US-Ausschüttungspolitik wird langsam unplausibel

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eröffnet am: 14.02.05 07:02 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6092 Tage bammieUS-Ausschüttungspolitik wird langsam unplausibel

Die Strategen von Merrill Lynch meinen, die Anleger sollten sich lieber um die Mittelzuflüsse der US-Firmen sorgen, statt um ihre Verwendung. Weitere Themen in diesem Kapital: Dell und Danone.

Ihr Argument - das sie aus den Komponenten der Einkaufsmanagerindizes ableiten - ist, dass der Umsatz weniger wachsen wird als geplant. Das würde Margendruck erzeugen und die Lager schwellen lassen. Und das droht in der Tat.
Wer trotzdem auf nachhaltige Cashflows baut, muss die Firmen geradezu zu höheren Ausschüttungen drängen. Im S&P 500 wurden 2004 nur knapp 29 Prozent der Gewinne als Dividenden gezahlt, 2005 sollen es gut 29 Prozent sein. Sicher, es gibt große Aktienrückkäufe. Aber die sind unstet und dienen vor allem der Neutralisierung von ausgeübten Mitarbeiteroptionen sowie von aktienfinanzierten Zukäufen. So lag der Aktienumlauf in Q4 um 0,7 Prozent über dem Vorjahr.
Warum sollten die Anleger höhere Ausschüttungen fordern? Abgesehen von teuren Übernahmen gibt es zwei Alternativen: investieren oder Kasse anhäufen. Doch in beiden Fällen würde die für 2005 unterstellte Eigenkapitalrendite von 17,5 Prozent schnell plumpsen. Bei dieser Rentabilität reicht übrigens eine Thesaurierungsquote von 57 Prozent, um die Gewinne um zehn Prozent zu steigern. Um wie das nominale BIP um sechs Prozent zu wachsen, reichen 34 Prozent.
Nun liegt die US-Ausrüstungsinvestitionsquote im Verhältnis zum nominalen BIP allerdings bereits um 1,3 Prozentpunkte über dem Nachkriegsschnitt. Wegen der Kettengewichtung ist die entsprechende Rechnung mit realen US-BIP-Zahlen unzulässig. Aber vermutlich ist die reale Quote höher, da Kapitalgüter relativ billig sind. In Deutschland etwa ist die reale Ausrüstungsinvestitionsquote über ihrem langjährigen Schnitt, obwohl sie nominal um satte 1,2 Prozentpunkte darunter liegt. Noch höhere Investitionen würden also wahrscheinlich ein Überangebot schaffen und Margendruck erzeugen.
Geld zu scheffeln ist hingegen ökonomisch fragwürdig (die Bilanzen sind angeblich gesund) und würde die Eigenkapitalrendite unweigerlich drücken, da Geld und Bonds ja kaum was abwerfen. Alles in allem wird die kleinliche Ausschüttungspolitik der US-Firmen also zunehmend unplausibel. Es sei denn, die Gewinne wären ein bisschen aufgebläht. Oder die Firmen glauben nicht an ihre Nachhaltigkeit. Beides trifft zu.
Dell

Wenn die Dynamik über alle Segmente schneller als gedacht schwindet, ahnden die Anleger selbst kleine Verfehlungen harsch. Pech also für Dell, dass der laut IDC jetzt "unangefochtene Marktführer" der PC-Bauer schon in Q4 mit 13,46 Mrd. $ Umsatz um 60 Mio. $ unter der Vorgabe lag. Die aber fehlen erneut, wenn das Wachstum jetzt nochmals auf 16 Prozent fällt. Wie die im Quartalsvergleich rückläufigen Notebookumsätze zeigen, ist es eben auch für Dell schwer, die US-Verbraucher trotz fehlender Innovationen derzeit noch zum PC-Kauf zu animieren.
Und der Bedarf lässt ja weltweit nach. Da bringen selbst drastische Preisschnitte nur noch Mehrumsätze zu Lasten der Marge. Die allerdings steigerte Dell zuletzt auf operativ 8,8 Prozent - und will das weiterhin. Doch ob LCD-Bildschirme und Speicherchips in der zweiten Jahreshälfte immer noch spottbillig sind? Immerhin brummt bei den wichtigen Firmenkunden das Geschäft mit Servern und Speichersystemen, ermutigenderweise jetzt vor allem in Europa. Dazu mausert sich die junge Druckersparte zur echten Herausforderung für HP. Die dortige Führungslücke und IBMs Ausstieg aus dem PC-Geschäft bieten im konservativen Mittelstand weitere Chancen. Groß an den Umsatzschätzungen feilen werden die Analysten daher nicht.
Auch wenn Dell die anvisierten 60 Mrd. $ früher als gedacht erreicht: Mit 22 Prozent Wachstum rechnet heuer niemand. Springen aber nur 17 Prozent heraus, belastet die Bewertung umso mehr. Selbst mit dem operativen 2005/06er KGV von 23 gerechnet, hat die Aktie mehr zu verlieren als zu gewinnen.
Danone

Nicht, dass man bei Danone keinen Schluckauf kriegen könnte. Die kostspielige Expansion ins Wassergeschäft etwa war dazu geeignet. Aber ein flächenbereinigtes Umsatzplus von 7,8 Prozent 2004 ist beeindruckend - zumal die Rentabilität trotz höherer Werbeausgaben und Rohstoffkosten noch zulegte.
Nur impliziert die Bewertung noch etliche Jahre wie dieses. Die Mittelüberschüsse liegen zwar bei sechs Prozent des Marktwertes. Aber für den Sektor ist das unspektakulär. Vor allem aber geht das darauf zurück, dass die Investitionsquote seit 2001 von 5,1 auf 3,1 Prozent gedrückt wurde. Das jedoch ist kaum nachhaltig, schon weil das Wachstum eher zunimmt. Zudem senkt ein Rückgang der Kapitalintensität längerfristig auch die Markteintrittsbarrieren. Und die Billigeinzelhändler verkaufen auch Yoghurt.  

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