US-Zinsentscheid: Spannend wird die Erläuterung!

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eröffnet am: 30.06.04 08:52 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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967649 Postings, 6200 Tage moyaUS-Zinsentscheid: Spannend wird die Erläuterung!

US-Zinsentscheid: Spannend wird die Erläuterung!

Alle wartet auf Alan Greenspan. Doch das Warten hat nun ein Ende: Morgen wird der US-Notenbankpräsident vor die Presse treten und - vieles deutet darauf hin - mit der Erhöhung der Leitzinsen um 25 Basispunkte einen neuen Zinserhöhungszyklus einläuten.

Die Hängepartie an den internationalen Aktienmärkten setzte sich auch in der letzten Woche fort. Von Unternehmensseite kamen wie erwartet kaum Impulse. Auch die veröffentlichten Makrodaten lieferten wenig Anlass für stärkere Umschichtungen. Folge: die Börsenumsätze verharrten auf niedrigem Niveau. Auf Branchen- und Einzeltitelebene waren keine ausgeprägten Trends festzustellen. ExtraChancen sprachen mit Steffen Neumann von der Landesbank Rheinland-Pfalz, ob sich an diesem Szenario im Anschluss an die mögliche Zinserhöhung in den USA etwas ändern wird.


? Herr Neumann, die Börsianer rund um den Globus warten bereits seit einigen Wochen mit wachsender Spannung auf Alan Greenspan...

Neumann: Das ist richtig. Am kommenden Mittwoch berät die US-amerikanische Notenbank über eine Leitzinsanhebung. Relativ sicher ist, dass dieser Schritt kommen wird. Unklarheit herrscht lediglich darüber, ob die Fed um 0,25 oder 0,5%-Punkte erhöhen wird. Aktuell weist der Leitzins mit einem Niveau von 1% den niedrigsten Stand seit 1958 auf.

? Welche Entscheidung favorisieren Sie?

Neumann: Es sieht ganz danach aus, als würde der bevorstehende Zinserhöhungszyklus in den USA - wie die beiden vorangegangenen - mit einem ersten kleinen Schritt von 25 Basispunkten beginnen. Spannend wird deshalb vor allem die Erläuterung des Notenbankchefs, die dann auch wesentlich die Erwartungsbildung für das nächste Treffen des Offenmarktausschusses am 10. August bestimmen dürfte. Zur Erinnerung: 1994 und auch 1999 folgte sechs bzw. sieben Wochen nach dem ersten Viertel eine weitere Satzanhebung um 25 Basispunkte.

? Welche Auswirkungen auf die internationalen Aktienmärkte hätte dieses Szenario?

Neumann: Angesichts der Tatsache, dass die Fed höchstwahrscheinlich den Erwartungen von einer Anhebung um 25 Basispunkte entsprechen und gleichzeitig keine radikale verbale Neuausrichtung vornehmen wird, steht zu befürchten, dass sich der Erkenntnisstand auch nach der Entscheidung nicht wesentlich verbessern wird. Das `Warten auf den Zinsentscheid` könnte somit nahtlos in ein `Warten auf die kommenden Makrodaten` übergehen.

? Können Sie das einmal näher erläutern?

Neumann: Sollte die US-Zinsentscheidung am Mittwochabend tatsächlich unspektakulär verlaufen, so bieten sich in den kommenden Tagen noch eine ganze Reihe anderer Makrodaten an, um das Gesamtbild vor allem mit Blick auf den 10. August abzurunden.

? Welche Daten meinen Sie im Einzelnen?

Neumann: Interesse dürfte vor diesem Hintergrund insbesondere das Verbrauchervertrauen des Conference Board für den Juni, der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago sowie der ISM-Index wecken - zumal beim Chicagoer PMI und dem ISM im Gegensatz zum Konsumklima mit einem Rückgang gerechnet wird. Bereits für Mai waren beide Industrieklimaindikatoren schwächer erwartet worden und überraschten schließlich mit Zuwächsen. Insbesondere der Chicagoer PMI sprang von 63,8 auf 68 Punkte, so dass die nun erwarteten 65 Punkte für Juni als Konsolidierung des zuvor starken Anstiegs zu verstehen sind.

? Welche Erwartungen haben Sie an den ISM-Index?

Neumann: Der nationale ISM wird wie im Mai mit 61,5 erwartet. Dies mag vor allem darauf zurückzuführen sein, dass der letzte Anstieg trotz rückläufiger Teilkomponenten für Auftragseingänge und Produktion zustande kam. Insbesondere die Beschäftigungskomponente hatte sich stark verbessert.

? Damit dürfte dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag erneut hohe Aufmerksamkeit garantiert sein, oder?

Neumann: Das ist richtig. Im Mai trafen die veröffentlichten 248.000 neu geschaffenen Stellen die Konsenserwartung von 223.000 recht genau, auch wenn sich dies bei der Revision, die mit den Juni-Zahlen mitgeliefert wird, noch etwas ändern könnte. Um die Erwartungsbalance nach der Zinsentscheidung nicht gleich empfindlich zu stören, ist es auch dieses Mal von Bedeutung, dass die erste Schätzung nicht all zu weit vom Konsens entfernt liegt. Prognostiziert wird ein nahezu unveränderter Zuwachs um 240.000 Stellen.

? Gehen vor dieser Flut an amerikanischen Wirtschafts- und Konjunkturdaten die in Europa zur Veröffentlichung stehenden Zahlen unter?

Neumann: In gewisser Weise schon. Die europäischen Makrodaten haben vergleichsweise geringe Chancen, sich gegenüber den US-Veröffentlichungen zu behaupten. Selbst die EZB-Sitzung am Donnerstag dürfte im Schatten der US-Entscheidung vom Vortag bleiben. Für den Euroraum stehen am Mittwoch der Geschäftsklimaindex für Juni und die Juni-Verbraucherpreise sowie am Freitag die Mai-Erzeugerpreise und der Reuters-Einkaufsmanagerindex für Juni auf der Agenda.

? Wo erwarten Sie die größten Impulse?

Neumann: Am ehesten dürften die Geschäftsklimaindikatoren die Stimmung beeinflussen. Nach dem schwächer als erwartet ausgefallenen IFO-Index bleibt ungewiss, ob der Reuters-Einkaufsmanagerindex für Deutschland sich - wie im Konsens prognostiziert - leicht auf 56,3 Punkte verbessern und damit den Vorsprung gegenüber seinem Euroland-Pendant behaupten kann.

? Alles in allem steht den Börsianern eine ereignis- und vor allem datenreiche Handelswoche bevor. Ist an deren Ende auch mit dem Ende der Hängepartie an den internationalen Aktienmärkten zu rechnen?

Neumann: Davon ist nicht auszugehen. Die konjunkturellen Szenarien dürften in den kommenden Woche nicht neu geschrieben werden. Zumindest aber die Perspektive für den nächsten Zinstermin der Fed im August dürfte aber etwas aufklaren.

?  Können Sie zum Abschluss noch einmal ihre Erwartungen zusammenfassen?

Neumann: Untermauern die Wirtschaftsdaten tatsächlich die Einschätzung, dass auch der nächste Schritt mit 25 Basispunkten gut bemessen wäre, so könnte - zumal der Ölpreis sich in letzter Zeit spürbar moderater entwickelt - das Zinsthema etwas zurücktreten und damit helfen, eine bedeutende Unsicherheitskomponente aus Sicht des Marktes sukzessive etwas zu entschärfen.

 

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