Urheberrechtsverletzungen im Internet

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eröffnet am: 08.07.04 10:25 von: Kalli2003 Anzahl Beiträge: 2
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08.07.04 10:25

58960 Postings, 6551 Tage Kalli2003Urheberrechtsverletzungen im Internet

Urheberrechtsverletzungen im Internet können schwerwiegende Folgen haben

Wer nicht aufpasst, muss zahlen


Immer mehr Deutsche werden zur Kasse gebeten, weil sie auf ihrer Homepage gegen juristische Bestimmungen verstoßen. Vor allem bei Urheberrechtsverletzungen mahnen Anwälte oft rigoros ab.


Köln - Die Gesangslehrerin Katja Zimmermann (Name geändert) war mit ihrer Homepage zufrieden. Nur eins fehlte noch: eine kleine Anfahrtsskizze zu ihrer Wohnung, wo sie Interessenten in die Geheimnisse der Vokalharmonie einweihen wollte. Die 45-jährige Berlinerin beschloss, den Ausschnitt eines Stadtplans auf ihre Site zu stellen. Quelle war eine CD-Rom der Telekom. Doch das sollte ihr zum Verhängnis werden: Kurze Zeit später flatterte eine Abmahnung des Stadtplandienstes Euro-Cities AG ins Haus. Darin hieß es, sie habe gegen das Urheberrecht verstoßen: 800 Euro Abmahngebühr, Streitwert 10 000 Euro. Katja Zimmermann bekam Angst und zahlte die 800 Euro anstandslos.

Ihr Webdesigner Eckhard Trems kritisiert, an keiner Stelle der CD-Rom habe es einen Hinweis darauf gegeben, dass die Euro-Cities AG im Besitz der Urheberrechte sei. Das Ganze sei pure Abkassiererei. Der Alleinvorstand des Anbieters, Hans Biermann, weist das vehement zurück und betont, dass die Internetrechte allein bei der Euro-Cities AG gelegen haben. Das müsse keinesfalls explizit aus der CD-Rom hervorgehen: "Es steht ja auch nicht unter jedem Bild in der Zeitung, dass man dies einfach so ins Internet stellen darf." Biermann hält das Vorgehen von Katja Zimmermann für ausgesprochen naiv. Es wäre das Mindeste gewesen, sich an die Telekom zu wenden und nach den Veröffentlichungsrechten zu fragen, meint er. Die Abmahnung sei zu Recht erfolgt.

Ein typischer Fall. Immer mehr Betreiber von Homepages tappen aufgrund von Fehlern oder Versäumnissen in ungeahnte juristische Fallen. Vor allem Verstöße gegen das Urheberrecht beschäftigen zunehmend Anwälte und Gerichte. Nach Erfahrung des Vereins "Abmahnwelle" häufen sich jedoch auch bei anderen Nachlässigkeiten die Geldforderungen. Die Initiative, die User aufklären möchte und den Missbrauch von Abmahnungen anprangert, listet gängige Fälle auf: Karin P. wurde mit 180 Euro zur Kasse gebeten, weil ihr Vorname im Impressum ihrer Homepage fehlte. Günther H. musste 450 Euro bezah- len, weil er statt der Hausanschrift die Postfachadresse angab. Monika S. wurde verwarnt, weil sie nicht überall Bruttopreise angegeben hatte.

Nach Auffassung des Chefs der Initiative "Rettet das Internet", Peter Kerl, ist das ein Skandal, der von der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen wurde. Täglich würden in Deutschland Schätzungen zufolge bis zu 100 Homepages abgemahnt. Betroffen seien Studenten, Ich-AGs oder Existenzgründer, die aus Angst vor den Kosten lieber die Abmahngebühren zahlen, als sich auf ein langwieriges Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang einzulassen. Die Initiative ist überzeugt, dass die derzeitige Rechtslage den Missbrauch von Abmahnungen geradezu fördert. Zwar zweifelt Peter Kerl nicht daran, dass die Verstöße oft zu Recht moniert wür- den. Er kritisiert jedoch die Unverhältnismäßigkeit der Mittel: "Das Problem sind die extrem hohen Streitwerte, die im Regelfall bei über 25 000 Euro liegen - und das bei kleinen Homepages mit weniger als zehn Besuchern pro Tag. " Moralisch sei das äußerst zweifelhaft.

