Studiengebühren (Übersicht)

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95440 Postings, 7130 Tage Happy EndStudiengebühren (Übersicht)

SPIEGEL ONLINE - 25. Oktober 2005, 18:23
URL: 
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,381615,00.html

Studiengebühren
 
Akademiker-Inkasso läuft an

Der Süden wird für Studenten bald teurer: Das bayerische Kabinett hat beschlossen, die Campus-Maut 2007 einzuführen, und Baden-Württembergs Landesregierung stellte ein Kreditmodell vor. Die Hochschulen fürchten indes, dass die Mittel im Bürokratiewust verschwinden.

DPAMinister Goppel: Verspricht den Unis mehr Geld

Ab Sommersemester 2007 können bayerische Universitäten und Kunsthochschulen 300 bis 500 Euro, Fachhochschulen 100 bis 500 Euro pro Semester verlangen. Das hat das Kabinett am Dienstag in München beschlossen und will die Ausnahmen in Grenzen halten: Lediglich fünf bis sieben Prozent der Studenten sollen davon aus sozialen Gründen befreit werden. Dazu zählen Studenten mit mindestens zwei Geschwistern oder mit eigenen Kindern. Für Einzelfälle soll es eine Härtefallklausel geben.

Urlaubs- oder Praktikumssemester sowie Promotionsstudiengänge in den ersten drei Jahren bleiben kostenfrei, ebenso wie das Praktische Jahr bei Medizinstudenten. Außerdem erhalten die Hochschulen die Möglichkeit, von den Gebühren bis zu zehn Prozent ihrer Studenten auszunehmen, wenn sie zum Beispiel sehr gute Prüfungsleistungen zeigen, Tutorien für andere Studenten übernehmen oder sich besonders an der Hochschule engagieren.

Zugleich sollen alle Studenten an bayerischen Hochschulen elternunabhängige Darlehen ohne Sicherheiten bekommen können, die erst nach Abschluss des Studiums je nach Einkommen in Raten zurückzuzahlen sind.

Die Eckpunkte würden noch in einer Rechtsverordnung festgelegt, sagte Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU). Jede Hochschule könne ihre Studiengebühren komplett selbst behalten. "Gleichzeitig bleiben die finanziellen Leistungen des Staates voll erhalten. Das heißt unter dem Strich: Den bayerischen Hochschulen steht mehr Geld zur Verfügung", beteuerte Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Die bayerische SPD warf der Regierung vor, die soziale Auslese zu verschärfen. "Die wenigen vorgesehenen Ausnahmetatbestände können nur als soziales Feigenblatt bezeichnet werden", sagte die SPD-Bildungspolitikerin Adelheid Rupp.

Auch im benachbarten Baden-Württemberg sorgen die Gebührenpläne für Unruhe. Das Inkassogeschäft dürfe nicht den Universitäten überlassen werden, betonte Eberhard Schaich, Vorsitzender der Rektorenkonferenz und Rektor der Universität Tübingen. Wenn sich die Hochschulen selbst um die Eintreibung kümmern müssten, drohten die Verwaltungsapparate stark aufgebläht zu werden.

Als Folge könnten sie
das Geld nicht für Forschung und Lehre verwenden, so Schaich weitrer. Für die Planungssicherheit sei es besser, wenn das Land den prognostizierten Ausfall von 10 Prozent gleich abziehe und den Universitäten 450 statt 500 Euro pro Student und Semester überweise.

Minister hofft auf "Bewusstseinswandel"

Wissenschaftsminister Peter Frankenberg stellte heute das Finanzierungskonzept für die geplanten Gebühren in Baden-Württemberg vor. Nach dem Willen der Landesregierung sollen Studenten vom Sommersemester 2007 an 500 Euro pro Semester bezahlen.

Kredite können Studenten bei der landeseigenen L-Bank zu einem Zinssatz von 5,7 Prozent aufnehmen. Nach dem Studium muss der Kredit ab einem Einkommen von 1060 netto monatlich bei Alleinstehenden und von 2100 Euro bei Familien zurückgezahlt werden, in Monatsraten von jeweils 100 Euro. Diese Konditionen seien für einen Kleinkredit sehr attraktiv, betonte der Vorstandsvorsitzende der L-Bank, Christian Brand.

