USA - Demokraten müssen um Macht fürchten

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eröffnet am: 15.12.06 10:46 von: kiiwii Anzahl Beiträge: 1
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Demokraten müssen um Macht fürchten

Kapitol
Blick auf den US-Kongress in Washington
                
§
FOCUS | 15.12.06, 06:51 |

Amerikas Demokraten drohen ihre knappe Mehrheit im Senat zu verlieren, bevor die neue Sitzungsperiode begonnen hat.


Ein Demokratensenator erlitt eine plötzliche Gehirnblutung und könnte durch einen Republikaner ersetzt werden. Damit wäre die Partei von George W. Bush wieder an der Macht.


Kollaps live im Radio


Der Zusammenbruch passierte live im Radio. Demokraten-Senator Tim Johnson aus dem US-Staat South Dakota gab gerade ein Rundfunkinterview, als er auf einmal ins Stottern geriet. Der 59-Jährige brachte keinen zusammenhängenden Satz mehr heraus, schien nach Worten zu suchen. Sekunden später versagte seine Stimme völlig.


Mitarbeiter alarmierten sofort den Notarzt, der Johnson mit dem Verdacht eines Schlaganfalls ins Washingtoner ?George Washington Hospital? einlieferte. Dort wurde der Senator noch in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) operiert. Die Diagnose: Gehirnblutung. Derzeit liegt Johnson auf der Intensivstation. ?Sein Zustand ist kritisch?, meldet das Krankenhaus.


Der jähe Kollaps ist nicht nur eine Tragödie für Johnson und seine Familie, er könnte den Demokraten auch die hauchdünne Mehrheit im Senat kosten, die sie erst bei den Kongresswahlen im November gewonnen hatten. Laut Wahlergebnis wird die Partei im Januar mit zwei Sitzen Vorsprung (51 zu 49) vor den Republikanern in die Kammer einziehen und dort sämtliche Ausschüsse kontrollieren. Johnsons Leiden bringt diesen Machtwechsel jetzt jedoch in Gefahr.


Republikaner als Nachfolger so gut wie sicher


Sollte der Demokratensenator sein Amt aus Gesundheitsgründen niederlegen müssen, oder die Folgen der Gehirnblutung im schlimmsten Fall nicht überleben, müsste der Gouverneur von South Dakota, Mike Rounds, nach US-Recht einen Nachfolger für ihn bestimmen. Rounds ist Republikaner und es gilt als sicher, dass er einen Parteifreund in die US-Hauptstadt schicken würde. Damit stünde es zwischen Demokraten und Republikanern 50 zu 50.


Cheney wird vielleicht ?Tiebraker?


Im Falle eines solchen Gleichstands wäre laut Verfassung Vizepräsident Dick Cheney der entscheidende ?Tiebraker?. Da Cheney ebenfalls Republikaner ist, würde die Macht wieder an die Parteifreunde von George W. Bush zurückfallen. Die Republikaner könnten dann auch die von den Demokraten fürs kommende Jahr bereits angekündigten Untersuchungen gegen den Präsidenten, etwa zu den Hintergründen des Irakkriegs, blockieren.


Bisher halten sich die Ärzte über Johnsons Genesungschancen noch weitgehend bedeckt. ?Für eine langfristige Prognose ist es noch zu früh?, meint der behandelnde Arzt im Kapitol, John Eishold. Wie es aus dem Krankenhaus heißt, war die Blutung in der linken Hirnhälfte aufgetreten, die das Sprachzentrum und die Beweglichkeit der rechten Körperseite steuert. Dies könnte auch bei günstigem Verlauf eine monatelange Sprech- und Physiotherapie für Johnson bedeuten.


Rücktritt auch bei Sprech-Behinderung unnötig


In diesem Fall müsste der 59-Jährige jedoch nicht unbedingt zurücktreten. Vor ihm blieben bereits andere Politiker trotz Krankheit in Amt und Würden. Der frühere Demokratensenator Clair Engle etwa, der an einem Gehirntumor litt, ließ sich 1964 kurz vor seinem Tod sogar auf einer Bahre ins Kapitol tragen, um für die neuen Bürgerrechte in den USA zu stimmen. Als Republikanersenator Karl Mundt 1969 einen schweren Schlaganfall erlitt, machte er noch über drei Jahre weiter. Seine Arbeit wurde zum größten Teil von Mitarbeitern erledigt. Der Demokrat David Pryor nahm 1991 nach einem Herzinfarkt fünf Monate Auszeit, bevor er wieder in den Senat zurückkehrte.


Einige Experten erinnern zudem an den Willen des Volkes: ?Amerika hat im November für einen Machtwechsel in Washington gestimmt?, gibt der Demokratenstratege und Clinton-Berater James Carville zu bedenken: ?Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wähler begeistert wären, wenn jetzt doch wieder alles beim Alten bleiben würde, nur weil ein Senator überraschend erkrankt ist.? Der frühere Republikanerabgeordnete J.C. Watts gibt ihm recht: ?Auf diese Weise wollen wir den Senat bestimmt nicht zurückgewinnen.?



MfG
kiiwii

"Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben" (B.R.)
 

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