Übrigens bin ich heute traurig

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neuester Beitrag: 08.07.04 18:04
eröffnet am: 07.07.04 21:55 von: AbsoluterNe. Anzahl Beiträge: 12
neuester Beitrag: 08.07.04 18:04 von: Blackboy Leser gesamt: 468
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07.07.04 21:55

26159 Postings, 6166 Tage AbsoluterNeulingÜbrigens bin ich heute traurig

07.07.04 22:13
Ein Weltuntergang

Zum Tode des Künstlers und Cartoonisten Bernd Pfarr

VON HANS-JÜRGEN LINKE



Was soll jetzt aus Sondermann werden? Aus den Hunden und all den anderen Tieren? Den Außerirdischen, den Lampen, den Autos? Aus all den sanftmütigen, geheimnisvollen Leuten, Gegenständen und sonstigen Existenzen, die Bernd Pfarrs Bilderwelt bevölkern mit ihren schönen Seelen und ihrer großen Fähigkeit, uns zu erstaunen und zu erheitern? Ein entsetzlicher Gedanke, dass es all das jetzt nur noch retrospektiv geben soll: Bernd Pfarr ist gestorben.

Das ist mehr als eine traurige Todesnachricht, das ist ein Weltuntergang. Der Cartoonist und Maler Bernd Pfarr hat nicht nur Figuren, Bilder und Szenen entworfen, sondern eine ganze Welt, und wenn je der Begriff der Komischen Kunst einen genauen Sinn hatte, dann bei ihm. Bernd Pfarr war durch und durch Künstler, und seine Kunst war durch und durch komisch. Nicht zum Lachen, sondern auf eine sehr haltbare, abgründige und literarische Weise komisch.

Ein gutes Vierteljahrhundert hat er an seiner Welt gebaut, einer einladenden und vergleichsweise ruhigen Welt voller Schwindel erregender Fallhöhen, südländischer Architektur, voller existenzieller Fragen, eigenwilliger Farben und expressionistisch verrutschender Perspektiven. Diese Welt war von anderen Gesetzen geformt als das, was wir sonst kennen. Es war eine Welt, in der Kühlschränke Forderungen stellten, Zeus mit Torten warf, Hunde von der Kantschen Philosophie bis ins Mark getroffen wurden.

Weil anfangs das Satire-Magazin Titanic sein bevorzugtes Forum war, wurde Pfarr nicht ganz zu Unrecht der Neuen Frankfurter Schule zugerechnet, deren Horizont er erweiterte. An seiner Welt konnte man unter anderem auch im Magazin der Zeit sowie in zahlreichen Büchern Anteil nehmen. Für viele Menschen, die Bernd Pfarr nicht kannten, war seine Welt im Laufe der Jahre ein lieber Aufenthaltsort geworden und ihr Schöpfer ein guter Freund. Ihnen allen, uns allen wird er fehlen. Schrecklich fehlen.  

07.07.04 22:13
Sondermann ist tot
Gestern starb der Maler Bernd Pfarr. Wir verlieren den komischsten
Cartoonisten Deutschlands

Als Elke Heidenreich 1999 ihr Kinderbuch "Sonst noch was" der Öffentlichkeit vorstellte, da hieß es in der Zeit: "Die Bilder sind vom Pfarr. Dazu muss keiner mehr was sagen." Die Bilder "vom Pfarr" allerdings waren "unsagbar komische Witzbilder, die aber nicht aus den Motiven allein ihren Humor ziehen, sondern vor allem aus deren Ergänzung um lakonische Bildunterschriften, die noch dem tristesten Sujet eine heitere Seite abzugewinnen wissen", wie die FAZ über den "originellsten deutschen Comiczeichner" schrieb.

Geboren ist Bernd Pfarr in Frankfurt am Main, an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studierte er nach dem Abitur Gestaltung. Schon während des Studiums lieferte er Cartoons für den Stern und die Magazine von Zeit und Tages-Anzeiger.