Ausgenomme von den Gebühren sind chronisch Kranke, Eltern von Kindern bis acht Jahre, Doktoranden und Studenten im Praxissemester. "Damit wollen wir verhindern, dass jemand nicht studieren kann, weil er die Gebühren nicht zahlen kann", erläuterte Frankenberg. "Durch eigene Bildungsinvestitionen bei gleich bleibender Höhe der staatlichen Hochschulfinanzierung werden wir auch bei den Studierenden einen Mentalitätswandel erleben", hofft er, "das Bewusstsein für den Wert des Studiums wird gestärkt."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte das Gebührenmodell. "Im Gegensatz zu Ländern wie Australien haben wir kein funktionierendes Stipendien-System, das jungen Menschen mit knappem Geldbeutel ein Studium erlaubt", so der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem. "Die Situation in der Lehre wird sich nicht verbessern, da die Hochschulen durch die Studiengebühren etwa die Gelder erhalten, die ihnen gerade erst in den letzten beiden Sparhaushalten gekürzt wurden."


Baden-Württemberg

Derzeitige Gebühren:
511 Euro Langzeitgebühren ab dem vierten Semester über der Regelstudienzeit; 40 Euro Verwaltungskostenbeitrag pro Semester

Position:
Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) ist einer der vehementesten Gebührenfans und bereitet schon seit Jahren Gebührenmodelle vor. Er hat sich dem gemeinsamen Vorstoß der unionsregierten Länder angeschlossen, die eine Obergrenze von (zunächst) 500 Euro pro Semester vereinbart haben. Anfang September hat Baden-Württember als erstes Bundesland einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der im Dezember 2005 verabschiedet werden soll.

Das Konzept für eine
"nachlaufende" Variante: Studenten können die 500 Euro direkt überweisen oder aber dafür ein Darlehen - zu einem Zinssatz von 5,7 Prozent - bei der staatlichen L-Bank aufnehmen. Nach dem Studium muss der Kredit ab einem Einkommen von 1060 Euro netto bei Alleinstehenden und 2100 Euro bei Familien zurückgezahlt werden, in Monatsraten von jeweils 100 Euro. Auch Bafög-Empfänger müssen zahlen. In Ausnahmefällen wie Kindererziehung oder Behinderung soll es eine Gebührenbefreiung geben, ausgenommen sind auch Doktoranden und Studenten im Praxissemester.

Prognose:
Zum Sommersemester 2007 will Baden-Württemberg das Inkasso starten. Kritiker werfen Frankenberg vor, dass er sich nur so viel Zeit lässt, damit die Studiengebühren kein größeres Thema bei den Landtagswahlen im Frühjahr 2006 werden. Wie auch in einigen anderen Bundesländern sollen die Einnahmen in voller Höhe in Forschung und Lehre fließen. Frankenberg fordert, dass die staatliche Finanzierung der Hochschulen "nicht in Verbindung mit den Gebühreneinnahmen" gekürzt wird. Garantien kann er dafür so wenig geben wie jeder andere Wissenschaftsminister.

Deshalb die Prognose: Sofort sparen wird das Land an den Hochschulen nicht, sondern dafür eine gewisse Schamfrist einhalten. Aber den Unis wird es nach Einführung der Gebühren nicht besser gehen als vorher, weil sie per Hochschulvertrag mit Sparvorgaben fachgerecht gefesselt und geknebelt werden - am Ende triumphiert der Finanzminister.


Bayern

Derzeitige Gebühren:
500 Euro Langzeitstudiengebühren ab dem dritten Semester über Regelstudienzeit; Zweitstudiengebühr von 500 Euro pro Semester; Verwaltungskostenbeitrag von 50 Euro.

Position:
Das Kabinett hat am 25. Oktober 2005 beschlossen, zum Sommersemester 2007 an Universitäten wie Fachhochschulen Studiengebühren in Höhe von maximal 500 Euro pro Student pro Semester einzuführen. Lediglich fünf bis sieben Prozent der Studenten sollen davon aus sozialen Gründen befreit werden. Dazu zählen Studenten mit mindestens zwei Geschwistern oder mit eigenen Kindern. Für Einzelfälle soll es eine Härtefallklausel geben.

Urlaubs- oder Praktikumssemester sowie Promotionsstudiengänge in den ersten drei Jahren bleiben kostenfrei, ebenso wie das Praktische Jahr bei Medizinstudenten. Außerdem erhalten die Hochschulen die Möglichkeit, von den Gebühren bis zu zehn Prozent ihrer Studenten auszunehmen, wenn sie zum Beispiel sehr gute Prüfungsleistungen zeigen, Tutorien für andere Studenten übernehmen oder sich besonders an der Hochschule engagieren.

