Unrentable Stellen streichen ist auch sozial

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eröffnet am: 05.02.05 12:09 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6089 Tage bammieUnrentable Stellen streichen ist auch sozial

Der massive Stellenabbau und das Renditeziel der Deutschen Bank stoßen auf Kritik. Prof. Dr. Leonhard Knoll, Wirtschaftsprofessor in Würzburg, zu sinnvollem Sparen, unvernünftig hohen Renditen und sozialromantischen Beschwörungsformeln.

boerse.ARD.de: Kritiker werfen der Deutschen Bank wegen ihres rigiden Sparkurses vor, sie habe keine Sozialverantwortung. Wie sehen sie das?

Leonhard Knoll: Marktwirtschaft ist eine soziale Angelegenheit. Unrentable Arbeitsplätze zu streichen, ist auch sozial. Die Frage ist: Was ist aus einzelwirtschaftlicher Sicht und aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sinnvoll? Als Außenstehender kann man dies nicht ohne detailliertere Informationen über die betroffenen Stellen beantworten. Bei manchen Arbeitsplätzen ist es ökonomisch sicher sinnvoll, bei manchen eher nicht.

boerse.ARD.de: Die Deutsche Bank hält die Entlassungen für sinnvoll, weil sie damit ihre Eigenkapitalrendite um 25 Prozent erreichen kann.

Leonhard Knoll: Jeder Anleger freut sich über hohe Renditen, doch wenn die Deutsche Bank dabei pauschal auf alle Geschäfte verzichtet, die weniger als die angestrebten 25 Prozent bringen, aber mehr als ihre Finanzierungskonditionen, ist das nicht sinnvoll.

boerse.ARD.de: Können Sie das vielleicht an einem Beispiel erläutern?

Leonhard Knoll: Nehmen wir als Grundlage das von der Deutschen Bank angestrebte Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite. Angenommen die Bank hat Refinanzierungskonditionen von 8 Prozent. Sie hat die Möglichkeit ein einem Geschäftsfeld 12 Prozent Rendite zu erzielen. Dann erzielt sie damit immer noch vier Prozent Überrendite, mit denen sie das Aktionärsvermögen mehrt.

boerse.ARD.de: Renditemaximierung als oberstes Ziel ist also nicht sinnvoll?

Leonhard Knoll: So ist es: Wenn ich die Rendite zu hoch ansetze, dann werden sinnvolle Projekte unter Umständen nicht vollzogen oder sie werden sogar abgebrochen. So können auch eigentlich rentable Projekte in einem Unternehmen sterben, nur weil sie die überzogene Rendite nicht erzielen.

boerse.ARD.de: Ist das Renditeziel der Deutschen Bank überzogen?

Leonhard Knoll: 25 Prozent Rendite ? das ist ein zu ehrgeiziges Ziel. Das können sie auf Dauer nicht erwirtschaften. Wenn jeder Arbeitsplatz mit weniger als 25 Prozent Rendite abgebaut wird, dann ist das unvernünftig. Zu hohe Renditevorgaben sind genauso schlecht, wie zu niedrige oder wie sozialromantische Beschwörungsformeln, wie wir sie von Managern auch schon gehört haben.

boerse.ARD.de: Die Deutsche Bank verlagert unter dem Stichwort "Smart Sourcing" Arbeitsplätze ins Ausland. Wie ,smart? ist das wirklich?

Leonhard Knoll: Zunächst einmal: Wenn ich im Ausland Geld verdienen kann, dann sollte ich das machen. Wenn ich das im Inland tun kann, dann auch. Die Frage ist bei der Deutschen Bank, ob es sich hier um eine Umschichtung handelt. Also: Wird die selbe Funktion ins Ausland verlagert? Wenn die gleiche Aufgabe im Ausland günstiger erledigt werden kann, dann ist eine Verlagerung natürlich sinnvoll.

boerse.ARD.de: Wann ist die Verlagerung denn nicht sinnvoll?

Leonhard Knoll: Es ist nicht sinnvoll, wenn es keinen Verbund in sachlicher Hinsicht gibt - wenn ich also in Deutschland ein Geschäft streiche, das 15 Prozent Rendite bringt, und gleichzeitig in Burundi ein völlig neues Geschäftsfeld aufmache, das die ersehnten 25 Prozent bringt. Ich muss natürlich unrentable Arbeitsplätze abbauen, aber nicht Stellen, die in Deutschland eine Überrendite erzielen und keinen Bezug zum deutschen Streichprojekt hat. Anders gelagert wäre der Fall, wenn mich das schlechtere Geschäft daran hindert, das bessere zu betreiben. Aber das kann ich bei der Deutschen Bank nicht so ohne weiteres erkennen.
 

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