Die Folge: Immer mehr kleine Site-Betreiber müssten aufgeben, mit der Konsequenz, dass das Internet seine Vielfalt verliert. Nur noch Konzerne oder große kommerzielle Sites seien in der Lage, das Abmahnrisiko zu tragen. Nach Peter Kerls Beobachtung sind dagegen die Besitzer kleiner Homepages ein leichtes Opfer. Für einige schwarze Schafe unter den Juristen sind Serienabmahnungen seiner Einschätzung nach schon zu einer Haupteinnahmequelle geworden: "Das ist nichts anderes als staatlich gefördertes Abzockertum. Diese strenge Abmahnpraxis gibt es nur in Deutschland. Sie verstößt auch ausdrücklich gegen EU-Empfehlungen."

Henning Plöger, Sprecher des Bundesjustizministeriums, stellt klar, dass das Web kein rechtsfreier Raum ist. Da habe sich leider eine gewisse "Kostenlos-Mentalität" breit gemacht. "Rettet das Internet" weist deutlich auf die Gefahren hin. Jeder, der sich im Netz bewegt, sei es in Foren, bei Ebay, Kazaa oder mit eigener Homepage, könne eine Abmahnung mit horrenden Gebühren und Schadenersatzforderungen erhalten. Darüber hinaus unterliege jeder, der etwas im Web veröffentlicht, automatisch wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen.

"Abmahnwelle"-Sprecher Wolf-Dieter Roth erinnert daran, dass Abmahnung und einstweilige Verfügung ursprünglich Schaden und Kosten abwenden sollten. Inzwischen habe sich das aber ins Gegenteil verkehrt: "Das Recht schützt nur noch die Urheber, während die einfachen User der Willkür der Anwälte ausgesetzt sind." Um dem ein Ende zu setzten, fordert Peter Kerl eine Bagatell-Klausel für geringfügige Verstöße, eine Entschädigung für zu Unrecht Belangte sowie eine kostenlose Erstabmahnung. Das aber hält Henning Plöger für verfehlt: "Unter dem Gesichtspunkt der Prävention wäre das für den Schutz des geistigen Eigentums verheerend." Gesetzesinitiativen in dieser Richtung sind bisher stets gescheitert. Wolf-Dieter Roth beurteilt die Chancen für eine Liberalisierung skeptisch: "Das Problem ist, dass viele Rechtsanwälte in der Gesetzgebung sitzen. Die haben gar kein Interesse daran, eine lukrative Einnahmequelle zu verlieren."

www.rettet-das-internet.de

www.abmahnwelle.de


So long (oder doch besser short?)

Kalli  

 

08.07.04 10:35

5698 Postings, 6774 Tage bilanzIm Cyberspace droht ein Wettrüsten

 
Trotz verstärkten Sicherheitsmassnahmen wird das Internet immer gefährlicher. Manch einer greift zur Selbstjustiz ? ein umstrittener Weg.

Tim Mullen hatte die Nase voll: «Ich beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen». Nachdem der Nimda-Wurm auf seinem Computer gewütet hatte, entwickelte er 2002 eine Software, die den Virus zerstörte und dem Verursacher eine Botschaft auf den Bildschirm schickte. Freundlich und harmlos. Trotzdem hagelte es Kritik; Gegner befürchteten für die Zukunft aggressivere Varianten. Die Diskussion um Counterstrike-Software, also Software mit Gegenschlagtechnik, war entbrannt.

Heute ist das Leben im Cyberspace anstrengender denn je. Immer mehr Computerschädlinge sind im Umlauf, Spammer bombardieren unsere Mailboxen, Hacker dringen in fremde Computer ein. Und die Missbräuche nehmen laufend zu. Die vom Cert (www.cert.org) der Carnegie-Mellon-Universität in Pennsylvania registrierten Vorfälle stiegen von 52 000 im Jahr 2001 auf 137 000 im 2003 drastisch an. Artige Surfer und Netzwerkadministratoren antworten darauf mit einer immer ausgeklügelteren Verteidigung und hinken im Wettrüsten doch stets einen Schritt hinterher. Wer möchte da nicht manchmal mit gleicher Münze zurückzahlen?

