Von Bären und Blutsaugern

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 31.10.05 11:28
eröffnet am: 31.10.05 10:55 von: bammie Anzahl Beiträge: 5
neuester Beitrag: 31.10.05 11:28 von: Slater Leser gesamt: 214
davon Heute: 2
bewertet mit 1 Stern

31.10.05 10:55
1

8970 Postings, 6135 Tage bammieVon Bären und Blutsaugern

Von  Marc Pitzke, New York

Was haben Gruselfilme mit der Börse zu tun? Eine ganze Menge, glaubt der amerikanische Prognostiker Robert Prechter. Seine These: Horrorzeiten gebären Horrorstreifen - und Horrorkurse.

New York - Die Bosse der New York Stock Exchange (NYSE) haben manchmal einen abseitigen Sinn für Humor. Während heute zu Halloween überall Gespenster, Monster und Vampire durchs mild-herbstliche Manhattan spuken, begehen sie das Geisterfest auf eigene Art: Sie haben die Mitglieder der hausinternen Blutspendegruppe - die "Employee Blood Drive Captains" - zur Feier des Tages eingeladen, auf dem Börsenbalkon die Eröffnungsglocke zu läuten. Da freut sich Dracula.

Doch Spaß beiseite: Zwischen dem fiktiven Horror, der nicht nur hier in New York derzeit Straßen, TV-Sender und vor allem Kinos beherrscht, und dem ernsten Geschäft der Wall Street besteht offenbar eine Verbindung. Das glaubt zumindest Robert Prechter, Chef der Marktprognosenfirma Elliot Wave International aus Georgia. Prechter hat sich die Mühe gemacht, den historischen Verlauf des Dow-Jones-Indexes mit den jeweiligen Filmen zu vergleichen, die Hollywood zur gleichen Zeit produziert hat. Sein verblüffendes Fazit: "Horrorfilme und der Bärenmarkt haben eine direkte Korrelation."

Je trister die Stimmung an der Börse, behauptet Prechter, desto grausig-gruseliger auch die Szenarios im Kino - Blutbad am Markt, Blutbad auf der Leinwand. Zum Nachweise hat er in seinem Buch "The Wave Principle of Human Social Behavior" eine liebevolle Auflistung präsentiert, samt Grafik und Verlaufskurve. Demnach stürzte der "Black Tuesday" von 1929 die Nation nicht nur in die Depression, sondern gebar auch die erste Welle legendärer US-Horrorfilme: "Dracula", "Frankenstein", "The Mummy", "King Kong".

"Mary Poppins" für die Börsenbullen

Ein ähnliches Phänomen erkennt Prechter auch am Ende der sechziger Jahre: Der Horror-Klassiker "Night of the Living Dead" hatte während eines Bärenmarkts Premiere, die Blutorgie "Texas Chainsaw Massacre" (1974) ebenfalls parallel zu einer Flaute des Dows - gefolgt von "Carrie", "The Shining", "Friday the 13th", "Halloween" und "Alien", der Mutter aller Monster.

In Zeiten der Bullen dagegen analysiert Prechter genau das Gegenteil: Die Börsen-Haussen habe Hollywood am liebsten mit zuckersüßen, monsterfreien Filmchen garniert. Zum Beispiel Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre - gute Jahre für den Dow und zugleich Höhepunkt des Disney-Zeichtrickmärchens, als "Cinderella", "Alice im Wunderland", "Peter Pan" und "Mary Poppins" in den Lichtspielhäusern liefen.

Den Dotcom-Crash von 2001 berücksichtigt Prechter in seiner Horror-Analyse leider nicht. Doch ein Blick in die Kino-Charts von damals zeigt auch dort den Beginn einer neuen, enorm erfolgreichen Hollywood-Gruselwelle: "Scary Movie", "The Ring", "The Others", "From Hell".

"Ein beherrschendes Gefühl der Angst"

Prechters Erklärung für den Zusammenhang zwischen Blutsaugern und Bären ist relativ banal: Die Aktienkurse, sagt er, reflektierten die "gesellschaftliche Stimmung" des Landes - und die wiederum drücke sich in der Pop-Kultur aus. Dies sei schon lange vor den Zeiten des Kinos so gewesen. Edgar Allen Poe, der Meister der Schreckensliteratur, etwa "blühte während des Bärenmarkts von 1834 bis 1842 auf", schreibt Prechter etwa.

Und heute? Auch im Sommer dieses Jahres kam ein Dutzend neuer Horrorfilme in die US-Kinos - doppelt so viele wie 2004. Das liege auch an den düsteren Kriegszeiten, glaubt US-Gruselregisseur Rob Zombie: "Die Menschen erleben selber so viel Horror, dass Horror auch in Hollywood wieder Ok scheint." Selbst die "New York Times" kürte Horror zum neuen "In-Trend". Der Grund, so ließ es sich das Blatt von Filmproduzent Lorenzo Di Bonaventure ("Constantine") erklären: "Ein alles beherrschendes Gefühl der Angst."

Alles beherrschend, also auch die Börse? Zeitgleich zum Kinohorror rutschte der Dow Jones, von kurzen Zwischenhochs unterbrochen, diesen Sommer immer wieder in den Keller: im Mai, im Juli, im September, im Oktober. Und ausgerechnet in den zwei Wochen vor Halloween, dem Hochamt aller Schreckensfans, machte er die wildesten Bocksprünge: 129 Punkte rauf, 133 Punkte runter, 170 Punkte rauf, 115 Punkte runter. "Auf und ab, vor und zurück, ohne ordentlichen Fortschritt", klagte Kenneth Tower, Chefstratege bei CyberTrader. "Das ist ganz schön frustrierend."

Das soll sich aber, so glauben die meisten Experten, spätestens morgen wieder legen. Denn da tagt die US-Notenbank und berät über eine neue Zinserhöhung. Kein Wunder: Das ist auch der Tag, an dem der neuntägige, 200-stündige Halloween-Horrorfilm-Marathon des US-Kabelsender AMC zu Ende geht.

spiegel.de  

31.10.05 11:19
1

58960 Postings, 6353 Tage Kalli2003bei Bären kommen mir spontan andere Assoziationen

ihr wisst schon, diese kleinen kurzhaarigen Schwarz- oder Braunbären, die sehr lichtscheu leben (vorzugsweise ausschliesslich direkt über dem Höhleneingang; aber kalt werden die ja erst, wenn sich keiner mehr für sie interessiert). Wecken hauptsächlich das Interesse männlicher Beobachter, wenn sie mal ans Tageslicht gelassen werden.

lat. Artenname: ursus geilicus pro schwanzus longus

So long (oder doch besser short?)  

Kalli  

 

31.10.05 11:20

61594 Postings, 6110 Tage lassmichrein? Kali - dachte Du stehst auf glatt

gestellte Märkte ???  

31.10.05 11:22

58960 Postings, 6353 Tage Kalli2003och nöö

ein wenig kraulen ist schon ok. Aber "man" sich im Bären verstecken kann ... bah!

*g*

So long (oder doch besser short?)  

Kalli  

 

31.10.05 11:28
1

44542 Postings, 7169 Tage Slaterwie anne Börse, a bisserl Bär muß schon sein o. T.

   Antwort einfügen - nach oben