Warum eigentlich wieder ein Schweizer?

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neuester Beitrag: 13.09.05 10:51
eröffnet am: 09.09.05 07:40 von: quantas Anzahl Beiträge: 8
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09.09.05 07:40

15327 Postings, 5715 Tage quantasWarum eigentlich wieder ein Schweizer?

 

9. September 2005, Neue Zürcher Zeitung

Folgt auf Seifert Francioni?

SWX-Chef im Gespräch für Leitung der Deutschen Börse

Wechselt der Chef der Schweizer Börse SWX, Reto Francioni, demnächst von der Limmat an den Main zur Deutschen Börse? Dies jedenfalls legt ein Vorabbericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nahe, die sich auf «Kreise» der Deutschen Börse beruft.

Demnach soll Francioni die Nachfolge von Werner Seifert antreten, der Anfang Mai zurückgetreten war. Ein entsprechender Vorschlag liege dem zuständigen Aufsichtsratsausschuss der Deutschen Börse vor, der am nächsten Montag zu einer Sitzung zusammentreten werde, schreibt die Zeitung. Ein Sprecher der Deutschen Börse lehnte einen Kommentar ab. Er konnte auch nicht sagen, ob besagter Ausschuss am Montag tagen wird. Erst am vergangenen Dienstag hatte die Deutsche Börse bekannt gegeben, dass ihr Aufsichtsratschef Rolf Breuer am 10. Oktober zurücktreten werde. Breuer hatte zuvor stets betont, er werde gehen, sobald ein Nachfolger für Seifert gefunden sei. Demnach ist davon auszugehen, dass der neue Firmenchef feststeht.

Ein Sprecher der SWX wiederholte wie schon in den Monaten zuvor, dass es Francioni bei der SWX sehr gefalle und dass die Deutsche Börse für ihn kein Thema sei. So weit die offizielle Sprachregelung - allerdings hatte es bereits im Mai Anzeichen dafür gegeben, dass Francioni einen Wechsel nach Frankfurt nicht rundweg ablehnt. Es ist nachvollziehbar, dass sich kein Kandidat aus der Deckung wagen kann, solange die Verträge nicht unterschrieben sind. -

Francioni ist in Frankfurt kein Unbekannter, war er doch bereits von 1993 bis 2000 für die Deutsche Börse tätig gewesen. Francioni träte in Frankfurt kein einfaches Erbe an. Sein Vorgänger hatte den Rücktritt eingereicht, nachdem seine Übernahmepläne für die Londoner Börse im Aktionariat nicht den notwendigen Rückhalt gefunden hatten.

 

09.09.05 09:13

21799 Postings, 7669 Tage Karlchen_IWeil uns die

Flaschen ausgegangen sind.  

09.09.05 09:17

15327 Postings, 5715 Tage quantasAha


Ist aber traurig.

*gg*  

10.09.05 07:17

15327 Postings, 5715 Tage quantasDer Vater des neuen Markts

Der Vater des Neuen Markts
von Notker Blechner  

Der Schweizer Reto Francioni kennt die Deutsche Börse wie die eigene Westentasche. Jahrelang war er dort Vorstandsmitglied und baute den Neuen Markt mit auf. Seit 2002 führt Francioni die Schweizer Börse.  

Der gebürtige Zürcher erfüllt die vom Großaktionär TCI definierten Voraussetzungen für den Job des Chefs der Deutschen Börse. Er kennt den Handel, er versteht die Bedürfnisse der Kunden und er könnte es schaffen, die richtigen Partner in Europa zu finden. Das meint zumindest Patrick Degorce, einer der Partner des Hedgefonds TCI, dessen Manager Christopher Hohn den Managern der Deutschen Börse das Fürchten lehrte.

1986 begann Francioni seine Börsen-Karriere in der Aktienabteilung der SCA, die heute Credit Suisse heißt. Danach baute er die Soffex auf, die später mit der Deutschen Börse zur Eurex wurde.  

1993: Start bei der Deutschen Börse  
1993 entschloss sich Francioni, die kleine Schweiz verlassen und ging nach Deutschland. Dort ereilte ihn den Ruf der Deutschen Börse. Als Vorstandsmitglied war er für den Handel mit Aktien und Anleihen zuständig.

Der Geburtshelfer des Xetra-Systems
Sein erstes Werk war der Aufbau der elektronischen Handelsplattform Xetra. Die Plattform entwickelte sich zur Erfolgsstory. Dank Xetra dominiert die Deutsche Börse den Aktienhandel in Deutschland. Die meisten Investoren handeln heute über Xetra.

Ein weniger glückliches Händchen bewies Francioni mit einer anderen Erfindung: dem Neuen Markt. 1997 hob der Schweizer das Wachstumssegment aus der Taufe. Anfangs fand sich kaum ein Unternehmen, das an das neue Segment gehen wollte. Als dann doch mit Mobilcom und Bertrandt die ersten Firmen auf dem Börsenzettel notierten, interessierten sich zunächst nur Privatanleger für die Aktien. Erst zwei Jahre nach dem Start trauten sich institutionelle Investoren an den Neuen Markt.