Zugleich sollen alle Studenten an bayerischen Hochschulen elternunabhängige Darlehen ohne Sicherheiten bekommen können, die erst nach Abschluss des Studiums je nach Einkommen in Raten zurückzuzahlen sind.

Prognose:
Da die CSU entschlossen ist, Studiengebühren einzuführen, wird die Campus-Maut mit großer Sicherheit kommen. Einzige Chance wäre wohl ein Regierungswechsel - in Bayern höchst unwahrscheinlich.


Berlin

Derzeitige Gebühren:
keine; 51 Euro Verwaltungsgebühren

Position:
"Ich persönlich bin für Studiengebühren in Verbindung mit einem Stipendienangebot, das soziale Härten ausschließt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, SPD, vor dem Urteil. Im Koalitionsvertrag zwischen SPD und PDS werden Studiengebühren aber ausdrücklich ausgeschlossen, Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) ist gegen Studiengebühren ab dem ersten Semester.

Prognose:
Die Landespolitiker könnten das Geld für den klammen Haushalt gut gebrauchen, doch Wowereit stößt mit seinen Plänen auf Widerstand in der eigenen Partei und beim Koalitionspartner PDS. Es bleibt also spannend.


Brandenburg

Derzeitige Gebühren:
keine; 51 Euro Verwaltungsgebühren

Position:
Die brandenburgische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) sagte nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, Brandenburg werde bei Studiengebühren "nicht Vorreiter werden". Man werde sich aber von der Entwicklung in Deutschland nicht abkoppeln können. Darin ist sie sich mit Matthias Platzeck (SPD) einig: Brandenburgs Ministerpräsident befürchtet massive Wanderungsbewegungen von Studenten an gebührenfreie Hochschulen, sobald die ersten Länder mit dem Bezahlstudium ernst machen. Deshalb brachte er nach der Karlsruher Entscheidung eine bundesweite Gebührenregelung ins Gespräch.

Prognose:
Mittelfristig wird wohl auch in Brandenburg das Erststudium gebührenpflichtig werden.


Bremen

Derzeitige Gebühren:
50 Euro Verwaltungsgebühren 500 Euro pro Semester für Nicht-Bremer geplant

Position:
In der großen Koalition ist die Einführung von Studiengebühren seit langem umstritten. Ende Juni 2005 hat der Wissenschaftsausschuss der Bürgerschaft eine "Landeskinder-Regelung" beschlossen: Auswärtige Studenten müssen vom dritten Semester an 500 Euro pro Semester zahlen, Studenten mit Erstwohnsitz in Bremen aber nicht. Das Parlament muss noch zustimmen. Die Neuregelung soll ab Wintersemester 2006/2007 greifen und auf vier Jahre befristet sein.

Prognose:
Die Koalitionäre interpretieren die Neuregelung unterschiedlich: Die SPD betont, dass Bremer Studenten ein gebührenfreies Erststudium gesichert werde. Die CDU dagegen sieht darin einen Einstieg in generelle Studiengebühren; eine "dauerhafte Insellösung mit einem Landeskinder-Modell" könne es im kleinen Bremen nicht geben. Klarheit dürfte es geben, sobald die Regierungsmehrheit wechselt - oder Bremen zieht einfach nach, wenn die anderen Nordländer Niedersachsen und Hamburg vorlegen.


Hamburg

Derzeitige Gebühren:
500 Euro pro Semester bei Verbrauch des Studienguthabens, in der Regel bei vier Semesters über Regelstudienzeit; 500 Euro pro Semester von Anfang an für Studenten, die ihren Wohnsitz nicht in der Metropolregion Hamburg haben.

Position:
"Es scheint für bildungsferne Schichten interessanter zu sein, in etwas zu investieren, was sich lohnt", sagte Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) vor dem Urteil. Hamburg will versuchen, zum Wintersemester 2006 Studiengebühren einzuführen. Über die Höhe sollen die Hochschulen selbst entscheiden können, als Höchstgrenze sind 500 Euro anvisiert.

Prognose:
Studierende in Hamburg müssen sich auf Studiengebühren einstellen.


