Technischer Morgenkommentar 25. April 2003

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 25.04.03 08:04
eröffnet am: 25.04.03 07:55 von: hjw2 Anzahl Beiträge: 2
neuester Beitrag: 25.04.03 08:04 von: Idefix1 Leser gesamt: 200
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

25.04.03 07:55

9161 Postings, 7524 Tage hjw2Technischer Morgenkommentar 25. April 2003

DAX

Da sich Europas Aktienindizes in ihrer allgemeinen Entwicklung nicht sonderlich voneinander unterscheiden, wollen wir uns jetzt stärker auf den DAX konzentrieren und sollten damit in etwa auch die Tendenz der Restmärkte abdecken.

Rückblickend war es in dieser Woche interessant zu beobachten, wie stabil sich der deutsche Markt hielt, besonders wenn wir die Entwicklung der Randmärkte und hier besonders der Renten- und des EURO / USD Marktes betrachten. Obwohl sich der Spannungsbogen zwischen diesen Marktsektoren zuspitzte, konnte der DAX weiter zulegen und markierte noch am Mittwoch ein neues Bewegungshoch im laufenden sekundären Aufwärtstrend.

Ordnen wir die laufende Entwicklung in das ?große Bild? ein, so gilt weiterhin:

(1) der DAX befindet sich noch immer innerhalb eines intakten sekundären Aufwärtstrends, dessen Trendbegrenzungslinie verläuft per heute in etwa im Bereich um 2638 Indexpunkte;

(2) innerhalb dieses sekundären Aufwärtstrends, hatten wir in den letzten Handelstagen einen tertiären Aufwärtstrend definiert, der zu einem steileren Anstieg des laufenden Sekundärtrends führte und diesen nach unten hin mit einer Signallinie begrenzt, die in etwa im Bereich um 2929 verläuft; interessant ist, daß diese Trendlinie per gestern zur Disposition gestellt wurde; fällt der DAX heute weiter, d.h., unterschreitet er heute sein gestriges Tief bei 2881, dann ist dieser steile Trend in seiner aktuellen Definition erst einmal hinfällig; anderenfalls werden wir bei einem (möglichen) Überschreiten des bisherigen Bewegungshochs bei 3000 Indexpunkten die Trendlinie lediglich anpassen;

(3) als technisch relevante Chartmarken definieren wir aktuell auf der Oberseite nun den Bereich um 3000 als neue, bisher unbestätigte aber potentielle Widerstandsmarke; darüber hinaus läßt sich erst oberhalb der 3100 ein neues potentielles Widerstandsniveau aus der Historie heraus herleiten; auf der Unterseite bleiben als potentielle Unterstützungsniveaus die Bereiche um 2827 / 2814 und dann 2685 stehen;

(4) interessant sind für uns auch die Korrekturpotentiale, bezogen auf den jüngsten Aufwärtsimpuls; diese lauten wie folgt: 2893 / 2877 (Minimumkorrektur), 2841 (Normalkorrektur) und 2804 / 2789 (Maximumkorrektur); beachten Sie hierbei bitte, daß wir per gestern das minimale Korrekturpotential (und definierte erste Kursziel) erreicht haben (gestriges Tagestief 2881);

(5) markttechnisch haben wir jedoch die ersten Warnzeichen (!!); über die Trendfolger wird dem DAX mit Schlußkurs gestern ein sogenanntes neutrales set-up signalisiert, d.h., charttechnisch definiert ist der sekundäre Aufwärtstrend noch immer intakt, definieren wir einen intakten Aufwärtstrend über die Kombination gleitender kurzfristiger Durchschnitte (siehe hierzu Ausarbeitung zum statistischen Teil, welche Sie per e-mail abfordern können), ist der jüngste Aufwärtsimpuls wohl erst einmal Geschichte; folgerichtig geht aktuell auch die Schwungkraft etwas zurück, was über fallende Oszillatoren signalisiert wird;

