Strauss Schreiber-Korrupt bis in die Unterhose

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42128 Postings, 7734 Tage satyrStrauss Schreiber-Korrupt bis in die Unterhose

Korrupt bis in die Unterhose: Strauß, Schreiber. . .

100 Millionen Euro für den Wahlkampf der CSU und für noch ein paar andere / Blanko-Ölverträge für deutsche Edel-Polit-Bordellinos


Wie der Herr, so`s Gescherr. Wenn der deutsche Beinahe-Kanzler FJS schon keine Millionen aus Saudi-Arabien bekommen haben sollte, dann hat natürlich auch sein Adlatus Edmund Stoiber von solcher Schurkentat nichts gewußt. Und die Justiz hat sich nach einigen Schrecksekunden-Jahren auch von ihrer Erbsünde der Bonner Republik erholt. Man lacht sich nach dem Pfahls-Prozesslein schon wieder zu Tode. Foto: SE-Archiv



Von FRANK KRÜGER

Augsburg/Berlin/München. Die Prozessabsprachen im Vorfeld des Augsburger Pfahls-Prozesses haben nicht nur zu einem schmeichelhaften Urteil für den ehemaligen CSU-Rüstungsstaatssekretär der letzten Regierung Kohl, Ludwig-Holger Pfahls, geführt, sondern - aus der Sicht der durch Karlheinz Schreiber korrumpierten Profiteure viel wichtiger - eine rückhaltlose Aufklärung der Hintergründe der Schmiergeldskandale des 1999 nach Kanada geflüchteten bayerischen Waffenlobbyisten verhindert. Mitgeholfen - ob absichtlich oder unfreiwillig, sei dahingestellt - haben dabei Polizeiermittler, BND, Steuerfahndung, Staatsanwaltschaften und Politiker in den Parteispenden-Untersuchungsausschüssen von München und Berlin, indem sie die zentrale Frage nach der bedeutendsten Schmiergeldquelle Schreibers, aus der allein neunstellige Beträge - insgesamt mindestens 100.000.000 Euro - sprudelten, nicht thematisiert haben.

Diese Quelle war zweifellos Saudi-Arabien, als Riad 1991 für die Lieferung von 36 ABC-Spürpanzer durch Thyssen freiwillig einen doppelt so hohen Preis zu zahlen bereit war, als er für die 36 deutschen Panzer normalerweise fällig gewesen wäre. In der Gesamtsumme dieses Geschäfts in Höhe von zirka 400 Millionen Mark waren sage und schreibe 200 Millionen Mark - etwa 100 Millionen Euro - als ”nützliche Aufwendungen” enthalten. Nach den Ermittlungen flossen davon knapp 27 Millionen Mark - 13, 5 Millionen Euro - an Schreiber und ihm zuzuordnende Firmen. Mit dem Schmiergeld betrieb der Waffenlobbyist dann ”Landschaftspflege” unter anderem in Deutschland.

Bekannt geworden ist lediglich, dass Schreiber schließlich die CDU mit zwei Spenden in Höhe von einer Million (Leisler-Kiep-Affäre) sowie 100.000 Mark (Schäuble-Affäre) beglückte, sowie Ludwig Holger Pfahls mit knapp 3,8 Millionen (die im Pfahls-Prozess mit umgerechnet knapp zwei Millionen Euro beziffert wurden), die Thyssen-Manager Jürgen Maßmann mit 4,1 Millionen sowie Winfried Haastert mit 1,2 Millionen Mark. Darüber hinaus profitierten Max Josef Strauß (Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten) und möglicherweise auch der CSU-Politiker Erich Riedl mit jeweils 500.000 Mark, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Wohin der Rest der insgesamt 100 Millionen Euro geflossen ist - ob gleichfalls an Schreiber, andere Mittelsmänner oder Parteien und Politiker – wurde nicht aufgeklärt. Die Öffentlichkeit erfuhr ohnehin nur einen Teil der Wahrheit, weil zahlreiche Ermittlungsergebnisse zum Schreiber-Komplex angeblich als geheim eingestuft werden mussten, wie dem Minderheitenbericht der bayerischen SPD-Landtagsfraktion des Schreiber-Untersuchungsausschusses vom 18. Juli 2002 zu entnehmen ist. Aber auch der Abschlussbericht des Berliner Untersuchungsausschusses vom 13. Juni 2002 blendete Saudi-Arabien als Schreibers bedeutendste und großzügig sprudelnde Schmiergeldquelle weitgehend aus und mied das Thema wie der Teufel das Weihwasser.

