Vodafone vor Milliardenkauf in Indien

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eröffnet am: 21.12.06 07:19 von: utimacoSecu. Anzahl Beiträge: 1
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von Jo Johnson (Bombay) Sundeep Tucker (Hongkong) und Andrew Parker (London)

Vodafone berät über eine Übernahme des indischen Mobilfunkers Hutchison Essar. Ein Gebot des britischen Telekomkonzerns dürfte mindestens 13,5 Mrd. $ wert sein. Der angepeilte Betrag wäre die größte Summe, die je für ein indisches Unternehmen geboten wurde.

Doch zunächst muss der Verwaltungsrat des britischen Telekommunikationskonzerns am Donnerstag entscheiden. Hutchison Essar ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Hutchison Whampoa aus Hongkong und dem indischen Mischkonzern Essar. Vodafone-Manager wollen Hutchison-Chef Canning Fok und Essar-Vorstand Ravi Ruia ihre Offerte persönlich vorstellen. Beide Manager sind am Freitag in London.

Der britische Konzern will das nachlassende Umsatzwachstum im Europageschäft durch Zukäufe in Schwellenmärkten ausgleichen. Vodafone-Chef Arun Sarin sagte vergangenen Monat, er sei an "selektiven Akquisitionen" interessiert. Mittwochabend war der Konzern nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Weil es in Indien Beschränkungen für ausländische Investoren gibt, darf Vodafone selbst nicht mehr als 74 Prozent der Anteile an Hutchison Essar halten. Der Konzern muss entweder einen Minderheitsanteil wieder an die Börse bringen oder dafür einen indischen Partner finden.

Durch den Zukauf bekäme Vodafone die Kontrolle über einen Hauptakteur auf dem indischen Mobilfunkmarkt. Kein Markt wächst weltweit schneller. Im Oktober gab es 6,7 Millionen neue Mobilfunkkunden. Damit schnellte die Zahl der indischen Handynutzer auf 136 Millionen. China kam im selben Zeitraum durch 5,9 Millionen Neukunden auf insgesamt 449 Millionen.

Bietergefecht bahnt sich an

Sollte Vodafone ein Gebot abgeben, ist mit einer scharfen Reaktion von Reliance Communications zu rechnen. Reliance ist der zweitgrößte Betreiber auf dem indischen Markt und könnte im Zuge einer Verschmelzung mit Hutchison auf beträchtliche Größeneffekte hoffen. Ein mit der Situation vertrauter Banker sagte: "Vodafone meint es ernst mit Hutchison Essar, Reliance auch. Möglicherweise kommen noch viele andere dazu."

Hutchison Essar gehört zu 67 Prozent Hutchison Telecom International, der Rest der Anteile liegt bei Essar. Der Mischkonzern der Industriellenfamilie Ruia ist unter anderem in den Bereichen Schifffahrt, Stahl und Öl aktiv. Essar verfügt über gewisse Vorkaufsrechte auf den Hutchison-Anteil. Die Inder dürften daher mit einem Veto reagieren, falls Vodafone versuchen sollte, allein die 67-Prozent-Beteiligung der Firma aus Hongkong zu übernehmen. "Essar will nicht als Minderheitseigner neben Vodafone übrig bleiben", sagte ein Banker. "Wenn es zu einem Geschäft kommt, sollen 100 Prozent von Essar verkauft werden. Das ist der einzige Weg, der sie an einem Zuschlag bei der Übernahme beteiligen würde."

Aus dem Umfeld von Reliance Communications hieß es, das Unternehmen beobachte die jüngsten Entwicklungen aufmerksam, habe aber noch nicht über ein bindendes Gebot entschieden. Reliance arbeitet mit Finanzinvestoren wie Blackstone an der Möglichkeit, die Hutchison-Beteiligung zu übernehmen.

Unterdessen hat Bharti Vodafones Angebot abgelehnt, gemeinsam für Hutchison Essar zu bieten. Bharti kontrolliert mit Bharti Airtel den führenden indische Mobilfunkbetreiber. In Bankenkreisen hieß es, Bharti-Chef Sunil Bharti Mittal sorge sich, die Kontrolle über den Hauptgeldbringer seines verzweigten Firmenimperiums zu verlieren. In einem kombinierten Unternehmen würde seine Beteiligung an dem Mobilfunkgeschäft auf rund 16 Prozent sinken.

Falls das Gebot für Hutchison Essar Erfolg hat, bekommt Vodafone wahrscheinlich die kartellrechtliche Auflage, sich von seiner zehnprozentigen Beteiligung an Bharti Airtel zu trennen.

Gruß

uS  

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