Pech mit dem Neuen Markt
Bis März 2000 erlebte der Neue Markt seine Blütezeit. Danach ging es rapide abwärts. "Ein Vater muss sein Kind laufen lassen können", meint Francioni, privat Vater von zwei Kindern, zu dieser Entwicklung. Dennoch muss sich Francioni vorwerfen lassen, mit den laxen Regeln des Neuen Markts Tür und Tor für Skandal-Firmen geöffnet zu haben. Die Pleiten von Gigabell und Metabox und Skandale mit fingierten Umsätzen wie bei Comroad brachten den Neuen Markt in Verruf. 2003 auf dem Höhepunkt der Börsen-Baisse wurde er abgeschafft.

2000: Wechsel zu Consors
Schon lange bevor die Totenglocke geläutet wurde, schaffte Francioni den Absprung. Nachdem der Schweizer 1999 zum stellvertretenden Vorstandschef der Deutschen Börse ernannt wurde, kam es laut Presseberichten zum Streit mit dem machtbewussten Vorstandschef Werner Seifert. Anfang 2000 ? auf dem Höhepunkt des Börsenbooms ?warf Francioni das Handtuch und wechselte zum Neuen-Markt-Unternehmen Consors. Beim Online-Broker war er zwei Jahre lang CEO und führte das Unternehmen in einer Art Doppelspitze zusammen mit Karl Matthäus Schmidt.

2002: Zurück in die Schweiz
2002 bekam der "ewige Zweite" dann die Chance seines Lebens: den Chefposten bei der Schweizer Börse. Seit drei Jahren leitet der Finanzmarkexperte nun die SWX ? und fühlt sich wohl. "Es gibt für mich keinen Grund, hier wegzugehen", sagte er am Donnerstag gegenüber dem Fernsehsender n-tv. Fast wäre er allerdings im vergangenen Jahr unfreiwillig wieder ins Reich der Deutschen Börse zurückgeholt worden. Die Deutsche Börse versuchte, die SWX zu übernehmen, scheiterte aber am Widerstand der eidgenössischen Banken.

So kann der inzwischen 49-jährige Topmanager weiter am Wochenende in Brugg im Kanton Aargau seinem Lieblingshobby nachgehen: dem Angeln. Selbst in seinem Büro steht angeblich eine Angelrute, um in Schwung zu bleiben. Selbst aus zehn Metern Entfernung trifft er einen Bierdeckel. Mal sehen, wie treffsicher Francioni ist, wenn er einen neuen Job an der Angel hat.  

 

 

12.09.05 16:00

672 Postings, 6705 Tage chefvonsganzebleibt uns vielleicht erspart

Düsseldorf/Frankfurt (AFP) - Gegen eine mögliche Berufung von Reto Francioni zum Chef der Deutschen Börse formiert sich offenbar Widerstand im Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse. Mitglieder des Gremiums werfen Francioni vor, er habe als Chef der Schweizer Börse keine Zukunftsperspektiven entwickelt und sei auch in der Führung des Brokerhauses Consors gescheitert, wie das "Handelsblatt" meldete. Demnach sucht der Börsenrat nach einem anderen Chef für die Deutsche Börse. Eine Börsen-Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren. Im Laufe des Tages soll der Personalausschuss des Börsen-Aufsichtsrates tagen.

Der Börsenrat ist das höchste Kontrollgremium der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse, die von der Deutschen Börse AG betrieben wird. Der Börsenrat hat keinen direkten Einfluss auf die Betreibergesellschaft, seine Entscheidungen sind aber dennoch von Gewicht.  

12.09.05 16:43

58960 Postings, 6492 Tage Kalli2003.

+++ Personalausschuss nominiert Francioni als Börsen-Chef +++

So long (oder doch besser short?)  

Kalli  

 

12.09.05 16:55

15327 Postings, 5715 Tage quantasKalli 2003 hat recht!

Reto Francioni beerbt Werner Seifert  

Lange wurde über den Chef-Posten bei der Deutschen Börse AG gemunkelt. Nun ist die Entscheidung so gefallen, wie es einige Medien bereits vermutet hatten. Reto Francioni soll das Steuer beim Börsenbetreiber übernehmen.  

Die Nachrichtenagentur dpa-AFX hatte die Nachricht am Montagnachmittag als erste: Der Personalausschuss hat sich auf den Schweizer als Nachfolger des geschassten Werner Seifert geeignet. Bei seiner nächsten Sitzung, am 10. Oktober soll das komplette Kontrollgremium des Dax-Unternehmens den Vorschlag absegnen.

