Straßenfussball-WM in Berlin --- vom 2.-8.Juli

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1728 Postings, 6149 Tage StrotzStraßenfussball-WM in Berlin --- vom 2.-8.Juli

Straßenfußballer aus Afrika dürfen nicht nach Berlin reisen
 
  25.06.2006 18:43 Uhr


Berlin (ddp-bln). Die erste Straßenfußball-Weltmeisterschaft vom 2. bis 8. Juli in Berlin muss ohne die Mannschaften aus Ghana und Nigeria stattfinden. Die Botschaft in Nigeria habe dem Team «Search and Groom» aus Lagos die Visa für die Deutschlandreise verweigert, berichtete der «Tagesspiegel» (Montagausgabe) vorab. Genauso sei es dem ghanaischen Team «Play Soccer» aus Accra ergangen. Alle Visa-Anträge seien sorgfältig geprüft worden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts dem Blatt. In einzelnen Fällen hätte das Visum «leider nicht erteilt werden» können.

«Das ist bitter für die Projekte. Die Jugendlichen mussten ihre gepackten Koffer wieder auspacken», sagte der Geschäftsführer von Streetfootballworld, Jürgen Griesbeck. Das Team in Accra habe erst Anfang Juni einen Sponsor gefunden, um seine Jugendlichen nach Deutschland zu bringen. Die anderen elf Teams aus visapflichtigen Ländern könnten jedoch am Turnier teilnehmen.

Nach Angaben des «Tagesspiegel» wurde die Ablehnung offenbar damit begründet, dass bei den Jugendlichen «keine Verwurzelung im Heimatland feststellbar» gewesen sei und viele Kinder aus zerrütteten Familien kämen. Die Projekte seien jedoch genau deshalb gegründet worden. Bei «Search and Groom», das auch vom Fußballweltverband FIFA direkt gefördert werde, spielten auch Straßenkinder mit.

 

27.06.06 11:33

1728 Postings, 6149 Tage StrotzOrt: Mariannenplatz, Berlin-Kreuzberg

Straßenfußball-WM in Berlin

200 Jugendliche aus fünf Kontinenten kicken in Kreuzberg

Afghanistan vs. Türkei im Viertelfinale, Brasilien im Finale gegen ein gemischtes Team Israel/Palästina - zwei Paarungen der Fußball-Weltmeisterschaft? Gut möglich: beim streetfootballworld festival 06.

Ulli Schmitz, 21 Jahre, spielt für fx united, Deutschland: Meine Eltern haben mich mit vier Jahren im Verein angemeldet, seitdem ist der Ball mein ständiger Begleiter. Fußball bringt Menschen zusammen, verbindet sie. Jeder kennt die Regeln, überall auf der Welt. Ohne Fußball gäbe es in meinem Leben ein großes schwarzes Loch.

Das "festival 06", bringt viel Bewegung in die Straßen von Berlin, abseits des Olympiastadions: Rund 200 Jugendliche kicken vom 2. bis 8. Juli während der ersten deutschen Straßenfußball-Weltmeisterschaft im Stadtteil Kreuzberg. Es geht um Kultur, Bewegung und das Gute am Ball: Toleranz üben, Fairness trainieren, Abseits aufheben. Das "festival 06" ist offizieller Beitrag des Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung zur FIFA WM 2006TM.

24 Teams aus fünf Kontinenten werden innerhalb einer Woche in Berlin ihre Kunst am Ball zeigen. Argentinische Kurzpass-Spieler, norwegische Fußball-HipHopper und kenianische Ballartisten treffen im Herzen von Kreuzberg aufeinander. Gespielt wird fünf gegen fünf in einer Bolzplatz-Arena, die eigens gebaut wird und rund 2200 Zuschauer fasst.