Was ziehen wir aus der aktuellen Situation für Schlußfolgerungen? Wir stellen zunächst gegenüber: die derzeitigen Signale, die von der Renten- und Devisen-Seite kommen, sind nicht förderlich für die Entwicklung der Aktienmärkte, somit auch nicht für den DAX. Auf der anderen Seite ist im Kursverlauf des DAX bisher noch nichts geschehen, was ein tatsächliches Ende des Aufwärtstrends anzeigt. Noch liegt uns als dominante Bewegungstendenz ein Aufwärtstrend vor, der bisher nur minimal korrigiert wurde. Das heißt, bisher haben wir noch gute Chancen, daß sich der Aufwärtstrend fortsetzt.

Kommen wir zu den Einschränkungen: bisher sahen wir eine minimale Korrektur, damit liegt die Wahrscheinlichkeit / Trefferquote strenggenommen noch immer über 60 Prozent (allgemein gesprochen), daß sich der DAX nach Beendigung der Reaktion über die 3000er Marke bewegt. Das heißt aber auch, der DAX muß sich jetzt oberhalb der 2877 stabilisieren (einen Spielraum intraday von 5 bis 10 Punkten stehen wir ihm zu, ohne das Regelwerk auszusetzen). Fällt er tiefer, fällt auch die Wahrscheinlichkeit für einen raschen Aufschwung nach Beendigung der laufenden Reaktion (zur Wiederholung hängen wir heute noch einmal die Ausführungen zum Thema Korrekturpotentiale an). Das heißt konkret, mit einem Fall in Richtung 2841 gehen die Ampeln auf ?Gelb? und bei einem Fall auf das 2800er Niveau gehen wir davon aus, daß das Thema 3100 und höher auf dem Zeitstrahl nach hinten rückt. Mittelfristig kritisch wird es, wenn der DAX unter die 2685 fällt, dann wäre der Sekundärtrend im Sinne der Dow Theorie hinfällig.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit aus dem Kursverlauf des DAX heraus, daß dieser deutlich mehr als nur sein minimales Korrekturpotential ausschöpft? Sehen wir uns die Kursmuster an, so verwiesen wir gestern auf die Ausbildung eines schwarzen Kreisels im FDAX und auf einen negativen Doji bzw. einen schwarzen shootingstar im DAX Index. Die statistischen Tests zeigten, daß diese Kursmuster in der Vergangenheit nur zu geringen Trefferquoten führten, wenn man weiterreichende Abwärtsimpulse erwartete. Somit schlossen wir daraus, daß das Festhalten an der mittelfristig positiven Erwartungshaltung für den DAX gerechtfertigt ist. Da es tatsächlich auch nur zum Ausschöpfen des minimalen Korrekturpotentials kam (entsprach unserem Kursziel der Reaktion), ist damit bisher noch alles ?in line?.

Mit der gestrigen Entwicklung komplettierte sich im DAX ein neues Drei-Tages-Muster, ein sogenannter Abendstern. Auch dieser ist als Verkaufsmuster bekannt und würde die negative Indikation vom Mittwoch unterstreichen und bestätigen. Das bedeutet strenggenommen, daß sich mehr Gewicht auf der negativen Waagschale angesammelt haben sollte.

Testen wir einen Abendstern auf Zuverlässigkeit als Verkaufssignal, so fällt seine Trefferquote jedoch ebenfalls nicht auffallend gut aus. Unterstellen wir, daß eine Short-Position nach Ausbildung der Formation eingegangen worden wäre, und wir würden im DAX 1 Prozent Profit erwarten, läge die Trefferquote bei 40 Prozent (immerhin), jedoch der Profitfaktor wäre unter 1, nämlich bei 0.41. Bei erwarteten 5 Prozent Profit, sinkt die Trefferquote auf 20 Prozent. Wir sind uns absolut im Klaren darüber, daß wir hier nur mit Modellen arbeiten und die Ergebnisse von unserer Musterdefinition abhängen und in der Praxis variieren können, dennoch zeigen auch veränderte Modelldefinitionen ähnliche Ergebnisse, so daß wir den Abendstern ebenfalls zu den weniger erfolgreichen Kursmustern rechnen.