Berühmt wurde vor allem seine Figur des skurrilen Buchhalters Sondermann, ein vom Schicksal gebeutelter Jedermann, dessen absurde Abenteuer regelmäßig in der Satirezeitschrift Titanic erschienen.

Vielleicht war sein abnormer Witz hierzulande auch deshalb so beliebt, weil er auch dem deprimierendsten Thema noch eine komische Seite abgewinnen konnte - und dabei alle Techniken der Malerei beherrschte.

So schenkte Pfarr dem eigentlich eher klamaukigen Genre eine philosophische Erkenntnistiefe, wie sie nicht nur hierzulande ohne Beispiel bleiben wird. "Eines Tages", so der Titel eines seiner Bücher, "war Zeus das Blitzeschleudern leid". Bernd Pfarr wurde 45 Jahre alt.
 

07.07.04 22:14
Eines Tages war die Kunst das Blitzeschleudern leid
Von Patrick Bahners



06. Juli 2004 Dr. Johnson hat bemerkt, eine predigende Frau errege die gleiche Art von Aufmerksamkeit wie ein Hund, der auf seinen Hinterpfoten läuft: "Es ist nicht gut gemacht, aber man ist überrascht, daß es überhaupt gemacht wird."

Das Diktum des Kritikerpapstes illustriert die Phantasielosigkeit des Klassizismus. Warum sollte ein Hund, der sich am Menschen ein Beispiel nimmt, seine Sache nicht gut machen können? Die Bilder von Bernd Pfarr sind bevölkert von Tieren, die im aufrechten Gang eine gute Figur machen. Da ist der Hund, der nicht nur das Laufen gelernt hat, sondern das Radfahren und das Seiltanzen. Über eine Fernstraße hat er ein Seil gespannt. Darauf balanciert er mit einem Einrad, während er in einer Pfote einen aufgespannten Regenschirm hält.

Ein Acrylbild des Friedens

Der Artist erweckt nicht die Art von Aufmerksamkeit, die Johnson abgestoßen hat. Keine johlende, feixende Menschenmenge gafft zu ihm empor. In Reih und Glied stehen die Kraftfahrzeuge, denen er die Weiterfahrt versperrt, bis in den letzten Winkel des Bildhintergrunds. Kein einziger Autofahrer ist ausgestiegen, um gegen die überraschende Fahrtunterbrechung zu protestieren.

Das Motiv hätte vielleicht auch dem Amerikaner Gary Larson für eine bissige Witzzeichnung einfallen können, aber unter den Händen Bernd Pfarrs wurde daraus ein Acrylbild des Friedens. Pfarrs Bildlegenden imitieren den novellistischen Ton der klassischen deutschen Literatur, um Anti-Novellen zu erzählen, um das Leben als unerhörte Begebenheitslosigkeit zu preisen. In diesem Fall: "Der gefürchtete ,Stau aus dem Nichts' findet zuweilen doch eine erstaunlich simple Erklärung."

Meister der Balance

Bernd Pfarr, der an diesem Dienstag im Alter von nur fünfundvierzig Jahren gestorben ist, war ein Meister der Balance, der Harmonie von Tönen und Stimmungen. Eine solche Wiedererschaffung des Klassischen war wohl nur in der vermeintlich niederen Kunst der komischen Zeichnung und Malerei möglich.

Pfarr hat sein Leben in Frankfurt verbracht, am Zentralort zunächst der sozialen Bewegungen und später der gesellschaftlichen Mobilität. Er gehörte zum Kreis der Satirezeitschrift "Titanic", für die er vor Urzeiten den Bürobewohner Sondermann erfand, an dem alle Mutationen des Angestelltentypus in old und new economy spurlos vorübergegangen sind, weil ihm die Gesellschaft zur Natur wird, zur Quelle nie versiegender Verwunderung.

