Unter Druck passieren Fehler

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Clubmitglied, 43646 Postings, 7200 Tage vega2000Unter Druck passieren Fehler

Autoindustrie

"Unter Druck passieren Fehler"

Die deutschen Autobauer sparen und sparen ? und die technischen Mängel häufen sich. BMW und Mercedes müssen drei Werke für ein paar Tage schließen. Der Schaden liegt vermutlich bei weit über 100 Millionen Euro. Die Stimmung ist vergiftet.
Von Karl-Heinz Büschemann

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Weil der Zulieferer Bosch den Autobauern mangelhafte Einspritzpumpen für große Dieselmotoren geliefert hat, müssen BMW und Mercedes insgesamt drei Werke für ein paar Tage schließen.

Entsprechend groß ist die Wut bei den Autobauern. Vor allem das Mercedes-Management ist sauer. Genüsslich erzählen Vertreter des Unternehmens, wie sie sich den Schadensersatz vorstellen: ?Wir zählen alles zusammen, und dann gehen wir zu Bosch.?

Solche Töne sind neu. Üblicherweise nennen Autohersteller die Namen ihrer Zulieferer nicht ? als wäre es ihnen peinlich einzugestehen, dass sie ihre Autos nicht vollständig selbst bauen. Dass sich jetzt die Wut öffentlich gegen den größten deutschen Zulieferer richtet, belegt, wie blank die Nerven in dieser Industrie liegen, die seit fünf Jahren unter Absatzkrise und Preiskämpfen leidet.

"Der Druck ist dramatisch"

Die Flaute sorgt dafür, dass die Autohersteller mit allen Mitteln Kosten drücken. Ihre ersten Opfer sind die Zulieferer, die bei mancher Marke für 80 Prozent des Wertes eines Autos verantwortlich sind. Die Fahrzeughersteller machen oft nur noch Blechkleid und Motor ihrer Modelle selbst. Der Rest wird geliefert: Achsen, Scheinwerfer, Schiebedächer, Klimaanlagen, Sitze, Reifen.

Die Hersteller quetschen die Lieferanten aus, jedes Jahr verlangen sie Preissenkungen von drei bis fünf Prozent. ?Im Augenblick ist der Druck dramatisch?, klagt Heinz K. Junker von der Mahle GmbH, einem der größten deutschen Zulieferer. Da kann es nicht wundern, dass die Qualität der Autos leidet. ?Unter Druck passieren Fehler?, räumt Franz Josef Kortüm, Chef des Zulieferers Webasto, ein, der auch die andere Seite kennt: Kortüm war früher, als Nachfolger Ferdinand Piëchs, Vorstandschef von Audi.

Elektronik oft nur mangelhaft erprobt

Gerade deutsche Hersteller hatten zuletzt Qualitätsprobleme. Um die Konkurrenz auszustechen, setzen sie gern auf moderne Elektronik. Die wird in der Hektik des Marktes aber oft nur mangelhaft erprobt. Auffallend war das in den zurückliegenden Jahren zum Beispiel bei Mercedes, der deutschen Qualitäts- und Traditionsmarke. Die Autos blieben plötzlich verstärkt wegen technischer Mängel liegen.

Die Stuttgarter bekamen die Quittung von den Kunden: Auf dem deutschen Markt ging die Mercedes-Nachfrage 2004 um 2,35 Prozent auf 360 000 Autos zurück. Auch andere deutsche Marken litten unter technischen Macken. Der ADAC stellte fest, dass 2004 die Besitzer von japanischen Toyotas, Subarus und Hondas am zufriedensten mit ihren Autos waren. Bester Deutscher ist Porsche auf Rang fünf der ADAC-Liste.

BMW aber muss sich hinter Hyundai mit Rang 14 zufrieden geben, Audi mit Platz 23. Mercedes liegt auf dem 31. Platz, und Volkswagen wurde auf Rang 33 letzter.

Mit der Sparsamkeit übertrieben

Wendelin Wiedeking, den Chef von Porsche, machten schlampige Zulieferer so wütend, dass er ungewohnt laut wurde: ?Irgendwann werde ich die Lieferanten nennen.? Die Deutschen haben es offenbar mit der Sparsamkeit bei den Zulieferern übertrieben.

Dabei ist der berühmt-berüchtigte Einkäufer Ignacio Lopez noch in Erinnerung: Der Spanier hatte vor seinem Wechsel zu VW 1993 im Dienst von General Motors und Opel gestanden, wo er die Zulieferer mit rabiaten Methoden knechtete, um Kosten zu drücken. Am Ende litt die Qualität.

Mitsubishi leidet heute noch

Opel kämpft noch heute damit, dass die Zuverlässigkeit der Marke in den neunziger Jahren weggespart wurde. Auch die Kunden von VW, wo der spanische Kostenkiller die Zulieferer drangsalierte, bekamen Qualitätsmängel zu spüren.

Wie gefährlich es für einen Autohersteller werden kann, wenn er mangelhafte Autos liefert, beweist das japanische Unternehmen Mitsubishi Motors (MMC), an dem auch DaimlerChrysler beteiligt ist. Der viertgrößte japanische Pkw-Hersteller hat seinen Kunden jahrelang gravierende Mängel verschwiegen, um peinliche Rückrufe zu vermeiden. Das inzwischen hoch verschuldete Unternehmen wurde mit Milliarden-Krediten gerettet.


(SZ vom 5.2.05)

 

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