In der Konsequenz heißt das, wir sind noch immer optimistisch im Sinne des gültigen Sekundärtrends. Und dies nicht, weil wir die Signale der Renten und Devisen übersehen, sondern weil wir, direkt auf den Kursverlauf des DAX bezogen, noch keine andere Schlußfolgerung ziehen können.

Praktische Konsequenz

In der praktischen Konsequenz können wir dagegen durchaus variieren.

(1) mittelfristig halten wir also ein Kursziel bei 3100 durchaus immer noch für realistisch im laufenden sekundären Aufwärtstrend; diese Erwartungshaltung stirbt erst, wenn der DAX die 2685 unterschreitet, bzw. zu einem späteren Zeitraum seine Sekundärtrendlinie schneidet;

(2) im kürzerfristigen Zeitfenster sinkt unser Optimismus jedoch mit dem Ausschöpfen der Korrekturpotentiale, da wir davon ausgehen, daß sich der ?Erfolg? immer später einstellen wird, je mehr Korrekturpotentiale wir ausschöpfen;

(3) wir verwiesen gestern im Punkt (4) auf die Möglichkeit der Zukäufe bzw. Neupositionierungen; diese Aussagen gelten auch heute weiterhin, jedoch möchten wir besonders auf folgenden Punkt hinweisen: Neu- bzw. Zukäufe sind an der Tagesentwicklung auszurichten, das bloße Erreichen der jeweiligen Niveaus (z.B. der 2893 / 2877 ? Minimumkorrektur und Kursziel) reicht nicht; es muß sich tatsächlich eine Stabilisierung abzeichnen; dann kaufen wir auch höher, wenn es sein muß; solange der Markt intraday oder über schlußkursbezogenes Kursmuster keine Anstalten macht, sich zu stabilisieren, solange werden wir uns auf der Long-Seite zurückhalten;

(4) bestehende strategische Long´s sollten somit, je nach Risiko und Erwartungshaltung entweder an den Korrekturpotentialen bzw. an den Unterstützungen per Stop-Kurs abgesichert werden;

(5) im spekulativen Trading-Fenstern verwiesen wir gestern auf das (unseres Erachtens nach) hohe Risiko auf der Unterseite, im Zusammenhang mit dem Aufbau von Short-Positionen; diese Aussage müssen wir heute folgerichtig weiterhin aufrechterhalten, da das grundsätzliche Bild noch immer mittelfristig positiv ist; somit konzentrieren wir unsere Short-Trades auf das intraday-Niveau und wir behalten dabei die Kursniveaus der Reaktionspotentiale als Kursziele im Hinterkopf (siehe hierzu gestrigen Punkt (5)); over-night sind wir solange nicht Short, wie sich nicht ein zuverlässiges Verkaufsmuster ergibt, bzw. das übergeordnete Bild nicht nachhaltig eingetrübt ist; somit gilt auch für heute: die Short-Seite steht bei uns nur im intraday Handel auf der Agenda;

Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und ein erholsames Wochenende !!

Uwe Wagner
http://www.technical-investor.de/content.asp?P=anl/Analyse.asp&id=4405  

25.04.03 08:04

4312 Postings, 7572 Tage Idefix1In einem hat UnsUwe sicher Recht

Je tiefer wir korrigieren, desto länger wird das von (Klein-)Bullen favorisierte Ziel von 3050 bis 3150 auf sich warten lassen.

Der Markt war gestern kurzfristig toppig und die Entscheidung, ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt, fällt heute oder am Montag (wahrscheinlicher).  

   Antwort einfügen - nach oben