Sanfter Unruhestörer

Aus dem Graphikstudium wie aus Künstlerfreundschaften wußte Pfarr, daß sich an seinen Beruf die Rollenerwartung des Rebellentums knüpfte: ein reichlich rauher Job für einen Mann von sanfter Gemütsart, wie er es war. Denn er war ein Unruhestörer. Wo die antiklassische Moderne mit ihren Blitzschlägen die ewige Gleichförmigkeit des entfremdeten Daseins sprengen wollte, da unterbricht Pfarr den lärmenden Lauf der einander an Neuheit und Häßlichkeit überbietenden Dinge mit lautlos glückenden, zeitlos schönen Kunststücken.

Er entrückt uns in eine beschauliche Welt, die man für die Welt seiner Kindheit halten würde, wäre er nicht erst 1958 geboren worden und also schon in die schrillen und grellen Sechziger hineingewachsen. Wenn er ein Kind seiner Zeit gewesen wäre, wenn sein Werk eine Provokation enthielte, dann wäre es die Kritik der Kritik des Idylls.

Kein verlorenes Paradies

Das Paradies, das er uns zeigt, in dem die Wölfe vielleicht nicht bei den Lämmern liegen, aber die Gazellen mit den Löwen Fußball spielen, ist kein verlorenes. Bernd Pfarr war von einem reinen Erkenntnisdrang beseelt, als hätte ihm Gott höchstpersönlich, der nette alte Herr mit dem langen weißen Bart, den er so oft gemalt hat, einen Paradiesapfel geschenkt, so daß er alles wissen wollen durfte, ohne darüber unglücklich zu werden.

Seine curiositas war grenzenlos, aber sie zog ihn nicht ins Unendliche der Selbstrevision. Von seiner nächsten Umwelt wollte er immer noch mehr erfahren. "Interessant: Viele Turmspringer trainieren in den eigenen vier Wänden." So steht es unter einem Pfarrschen Bild, und wer will sagen, ob es nicht wahr ist? In seinen eigenen vier Wänden sammelte er Blechautos und Bücher, die er sich noch ins Krankenzimmer kistenweise kommen ließ, denn wenn er die Welt betrachtete, ging es ihm wie Gott: Er sah, daß es gut war.

Im Frühjahr widmete das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover Bernd Pfarr eine Retrospektive. Am Eröffnungstag fanden in den Ausstellungsräumen der Stau aus dem Nichts wie auch das verwandte Phänomen des Lachens aus heiterem Himmel eine einfache Erklärung. Sie stand vor Augen, hing, wo sie hingehört: Bernd Pfarrs Kunst, unter den komischen deutschen Klassikern.

 

07.07.04 22:14
Karikaturist Bernd Pfarr gestorben

Mit Witz, Scharfsinn und viel Skurrilität veredelte Zeichner Bernd Pfarr die deutsche Magazin- und Buchlandschaft. Seine Figuren bevölkerten "Titanic", "Stern", "Zeit-Magazin" und Kinderbücher. Gestern ist der Maler und Karikaturist nach schwerer Krankheit gestorben.

Frankfurt am Main/Zürich - Er galt als Vertreter der "Neuen Frankfurter Schule", jener Künstlervereinigung um Robert Gernhardt, Hans Traxler und F.K. Waechter, die Ende der siebziger Jahre die deutsche Humorkultur revolutionierte. Bernd Pfarr nahm mit spitzer Feder und skurrilen Ideen den Zeitgeist aufs Korn und schuf mit "Sondermann", einem wortwörtlich sonderbaren Buchhalter, eine Kultfigur der Karikatur.

Pfarr begann seine Karriere 1978 mit Zeichnungen für das Satire-Magazin "Titanic", den "Stern" und das 1999 eingestellte "Zeit-Magazin". Der vielseitige Künstler illustrierte auch Buchtitel wie zum Beispiel eine Erich-Kästner-Gesamtausgabe (1998) und Elke Heidenreichs Kinderbuch "Sonst noch was" (1999).

