US-Computerbranche - Good bye, Arbeitsplätze

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eröffnet am: 28.08.03 08:08 von: JoBar Anzahl Beiträge: 1
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3010 Postings, 6407 Tage JoBarUS-Computerbranche - Good bye, Arbeitsplätze

US-Computerbranche - Good bye, Arbeitsplätze

Tausende IT-Jobs wandern von den USA nach Indien, China und Russland ab. Die arbeitslosen US-Programmierer fordern jetzt gesetzlichen Schutz.

   
Peter Kerrigan ermutigte in den 80er und 90er Jahren noch jeden, ins Silicon Valley zu kommen und sich einen lukrativen Arbeitsplatz in der boomenden High-Tech-Branche zu sichern. Aber im August 2001 war er selbst seinen Job in der Netzwerktechnik los und arbeitslos. Der 43-jährige Programmierer drängt jetzt seinen 18-jährigen Neffen, in Chicago zu bleiben und bloß nichts mit Computerwissenschaften oder ähnlichem anzufangen.

„Ich sage ihm, wenn du nicht in den technischen Verkauf willst, dann lass’ es“, sagt Kerrigan. „Eine Karriere in der Software-Entwicklung wird es für ihn nicht geben, denn diese Arbeitsplätze sind alle nach Indien gegangen.“ Wie viele arbeitslose Programmierer macht Kerrigan die Abwanderung der Software-Branche in Niedriglohnländer wie Indien, China oder Russland für seine Lage verantwortlich.


Das Ende der amerikanischen Dominanz?

US-Manager vergleichen den Verlust tausender Jobs im Hightech-Bereich inzwischen mit der Verlagerung der Arbeitsplätze aus der verarbeitenden Industrie in früheren Jahren nach Südostasien oder Lateinamerika. Diesmal aber sind Arbeitsplätze betroffen, bei denen besondere Fähigkeiten und eine umfassende Ausbildung gefordert sind.

Phil Friedman, Chef von Computer Generated Solutions  
Kritiker befürchten, dass die Abwanderung das Ende der technologischen Dominanz der USA einläutet. „Wir geben Ländern wie Indien und China die Unterstützung, die sie brauchen, um ihre Hightech-Industrie aufzubauen. Auf längere Sicht kann dies zum Nachteil für uns werden“, sagt Phil Friedman, Chef von Computer Generated Solutions in New York.

Die Verlagerung der Hightech-Arbeitsplätze in der Software-Entwicklung wird mit einer Situation verglichen, in der nicht nur die Automobilfertigung, sondern auch Planung und Design ins Ausland verlagert werden. Laut den Marktforschern von Forrester Research wurden 2000 rund 27.000 Hightech-Arbeitsplätze von den USA ins Ausland verlagert, für 2015 wird die Zahl auf 472.000 geschätzt

Laut Forrester werden Firmen in Europa und den USA in den kommenden beiden Jahren fast ein Drittel ihrer IT-Budgets im Ausland ausgeben. Der Grund liegt auf der Hand: Laut einer Untersuchung der Beratungsfirma Cap Gemini Ernst and Young kostet die Arbeitsstunde eines indischen Programmierers 20 Dollar - ein Amerikaner kostet 65 Dollar.

Viele US-Firmen haben inzwischen Entwicklungszentren in Indien, China oder Russland eingerichtet. „Wir investieren in die am stärksten wachsenden Märkte“, sagt Intel-Sprecher Chuck Mulloy. Intel beschäftigt inzwischen mehrere hundert russische Mitarbeiter. Microsoft ist schon seit 1999 in Indien aktiv und beschäftigt dort zahlreiche Programmierer, die auch an der Entwicklung von Windows arbeiten.


Peking.com

Ein weiterer Großkonkurrent heißt in Zukunft China. Auch wenn sich die meiste Aufmerksamkeit in den USA und Europa auf Indien konzentriert, sind andere Länder längst vorne mit dabei. Die USA würden den IT-Sektor zwar in absehbarer Zeit weiter beherrschen, China könne aber zu einem ernsthaften Konkurrenten werden, heißt es in einer Studie des Rand-Instituts. Die anhaltende wirtschaftliche Krise in Japan könne dazu führen, dass China bald das „Machtvakuum“ im IT-Bereich in Asien füllen werde.

Rand verweist auch darauf, dass in Asien bereits 70 Prozent der IT-Produkte hergestellt werden, so die meisten Monitore und Computer.

Marcus Courtey, Washington Alliance of Technology Workers  
Etliche arbeitslose Programmierer in den USA fordern inzwischen, dass der US-Kongress die Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland untersuchen und gegebenenfalls auch beschränken soll. Marcus Courtey von der Washington Alliance of Technology Workers sagt: „Die Arbeiter brauchen ein Mitspracherecht über ihre wirtschaftliche Zukunft und eine Stimme gegen die Manager, die diese einseitigen Entscheidungen treffen.“

(sueddeutsche.de/AP)




 

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