Nicht nur das: ein zweiter Schmiergeldskandal, in dessen Mittelpunkt ebenfalls Schreiber und Saudi-Arabien standen, bei dem es gleichfalls um Panzerwünsche der Saudis sowie um eine illegale Parteienfinanzierung ging, wurde totgeschwiegen, obwohl dieser Skandal der Schlüssel zu allen späteren Schmiergeld-Affären des ehemaligen Teppichhändlers und späteren Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber ist: Die Saudi-CSU-Affäre von 1981, nachfolgend Saudi-Affäre I genannt - über die Anfang der 1980er Jahre nur einige wenige Medien berichtet haben, bevor Schreiber und seine CSU-Amigos den Skandal mit eiligst angestrengten Prozessen damals unter den Teppich kehren konnten.

Ein Kartell aus Politik, Medien und Justiz

Erst nach seiner Flucht, als es eng für Schreiber geworden war und er befürchten mußte, möglicherweise von Kanada nach Deutschland ausgeliefert zu werden, bedrohte er deutsche Ermittlungsbehörden und Politiker mit eben dieser in Vergessenheit geratenen Affäre, indem er 2002 in seiner nichtöffentlichen konsularischen Vernehmung in Toronto sowie über die Medien und das Internet mit sibyllinischen Andeutungen auf den Saudi-CSU-Skandal von 1981 hinwies, ohne ihn jedoch beim Namen zu nennen. Während die Adressaten der Schreiber-Botschaft - Politiker und Ermittlungsbehörden sowie die Untersuchungsausschüsse - verstanden, worauf Schreiber anspielte, verstanden die meisten Journalisten Schreibers nebulöse Drohungen nicht, weil ihnen der lange zurückliegende Skandal von 1981 unbekannt geblieben war. Andere Medien, die von ihm Kenntnis erlangt hatten, ohne jemals darüber berichtet zu haben - wie etwa der Spiegel - schwiegen aus unerklärlichen Gründen, so wie schließlich auch die Untersuchungsausschüsse in Berlin und München, die es vermieden die auf den Saudi-CSU-Skandal von 1981 zielenden Drohungen des Waffenlobbyisten zu präzisieren - obwohl sie bereits zuvor, wie auch die Staatsanwaltschaft Augsburg - auf diesen Skandal ausdrücklich hingewiesen worden waren, wie das SAAR-ECHO recherchiert hat.

Stattdessen stellten die Untersuchungsausschüsse kurz nach Schreibers Drohungen ihre Ermittlungen ein. Seitdem spricht niemand mehr von einer Auslieferung des Waffenlobbyisten, die von den deutschen Ermittlungsbehörden ohnehin nur ungewöhnlich halbherzig betrieben worden war, so als hätten sie kein großes Interesse daran, Schreiber in Deutschland vor Gericht zu bringen. So trafen schon 1999 die deutschen Auslieferungsanträge für den Erfinder des größten deutschen Schmiergeld-Netzes in Kanada erst dann ein, nachdem die laut kanadischen Gesetzen einzuhaltende Frist von 45 Tagen bereits abgelaufen war.

Im Abschlussbericht des Berliner Untersuchungsausschusses von 2002 hieß es plötzlich lapidar: „…dem Untersuchungsausschuss ist nicht mehr die Zeit geblieben, mit letzter Sicherheit die notwendigen Feststellungen zu treffen, um die von Schreiber neu mitgeteilten Sachverhalte ausreichend aufzuklären. Außer dem Zeugen Dr. Stoiber konnten keine weiteren Zeugen gehört und die angeforderten Kontounterlagen und Akten der CSU noch nicht ausgewertet werden.”

Die ”neuen Sachverhalte” waren offensichtlich so bedrohlich für Deutschlands Politiker und Ermittler, dass Schreiber sie als Trumpfkarte aus dem Ärmel ziehen konnte, um sie als Warnung über die Medien, das Internet und den Untersuchungsausschuss an die eigentlichen Adressaten im Hintergrund zu transportieren. Mit Erfolg. Die außer Stoiber ungenannten Adressaten von Schreibers Drohungen waren offensichtlich dermaßen beeindruckt, dass sie nichts Eiligeres zu tun hatten, als die Ermittlungen der Untersuchungsausschüsse eiligst zu beenden. Seitdem herrscht Stille im Korruptionsdschungel der Bananenrepublik BRD, die sich schließlich als Verschweigen der Hintergründe des Schreiber-Schmiergeldskandals sowie der mysteriösen Flucht des bayerischen Dr. Kimble auch auf den Augsburger Pfahls-Prozess ausweitete, der mit einem im Vorfeld abgesprochenen milden Urteil für den Angeklagten endete.

