WM-Nummerologie

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eröffnet am: 30.06.06 01:28 von: MeyerLansky Anzahl Beiträge: 1
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Rechenweltmeister

Von Lisa Nienhaus


Experten rechnen mit der Weltmeisterschaft
29. Juni 2006 
Eine böse Vorahnung befiel die Deutschen am Montag morgen: Bruno ist tot! Wird Deutschland nun womöglich doch nicht Weltmeister? Den Zusammenhang zwischen dem größten Landraubtier der Welt und dem schönsten Sport der Welt hat Waldemar Hartmann weithin bekanntgemacht: Deutschland war dreimal Fußball-Weltmeister. 1954 in Bern mit dem Bären im Stadtwappen. 1974 in München mit dem Bären im Wappen des Erzbistums München und Freising. 1990 in Rom, wo Benedikt XVI. mittlerweile ebenfalls einen Bären im Wappen führt. Und wo findet das Finale der Weltmeisterschaft 2006 statt? In Berlin, wo ja bekanntlich - genau! - der Bär Wahrzeichen ist. Zusätzlich begeisterte Bruno die Deutschen mit seinen Abenteuern im bayerischen Unterholz. Das konnte ja nur den Titel bedeuten.

Jetzt ist Bruno tot - und das gerade vor dem bedeutenden Spiel gegen Argentinien. Schon unken die ersten, daß Argentinien am Freitag gewinnt. Doch das Bärenorakel ist nicht das einzige auf der Welt. Aufgeklärte Menschen wissen: Die Sterne lügen, der Ausdruck "einen Bären aufbinden" kommt nicht von ungefähr, wirklich beständig sind nur Zahlen. Die Rechnung zum Titel ist so simpel wie bestechend: 54 mal 74 minus 1990 ergibt 2006! Mathematisch eindeutiger kann man nicht beweisen, daß Deutschland Weltmeister wird.

Mittelwert und Cosinusfunktion

Ganz so leicht machen es sich wahre Wissenschaftler nicht. Der Physiker Metin Tolan von der Universität Dortmund hat seine ganz eigene, deutlich komplexere WM-Formel aufgestellt. Dazu nimmt er die bisherigen Plazierungen der deutschen Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften und errechnet den Mittelwert 3,7. Da die Deutschen im Schnitt in jeder vierten bis fünften WM den Sieg errungen haben, nutzt er außerdem die Periode 4,5. Wenn man diese in eine Cosinusfunktion einbaut und sie um den Mittelwert 3,7 schwanken läßt, dann sind die Vorhersagen der Ergebnisse für Deutschland überraschend gut. Für die 16.WM, an der wir teilnehmen, liefert die Formel das Ergebnis 1, also den ersten Platz. Tolan findet Gefallen an seinen Rechnungen, will sie aber auch nicht ganz ernst genommen sehen.

Ganz anders Ernst-Jürgen Thieme-Garmann, selbsternannter "bester Numerologe Deutschlands, wenn nicht sogar Europas". Wer die WM gewinnt, das möchte er zwar nicht vorhersagen. "Dafür bräuchte ich Stunden. Das geht nicht so eins, zwei, drei; das ist gewaltige Rechenarbeit." Für das Argentinienspiel am Freitag aber wagt der Mann, der sich auch "Magico" nennt, vage Prognosen. "Wenn wir in die Verlängerung gehen, dann haben wir das Spiel verloren und damit auch die WM. Wenn Deutschland am Ende der zweiten Halbzeit mit einem Tor führt, dann werden wir auch Weltmeister." Der Spielverlauf werde in der ersten Halbzeit erdrückend sein. "In der zweiten kommen wir dann wieder rein, die Verlängerung - falls es eine gibt - gehört den Argentiniern." Wie er das ausgerechnet hat? "Um Ihnen das zu erklären, bräuchte ich Tage."