Es geht um Fußball und mehr

Die Teams kommen aus Projekten, die Fußball einsetzen als Weg zu Frieden und Gewaltverzicht, als Mittel gegen Drogen, Armut oder Aids. Dabei sind u.a. Afghanistan, England, Ruanda, Argentinien, Kenia, Senegal, Norwegen, USA, Nigeria, Peru, Paraguay, Israel/Palästina und ein Team aus der Balkan-Region. Deutschland ist doppelt vertreten: Jugendliche aus Friedrichshain-Kreuzberg stellen die Gastgeber-Mannschaft "fx united"; das zweite Team kommt aus dem Projekt "Straßenfußball für Toleranz" (Land Brandenburg). 

Liliane Umulisa, 20 Jahre, spielt für das Team des Projektes Espérance, Ruanda: Fußball ist wichtig für meine Fitness und macht mir viel mehr Spaß als jede andere Sportart. Außerdem bin ich selbstbewusster geworden, gerade gegenüber Männern, weil ich auf dem Platz gegen sie spiele. Espérance ist die einzige Organisation in Ruanda, die Frauen zum Kicken ermutigt.

"Auch wenn die soziale Dimension bei den Teilnehmerprojekten im Vordergrund steht - am Ende wird bei der Straßenfußball-WM richtig guter Fußball zu sehen sein", sagt Jürgen Griesbeck, der Gründer und Geschäftsführer des weltweiten Straßenfußball-Netzwerks streetfootballworld. "Das festival06 ist auch ein Aufruf an alle, selbst
aktiv zu werden und rauszugehen, um zu kicken oder sich auf andere Weise zu bewegen," so Griesbeck.

Jürgen Klinsmann: "Geht raus und bolzt"

In Kooperation mit streetfootballworld setzt sich die von Jürgen Klinsmann gegründete "Stiftung Jugendfußball" für den weltweiten Straßenfußball ein.
"Vergesst das Bolzen nicht!" lautet die Botschaft von Jürgen Klinsmann an die Jugend. Der Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft weiß, wovon er spricht. Denn er selbst hat beim täglichen Kicken mit seinen Freunden das gelernt, was ihn später zum Welt- und Europameister machte.

Jürgen Klinsmann beim Kicken mit Jugendlichen in Kreuzberg.

"Die Welt war mein Bolzplatz" sagt Jürgen Klinsmann, wenn er an seine Kindheit in der Nähe von Stuttgart zurückdenkt. Mit acht Jahren nahm ihn ein Nachbarskumpel zum ersten Mal mit zum Kicken. "Es war wohl der entscheidende Moment in meinem Leben", erinnert sich der heutige Bundestrainer.


"Nicht nur zu entdecken, welch wundervolles Gefühl es ist, den Ball ins Tor zu hämmern. Vor allem aber zu erleben, welch andere Werte der Bolzplatz mir vermittelte." Der Bolzplatz als Brücke zwischen unterschiedlichen Nationalitäten, als Ventil zum Dampf ablassen, als Ort, um Siege zu feiern und Niederlagen wegzustecken. Und als Trainingsfeld zum Dribbeln, Kombinieren und für das Spiel auf engem Raum.

Vom Fußball für's Leben lernen und dabei auch noch richtig gut das runde Leder beherrschen - was Jürgen Klinsmann auf dem Bolzplatz lernte, will er an die Jugend weitergeben. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt.



Termin: 2. bis 8. Juli 2006
Ort: Mariannenplatz, Berlin-Kreuzberg
Teilnehmer: 24 Teams aus 5 Kontinenten



Weitere Infos: www.streetfootballworld.org oder www.festival06.org 

 

27.06.06 14:06

1728 Postings, 6149 Tage StrotzDie Gruppen

Gruppe A
Deutschland, fx united (Berlin) (Gastgeberteam)
Türkei, Sokak Ligi (Ankara)
Polen, SASI Barka (Poznan)
Israel/Palästina, Peres Center for Peace (Tel Aviv)
England, Street League (London)
Norwegen, Streetfootball Norway (Oslo)

