Trickbetrug - Die alten Geschichten ziehen immer

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 18.08.05 10:18
eröffnet am: 18.08.05 10:18 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 18.08.05 10:18 von: bammie Leser gesamt: 161
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

18.08.05 10:18

8970 Postings, 6208 Tage bammieTrickbetrug - Die alten Geschichten ziehen immer

Mal als Handwerker verkleidet, mal als Altenpflegerin oder geschickt als "Enkel" getarnt. Trotz aller Warnungen der Polizei finden Trickbetrüger immer wieder Opfer. Der einfachste Weg: das Telefonbuch.

Die Tricks der Ganoven sind so alt wie abschließbare Wohnungen. Die Bitte um ein Glas Wasser, Stift und Zettel, das Geschenk für den Nachbarn oder das vermeintlich unschlagbar billige Angebot einer Jacke oder eines Teppichs: All diese Maschen dienen Trickbetrügern und -dieben dazu, in fremde Wohnungen zu gelangen und diese dann auszuräumen. Ebenfalls beliebt bei den Kriminellen ist die Tarnung als Kassierer für Wasser, Strom und Gas oder vom Vermieter geschickte Handwerker. Trotz aller Warnungen der Polizei finden die Täter immer wieder Opfer, deren Fälle dann die Polizeiberichte füllen.
..

Verwicklung in ein Gespräch

Wie zum Beispiel der eines 83 Jahre alten Rentners aus Frankfurt-Fechenheim, der sich am Zoo von zwei in dunklen Röcken gekleideten Frauen in ein Gespräch verwickeln ließ. Geschickt gaben sie sich als Altenpflegerinnen aus, die den Mann schon einmal betreut hätten. Nach wenigen Sätzen hatten sie die Adresse des freundlichen alten Mannes erfahren und ihm gleichzeitig den Hausschlüssel gestohlen. Als der ehemalige Unternehmer nach Hause kam, war seine gesamte Barschaft von rund 330.000 Euro verschwunden.

Weitaus gängiger ist der so genannte Enkeltrick, bei dem zunächst am Telefon die Zahlung einer größeren Summe vorbereitet wird. Häufig beginnen die Gespräche mit "Rate mal, wer hier ist", und schon meint die arglose Oma, tatsächlich ihren Enkel am Telefon zu haben, obwohl der seit Jahren nichts von sich hat hören lassen. Sofort geht es um größere Beträge, mit denen die Senioren dem jeweiligen Anrufer aus der Patsche helfen sollen. "Die fragen nicht nach einem läppischen Hunderter, da geht es häufig gleich um zehntausende Euro", sagt Franz-Josef Rösch von der Polizei in Offenbach.

Variationen der selben Geschichte

Die Täter wechseln den Ermittlern zufolge lediglich die Legenden: Mal geht es um einen Autokauf, mal um Arztrechnungen oder auch um eine Zwischenfinanzierung für einen angeblich längst bewilligten Kredit. Die Opfer werden möglichst umgehend losgeschickt, um das Bargeld zu besorgen. Die Geldübergabe an einen angeblichen Freund des "Enkels" ist dann der einzige Zeitpunkt, an dem die Betrüger ein Risiko eingehen müssen und oftmals die einzige Chance der Fahnder. "Wir liegen gelegentlich auf der Lauer, wenn wir rechtzeitig informiert werden", berichtet Rösch.

Ihre meist alleinstehenden Opfer finden die Kriminellen am einfachsten über das Telefonbuch, in dem sie von altertümlichen Vornamen wie Wilhelmine oder Hermine auf das fortgeschrittene Alter der Telefonbesitzer schließen. "Das Grundproblem liegt in der Natur der alten Menschen", sagt der Frankfurter Polizeisprecher Franz Winkler. "Sie wollen helfen, sie wollen nett sein, und es gelingt ihnen nicht, die Ansinnen der Leute zu überprüfen." Dabei könnte gerade beim Enkeltrick bereits ein Anruf bei anderen Verwandten schon die Rettung sein.

"Falscher Alarm kostet nichts"

Die Lösung ist für den Frankfurter Polizisten ganz einfach die Telefonnummer 110. Die Leute müssten keine Scheu davor haben, sich selbst beim geringsten Verdacht an die Polizei zu wenden. "Die Kollegen an der Notrufnummer sind dafür extra geschult und es kostet auch nichts, wenn es mal falscher Alarm sein sollte. Da ist keiner böse drum", versichert Winkler.

Christian Ebner/DPA  

   Antwort einfügen - nach oben