Was aus Wunderkind Lars Windhorst wurde..

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eröffnet am: 22.04.03 15:49 von: Slater Anzahl Beiträge: 2
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22.04.03 15:49

44542 Postings, 7132 Tage SlaterWas aus Wunderkind Lars Windhorst wurde..

Tristesse statt Träumereien

Lars Windhorst, einstiger Junior-Star der deutschen Wirtschaft, ist schwer angeschlagen. Seine ehrgeizigen Pläne sind gescheitert, Millionenschulden kann er nur in kleinen Raten abstottern.

SPIEGEL ONLINE
Der Ex-Star und der Filmstar: Windhorst und Michael Douglas bei der Einweihungsfeier einer gemeinsamen Firma in Berlin im Jahr 2000
Die Phase des Schattenboxens hat er bereits hinter sich gelassen. Jetzt kämpft Lars Windhorst, 26, Mann gegen Mann. "Wenn man am Anfang so 10- bis 15-mal eins auf die Nase kriegt, ist das schon eine unangenehme Sache", erzählt der Jungunternehmer von seinen regelmäßigen Besuchen in einem Berliner Boxkeller.

Beruflich wirkt Windhorst noch angeschlagener. In seinem überdimensionierten Nobelbüro mit der schwarzen Ledersitzgruppe bewegt er sich wie ein unsicherer Verkäufer für Chefmöbel. Dort, im 13. Stockwerk am Potsdamer Platz 1, sinniert der schmächtige junge Mann derzeit über seinen tiefen Fall. "Ich habe mich verzettelt", gibt er offen zu.

Jetzt, da seine geplanten Riesenprojekte geplatzt sind, verkneift er sich großspurige Ankündigungen. "Die glaubt sowieso keiner mehr", meint Windhorst nüchtern.

Tristesse statt Träumereien: Die Belegschaft schrumpft unaufhaltsam, vor wenigen Tagen verließ ein weiterer enger Mitarbeiter das Unternehmen. "Rund 16" bleiben übrig, so genau weiß er das angeblich nicht. Die Büros in Asien und im Mittleren Osten wurden inzwischen ausgelagert. Dort arbeiten nur noch Repräsentanten auf Provisionsbasis.

"Die vergangenen drei Jahre waren schwierig", räumt Windhorst ein. Die Liquiditätslage sei angespannt. Monat für Monat muss er einen millionenschweren Schuldenberg abtragen. Windhorst ist wieder da, wo er angefangen hat - ziemlich weit unten. Und das schon zum zweiten Mal.

Einst galt er als deutsche Antwort auf Bill Gates: ein junger Firmengründer, der schon als 15-Jähriger Computerteile gehandelt hat. Stolz präsentierte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl das gefeierte Wunderkind der deutschen Wirtschaft auf Reisen nach Amerika und Afrika an seiner Seite.

Binnen weniger Jahre wollte Windhorst die ganze Welt erobern. Er gründete eine Firma nach der anderen, herrschte schließlich über ein stattliches, internationales Imperium - zumindest auf dem Papier. Er verkaufte Computer, Elektronikteile und vieles mehr. Von fast 400 Mitarbeitern und 180 Millionen Mark Umsatz war 1996 in der Presse die Rede. Belegt wurden solche Zahlen nie.

Wie im Rausch erzählte er damals überall von immer neuen Großprojekten. Kaum ein Weltkonzern, mit dem der Frühreife angeblich nicht im Geschäft war. Ob Immobilien, Chemie oder Computer - Windhorst mischte überall mit.

"In den Jahren 1994 bis 1996 haben wir gut verdient", schwärmt er noch heute von seinem kometenhaften Aufstieg, dem die Asienkrise ein jähes Ende setzte. Beinahe gleichzeitig wurden manche seiner gigantischen Pläne als Party-Prahlereien entlarvt. Der vermeintliche Weltkonzern entpuppte sich als unspektakuläre Mittelstandsklitsche.