Hessen

Derzeitige Gebühren:
Das Überschreiten der Regelstudienzeit um mehr als vier Semester kostet 500 Euro im ersten Überziehungssemester, 700 im zweiten, 900 Euro danach; 50 Euro Verwaltungsgebühren

Position:
In Hessen stößt die Einführung von Studiengebühren auf verfassungsrechtliche Probleme: "In allen öffentlichen Grund-, Mittel-, höheren und Hochschulen ist der Unterricht unentgeltlich", heißt es in Artikel 59; allerdings könne ein in sozialer Hinsicht "angemessenes Schulgeld" verlangt werden. Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) lässt jetzt prüfen, ob Studiengebühren juristisch möglich sind. Man werde indes "nichts überstürzen", sagte er nach dem urteil des Bundesverfassungsgerichts. Nun will Corts mit anderen Ländern nach einem gemeinsamen Weg suchen: "Es besteht kein Grund zur Eile, die hessischen Hochschulen sind solide finanziert."

Prognose:
Zunächst wird Studieren in Hessen nichts kosten. Sollten sich Gebühren mit der Landesverfassung vereinbaren lassen, dürfte sich Hessen den anderen CDU-Ländern aber mit einiger Verspätung anschließen.


Mecklenburg-Vorpommern

Derzeitige Gebühren:
keine

Position:
"Das Verbot der Studiengebühren ist im Landeshochschulgesetz festgeschrieben", sagte Heike Neitzert, Sprecherin des Kultusministeriums.

Prognose:
Das strukturschwache Mecklenburg-Vorpommern will so viele Studenten wie möglich anziehen und diese nicht durch Gebühren vergraulen.


Niedersachsen

Derzeitige Gebühren:
500 Euro Langzeitgebühren bei Überschreiten der Regelstudienzeit um mehr als vier Semester; seit Sommersemester 2005 Verwaltungsgebühren von 75 Euro.

Position:
Der Plan von Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) sah vor, ab Wintersemester 2006/2007 Gebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester erheben. "Wir werden unsere Hochschulen nicht zwingen, Studienbeiträge zu erheben, ihnen aber die Möglichkeit dazu einräumen", sagte Stratmann zunächst, und so beschloss es das Kabinett am 12. Juli 2005 im Rahmen eines "Zukunftsvertrages" mit den Hochschulen.

Als Stratmann am 6. Oktober 2005 das Gebührenmodell vorstellte, gab es einige Überraschungen: Erst ab Sommersemester 2007 sollen die 150.000 niedersächsischen Studenten zahlen, Erstsemester jedoch schon ab Wintersemester 2006/2007. Der Betrag ist nun auf 500 Euro pro Semester fixiert, ohne Wahlmöglichkeit für die Hochschulen. Ausnahmen gelten bei Auslandsaufenthalten, Beurlaubungen und Praxissemestern sowie für Studenten, die Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen. Zudem kündigte Stratmann eine Gebührenerhöhung für Langzeitstudenten an.

Wofür die Hochschulen das Geld ausgeben, können sie selbst entscheiden. Besonders begabten oder sozial engagierten Studenten können sie in Eigenregie die Studiengebühren erlassen. Ein Stipendiensystem will Niedersachsen nicht ausarbeiten. Das Land bietet allen Studenten für die Gebühren Kredite mit einem Zinssatz von maximal 7,5 Prozent an. Die Gesamtschulden aus Bafög und Gebühren sollen bei 15.000 Euro gedeckelt werden. Niedersachsen sieht keinen einklagbaren Rechtsanspruch auf bestimmte Leistungen vor, etwa auf mehr Professoren oder eine bessere Uni-Ausstattung.

Laut Landesregierung sollen die Extra-Einnahmen voll der Verbesserung der Lehre dienen. SPD, Grüne und Studentenvertreter sehen das anders und werfen Stratmann "Wortbruch" vor. Sie weisen auf direkte wie indirekte Kürzungen hin, die den Hochschulen in den nächsten Jahren blühten. Auch fehle es an der sozialen Abfederung der Gebühren.

Prognose:
Die Gebühren werden sicher kommen - und wie in anderen unionsregierten Länder kann die Obergrenze von 500 Euro schnell wieder verschwinden. Vor weiteren Sparmaßnahmen der Landesregierung werden die Hochschulen kaum verschont bleiben.


