Und abends a bisserl tuben - das is a Mordsgaudi

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eröffnet am: 31.10.05 15:57 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6124 Tage bammieUnd abends a bisserl tuben - das is a Mordsgaudi

Winterreifen paradox: In immer mehr Skiorten dürfen Reifen so richtig ins Rutschen kommen. Auf speziellen Rodelbahnen geht es auf ummantelten Lkw-Schläuchen den Hang hinab. Snowtubing heißt der neue Winterspaß.

Wenn in Bayrischzell die Sonne hinter den Bergrücken versinkt, dann wird am Rand des oberbayerischen Kurortes das Flutlicht angeschaltet. Denn dort befindet sich seit kurzem eine Piste, die mit den Abfahrten des nahe gelegenen Skigebiets Sudelfeld nicht viel gemein hat. Auch machen die Wintersportler, die hier vor allem am Abend den Hang hinabgleiten, nicht wirklich eine elegante Figur. Sie drehen sich um sich selbst, eiern von links nach rechts und fahren den anderen ständig von hinten in die Parade.

Dabei sitzen sie in großen, bunten Ringen und lassen die Beine über den wulstigen Rand baumeln - im Prinzip sieht es so aus, als rasten die Leute in zu heiß gewaschenen Schlauchbooten ins Tal. Und so etwas Ähnliches ist der "Snowtube", der Schlauchreifen, auch: ein mit Kunststoff ummantelter Lkw-Reifen, ein grellbunter Ring, der auf der Unterseite mit einem stabilen und vor allem sehr rutschigen PVC-Boden versehen ist.

Was bringt Skibegeisterte dazu, nach einem Tag auf den Brettern oder auf dem Snowboard noch in den Ring zu steigen? "Der Reiz ist, dass man eigentlich gar nicht lenken kann", sagt Harald Gmeiner von der Touristinformation Bayrischzell. Deshalb ist der 300 Meter lange Snowtubing-Hang auch gebaut wie eine Bobbahn - die rutschigen Reifenschläuche sausen in präparierten Schneekanälen etwa 30 Höhenmeter hinab. Anders als beim Bob-Paten Hackl Schorsch aber wird nicht auf Eis, sondern einer festen Schneedecke gerodelt. "Das ist selbst für kleine Kinder vollkommen ungefährlich", so Gmeiner. Und auch für lustige Gesellen, die zuvor schon einen Zwischenstopp im Après-Ski-Zelt eingelegt haben. Es sei einfach eine Mordsgaudi, abends "noch a bisserl zu tuben". Die Idee dazu kommt natürlich wie gehabt aus den USA, wo bereits seit Mitte der neunziger Jahre auf eigens präparierten Pisten mit Reifenschläuchen gerodelt wird.

Auf den Dreh mit dem Schlauchrodeln sind mittlerweile auch eine ganze Reihe von meist kleineren Skigebieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gekommen. Gerade für Familien scheint der Spaß mit den großen Reifen eine willkommene Ergänzung zum oft nur bescheidenden Lift- und Pistenangebot zu sein. So hat zum Beispiel auch St. Andreasberg im Oberharz vor zwei Jahren zusätzlich zu den drei Schleppliften am 870 Meter hohen Sonnenberg eine eigene Tubinganlage im Teichtal direkt neben dem Kurhaus eingerichtet. Bei Schneefall sind die 60 Tubes schnell belegt, eine Fahrt kostet 1,50 Euro, mit einem eigenen Lift für die Schlauchreifen ist man schnell wieder am Start der rund 100 Meter langen Piste. "Der Kick beim Tuben besteht darin, dass man keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit ausüben kann", sagt Skilift-Betreiberin Gloria Engelke.

Überhaupt spielt die Geschwindigkeit für viele Reifenrodler offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Deswegen veranstaltet man auf der Snowtubing-Bahn im österreichischen Faistenau am Hintersee auch keine Wettrennen, sondern "Zielrutschen". Das sei wie Eisstockschießen, meint Anlagen-Betreiber Erasmus Brandstätter. "Es geht nicht darum, wer Erster ist, sondern wer einem bestimmten Ziel am nächsten kommt." Und weil das Ergebnis meist eher vom Zufall als vom Können der Sportler abhängt, hat Snowtubing wohl auch in näherer Zukunft kaum eine Chance, als ernsthafter Wettkampfsport anerkannt zu werden. Aber vielleicht fällt Wok-Rodler Stefan Raab ja was dazu ein.

spiegel.de  

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