Dass der Mitte der neunziger Jahre angekündigte Windhorst Tower in Vietnam als teure Planungsleiche endete, passte da exakt ins Bild. Plötzlich war vom "Windei" und "Windbeutel" die Rede, Gerüchte über krumme Geschäfte ruinierten seinen Ruf. Danach wurde es ruhiger um ihn.

Im Jahr 2000 war Windhorst wieder da, er zog von seinem westfälischen Heimatort Rahden nach Berlin - und es war fast wie früher: Prominente wie Michael Douglas, damals zusammen mit Windhorst Teilhaber des US-Filmhändlers American Entertainment, feierten mit ihm den Umzug ins 1000-Quadratmeter-Prunkbüro in bester Hauptstadtlage.

Woher das Geld für Sushi und Champagner kam, wusste niemand so genau. Auf die Publikation konkreter Zahlen verzichtete er wie schon früher. Seine neu gegründete Firma Windhorst New Technologies AG plante den Gang an die Börse. Elektronikhandel und Beteiligungen an Internet-, Telekommunikations- und Medienunternehmen sollten ihm endlich zum Durchbruch verhelfen.

Vermutlich war er aber zu diesem Zeitpunkt knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. "Mit den Gläubigerbanken Delbrück und Deutsche Bank kam es zu einer Umschuldung", behauptet ein ehemaliger Mitarbeiter.

"Restrukturierung", nennt Windhorst diesen Vorgang heute, mehr dürfe er dazu auf Grund vertraglicher Vereinbarungen nicht sagen. Der zuständige Delbrück-Bankier heuerte am Ende bei ihm an.

Dass der Börsengang nie zu Stande kam, empfindet er inzwischen als Segen. Tatsächlich wären seine unorthodoxen Methoden einer nachhaltigen Kursentwicklung wohl eher abträglich gewesen.

Symptomatisch ist seine wenig erfolgreiche Personalpolitik und die entsprechend hohe Fluktuation. So engagierte er beinahe einen syrischen Geschäftsmann, gegen den Schweizer Behörden angeblich wegen verschiedener Delikte ermitteln. "Der wurde mir von einer renommierten Genfer Bank empfohlen", verteidigt Windhorst den Fehlgriff.

Nach wie vor pflegt er seinen Hang zu großen Namen und schillernden Persönlichkeiten. Seit geraumer Zeit umgibt er sich alle paar Monate mit einem älteren Herrn, der neben dem deutschen auch den nigerianischen Pass besitzen soll. "Dr. U" nennen Ex-Mitarbeiter den ominösen Geschäftsmann, gegen den die Bochumer Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit angeblichen Schmiergeldzahlungen der MAN-Tochter Ferrostaal an den nigerianischen Ex-Diktator Sani Abacha ermittelt. Die fraglichen Gelder sind derzeit bei der Luxemburger Tochter der Privatbank M. M. Warburg gesperrt.

"Ich kenne Herrn U.", bestätigt Windhorst einsilbig, "aber ich habe keine geschäftlichen Beziehungen mit ihm." Doch wie der Zufall so spielt, stellte er vor zwei Jahren ausgerechnet auch noch den Bankier ein, der bei Warburg in Luxemburg für die Abacha-Position verantwortlich war.

Schnell war der Jungunternehmer damals von der Idee begeistert, diese erstklassigen Beziehungen für den Aufbau einer Vermögensverwaltung zu nutzen - als Herzstück sollten die Reichtümer des Abacha-Clans dienen.

"Das war nur zwei, drei Monate ein Thema", relativiert Windhorst heute die Angelegenheit, die ihm sichtlich unangenehm ist. Die Sache mit der Vermögensverwaltung liege längst auf Eis.

Wenig erstaunlich, die Eigenkapitalanforderungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht könnte er derzeit kaum erfüllen. Und der eingekaufte Privatbankier hat sich längst abgesetzt.