Gruppe B
Paraguay, Centro para el Desarrollo de la Inteligencia (Asunción)
Balkan, Football Friends Balkan (Belgrad/Skopje)
USA, Soccer in the Streets (Atlanta)
Costa Rica, Vive Fútbol (San Jose)
Kolumbien, Fútbol por la Paz (Bogotá)
Peru, Escuelas Deporte y Vida (Lima)

Gruppe C
Deutschland, Straßenfußball für Toleranz (Potsdam)
Südafrika, KickAIDS (Pretoria)
Afghanistan, Street Football Future (Kabul)
Nigeria, Search & Groom (Lagos)
Senegal, Diambars (Dakar)
Kenia, Mathare Youth Sports Association (Nairobi)

Gruppe D
Chile, CHIGOL (Santiago de Chile)
Bolivien, Centro Cultural San Isidro (Santa Cruz)
Ghana, Play Soccer (Accra)
Argentinien, Defensores del Chaco (Buenos Aires)
Ruanda, Football pour la Paix (Kigali)
Brasilien, Fundaçao Eprocad/Jovem Cidadao (São Paulo/Maranhão)
 

27.06.06 18:04

1728 Postings, 6149 Tage StrotzAus dem Spiegel: Visa-Bürokratie

27. Juni 2006Druckversion | Versenden | Leserbrief

VISA-BÜROKRATIE

"Das sind Kinder, die laufen nicht weg"

Von Fabian Grabowsky

Die Straßenfußball-WM sollte ein rauschendes Fußballfest werden. Teams von Sozialprojekten aus aller Welt sind deswegen in Berlin. Aber die Mannschaften aus Ghana und Nigeria bekamen keine Visa. Ihre Betreuer sind fassungslos.



Berlin - "Ein Trauma", sagt Yomi Kuku. "Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal geweint hatte, bevor ich mit der deutschen Botschaft gesprochen habe."

Yomi Kuku/Search and GroomNicht "rückkehrwillig"? - Die Mannschaft von "Search and Groom" aus Lagos
Yomi Kuku ist in diesen Tagen so etwas wie ein Fußballbotschafter Nigerias. In der nigerianischen Metropole Lagos leitet er das Fußball-Sozialprojekt "Search and Groom". Mehr als tausend Straßenkinder machen mit. "Time" und die Deutsche Welle berichteten über ihn, bei der Konrad-Adenauer-Stiftung redete er auf einer Podiumsdiskussion und kommentierte das WM-Spiel Elfenbeinküste-Niederlande. Doch der Höhepunkt seiner Deutschlandreise sollte im Juli erst noch kommen: eine Straßenfußball-WM in Berlin.

Aber dann verweigerte die deutsche Botschaft seiner Mannschaft die Visa. Auch die Mannschaft von "Play Soccer" aus Ghana darf nicht zum Fußballfest nach Deutschland.

22 statt 24

24 Teams sollten bei dem Turnier spielen. Jetzt sind es noch 22, darunter ein gemischtes israelisch-palästinensisches Team, ein gemischtes Balkan-Team und Teams aus Kolumbien, Kenia oder Kreuzberg. Arbeitslose Berliner Jugendliche bauten eine Unterkunft, das "Village", und auf dem Mariannenplatz entsteht gerade ein "Bolzplatz-Stadion" mit 2200 Stehplätzen.  

"Das ist kein Event um des Events willen", sagt Organisator Jürgen Griesbeck. Alle Teams gehören zum weltweiten Netz "Streetfootballworld". Dessen Projekte nutzen Fußball, um Straßenkindern Gesundheitsvorsorge und soziale Kompetenzen beizubringen. "Für die Jugendlichen oft die einzige Perspektive, sich ein Leben in Würde zu organisieren", sagt Griesbeck. "Streetfootballworld" wird von der Uno und zwei Bundesministerien unterstützt und gehört zum Fifa-Kulturprogramm.