Edmund Stoiber – einer wie sein Herr

Pfahls war zum Zeitpunkt der Saudi-Affäre I von 1980 persönlicher Referent des bayerischen Alpen-Ayatollah Franz-Josef Strauß, dessen Finanzberater bis 1988 Karlheinz Schreiber hieß. Er hatte ebenso Kenntnis von der Saudi-Affäre I wie Edmund Stoiber, der in diesen Skandal sogar direkt involviert war. Strauß war damals gerade von den Unionsparteien zum Kanzlerkandidaten gekürt worden - ein idealer Anwärter für eine korrupte ausländische Macht, durch Schmiergelder Komplizenschaft und Abhängigkeit zum möglicherweise nächsten deutschen Bundeskanzler herzustellen. Das war der Blickwinkel Saudi-Arabiens. Und das war die Ausgangsposition, von der aus Schreiber die Saudi-Affäre I einfädelte, um den Wahlkampf des CSU-Kanzlerkandidaten durch saudi-arabische Öl-Millionen zu finanzieren und nebenbei auch noch die Privatschatulle von FJS sowie seine eigene zu füllen.

Sein Plan sah vor, dass Saudi-Arabien einen von Riad einseitig unterschriebenen Rohölvertrag zur Verfügung stellt, den Schreiber anschließend mit einem Aufschlag von mindestens fünf Dollar pro Barrel an einen Ölkonzern irgendwo auf der Welt verkaufen könnte. Öl war damals knapp und heiß begehrt. Mit von Saudi-Arabien einseitig unterschriebenen Ölverträgen ließen sich mühelos dreistellige Millionen-Provisionen erzielen. Der besondere Vorteil dieses damals noch völlig neuen Konzepts zur illegalen Parteienfinanzierung lag aber auch darin, dass Saudi-Arabien nicht direkt als korrupter Schmiergeldlieferant in Erscheinung treten musste, da die saudi-arabischen Bestechungsgelder von dem Öl-Konzern, der den von Saudi-Arabien unterschriebenen Vertrag erhalten würde, an von Schreiber zuvor etablierte Firmen gezahlt werden mussten. Saudi-Arabien konnte somit im Hintergrund bleiben und seine Hände in Unschuld waschen, da die Bestechungsgelder an ein zuvor von Schreiber etabliertes Firmengeflecht gingen, um anschließend diskret und ohne Zeitdruck in CSU-Kanäle eingeschleust zu werden. Eine Variante dieses Konzepts übertrug Schreiber 1991 auf das Thyssen-Geschäft mit 36 ABC-Spürpanzern nach Saudi-Arabien. Die Saudis zahlten für das Kriegsgerät aus Deutschland den doppelten Preis, damit die im Gesamtvolumen enthaltenen Schmiergelder aus Riad in Höhe von 200 Millionen Mark anschließend vom Thyssen-Konzern verteilt werden konnten, ohne dass Saudi-Arabien als Schmiergeldlieferant selbst in Erscheinung treten musste.

Diesem Schmiergeld-Procedere hatte Saudi-Arabien gegenüber Strauß und Schreiber erstmals 1980/81 zugestimmt, erwartete dafür aber vom damaligen CSU-Kanzlerkandidaten auch eine Gegenleistung. Strauß sollte sich für die Lieferung des Panzers Leopard II an Saudi-Arabien einsetzen. Bis dahin hatte sich Strauß als Freund Israels geriert und jegliche Waffenlieferungen an arabische Staaten abgelehnt. Nun machte er eine Kehrtwendung um 180 Grad und setzte sich in einem Artikel in der Welt am Sonntag plötzlich vehement für die Lieferung des Leopard II nach Saudi-Arabien ein - zur Verwirrung von CDU, SPD, FDP und des CSU-Fußvolks in Bayern. Geld stinkt nicht nur nicht, sondern macht eben auch politisch sogleich geschmeidig.