Nordrhein-Westfalen

Derzeitige Gebühren:
"Studienkonten" mit 650 Euro pro Semester für Studenten, die die Regelstudienzeit um mehr als die Hälfte überschritten haben. Ebenfalls 650 Euro (ab dem ersten Semester) zahlen Seniorenstudenten im Alter von über 60 Jahren sowie Studenten in einem Zweitstudium.

Position:
Mit dem Wahlsieg der CDU bei den Landtagswahlen am 22. Mai 2005 ist Nordrhein-Westfalen - das größte und mit Abstand studentenstärkste Bundesland - als wichtigste Bastion der Gebührengegner in Deutschland gefallen. Der neue Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, vor einigen Jahren noch kein Gebührenfreund, legte sich pro Studiengebühren fest: Die Hochschulen sollen Studiengebühren von maximal 500 Euro pro Semester erheben können. Der Start ist für das Wintersemester 2007/2008 geplant. Studienanfänger sollen aber schon ab Herbst 2006 zahlen.

Nach den Regierungsplänen können Studenten Darlehen der NRW-Bank mit einem Zinssatz unter sechs Prozent bekommen. Die Rückzahlungsraten werden fällig, wenn der Hochschulabgänger über 32.000 Euro jährlich verdient. Bafög-Empfänger sind von den Gebühren nicht ausgenommen, anders als vor den Landtagswahlen angekündigt. Die Schuldenlast ist allerdings gedeckelt, die Rückzahlsumme von Bafög- und Gebührendarlehen zusammen soll 10.000 Euro nicht übersteigen. Das Ausfallrisiko deckt ein Fonds, in den 23 Prozent der Gebühreneinnahmen fließen.

Eine interessante Variante ist die "Geld-zurück-Garantie", die Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) ins Spiel brachte: Wenn beispielsweise zugesagte Lehrveranstaltungen ausfallen oder es zu wenige Laborplätze gibt, sollen die Universitäten Studiengebühren an Studenten zurückzahlen. Das solle die Hochschulen "disziplinieren" und dafür sorgen, dass sie mehr Verantwortung für ihre Studenten übernehmen, so Pinkwart. Unklar bleibt vorerst, wie genau diese "Garantie" so verankert werden soll, dass die Hochschulen tatsächlich Schwächen und Pannen in der Lehre abstellen, aber nicht in ständige Prozesse verwickelt werden.

Prognose:
Dass die Campus-Maut in NRW kommt, ist gewiss. Das Land hat die Verantwortung aber elegant an die Hochschulen delegiert. Die müssen selbst entscheiden, ob und in welcher Höhe sie kassieren. Das dürfte für turbulente Debatten mit erbosten Studentenvertretern in den Uni-Gremien sorgen - die Rektoren warnen bereits vor einer "Zerreißprobe" und möchten lieber vom Land zur Gebühreneinführung gewungen werden.

Bei der Obergrenze von 500 Euro pro Semester dürfte es in NRW nicht ewig bleiben. Die Summe sei "ausreichend für einen Einstieg in einen Mentalitätswechsel", formulierte es Pinkwart. Und deutete damit an, dass noch viel Luft nach oben ist.


Rheinland-Pfalz

Derzeitige Gebühren:
650 Euro pro Semester, wenn das Studienkonto verbraucht ist.

Position:
Rheinland-Pfalz erwägt, Gebühren für landesfremde Studenten einzuführen. Ministerpräsident Kurt Beck bezeichnete die Idee als "Akt politischer Notwehr". Für Landeskinder soll das Studium kostenfrei bleiben. Alternativ hat Beck eine Art Länderfinanzausgleich vorgeschlagen, bei dem die Länder profitieren, die viele Studenten aus anderen Bundesländern aufnehmen.

Prognose:
Es ist unwahrscheinlich, dass sich Gebühren für Landesfremde mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz verbinden lassen. Das Studium wird wohl erst einmal kostenfrei bleiben.


Saarland

Derzeitige Gebühren:
500 Euro pro Semester bei Überziehen des Studienguthabens, errechnet aus Regelstudienzeit plus maximal vier Semester.