Pfarr erhielt für sein umfangreiches Werk 1998 den Max-und-Moritz-Preis. Unter dem Titel "Komische Kunst" widmete dieses Jahr das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover Pfarrs Comic-Bildern eine Ausstellung. Zuletzt bekam sein Ende vergangenen Jahres zusammen mit Hans Zippert vorgelegtes Buch "Wenn Tiere verreisen" exzellente Kritiken. Bernd Pfarr erlag gestern im Alter von 45 Jahren einer schweren Krankheit.


 

07.07.04 22:15
Karikaturist Bernd Pfarr in Köln gestorben

07. Jul 16:27


Bernd Pfarr: "Nachmittägliche Hinterhofszene"
Foto: bernd-pfarr.de

Der Comic-Zeichner und Karikaturist Bernd Pfarr ist tot. Der gelernte Grafiker gehörte zur «Neuen Frankfurter Schule».


Der Frankfurter Comic-Zeichner und Karikaturist Bernd Pfarr ist am Dienstag im Alter von 45 Jahren in einem Kölner Krankenhaus gestorben. Sein Verlag Kein & Aber teilte mit, Pfarr sei einer langen schweren Krankheit erlegen. Pfarr zählte zur einflussreichen «Neuen Frankfurter Schule», deren Wirken in der Satirezeitschrift «Pardon» begann.
Pfarrs Cartoons erschienen seit 1978 unter anderem in «Titanic», «Zeit-Magazin» und «Stern». Er entwarf Buchtitel, unter anderem für die 1998 erschienene Erich-Kästner-Gesamtausgabe. Im selben Jahr erhielt er den Max-und-Moritzpreis. (nz)
 

07.07.04 22:16

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Cartoonist und «Tagi-Magi»-Mitarbeiter Bernd Pfarr gestorben

FRANKFURTm - Der deutsche Cartoonist und Maler Bernd Pfarr ist nach Angaben seines Verlags Kein & Aber im Alter von 45 Jahren an einer schweren Krankheit gestorben.

Zur bekanntesten Buch-Figur Pfarrs wurde «Sondermann», ein skurriler Buchhalter. Pfarr war langjähriger Mitarbeiter des «Magazins» des «Tages-Anzeiger».

«Pfarr arbeitete während mindestens zehn Jahren für uns», sagte «Magazin»-Redaktorin und Pfarr-Betreuerin Irene Mahrer-Stich auf Anfrage. Ende letzten Jahres hörte die Zusammenarbeit auf.

Pfarr, der 1978 mit Zeichnungen für das Satire-Magazin «Titanic» und den «Stern» sowie das «Zeit-Magazin» seine Karriere begann, wurde der «Neuen Frankfurter Schule» zugerechnet.

Dazu gehören bekannte Künstler wie Robert Gernhardt, Hans Traxler oder F.K. Waechter. Hervorragende Kritiken erhielt sein Ende vergangenen Jahres zusammen mit Hans Zippert vorgelegtes Buch «Wenn Tiere verreisen».

Der Cartoonist illustrierte ausserdem Buchtitel wie eine Erich-Kästner-Gesamtausgabe (1998) oder Elke Heidenreichs Kinderbuch «Sonst noch was» (1999).

Pfarr erhielt 1998 für sein Werk den Max-und-Moritz-Preis. Unter dem Titel «Komische Kunst» widmete dieses Jahr das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover Pfarrs Comic-Bildern eine Ausstellung.
 

08.07.04 17:40

26159 Postings, 6166 Tage AbsoluterNeulingDas gibt es ja nicht.

08.07.04 17:46

1148 Postings, 6700 Tage Desaster_MasterChlodwig Pohl auch gestorben!

08.07.04 17:48

192 Postings, 6045 Tage BlackboyMeine ziege lebt noch --also nicht traurig sein

08.07.04 17:54

59073 Postings, 7361 Tage zombi17@Blackboy

Deine Ziege ist ein Schaf:-)  

08.07.04 18:04

192 Postings, 6045 Tage Blackboyzombi-- du hast recht

scheisse--das ist wirklich ein schaf--
bitte nicht weiter erzählen
wie kann ich das auch nur verwechseln
Gruss Blacky--Jimmyboy  

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