Von Schreiber inszeniert, liefen die Vorbereitungen für das saudisch-bayerische Ölgeschäft wie geschmiert an. Der saudi-arabische Botschafter in Bonn, Mohammed Nouri Ibrahim, drückte nach Rücksprache mit Riad seine Freude darüber aus, der CSU mit einem einseitig unterschriebenen Rohölvertrag helfen und damit den Bundestagswahlkampf des Kanzlerkandidaten Strauß finanziell unterstützen zu können, verlangte aber zunächst noch eine Bestätigung der CSU, dass die Gabe aus dem Morgenland auch wirklich willkommen sei. Nach Rücksprache Schreibers mit Strauß setzte die CSU ihren damals noch prominenten Bundestagsabgeordneten Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg in Marsch, Botschafter Ibrahim die Freude der CSU über das willkommene Geschenk aus Saudi-Arabien auszudrücken, während aus Riad der bevollmächtige saudi-arabische Minister, Yussuf Mottabakani, angereist war, um den Dank der CSU an der Seite seines Botschafters entgegenzunehmen sowie ein persönliches Treffen von Ibrahim mit Strauß vorzuschlagen.

Saudi-Arabien und sein Vasall

Die Begegnung sollte ”möglichst in einem unverfänglichen Rahmen” organisiert werden, in dem Franz Josef Strauß Botschafter Ibrahim und seinem Land diskret seinen Dank aussprechen und gleichzeitig dem Diplomaten kurz erklären können würde, ”alles Weitere mit Schreiber” zu besprechen und abzuwickeln, während Ibrahim noch einmal die Bereitschaft auch gegenüber Strauß auszudrücken Gelegenheit hätte, die CSU mit einem Ölvertrag zu unterstützen, schlug der adlige CSU-Emissär den Saudis vor. Sodann wurde das Treffen zwischen dem Botschafter und dem deutschen Kanzlerkandidaten konspirativ vorbereitet.

”Ernst Müller, Bundestagswahlkreisgeschäftsführer aus Landsberg, hat über den Generalsekretär der CSU, Herrn Dr. Edmund Stoiber, ein Treffen zwischen Dr. Franz Josef Strauß und dem saudi-arabischen Botschafter Nouri Ibrahim während des Politischen Aschermittwochs der CSU am 20. Februar 1980 organisiert”, warnte Karlheinz Schreiber nebulös im September 2002 auf seiner Homepage unter der Überschrift: ”Hat Edmund Stoiber bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss bei der 122. Sitzung am 4. Juni gelogen?”

”Ich begleitete Botschafter Nouri Ibrahim mit bereitgestellten Leibwächtern der CSU nach Passau, wo bei einem Essen im kleinsten Kreis die Unterstützung durch Ölverträge für den CSU-Wahlkampf besprochen wurde”, zitiert der Waffenlobbyist sich selbst aus dem Buch ”Helmut Kohl, die Macht und das Geld”, das von den Süddeutsche Zeitung-Journalisten Hans Leyendecker, Heribert Prantl und Michael Stiller 2000 veröffentlicht worden ist.

Wie Recherchen des SAAR-ECHO ergeben haben, wurde der saudi-arabische Botschafter sogar gebeten, bei seinem Besuch in Passau auf ”eine für ihn typische Landestracht zu verzichten, um nicht die Aufmerksamkeit der anwesenden Fernsehleute auf sich zu ziehen“. Der Diplomat hielt sich daran. Er reiste in ziviler Kleidung an.

Karlheinz Schreiber auf seiner Homepage weiter: ”Dr. Edmund Stoiber bestätigt bei seiner Vernehmung vom 04.06.02 auf Seite 43 des Protokolls: ‚Ich war, jedenfalls solange ich Generalsekretär war, von 1978 bis ’83, natürlich bei dem Aschermittwoch in Passau dabei.`” Süffisante Anmerkung von Schreiber: ”Als Generalsekretär der CSU gehörte er natürlich zum kleinen Kreis beim Essen, jedenfalls war er persönlich dabei, oder hat er sich wieder von einem Double vertreten lassen?”

