US-Daten / gefährliche Situation für den US-Konsum

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eröffnet am: 02.07.04 19:09 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen - gefährliche Situation für den US-Konsum!

von Jochen Steffens

Die Börsen langweilten sich heute zunächst nach den überaus schlechten Vorgaben aus den USA auf niedrigem Niveau und warteten auf die US-Arbeitsmarktdaten. Zuvor wollte sich offenbar niemand so recht positionieren. Keine Nachrichten belasteten, selbst eine angebliche Terrorwarnung der El-Kaida für Europa brachte keine Bewegung in den Markt. Das mag auch daran gelegen haben, dass diese von der Bundesregierung nicht sonderlich ernst genommen wurde. Schließlich war die "Organisation", die diese Drohung geäußert hatte, bereits dadurch positiv aufgefallen, dass sie sich zunächst zu dem großen Stromausfall in den USA "bekannt" hatte, bis sich herausstellte, dass es da nichts zu bekennen gab. Auch aus diesem Grund seien diese Äußerungen sehr mit Vorsicht zu genießen, so das Innenministerium.

Um 14.30 Uhr kam dann urplötzlich richtig Bewegung in den Markt. Die US-Arbeitsmarktdaten ließen den Dax-Future in wenigen Minuten mal eben um 30 Punkte wegknicken, nur um ihn direkt anschließend genauso schnell wieder 25 Punkte hochjagen zu lassen. Danach zuckte der Dax nervös, geschockt und etwas paralysiert hin und her. Warten auf die Amerikaner war angesagt, um zu schauen, wie sie wohl diesen Daten umsetzten würden. Was war geschehen?

Die Zahl der in den USA neu geschaffenen Stellen enttäuschte dramatisch! Die Zahl der Beschäftigten stieg zwar um 112.000, erwartet wurden aber 250.000-265.000 neu geschaffene Stellen. Man fragt sich, was ist hier los?

Wenn ich mir die letzten US-Konjunkturdaten anschaue, dann erkennt man generell ein Nachlassen der Konjunktur-Euphorie - immer mehr Indikatoren verschlechtern sich zusehends. Es kann natürlich sein, dass aufgrund hoher Ölpreise und den damit verbundenen höheren Produktionskosten; Energiekosten etc, viele US-Firmen erst einmal auf weitere Einstellungen verzichtet haben, um die Produktionskosten niedrig zu halten (die genauen Zusammenhänge hatte ich bereits mehrfach erläutert).

Dann gibt es noch eine Branche, die große Angst vor steigenden Zinsen hat. Ich denke hier insbesondere an alle Firmen, die mit dem US-Immobilienmarkt zusammenhängen. Durch den enormen Boom wurden in letzter Zeit gerade hier viele Stellen geschaffen. Das hatte sich in den letzten Monaten sehr positiv auf die "neu geschaffenen Stellen"
ausgewirkt. Aufgrund der Erwartung steigender Zinsen dürften auch die Firmen, die vom Immobilienboom bisher profitiert haben, erst einmal vorsichtiger agieren.

Generell ist diese Zahl ein weiteres schlechtes Zeichen für die US-Konjunktur. Nun gibt es folgendes Problem: Steigende Zinsen werden sich auf die Konsumfreudigkeit der hoch verschuldeten US-Konsumenten nachteilig auswirken. Um diesen Einbruch im Konsum auszugleichen, müssten mehr Menschen Arbeit finden, die dann natürlich auch mit dem mehr Geld durch die neue Arbeit mehr konsumieren könnten. Wenn nun aber die "neu geschaffenen Stellen" andeuten, dass genau das nicht der Fall ist, wirkt sich der Effekt steigender Zinsen ungleich stärker auf den Konsum der Amerikaner aus. Das ist eine fatale Entwicklung.

Zu der Verschuldung der Privathaushalte, taucht in letzter Zeit vermehrt eine doch recht eigenwillige Argumentation einiger über die Jahre offenbar etwas betriebsblind gewordenen Bullen auf: Sie setzten die enorme Verschuldung der privaten Haushalte in Bezug zu den enorm gestiegenen "Vermögenswerten" der Amerikaner. Das klingt auf den ersten Blick auch recht einleuchtend. Natürlich kann ich mich mehr verschulden, wenn ich mehr Vermögen habe - schließlich sind dann meine Schulden durch mein größeres Vermögen abgedeckt.

Ich möchte, um diese Harakiri-Argumentation einmal zu enttarnen, ein uns allen bekanntes Ereignis in Erinnerung rufen: Die Spekulationsblase 1999-2000.

Die "Vermögenswerte" in den USA sind schließlich nur deswegen derart kräftig gestiegen, weil wir in den USA zurzeit eine Immobilienblase erleben, die eine ähnliche Qualität hat, wie die Spekulationsblase an den Aktienmärkten, die im März 2000 zusammenbrach.

Stellen Sie sich vor, damals hätte jemand gesagt: Es ist doch kein Problem, dass die Anleger alle Aktien auf Kredit kaufen und sich damit bis zur Halskrause verschulden, schließlich explodieren ihre Vermögenswerte (ihre Aktien) gerade in gleichem Maße. Vielmehr muss man sich sogar verschulden, damit man noch mehr Geld in Aktien investieren kann. Damals hätte jeder genickt und ich weiß, dass damals auch genau solche Aussagen von Analysten gekommen sind.

Heute würde jeder von Ihnen "Himmel Hilf" schreien und solche Analysten mit faulen Eiern bewerfen. Denn es sind eben nur Buchwerte und nicht reale Gewinne. Und genauso führt der Immobilien Boom in den USA dazu, dass die Häuser der Amerikaner nur auf dem Papier viel mehr Wert sind. Dabei gibt es noch einen recht gefährlichen Unterschied zwischen Aktien und Häusern: Aktien kann man sehr schnell verkaufen, wenn die Kurse fallen. Versuchen Sie das mal mit Häusern ...

Ich schätze, Sie verstehen nun, warum dieses Argument der gestiegenen Vermögenswerte ein Harakiri-Argument ist - sollte die US-Konjunktur nicht erstarken, die Zinsen aber weiter steigen (z.B. aufgrund inflationärer Tendenzen), dann wird der Immobilienmarkt in sich zusammenbrechen wie ein Kartenhaus in einem Sturmtief und die hochgelobten "gestiegenen Vermögenswerte" lösen sich in ein Hauch von Nichts auf. Aber, und das ist das bedenkliche, die Schulden werden bestehen bleiben - das war's dann mit den gestiegenen Vermögenswerten!

Lassen Sie sich also nicht von solchen vordergründig schön klingenden Argumenten hinters Licht führen.

Die Märkte rauschen gerade in die Tiefe. Sorry, aber auch das geht wieder viel zu schnell. Irgendwie übertreiben die Deutschen immer wieder gerne, nach unten, wie nach oben ...

 

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