Diese Abstimmung kann getrost als Formalie gelten. Ein Überraschungs-Moment blieb am Montag auch bei der Aktie der Deutschen Börse komplett aus. Beobachter und Investoren hatten Francioni bereits fest auf der Rechnung als Nachfolger von Seifert, der im Sommer auf Druck der Großinvestoren unter der Führung des Hedgefonds TCI seinen Platz räumen musste.

Auch das Störfeuer, das am Morgen noch die Entscheidung des Personalausschusses untermalt hatte, konnte daran nichts ändern. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen berichtet, im Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse habe es eine "deutliche spürbare Stimmung gegen Herrn Francioni" gebe. Das Gremium stellt die höchste öffentlich-rechtliche Kontrollinstanz der Frankfurter Wertpapierbörse dar. Diese wiederum wird von der Deutsche Börse AG betrieben.  

Glatte Nominierung ? trotz Dementi  
Mit der nun glatten Nominierung von Francioni, derzeit noch als Chef der Schweizer Börse SWX tätig, haben sich die Vermutungen verschiedener Medien aus der vergangenen Woche als zutreffend heraus gestellt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte Francionis Berufung nach Frankfurt als ausgemachte Sache dargestellt; auch nachdem zunächst die SWX, später auch Francioni selbst noch vehement dementiert hatten.

Reto Francioni, der unter anderem für die Schaffung des Computerhandelssystems Xetra mitverantwortlich zeichnete und den "Neuen Markt" aus der Taufe hob, hatte im Jahr 2000 die Deutsche Börse AG verlassen und war zunächst zwei Jahre lang als Co-Vorstands-Chef des Online-Brokers Consors tätig, bevor er zur SWX wechselte.  

 

13.09.05 10:51

15327 Postings, 5715 Tage quantasHerausforderung SWX

Gemäss einer persönlichen Mitteilung von Reto Francioni wird Antoinette Hunziker- Ebneter als seine Nachfolgerin an der Spitze des Verwaltungsrats der Schweizer Börse SWX (SWX Group) vorgeschlagen.

Hunziker wäre für diese Position ein sicherer Wert. Bei der SWX ist sie als ehemalige CEO bestens bekannt und insgesamt in guter Erinnerung. Getrennt hat man sich 2002 offiziell einvernehmlich, es wurden persönliche Gründe genannt. Eine zentrale Rolle gespielt haben dürfte aber, dass Hunziker sehr stark mit dem Projekt Virt-x in Verbindung gebracht wurde, dem Londoner Arm der SWX, der einen paneuropäischen Handel mit Standardwerten an sich ziehen wollte. Das ursprüngliche Projekt scheiterte, weil die Virt-x es nie schaffte, genügend Handel mit nicht- schweizerischen Blue Chips zu generieren. Der Misserfolg war allerdings im Vorfeld nicht absehbar gewesen. Die Virt-x war auch nicht die letzte europäische Börse, die erfolglos versuchte, anderen Marktplätzen Liquidität im Aktienhandel abzujagen.

Die SWX steht heute vor einigen Herausforderungen. Europas Marktplätze werden nicht nur von elektronischen Handelsnetzwerken für Grossanleger konkurrenziert, sondern auch von den Banken, die immer mehr Handelsaufträge hausintern verrechnen, statt sie an Börsen weiterzuleiten. Dies zwingt die Börsen dazu, kostengünstiger zu arbeiten. Dazu werden sehr grosse Handelsvolumina benötigt sowie die Zusammenarbeit mit grossen Abwicklern, die einen guten, kostengünstigen Service bieten können. Die SWX ist im europäischen Vergleich nicht klein, und ihre Dienstleistungsqualität gilt als sehr gut und preiswert. Doch die Konkurrenten werden allmählich schlagkräftiger. Bisher hat die Schweizer Börse jeden Fusionsgedanken kategorisch von sich gewiesen, aber sich für Kooperationen offen erklärt.

Mit dem Wechsel von Francioni zu Hunziker könnte die SWX nach einer ruhigen Phase durchaus strategisch wieder aktiver werden. Am vergangenen Samstag hat sich Hunziker an der jährlichen Bürgenstock- Tagung der Derivatebranche kurz zu ihren Vorstellungen zur Börsenlandschaft geäussert. Die Internationalisierung sei nicht aufzuhalten, erklärte sie. Und «Silo»-Modelle, bei denen eine Börse auch gleich noch selber ihr Clearing und Settlement betreibt, würden von den Kunden nicht geschätzt. Keine Chance haben dürften bei Hunziker also Ideen, die «Swiss Value Chain», d. h. Handel und Abwicklung über die Schweizer Kanäle, enger zusammenzuführen. Diesbezüglich vertritt sie übrigens die gleiche Philosophie wie Francioni, der in Frankfurt genau ein solches Modell erbt. Da die Deutsche Börse eigentlich ein logischer Kooperationspartner für die SWX wäre, könnte die vorgeschlagene neue Konstellation an der Spitze der beiden Börsen manches in Bewegung bringen.

gab.
 

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