Aber diese Referenzen waren den Vertretungen in Accra und Lagos nicht genug. Wer hier ein Visum beantragt, muss laut deutschem und Schengener Recht seine "Rückkehrbereitschaft" nachweisen. "Botschaften können Visa nur erteilen, wenn die Antragsteller ihren Rückkehrwillen glaubhaft machen. Das war hier nicht der Fall", sagt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes SPIEGEL ONLINE. "Aber unsere Mitarbeiter haben es sich nicht leicht gemacht und jeden Antrag doppelt geprüft." 

"Zornig, mehr als zornig"

"Wir sind zornig. Mehr als zornig", bricht es aus Yomi Kuku hervor. Immer wieder habe die Botschaft sein Team ermuntert, immer wieder habe sie aber auch neue Garantien haben wollen - die man besorgt habe. Vergeblich. "Sie haben uns böse Absichten unterstellt", schimpft er.

Ein Jahr lang hätten sie sich auf das Turnier gefreut. Er habe vom Fall der Berliner Mauer erzählt und wie die Völker danach zusammengefunden hätten. Aber am vergangenen Freitag musste er seinen Jungs von der Entscheidung der Botschaft erzählen. "Mit einem Wimpernschlag war alles vorbei. Jeder einzelne von ihnen hat geweint."

Kuku ist nicht der einzige Fußball-Sozialarbeiter, der mit den Visastellen hadert. "Enttäuscht, schockiert, sehr traurig", seien er und seine Spieler, sagt Charles Cobbina von "Play Soccer" aus der ghanaischen Hauptstadt Accra. "Play Soccer" arbeitet in Ghana mit den SOS-Kinderdörfern zusammen, der Minen-Multi Newport spendierte dem Team die Reise nach Berlin und "Play Soccer" kooperiert eng mit der Fifa. Die nennt das "eines dieser strategischen Bündnisse, auf das die Fifa besonders stolz ist".

Das alles reichte der Botschaft in Accra nicht. Auch Cobbina ist fassungslos. "Wir dachten, wir wären eingeladen." Seine Jugendlichen hätten sich darauf gefreut, die ghanaische Kultur zu repräsentieren. Die deutsche Botschaft habe sie zum Narren gehalten, sagt Cobbina. "Sie wussten schon lange vorher, dass sie uns die Visa nicht geben würden", sagt er. Wie Yomi Kuku versteht auch er nicht, warum. "Das sind alles Schuljungen, die rennen doch nicht weg."

Gütesiegel mit Glaubwürdigkeitsproblem

Jürgen Griesbeck bemüht sich, die Affäre sachlich zu sehen. Niemand könne ausschließen, dass ein Jugendlicher nach der WM versucht, in Deutschland zu bleiben. Trotzdem ist auch Griesbeck sehr enttäuscht. "Wir wissen genau, wie die Teams auf dieses Turnier hingearbeitet haben." Kernidee der Projekte sei, benachteiligten Jugendlichen eine Perspektive in ihren eigenen Gesellschaften zu eröffnen - und nicht im Ausland. "Keiner der Jugendlichen macht mit, um das Land zu verlassen - sondern um sich zu Hause Perspektiven zu erarbeiten."

Für die beiden Projekte sei die Ablehnung jetzt ein ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem. Die Einladung sei ein "Gütesiegel als Modellprojekt" gewesen und für Beziehungen zu Sponsoren, Medien und politischem Umfeld wichtig. "Beide stehen jetzt vor der großen Herausforderung, denen das glaubwürdig zu erklären", sagt Griesbeck.

Für Yomi Kuku und "Search and Groom" jedenfalls ist es schon die zweite schlechte Erfahrung mit europäischen Behörden. Vergangenes Jahr verweigerten die britischen Behörden die Visa für die Obdachlosen-WM in Schottland.

"Meine Jungs haben jetzt gesagt: Brother, du hast uns versprochen, dass das nicht mehr passiert! Ich konnte es ihnen nicht erklären", sagt Kuku. "Die Botschaften wollen einfach nicht, dass die Welt eins ist."

 

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