Position:
Das Saarland zählte zu den Klägerländern beim Bundesverfassungsgericht. Wissenschaftsminister Jürgen Schreier (CDU) will aber erst dann Studiengebühren einführen, wenn ein ausgewogenes Finanzierungskonzept mit einem funktionierenden Stipendien- und Darlehenssystem vorliegt. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er nach dem Karlsruher Urteil nicht. Es gelte der Grundsatz: "Gründlichkeit und soziale Ausgewogenheit vor Schnelligkeit". Nach dem neuen saarländischen Universitätsgesetz könne die Uni Saarbrücken in eigener verantwortung entscheiden, ob sie von der Möglichkeit der Gebührenerhebung Gebrauch mache.

Prognose:
Es ist abzuwarten, ob sich Schreiers Aussagen als Wortgeklingel erweisen. Durchaus möglich, dass das kleine Saarland mit den anderen südlichen Bundesländern mitschwimmt.


Sachsen

Derzeitige Gebühren:
307 Euro Zweitstudiumgebühren bei Überschreiten der Regelstudienzeit im Erststudium um vier Semester.

Position:
Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) ist für Studiengebühren. Das Erststudium bleibt aber vorerst gebührenfrei: Wissenschaftsministerin Barbara Ludwig (SPD) verwies auf eine Koalitionsvereinbarung mit der CDU.

Prognose:
Das Weitere hängt davon ab, ob sich die in der großen Koalition für Wissenschaft zuständige SPD gegen den großen Partner CDU durchsetzen kann.


Sachsen-Anhalt

Derzeitige Gebühren:
Nach dem neuen Hochschulgesetz vom 5. Mai 2004 sind Langzeitgebühren möglich: Wer die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überschreitet, zahlt 500 Euro pro Semester (ab Wintersemester 2005/2006).

Position:
Der parteilose Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz will in Ruhe über ein "intelligentes und sozial ausgewogenes System einer Kostenbeteiligung der Studenten" diskutieren.

Prognose:
Die Landesregierung hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass das Erststudium gebührenfrei bleiben soll. Nach dem Urteil ist aber damit zu rechnen, dass es mittelfristig allgemeine Studiengebühren geben wird - zumal das von einer CDU/FDP-Koalition regierte Sachsen-Anhalt zu den Klägerländern in Karlsruhe gehörte.


Schleswig-Holstein

Derzeitige Gebühren:
keine

Position:
"Auch bei uns wird es definitiv keine Studiengebühren geben", sagte eine Sprecherin des Kieler Kultusministeriums vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Da regierte noch die SPD - aber seit dem Debakel von Heide Simonis bei den Landtagswahlen im Februar ist alles offen. Die neue große Koalition hat beschlossen, das Land werde "bei der Einführung von Studiengebühren keine Vorreiterrolle übernehmen, aber auch keine Insellösung zulassen". Sie will die Entwicklung in den anderen norddeutschen Ländern abwarten. In Niedersachsen und Hamburg allerdings setzen die unionsgeführten Regierungen auf Studiengebühren.

Prognose:
Der Koalitionsvertrag lässt die heikle Frage offen, die CDU stellt den Wissenschaftsminister und ist eindeutig für Studiengebühren. Die dürften früher oder später kommen - doch niemand weiß, wie lange die Koalition überhaupt hält.


Thüringen

Derzeitige Gebühren:
500 Euro Langzeitgebühren ab Überschreiten der Regelstudienzeit um vier Semester.

Position:
Ministerpräsident Althaus will bis zum Ende der Legislaturperiode 2009 keine allgemeinen Studiengebühren einführen.

Prognose:
Althaus wird sein Wort in nächster Zeit nicht brechen können, ohne seine Glaubwürdigkeit zu gefährden. Man wolle aber die Entwicklung in anderen Ländern beobachten.

 

26.10.05 10:15

1443 Postings, 5417 Tage HardstylisterAlso ich zahl 330,- / Monat,

finde ich in deiner Übersicht gar nicht...

Wird dringend Zeit, dass Studiengebühren für öffentl. Hochschulen eingeführt werden, 500 Ocken pro Semester sind nicht mal hundert pro Monat, das sollte einem eine Ausbildung schon wert sein.
Voraussetzung ist natürlich, dass die Einnahmen zur Qualitätsverbesserug eingesetzt werden.  

26.10.05 10:23

57 Postings, 5440 Tage tocotronic5Ich zahl 580? pro Semester in Hessen und ....

davon steht in der übersicht auch nix.
aber ich denke das studiengebühren in ordnung sind und jeder für seine bildung zahlen soll. immerhin sind die 13 jahre bis zum studium schon so gut wie umsonst.  

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