Von Betamax bis Blu-ray-Disk

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95440 Postings, 7198 Tage Happy EndVon Betamax bis Blu-ray-Disk

SPIEGEL ONLINE - 28. Februar 2006, 16:43
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http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,403558,00.html

Von Betamax bis Blu-ray-Disk
 
Wahnsinn mit Format

Von Matthias Kremp

Nicht immer gewinnt der Bessere - zumindest nicht, wenn es um Computertechnologie und Unterhaltungselektronik geht. Oft genug entscheiden ganz andere Dinge über Wohl und Wehe einer neuen Technologie. Ein Blick zurück in die Zukunft.

Das bekannteste Beispiel für eine überlegene Technologie, die sich dem schlechteren Gegner geschlagen geben musste, ist Sonys Betamax-Videosystem. Obwohl es von der Presse mit Lob überhäuft wurde, versagte es bei den Verbrauchern gegen das technisch schwächere VHS. Der Hauptgrund: Für Betamax-Rekorder lag die maximale Aufnahme-Kapazität anfänglich bei rund einer Stunde, viel zu wenig, um einen ganzen Spielfilm aufzuzeichnen.

Dieser Trick gelang den VHS-Entwicklern dagegen mühelos. Sie bauten das Magnetband einfach in eine größere Kassette ein. Die war zwar ausgesprochen unhandlich, bot dafür aber vom Start weg Kapazitäten von zwei bis drei Stunden. Als Sonys Format endlich aufholte, waren die Videotheken längst voller VHS-Tapes. Kaum jemand mochte sich noch für Betamax entscheiden, das später als Betacam zum Standard für professionelle Videoproduktion wurde.

Die Porno-Legende

Die oft gehörte Mär, Betamax habe sich geschlagen geben müssen, weil es für VHS mehr Pornofilme gab, ist zwar ebenfalls eine nette Theorie, aber kaum belegbar. Deshalb mutet es heute auch umso seltsamer an, wenn die Entscheidung darüber, ob sich die Blu-ray Disc oder die HD DVD als Nachfolger der DVD durchsetzt, erneut der Porno-Industrie zugeschoben wird.

Bedeutend stärker dürfte Microsofts Entscheidung ins Gewicht fallen, der HD DVD den Vorzug zu geben. So soll das für Herbst angekündigte Windows Vista ausdrücklich HD DVDs unterstützen und für die hauseigene Spielkonsole Xbox ein externes HD-DVD-Laufwerkangeboten werden. Ob die HD DVD der Blu-ray Disc technologisch über- oder unterlegen ist, wird dabei zur Nebensächlichkeit. Am Ende wird siegen und damit den Standard vorgeben, wer zuerst jene kritische Masse erreicht, die das Konkurrenzformat zum Nischenprodukt werden lässt.

Dass es auch mal ganz ohne einen Sieger ausgehen kann, beweisen die konkurrierenden Audio-Formate Super Audio CD (SACD) und DVD-Audio. Beide sollten die Audio-CD ablösen und noch bessere digitale Tonqualität bieten. Bedauerlicherweise benötigt man eine wirklich gute Hifi-Anlage, um den Unterschied wirklich zu hören. Zumindest solange es um Stereo-Aufnahmen geht.

Doch Hifi ist kein Trendthema mehr, ganz im Gegenteil. Insbesondere die jüngere Zielgruppe bescheidet sich heute gern mit stark komprimierten, in ihrem Lautumfang reduzierten MP3-Dateien - mit Fastfood also statt Gourmetküche. Das Resultat: Sowohl SACD als auch DVD-Audio führen ein Nischendasein in den dunklen Ecken der Plattenläden. Das Angebot an Inhalten ist nach wie vor mager und die Player teuer.

In den Sand gesetzt

Solche Fehlschläge sind in der Technologiebranche allerdings nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Nur sind nicht immer mehrere Firmen in derartige Desaster verwickelt. Eines der schönsten Beispiele lieferte Apple mit der Lisa. Dieser 1983 vorgestellte Computer war erstmals mit einer grafischen Benutzeroberfläche ausgestattet, die ihn leichter bedienbar machte als alle vergleichbaren Modelle seiner Zeit.

Dummerweise legte Apple den Einstiegspreis auf astronomische 9995 US-Dollar fest. Während zeitgleich die IBM-kompatiblen PCs zu deutlich moderateren Konditionen in immer mehr Büros Einzug hielten, wurde Lisa zum Ladenhüter. Den Todesstoß versetzte Apple seinem ambitionierten Erstlingswerk allerdings selber mit dem Macintosh. Der konnte mindestens genauso viel wie Lisa, kostete aber nur einen Bruchteil ihres Preises. Nachdem Lisa mehr und mehr zum Problem für Apple wurde, pachtete der Konzern letztlich ein größeres Stück Land im US-Bundesstaat Utah und vergrub dort Tausende unverkäuflicher Lisas im Sand.

Diese Methode der Problembeseitigung hatte man sich bei Atari abgeschaut, die bereits Jahre zuvor Millionen Kopien des Konsolenspiels "E.T." im Wüstensand verbuddelten, nachdem sich für die hektisch programmierte Spielfilm-Adaption kaum Käufer fanden.

