Wahl: Viel Aufregung um Nichts

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eröffnet am: 12.09.05 19:55 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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937011 Postings, 6150 Tage moyaWahl: Viel Aufregung um Nichts

Wahl: Viel Aufregung um Nichts - börsentechnisch gesehen

von Jochen Steffens

Hm, das wird nicht nur ein zäher Montag, das wird eine zähe Woche. Die Wahl wirft ihre Schatten voraus.

Japan hat bereits gewählt Kouizumi ist mit der absoluten Mehrheit im Amt bestätigt worden, damit sind gleichzeitig auch seine Reformen bestätigt worden. Die Börse feierte seinen Sieg mit einem deutlichen Plus von 1,61 %.

Im Vorfeld der Wahl kam es unabhängig von den internationalen Börsen im Nikkei zu einem verhaltenen fast unsicheren Kursverlauf. Dabei war der Ausgang der Wahl wesentlich sicherer als hier in Deutschland.

Aus diesem Grund rechne ich damit, dass auch hier in Deutschland die Börsen verhalten oder unsicher reagieren werden, denn die Wahl in unsicherer als je zuvor, zumindest wenn man den neuen Wahlprognosen glaubt.

Dax reagiert kaum - Anleger halten sich zurück

Dass der Dax auf diese neuen Umfrageergebnisse nicht nachhaltiger reagiert zeigt mir, dass die Börse immer noch mit einem klaren Machtwechsel rechnet - oder derart bullish ist, dass der Börse das politische Hickhack egal ist.

Trotzdem, vielleicht können Sie es bei sich selber beobachten: Sofern Sie sich längerfristig positionieren wollen, gibt es bei vielen Anlegern nun einen Hang dazu, lieber abzuwarten, wie die Wahl ausgeht
- Entscheidungen werden also nach hinten verlegen.

Politische Börsen haben kurze Beine

Natürlich sind solche Reaktionen etwas übertrieben. Es ist nur eine Wahl, politische Börsen haben kurze Beine. Vor Wahlen ist immer eine Aufregung an den Börsen zu spüren, die nach der Wahl oft genug so schnell verpufft, dass man sich fragt: War das was? Natürlich ist diese Nervosität in diesem Jahr sicherlich deutlich ausgeprägter, weil wir uns gerade in einer Krise befinden. Aber trotzdem, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird, schon gar nicht an den Börsen.

Vielleicht erinnern Sie sich an Indien, als hier überraschend die linken Parteien gewonnen haben, gab es einen kleinen Börsencrash, die Panik war groß, die Aufregung noch größer. Entsetzte Analysten sahen gleich den Untergang des indischen Booms voraus. Kurze Zeit später konnten die Börsen wieder deutlich zulegen, das Niveau von vor der Wahl überwinden und einen ziemliche Rallye hinlegen. All die Aufregung verrauchte im Nichts.

Lassen Sie sich niemals von Hysterie anstecken!

Ich erzähle Ihnen das nicht, um hier große Diskussionen über die langfristigen Folgen dieses oder jenes Programm loszutreten, diese Diskussionen überlasse ich den Politikern. Mir geht es lediglich darum, sich NICHT von der allgemeinen Hysterie anstecken zu lassen. So wie bei den Anschlägen, bei dem Hurrikan und all den anderen Nachrichten, die zu Medienhysterien geführt haben.

Denn Hysterie ist an den Börsen ein sehr schlechter Ratgeber und führt fast immer zu überhasteten und oft genug teuren Reaktionen. Nutzen Sie vielmehr die Chancen, die Ihnen die Hysterie der anderen bringt.
Halten Sie sich dabei immer wieder vor Augen, dass politische Börsen kurze Beine haben - verdammt kurze Beine. Wenn die CDU gewinnt, wir die Börse ein - drei Tage feiern, danach ist wieder der Alltag da:
Nichts ist älter, als die Nachricht von gestern.

Wenn es tatsächlich zu einem Linksbündnis kommen sollte, wird die Hysterie uns hingegen gute Einstiegskurse verschaffen. Die Börse wird einen kleinen Crash hinlegen, um dann nach der ersten Aufregung und den Untergangszenarien wieder auf das "Morgen" zu traden, darauf, dass alles irgendwann mal besser wird.

Kaufe wenn keiner Aktien will, verkaufe wenn alle Aktien wollen. Im kurzfristigen Bereich wird das auch für das Wahlergebnis gelten.

Ich sehe einen klaren Unterschied darin, sich politisch zu äußern und zu diskutieren, von mir auch aus kontrovers, erhitzt und emotional, völlig in Ordnung, das mache ich privat auch.

Wenn Sie mit Aktien handeln, haben emotional geprägte, politisch motivierte Überzeugungen eher einen schädlichen Einfluss auf ihre Objektivität. Das muss man unbedingt trennen können, denn an den Börsen geht es immer nur um Chancen, Wahrscheinlichkeiten und Gelassenheit, niemals um Einstellungen, Glauben und Überzeugungen.

Gruß Moya

 

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