Torschütze Klose

Arndt Aschenbeck ist weniger geheimnisvoll. Der Journalist, der sich im Nebenjob als Numerologe betätigt, berechnet aus Namen und Geburtsdaten von Spielern und Trainern persönliche Tageszahlen, die auf Stärken und Schwächen hindeuten. Kommt beispielsweise eine Eins oder Acht heraus, so hat der Mensch einen starken Tag, ein Neunertag ist für Fußballspieler eher negativ. "Die Neun bedeutet, daß Dinge zu Ende gehen."

Für Freitag ist Aschenbeck in seiner Vorhersage hin und her gerissen. "Von den Zahlen her sieht es nicht so gut aus für Deutschland." Die deutsche Abwehr habe zwar einen guten Tag, Podolski und Schneider aber hätten eine Neun, ebenso Klinsmann. "Podolski wird sicher kein Tor schießen, eher Klose." Für Klinsmann prognostiziert Aschenbeck gar den baldigen Rücktritt. "Klinsmann hat ein Neunerjahr, also wird er etwas abschließen." Aschenbeck gibt aber auch zu, daß er manchmal danebenliegt. "Da sind einfach zu viele Menschen im Spiel, um alles genau vorhersagen zu können." Außerdem gebe es ja noch die Euphorie in Deutschland, die "eine solche Energie erzeugt, daß sie die Nationalmannschaft nach vorne treibt".

Alle 16 Jahre wieder

Zurück zu den nachvollziehbaren Zahlenspielen. Da kursiert beispielsweise die Brehme-Ballack-Kapitäns-Theorie. 1986 sorgte Andreas Brehme mit einem Freistoß für die Führung gegen Frankreich im Halbfinale. Vier Jahre später schoß er den entscheidenden Elfmeter zum WM-Titel. Der derzeitige Kapitän Michael Ballack sorgte vor vier Jahren im Halbfinale für das 1:0 gegen Südkorea. Vier Jahre später, also 2006, müßte er demnach den entscheidenden Siegtreffer im Finale machen.

Noch nicht überzeugt? Dann existiert auch noch die Zahl 16, die bei dieser WM eine entscheidende Rolle spielen könnte. Franz Beckenbauer wurde 1974 als Spieler Weltmeister. 16 Jahre später brachte er die Nationalmannschaft auch als Trainer zum Titel. Womit wir direkt bei Jürgen Klinsmann sind. Der war 1990 als Spieler Weltmeister, jetzt sind 16 Jahre vergangen. Da ist doch klar, was folgen muß.

Auch die Brasilianer können rechnen

Schade nur, daß auch andere Nationen rechnen können. So haben die Brasilianer die Zahl 3964 für sich entdeckt. Wohin man schaut, 3964 scheint eine bedeutende Zahl für die Fußball-Weltmeisterschaft und ihre Sieger zu sein. Für die WM 2002 geht das Rezept wie folgt: Man nehme die drei Fußballnationen Deutschland, Brasilien und Argentinien und addiere jeweils die Jahreszahlen der beiden letzten gewonnenen Weltmeisterschaften. Am Beispiel Deutschlands: 1990 + 1974 = 3964. Für Argentinien gilt: 1986 + 1978 = 3964, und bei Brasilien war es 2002 noch: 1994 + 1970 = 3964. Mit Hilfe der 3964 kommt man schließlich auf den Weltmeister 2002, indem man 2002 von 3964 abzieht. Das Ergebnis ist 1962, damals hat Brasilien gewonnen. Das Dumme an dieser Art zu rechnen ist die Folge für die diesjährige WM: 3964 - 2006 = 1958. 1958 war Brasilien Weltmeister und nicht Deutschland. Wir wären demnach erst 2010 wieder dran.

Aber - da müssen die Brasilianer auch einmal ganz ehrlich sein - die Masse der Zahlen ist auf deutscher Seite. Und wenn nichts mehr hilft, gilt immer noch die Definition von Fußball, wie sie der Engländer kennt: "22 Männer rennen einem Ball nach, das Spiel dauert neunzig Minuten, und am Ende gewinnen immer die verdammten Deutschen!"

   

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