Erste kommerzielle Antisoftware
In den USA hat die Diskussion im April neuen Auftrieb bekommen, als die texanische Sicherheitsfirma Symbiot die erste kommerziell verfügbare Software mit automatisiertem Gegenschlagmechanismus auf den Markt brachte. Für 10 000 Dollar monatlich kann sich damit jede Firma gegen Hacker und andere Quellen ungewollten elektronischen Verkehrs schützen und auch gleich zurückschlagen, berichtet das Wissenschaftsmagazin «New Scientist» in einem Debattenüberblick.

Tatsächlich ist iSims, das neue Produkt von Symbiot, weniger harmlos als Mullens Erstling. Wenn iSims merkt, dass ein Computer attackiert wird, beginnt es den Angriff zu analysieren ? Wurm, Virus oder Attacke? ?, bestimmt den Ursprung des Angriffs und kalkuliert angeblich den finanziellen Schaden, der entstehen kann. Schliesslich schlägt es Abwehrmöglichkeiten vor. Sie reichen von «rein defensiv» bis «sehr aggressiv». Auf der niedrigsten Stufe lässt sich etwa Datenverkehr von bestimmten Sites blockieren. Als letztes Mittel schlägt iSims zurück. Und sendet einen bösartigen Code zum angreifenden Computer, um der Attacke ein Ende zu setzen. Sich der Brisanz des Features wohl bewusst, rät Symbiot, diesen Weg erst zu gehen, wenn wiederholte Angriffe von der gleichen Quelle stammen und das Problem auch mit Hilfe von Polizei und Internetprovider nicht gelöst werden konnte.

Tatsache aber bleibt: iSims ermöglicht es Anwendern, in andere Rechner einzudringen. Das bringt Kritiker in Rage. Sie halten nichts von Selbstjustiz. «Dadurch werde ich bloss auch zum Täter», meint Tobias Oetiker, Internetexperte an der ETH Zürich. «Im besten Fall ist das ein Rückfall ins Faustrecht», sagt Professor Bernhard Plattner vom Institut für Informatik und Kommunikationsnetze an der ETH und spricht von einem «Amoklauf». Nicht auszudenken, was passiert, wenn sich zwei Counterstrike-Programme gegenseitig beschiessen. Plattner: «Das gäbe ein schönes Spiel, besonders wenn es von einem Dritten bewusst gestartet wird.» Das Hauptproblem ist, dass heutige Angriffstechniken es nicht erlauben, automatisch auf den eigentlichen Angreifer zu schliessen. Bei DDoS-Attacken etwa, wo mehrere Hundert Computer einen Rechner mit Anfragen überfluten, bleiben die eigentlichen Drahtzieher im Dunkeln. Wer mit iSims zurückschlägt, straft deshalb meist unschuldige Computeranwender. Oetiker: «Man sollte sich darum gegen den Regen schützen und nicht auf die Wolken schiessen.»

Unschuldige Anwender gibts nicht
Aber gibt es unschuldige Anwender? Trägt nicht jeder gegenüber sich selbst und der Netzgemeinde die Verantwortung, dass sein Computer nicht als Virenschleuder missbraucht wird? Wer sich im Netz bewegt, muss mit Firewall, aktualisiertem Virenschutz und Sicherheitspatches gewappnet sein, ist die Ansicht von vielen, auch die von Tim Mullen. Und von Symbiot: «Eine infizierte Maschine, die nicht mehr unter der Kontrolle ihres Besitzers ist, ist kein unschuldiger Beteiligter mehr.» Das interessiert Kritiker von Gegenschlagtechniken indes kaum.

Was aber ist die Alternative? Klare Gesetze und Kontrollen zur Einhaltung? Oder eine Art Internetführerschein? Ein total sicheres Internet, so der «New Scientist», wäre eines, in dem nur noch klar definierte Aktivitäten passieren. Das wäre aber für viele der schlimmstmögliche Fall, weil es der Natur des Internets völlig entgegenliefe.

Die Diskussion um Counter-Strike läuft weiter. Dabei ist das Netz heute schon ein Ort, dem auch ohne iSims Schlachten drohen, die wir uns kaum vorstellen können.

Antispam-Projekte

Auch Antispam-Aktivisten haben genug vom nutzlosen Filtern und nehmen die Sache selbst in die Hand:

Archiv mit Projekten, die «zurückschlagen»: spamlinks.net
Idee: Der Filter soll durch Spam beworbene Seite mehrmals abrufen: paulgraham.com/ffb.html
Liste von Rechnern, über die Spam verschickt wird: www.spamhaus.org

www.tagesanzeiger.ch
 

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