Afrika brachte Windhorst ohnehin kein Glück. In Nigeria und im Kongo hoffte er noch vor zwei Jahren auf ganz große Geschäfte mit "hohen Margen". Angeblich von der Weltbank finanziert, wollte er unter anderem die staatlichen Stellen der beiden Länder mit Computern ausstatten.

Doch daraus wurde nichts. Denn diesseits von Afrika, im heimischen Rahden, stand zu dieser Zeit die Windhorst Electronics schon mächtig unter Druck. Vergangenen Sommer musste er den Elektronikhandel, der in seiner Heimat 600 Arbeitsplätze schaffen sollte, vollständig schließen. "Meine Berater haben mir eine Insolvenz empfohlen", erzählt Windhorst, aber eine Pleite habe er um jeden Preis verhindern wollen.

Seither dreht sich sein Berufsleben in erster Linie um die Abwicklung der Lieferantenschulden in ursprünglich "zweistelliger Millionenhöhe", unter anderem beim Münchner Siemens-Konzern. Die ausstehenden Abfindungen für seine letzten Mitarbeiter ließ er erst nach einer gerichtlichen Zwangsvollstreckung überweisen.

Bis vergangenen Dezember sollte das unschöne Kapitel eigentlich bereinigt sein. Doch die Altlasten - inzwischen in "einstelliger Millionenhöhe" - drücken ihn noch immer.

Kleckerweise fließt Geld aus seinem Privatvermögen und den restlichen Geschäftsaktivitäten wie Beteiligungsverkäufen. Und in Rahden wartet noch immer ein leer stehendes Logistikzentrum auf einen solventen Käufer.

24 Millionen Mark hat der Luxusbau ursprünglich gekostet, zur Hälfte von einer Commerzbank-Tochter finanziert. Die Immobilie gilt als schwer vermittelbar. Der nächste Autobahnanschluss liegt fast 60 Kilometer weit entfernt. "Ein Planungsfehler", räumt Windhorst ein.

Trotz Pech und Pannen glaubt der Berufsoptimist ("Ich kämpfe hart") nicht an eine baldige Pleite seiner Firma. Der Schuldenabbau sei kalkulierbar, behauptet er. In den nächsten drei bis sechs Monaten soll es so weit sein.

Künftig will Windhorst auf dem Boden bleiben und nur noch "kleine Schritte" machen. Seine Zukunftspläne umschreibt er nebulös mit "Corporate Finance", also der Vermittlung von Immobilien, Joint Ventures und der Privatplatzierung von Aktienpaketen.

Die Netzwerke von Beratern wie dem Ex-Protokollchef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Philipp Graf von Walderdorff, oder einem ehemaligen Nahost-Spezialisten der Berliner Bankgesellschaft sollen dabei die richtigen Türen öffnen - und vielleicht auch den Einstieg ins Fondsgeschäft erleichtern.

Zumindest gab es zu diesem Thema einmal Gespräche mit dem Ex-Windhorst-Aktionär Florian Homm, einem umstrittenen Investor, der mit spektakulären Aktionen börsennotierte Unternehmen wie MLP, WCM oder zuletzt Sixt attackiert - und gleichzeitig mit seinem Hedge-Fonds auf einen Kursverfall dieser Werte spekuliert.

Für ein neuerliches Comeback ist Windhorst - zumindest theoretisch - bestens gerüstet: In seiner Bibliothek stehen gleich neben den Erinnerungen seines einstigen Gönners Helmut Kohl die Werke "Gewinner von morgen handeln heute" und "Spieltheorie für Einsteiger - Strategisches Know-how für Gewinner".

BEAT BALZLI

 

22.04.03 16:12

2728 Postings, 6479 Tage anarch.Jaja, die Lars Windhorsts und Jost Stollmanns


Wer erinnert sich noch an unsere SPD-Wirtschaftswunderkinder und Wunsch-Wirtschaftsminister? War 'ne schöne Zeit 1998 ;O)
 

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