisch motivierte Äußerungen" von Kindern und Jugendlichen zusammen.

Ein Schüler einer Hauptschule im Bezirk Steglitz-Zehlendorf sagte im Unterricht: "Juden müssen alle vergast werden." In Friedrichshain-Kreuzberg sperrten Schüler einen Mitschülern mit den Worten "Jetzt drehen wir den Gashahn auf" in den Chemieraum ein. Ein ausländischer Grundschüler beleidigte in Treptow-Köpenick seine Lehrerin mit den Worten "Jude, Hexe, Seekuh". Als in Friedrichshain-Kreuzberg eine pädagogische Mitarbeiterin einen Streit zwischen Schülern schlichten wollte, bekam er entgegen geschleudert: "Verpiss dich, Jude."

Und die antisemitische Welle scheint sich zu verstärken: Im laufenden Jahr registrierten die Berliner Behörden bereits im November mehr antisemitische Vorfälle als im gesamten Vorjahr. Auch das EU-Beobachtungszentrum zu Rassismus und Gewalt kritisierte jüngst in einer Studie antisemitische, rassistische und rechtsextreme Vorfälle an deutschen Schulen.

Rechtsextreme kopieren Nazi-Parolen

In Grimmen in Vorpommern machten in dieser Woche rechtsextreme Jugendliche gegen eine Anne- Frank- Ausstellung mobil und verunglimpften das Tagebuch als Fälschung. In Parey in Sachsen-Anhalt zwangen im Oktober mehrere Jugendliche ihren 16-jährigen Mitschüler dazu, in der großen Pause mit einem Schild über den Schulhof zu gehen. Darauf geschrieben stand: "Ich bin im Ort das größte Schwein, ich lass mich nur mit Juden ein." Es ist ein Spruch aus der Nazizeit, mit ihm wurden damals Menschen angeprangert, die mit jüdischen Mitbürgern befreundet waren.

Eine Lehrerin griff ein, befreite den Jungen von dem Schild und alarmierte die Polizei. Derzeit laufen noch die Ermittlungen gegen die 14- bis 16-jährigen Jugendlichen wegen Volksverhetzung, Nötigung und Beleidigung, in einem Fall gibt es auch den Tatvorwurf der Körperverletzung.

Die Jüdische Gemeinde Berlin warnt bereits vor einer "neuen Dimension des Antisemitismus". Neben Anfeindungen von Rechtsextremen schlage jüdischen Kindern auch zunehmend Hass von muslimischen Jugendlichen entgegen. Die Gemeinde rät Eltern, ihre Kinder bei Konflikten lieber auf jüdische Schulen zu schicken - dort seien sie zumindest sicher.

Kippa wird aus Angst versteckt

Doch die Schutzzone endet außerhalb der Schulmauern: Eine Schulklasse der Jüdischen Oberschule wurde von einer anderen Berliner Schulklasse in der S-Bahn massiv antisemitisch beleidigt, religiöse jüdische Jugendliche verbergen ihre Kippa unter einer Mütze, wann immer sie auf die Straße gehen.

Die Vorfälle veranlassten den CDU-Politiker Peter Trapp, Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus, eine Anfrage an den Senat zu stellen: Wie viele derartige Übergriffe unter Jugendlichen gab es jüngst, will Trapp wissen, wie viele davon können "dem rechtsextremen Lager zugeordnet" werden, wie viele Jugendlichen, "die nicht deutscher Herkunft sind". Auf seine Anfrage hat der Abgeordnete noch keine Antwort erhalten, die Beantwortungszeit ist nach Angaben der CDU-Fraktion außergewöhnlich lang.

Dabei bemühe sich die Politik durchaus, sagt Schulleiterin Witting, sie dringe mit ihren Projekten und Appellen nur häufig nicht durch. Viele arabische Jugendliche seien so verbohrt, dass man nicht mehr an sie herankomme, beklagt Witting. "Und die Lehrer lassen es zu, dass ihre Schüler Judenwitze erzählen."

"Jude" als Mode-Schimpfwort

"Das Wort 'Jude' wird von Schülern zunehmend abfällig benutzt, und auf der Hitliste der Schimpfwörter ist es weit nach oben geklettert", berichtet Peter Wagenknecht vom Projekt "Bildungsbausteine gegen Antisemitismus" in Kreuzberg. Wagenknecht und seine Mitstreiter klären, derzeit noch mit Bundesmitteln gefördert, in Workshops und Schulbesuchen Jugendliche über Antisemitismus auf.

Allerdings sei, wer Jude als Beleidigung benutze, nicht automatisch ein Antisemit, sondern handle vielfach gedankenlos. "Viele Schüler empfinden die besondere Brisanz des Schimpfwortes 'Jude' gar nicht mehr, es geht ihnen einfach um einen Tabubruch." In ähnlicher Weise gebrauchten Schüler auch das Wort "Opfer" als Schimpfwort, um jemanden als schwach zu stigmatisieren.

Als er Anfang der neunziger Jahre mit Jugendarbeit angefangen habe, sei Antisemitismus noch kein Problem gewesen, erzählt Wagenknecht. Heute speise er sich häufig aus zwei Quellen: Schüler aus arabischen oder türkischen Familien seien durch den Nahost-Konflikt politisiert, ihre "israelfeindliche Haltung" gehe bisweilen fließend in Antisemitismus über. Deutsche Jugendliche mit rechtsextremen Tendenzen seien dagegen ideologisch vorgeschult und brächten ein entsprechend verzerrtes Vorwissen über Juden und das Judentum mit.

Sorge bereitet Wagenknecht, dass sich aus Angst immer weniger jüdische Schüler vor ihren Klassenkameraden zu ihrem Hintergrund bekennen: "Sie wollen sich nicht outen, das ist dann in der Klasse häufig nicht bekannt, und die Lehrer erzählen es nicht weiter." Der Rat käme häufig von den eigenen Eltern, die ihren Kindern Konflikte und Anfeindungen ersparen wollen.

Schulleiterin Witting sagt: "Wir sind mittlerweile die einzige Schule in Berlin, an der sich jüdische Kinder zu ihrer Identität bekennen können. Anderswo müssen sie sich der Mehrheit anpassen."




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07.12.06 18:56

12175 Postings, 6912 Tage Karlchen_IIDen anti-semtischen Muslimen würde ich zeigen,

wo der Ausgang ist.

Und den Nazis muss man sowieso in den Arsch treten - sollte Konsens sein.  

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