Studie: Todesfälle durch Arzneimittel werden unter

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neuester Beitrag: 27.08.03 21:02
eröffnet am: 27.08.03 20:49 von: PRAWDA Anzahl Beiträge: 2
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27.08.03 20:49

3286 Postings, 6676 Tage PRAWDAStudie: Todesfälle durch Arzneimittel werden unter

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M E D I Z I N

Studie: „Todesfälle durch Arzneimittel werden unterschätzt“

HANNOVER. Der klinische Pharmakologe Prof. Jürgen Frölich von der Medizinischen Hochschule Hannover hat seine Äußerungen verteidigt, wonach es in Deutschland allein auf internistischen Stationen von Krankenhäusern jährlich zu etwa 58 000 Todesfällen durch unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen komme. Frölich legte auf einer Pressekonferenz eine Publikation aus dem Internisten (2003; 44: 889–895) vor, die seine Ansichten zusammenfassen.

In der letzten Woche hatten die Medien bundesweit über die Publikation Frölichs berichtet. Die Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Cornelia Goesmann, hatte Frölich nach Presseberichten daraufhin vorgeworfen, der Forscher habe der Öffentlichkeit die Studie noch nicht vorgestellt. Frölich entgegnete, er würde die Publikation jedem zur Verfügung stellen, der ihn darum bete. Die Ärztekammer habe aber nicht bei ihm angerufen.

Die Kernaussage Frölichs, dass statt acht- bis 16 000 Menschen, wie früher angenommen, in Wirklichkeit etwa 58 000 Menschen jedes Jahr in Deutschland an unerwünschten Arzneimittelwirkungen allein in der Inneren Medizin sterben, ist dagegen nicht das Ergebnis der Publikation, die in der Juli-Ausgabe des Internisten erschienen ist. Frölich hat zu diesem Punkt keine eigene Untersuchung durchgeführt, was in Deutschland aus mehreren Gründen (Finanzen, geringe Autopsierate) nicht möglich sei.

Er beruft sich auf eine norwegische Untersuchung auf dem Jahr 2001 (Ebbesen J et al., Arch Intern Med 2001 161: 2317–2323). Dort waren in einer Klinik über zwei Jahre lang alle Todesfälle analysiert worden. Ergebnis: In 18,2 Prozent der Fälle (133/732; 95-Prozent-Konfidenzintervall 15,4 Prozent bis 21 Prozent) waren die Todesfälle direkt (48,1 Prozent) oder indirekt (51,9 Prozent) mit der Einnahme von einem oder mehreren Medikamenten in Verbindung gebracht worden. Die Rate entsprach 9,5 Todesfällen pro 1 000 hospitalisierter Patienten. Diese Rate hat Frölich nun auf die bundesdeutschen Zahlen hochgerechnet und erhält so die Zahl von 58 000 Todesfällen.

Die Studie sei auf Deutschland übertragbar, sagte Frölich auf der Pressekonferenz. In Norwegen würden von den Ärzten, die vielfach in Deutschland ausgebildet worden seien, die gleichen Medikamente wie in Deutschland eingesetzt. Dann sei die Anzahl der auf internistischen Abteilungen verstorbenen Patienten praktisch identisch mit den Zahlen in Deutschland.

Frölich leitete aus der Studie gesundheitspolitische Forderungen für Deutschland ab. An erster Stelle stehe eine verbesserte Ausbildung der Medizinstudenten, wie sie jetzt durch die Neufassung der Approbationsordnung ermöglicht werde. Erstmals werde die klinische Pharmakologie zu einem systematischen Studieninhalt.

Frölich kritisierte allerdings die bisherige Umsetzung an den Fakultäten vieler Universitäten. Freiburg, Marburg, Würzburg und Mainz seien noch immer ohne Abteilungen für Klinische Pharmakologie, obwohl schon 1990 der Wissenschaftsrat dringend ihre Einrichtung empfohlen habe.

Die zweite Forderung betrifft die Notwendigkeit eines flächendeckenden Arzneimittelinformationsnetzes für alle Ärzte im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich. Ein derartiger Informationsdienst habe sich in Niedersachsen seit acht Jahren bewährt. Man bearbeite jedes Jahr zwischen 1 000 und 2 000 Anfragen. Eine Arbeitsgruppe befasse sich seit vier Jahren mit der Etablierung eines solchen Netzwerkes auf Bundesebene. Es fehle lediglich noch ein Betrag von etwa 400 000 Euro.

Als dritte Verbesserungsmöglichkeit schwebt Frölich die Anwendung eines Expertensystems für die Verordnung von Arzneimitten vor. In dem Augenblick, indem ein Arzt ein Rezept schreibe, müsse die gesamte Information über das Medikament und den Patienten (Alter, Geschlecht, Gewicht, Nierenfunktion, Leberfunktion, genetische Disposition, andere Arzneimittel) zusammenfließen.

Ein derartiges Expertensystem, das ständig gepflegt werden muss (etwa weil neue Medikamente hinzukommen und neue Wechselwirkungen bekannt werden), sei aber sehr teuer. Ein Prototyp für ein derartiges System, Theraopt®, werde zurzeit an der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt. /rme (25.08.2003)
http://www.deutsches-aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=13643  

27.08.03 21:02

3286 Postings, 6676 Tage PRAWDAAlso, nicht so viele

Pillen reinschmeissen!  

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