Für die meisten Journalisten, sofern sie überhaupt Schreibers Homepage gelesen haben, machten dessen Andeutungen keinen Sinn. Sie stolperten nicht einmal über die Formulierung ”Ölverträge für den CSU-Wahlkampf”. Sie stellten keine Frage - und erhielten deshalb auch keine Antworten. Schreibers Andeutungen waren zu nebulös für sie. Sie gingen zur Tagesordnung über. Tatsächlich waren Schreibers sibyllinische Formulierungen auch gar nicht für sie gedacht, sondern für die Insider des schmierigen Öldeals zwischen Saudi-Arabien und der CSU, für Politiker, Ermittler und Staatsanwälte und die Mitglieder der Untersuchungsausschüsse. Sie waren als Warnung gedacht, den Waffenlobbyisten Schreiber nicht länger mit Auslieferung, Staatsanwälten und Gefängnis zu bedrohen. Diejenigen, die Schreibers Botschaft hören sollten, verstanden sie, insbesondere nachdem Schreiber bei seiner Vernehmung erstmals offiziell von einem CSU-Unterstützungsfonds gesprochen hatte. An den Mainstream-Medien aber ging das alles weitgehend vorbei.

Kurz nach Schreibers geheimnisvollen Warnungen beendeten die Untersuchungsausschüsse ihre Ermittlungen, weil sie ”keine Zeit” mehr hätten ”um die von Schreiber neu mitgeteilten Sachverhalte aufzuklären”(siehe: S. 407 des abschließenden Berichts des Berliner Untersuchungsausschusses).

Denn Schreiber hatte auf seiner Homepage - und wahrscheinlich auch in der nicht-öffentlichen konsularischen Vernehmung des Waffenlobbyisten, deren Protokoll bislang geheim gehalten wird - angedeutet, welche Belege er vorlegen könne: Er verweist auf Seite 44 des Protokolls vom 4.06.02 auf ”ein Schreiben vom 16. Juli 1980 des Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß an The Crown Prince Amir Fahd bin Abdul Azis” - fünf Monate nach dem konspirativen Treffen des Kanzlerkandidaten Strauß mit dem saudi-arabischen Botschafter in Passau.

Zwei Monate später, am 28. September 1980, war Schreiber von Botschafter Ibrahim zu Gesprächen eingeladen worden. Sieben Tage später, am 1. Oktober 1980, ist er in Jeddah (Saudi-Arabien) und erhält von der CSU-Landesleitung in München die Kopie eines Telex an His Royal Highness Prince Fahd bin Abdul Azis.

Dieses Telex belastet Edmund Stoiber, von dem bayerisch-saudischen Schmiergeschäft um Millionen Provisionen zur CSU-Wahlkampffinanzierung gewusst zu haben. Schreiber: ”Dieses Telex war von Bedeutung, weil die Deutsche Botschaft in Saudi-Arabien nicht über meinen Besuch informiert wurde, was so verabredet war.” Konspiration also nicht nur in Passau, sondern auch in Saudi-Arabien.

Schreiber fährt fort: ”Da ich Franz Josef Strauß nicht erreichen konnte, habe ich den Generalsekretär der CSU, Dr. Edmund Stoiber, telefonisch gebeten, Herrn Strauß zu bitten, wie vereinbart das Telex an Crown Prince Fahd bin Abdul Azis zu senden. (Siehe: Telex vom 1.10.1980 CSUL D) (Siehe: Brief vom 29. September 1980 von Dr. h.c. Franz Josef Strauß, Vorsitzender der Christlich Sozialen Union).” Überschrieben ist diese an Schreibers ehemalige Parteifreunde gerichtete offensichtliche Drohung: ”Nachfolgende Unterlagen wurden von mir bisher nicht gezeigt”, während er sie mit den Worten ”Kein Kommentar!” unterschreibt, so als signalisiere er durch die Blume, bei entsprechender Gegenleistung auch zu schweigen. Das tat er dann auch und schaltete seine Homepage ab, nachdem die Ermittlungen der Untersuchungsausschüsse in Berlin und München eingestellt wurden und mit weiteren Untersuchungen nicht mehr zu rechnen war. Der Pfahls-Prozess schließlich machte deutlich, dass sich auch die Staatsanwaltschaft in Augsburg dazu entschlossen hat, bei der Vertuschung der Hintergründe weitgehend mitzuspielen und nur das öffentlich zu behandeln, was bereits bekannt war und nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden konnte.