Als grandiose Fehlleistung darf man auch Microsofts Versuch bezeichnen, dem Fenster-System von Windows 3.1 eine intuitive Oberfläche aufzupfropfen. Die "Microsoft Bob" genannte Software sollte dem Anwender ein virtuelles Haus vorgaukeln, in dessen verschiedenen Räumen sich unterschiedliche Aufgaben bewältigen ließen. Gerüchte sagen, dass sich für Bob seinerzeit einige zehntausend Käufer fanden. Zum Vergleich: Von dem auf Windows 3.1 folgenden Windows 95 gingen mehr als 45 Millionen Pakete über den Ladentisch.

Osborning

Dass solche Missgeschicke keine Einzelfälle sind, stellt die Geschichte des PC-Pioniers Adam Osborne unter Beweis. Er brachte mit seinem Osborne 1 den ersten tatsächlich tragbaren Computer auf den Markt. Trotz eines Gewichts von 24,5 Pfund wurde sein Schlepp-Top ein Kassen-Knüller, der Osborne bereits im zweiten Produktionsjahr Umsätze in Höhe von 70 Millionen US-Dollar einbrachte. Dann aber beging der Firmengründer einen Kardinalfehler und kündigte den Nachfolger des Erfolgsmodells viel zu früh an. Das Resultat: Potentielle Käufer warteten lieber auf das technologisch überlegene Nachfolgemodell Vixen, statt noch zu einem der nun vermeintlich veralteten Osborne 1 zu greifen. Trotz massiver Preissenkungen blieben die Lager voll. 1983 ging Osborne in Konkurs.

Geblieben ist der Begriff "Osborning", der bis heute für übereilte Produkt-Ankündigungen verwendet wird: Dass die kräftig boomende DVD in den Planungen der konkurrierenden Konzerne bereits als Auslaufmodell behandelt wird, sorgte anfänglich ebenfalls für Unruhe unter den Kunden. Inzwischen sehen die das wieder entspannter und kaufen fleißig weiter DVD-Technik: Blu-ray und HD DVD streiten ja noch. Zeichnet sich da etwa ab, dass die Kaufenthaltung diesmal eher zu Lasten der Nachfolgetechniken gehen wird? Man wird sehen.

Als typischer Fall von Osborning ging auch Ataris Heim-Computer Falcon in die Geschichte ein. Nach der ersten Ankündigung wurde in der Fachpresse wild über dessen Fähigkeiten spekuliert. Als der "Falke" dann im Herbst 1992 vorgestellt wurde, war die Enttäuschung groß. Die hochgesteckten Erwartungen wurden bei weitem nicht erfüllt. Schlimmer noch: Zeitgleich trumpften günstige 486er Windows-PCs mit Steckplätzen und "Turbo"-Schaltern auf, die auch eingefleischte Atarianer lockten. Gerade mal 14.000 der flügellahmen Flattermänner fanden einen Käufer. Als Folge dieses Desasters stampfte Atari die gesamte Computer-Produktion ein, verlegte sich kurzzeitig auf Spielkonsolen und stellt heute ausschließlich Computer-Spiele her.

Zwielichtige Gestalten

Manchmal hat das Scheitern auch ganz andere Gründe, wie der Fall Gizmondo zeigt. Unter diesem Namen brachte die USA-Firma Tiger Telematics im vergangenen Jahr eine multifunktionale Spielkonsole in den Handel - zumindest in den USA und Großbritannien. Die technischen Daten waren durchaus beeindruckend: Spielkonsole, GPS-Navigation, GPRS-Kommunikation und ein Multimedia-Player sollten den Gizmondo zum PSP-Killer machen. Allerdings machte bereits im Herbst 2005 eine Geschichte des schwedischen "Aftonbladet" die Runde, wonach der Geschäftsführer von Gizmondo Europe in Geschäfte der schwedischen Mafia verwickelt gewesen sein soll. Etwa zeitgleich tauchten Berichte auf, wonach sich das europäische Management großzügig mit Luxus-Firmenwagen ausstattete. Wenige Monate später wurde die Firma liquidiert und der Gizmondo zu Grabe getragen.

Hochfliegende Pläne

Ebenfalls zu Grabe getragen, dann aber wieder belebt, wurde das Satelliten-Telefonsystem Iridium. Nur ein Jahr nach seinem Start 1998 musste das auf insgesamt 66 Satelliten basierende weltumspannende Funktelefonnetz Konkurs anmelden. Zu wenige Kunden konnten sich dafür erwärmen, die horrenden Gebühren von bis zu 14 US-Dollar pro Minute zu zahlen. Stattdessen wurden GSM Handy-Netze weltweit zum Erfolg. Heute werden die im Jahr 2000 wieder in Betrieb genommenen Satellitentelefone vor allem von der US-Regierung und dem dortigen Verteidigungsministerium genutzt.

 

28.02.06 18:51

7538 Postings, 7137 Tage Luki2mein

Betamax läuft Heute noch! habe auf diesen System angefangen und bereue es nicht.

Gr.  

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