Na klar hat Edi el Stoiber mitgespielt

Wie die Recherchen des SAAR-ECHO in der Saudi-Affäre I ergeben haben, wurde unmittelbar nach dem konspirativ organisierten Treffen zwischen dem saudi-arabischen Botschafter Mohamed Nouri Ibrahim und Franz Josef Strauß im Februar 1980 offiziell die Version verbreitet, die Kontakte hätten leider zu keinem Ergebnis geführt. Damit wurden ein paar unbedeutende Figuren, die gleichwohl von der CSU-Spitze als gefährliche Mitwisser eingestuft wurden, von den weiteren Ereignissen abgekoppelt, die fortan auf höchster Ebene exklusiv von Franz Josef Strauß und Karlheinz Schreiber persönlich fortgeführt wurden - siehe Schreibers bereits erwähnte Aktivitäten im Sommer und Herbst 1980 in Saudi-Arabien und seine damit in Zusammenhang stehenden Drohungen aus dem Jahr 2002, die ganz offensichtlich Wirkung gezeigt haben, indem fortan nicht mehr ”rückhaltlos aufgeklärt”, sondern vertuscht wurde, wie zuletzt im Augsburger Pfahls-Prozess und bei diversen anderen Gelegenheiten.

Schon die Zeugenvernehmung von Karlheinz Schreiber am 13. und 14. Mai 2002 war nicht ohne Grund nur mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der PDS gegen die Stimmen der Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion beschlossen worden. Die C-Parteien fürchteten offensichtlich die Aussagen des zum Waffenlobbyisten aufgestiegenen ehemaligen Teppichhändlers Schreiber zur Saudi-Affäre I. Wenn sie unbedeutender gewesen wäre als die Saudi-Affäre II von 1991 im Zusammenhang mit den nach Saudi-Arabien gelieferten ABC-Spürpanzern sowie den hierbei erzielten 200 Millionen Mark Schmiergeldern, wenn es zwischen beiden Affären keine Beziehung geben würde, hätte die Saudi-Affäre I von 1980 nicht totgeschwiegen werden müssen, wie es geschehen ist.

Tatsächlich scheint die Saudi-Affäre I der Schlüssel für die Saudi-Affäre II wie für alle weiteren Schmiergeldskandale Schreibers zu sein. Wie es aussieht, ermöglichten erst die Erlöse aus dem schmierigen Öl-Deal von 1980 die ab Mitte der 80er Jahre begonnene Ausweitung der Schreiberschen Schmiergeld-Aktivitäten von der CSU auch auf die CDU, vor allem nachdem Schreibers Mentor Franz Josef Strauß 1988 gestorben war. Schreibers Schmiergeldkasse für die CSU war schon bald prall gefüllt. Die ursprünglich nur für die CSU vorgesehen Gelder auf Konten in der Schweiz und Liechtenstein verwendete Schreiber fortan weitsichtig - für eine parteiübergreifende ”Landschaftspflege”, von der nun auch verstärkt die CDU profitierte, die mit Helmut Kohl den Kanzler stellte und noch lukrativere Perspektiven eröffnete, die schließlich 1991 mit dem Verkauf von ABC-Panzern an Saudi-Arabien saftige Früchte trugen, als es Schreiber zum zweiten Mal gelang, mit den Saudis ins Geschäft zu kommen. Sein 1980 abgeliefertes Gesellenstück hatte den Saudis imponiert. Hätte er damals den CSU-Öl-Deal in den Wüstensand gesetzt, wäre er 1991 mit Sicherheit nicht ein zweites Mal zum Zug gekommen.

Schreiber ist nach eigenen Angaben inzwischen nicht mehr der eigentliche Strippenzieher des von ihm aufgebauten internationalen Korruptionsnetzwerkes, in dem er sich aber gleichwohl wie eine Spinne weiterhin bewegen darf. Das Schmiergeld-Füllhorn hat er im Zusammenhang mit der Saudi-Affäre II zuletzt immer nur nach Rücksprache mit ”seiner Gruppe”, die er mehrfach auch als ”seine Auftraggeber” bezeichnet hat, ausgeschüttet. Doch niemand hat bislang öffentlich die Frage gestellt, wer denn diese ominösen Auftraggeber sein könnten.

Untersucht man, bei welchen Geschäften und aus welchen Quellen die höchsten ”Provisionen” geflossen sind, so stellt man fest, dass damit nicht die Firma MBB in der Hubschrauber-Affäre zwischen 1986 und 1993 gemeint war. Hier erhielt Schreiber lediglich eine Provision von 1,2 Millionen kanadische Dollar. Auch beim schließlich gescheiterten Bear Head-Projekt, dem Aufbau einer Thyssen-Produktion für gepanzerte Transportfahrzeuge in Kanada, flossen nur wenige Thyssen-Millionen auf Schreibers Konten. Eindrucksvoller waren da schon die Mitte der 1980er Jahre erzielten ”Provisionen” aus den Verkäufen von Airbus-Flugzeugen an Thailand (gut 10 Millionen Dollar ”Provision”) sowie an Kanada (über 34 Millionen Dollar). Damals war Franz Josef Strauß Aufsichtsratsvorsitzender bei Airbus und protegierte Schreiber aus eigenem finanziellem Interesse, da er ein erfahrenes Frontschwein brauchte, als das Schreiber sich spätestens seit der Saudi-Affäre I empfohlen hatte. Die höchsten bislang bekannt gewordenen ”Provisionen” aber flossen in der Saudi-Affäre II beim Verkauf von ABC-Spähpanzern an Saudi-Arabien - insgesamt über 200 Millionen Mark. Da es zu diesem Geschäft nicht gekommen wäre, wenn Schreiber nicht schon 1980 zur Zufriedenheit der Saudis gearbeitet hätte, darf spekuliert werden, wie hoch 1980 die Schmiergeldsumme gewesen sein könnte.

Saudi-Arabien schloss Anfang der 80er Jahre die meisten Ölverträge über monatliche Lieferungen von zwei bis 30 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) über einen Zeitraum von ein bis fünf Jahren ab. Bei Zugrundelegung der damals aufzuschlagenden Provision in Höhe von fünf Dollar pro Barrel kommen schnell ein paar Hundert Millionen zusammen.

Vom Teppichhändler zum Lobby-Man

1984, vier Jahre nach dem konspirativen Treffen zwischen Strauß und dem saudi-arabischen Botschafter Mohamed Nouri Ibrahim beim Politischen Aschermittwoch in Passau, hatte Schreiber ein Netz von Domizilierungsgesellschaften unter dem Dach der von ihm in den 1970er Jahre gegründeten Kensington-Gruppe etabliert, die bis dahin so gut wie nicht in Erscheinung getreten war. Noch Ende der 1970er Jahre, so sein ehemals engster Vertrauter und Geschäftspartner bis 1991, Giorgio Pelossi, sei Schreiber eine noch relativ kleine Nummer gewesen, die hauptsächlich mit Fahrbahnmarkierungen seiner in Kaufering ansässigen Firma Bituleit zwar gute Umsätze machte, deren Gewinne aber weit von den Provisionsgewinnen entfernt waren, die Schreiber nach seinen Kontakten mit Saudi-Arabien erzielen konnte. Erst ab1985 verlegte Schreiber den Schwerpunkt seiner Aktivitäten auf Provisionsgeschäfte und wurde zum Lobbyisten.

Berücksichtigt man die Laufzeit von saudi-arabischen Lieferverträgen für Rohöl (ein bis fünf Jahre) und die Höhe der zuletzt bekannt gewordenen ”Provisionen” aus Saudi-Arabien, könnte verständlich werden, warum Schreiber ab 1985 durchstarten und zum bekanntesten deutschen Waffenlobbyisten werden konnte.

Bei ”seiner Gruppe”, seinen ”Hintermännern” könnte es sich dann nur um Saudi-Arabien handeln. Dass der Name des ölreichen Wüstenstaats bei den Ermittlungen von Polizei, BND, Staatsanwaltschaften und Untersuchungsausschüssen so gut wie unerwähnt geblieben ist, obwohl Saudi-Arabien als Ursprungsland von 200 Millionen Mark ”Fuchs”-Provisionen feststeht, dass die Saudi-Affäre I überhaupt nicht in die Untersuchungen einbezogen wurde, spricht für diese Hypothese. Damit könnte sich zeigen, dass der Handlungsspielraum Deutschlands durch die Schmiergeldaktivitäten Schreibers und der CSU bereits soweit eingeschränkt ist, dass aus politischer Rücksichtnahme nicht einmal mehr der Name des korrupten Ölstaats aus dem Mittleren Osten genannt werden darf. Das ist der eigentliche Skandal, der in der Bananenrepublik BRD seit Jahren verschleiert wird.



 

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