Steuern zahlen ist die erste Bürgerpflicht

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eröffnet am: 22.08.06 10:00 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 1
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24466 Postings, 5624 Tage EinsamerSamariterSteuern zahlen ist die erste Bürgerpflicht

Fondsmarkt

Steuern zahlen ist die erste Bürgerpflicht

Niemand ist verpflichtet, sein Vermögen so zu verwalten oder seine Ertragsquellen so zu bewirtschaften, daß dem Staat darauf hohe Steuern zufließen?, heißt es in einem Schreiben des Preußischen Oberverwaltungsgerichts aus dem Jahr 1906 - was sicherlich auch in den heutigen Tagen unwidersprochen sein dürfte. Selbst der Staat muß sich letztlich nicht daran stören: Wenn das Vermögen eben nicht genügend Ertrag abwirft, um den Steuerhunger der Politik zu befriedigen, muß man ja nur die Steuerbelastung erhöhen, rät die politische Logik.

Und genau dieser Logik folgt die derzeitige Regierung mit atemberaubendem Tempo: Einer der größten Steuererhöhungsorgien dieser Republik folgte die Aufforderung von Bundesverzichtsminister Peer Steinbrück an das Steuerzahlervolk, sich in Zukunft verstärkt selbst um Rente und Gesundheit zu kümmern, indem man beispielsweise auf die Urlaubsreise verzichtet. Am Wochenende legte Bundessteuererhöhungsminister Franz Müntefering nach, indem er über weitere Belastungen spekulierte.

Sparfreibetrag stark beschnitten

Angesichts der realen oder gefühlten Klammheit der Staatskassen verwundert es nicht, daß auch die Kapitalanleger die öffentliche Hand in ihren Taschen spüren. Das erste Sparopfer, der Sparerfreibetrag, ist schon in trockenen Paragraphentüchern: Zum kommenden Jahr sinkt er für Ledige von 1.370 auf 750 Euro und von 2.740 auf 1.500 Euro für Verheiratete.

Damit ist der Freibetrag von mehr als 3.000 Euro (6.000 Euro für Verheiratete) seit 1993 stückweise eingeschmolzen worden. Noch 1992 hatte man den Freibetrag verzehnfacht. Zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht argumentiert, angesichts der Inflation und des Vollzugsdefizits bei der Besteuerung der Kapitaleinkünfte sei der Sparerfreibetrag zu niedrig - diese Argumente gelten heute wohl nicht mehr.

Abgeltungssteuer für Kursgewinne

Für den Sparer bedeutet diese Kappung des Sparerfreibetrages je nach persönlichem Steuersatz ein Steuermehr von bis zu 270 beziehungsweise 545 Euro. Klingt ja noch harmlos, könnte man meinen: Wer über 20 Jahre jährlich 545 Euro sparen könnte, die sich mit 5 Prozent rentieren, hätte für die darauffolgenden 20 Jahre eine monatliche Rente von etwas mehr als 120 Euro.

Doch die große Steuererhöhungskoalition hat noch weitere Begehrlichkeiten: Eine Abgeltungssteuer soll her, die auch die Kursgewinne umfaßt, welche die Anleger für ihren Sparwillen und ihre Risikobereitschaft belohnen sollen. Nun kann man viel über das Für und Wider einer Besteuerung von Kursgewinnen debattieren, aber so richtig nahrhaft ist das nicht.

Privatvorsorge 30 Prozent weniger

Ein paar Zahlen können verdeutlichen, was denn eine solche Abgeltungssteuer auf Kursgewinne den privat vorsorgenden Bürger kosten könnte. Wer beispielsweise in den vergangenen 30 Jahren monatlich 100 Euro in einen Aktienfonds eingezahlt hat, konnte im Schnitt auf eine Rendite von rund 9 Prozent jährlich vertrauen. Unter dem Strich standen dann nach 30 Jahren privater Altersvorsorge knapp 169.000 Euro auf dem Konto - eingezahlt aber hätte der Anleger nur 36.000 Euro, der Rest waren Kursgewinne und Dividenden.

Bei einer einheitlichen Abgeltungssteuer für alle Kapitalerträge in Höhe von 30 Prozent wäre das dann zu Beginn des wohlverdienten Ruhestandes die Kleinigkeit von fast 40.000 Euro, die der Sparer an den Bundesschuldenverwaltungsminister des Jahres 2036 zahlen müßte. ?Das klingt nicht nach einem harmonischen Start in den Ruhestand und bremst schon heute die Bereitschaft zu eigenverantwortlicher Vorsorge?, sagt Andreas Fink vom Branchenverband BVI.

100-Euro-Sparplan bringt weniger

Doch nicht nur Disharmonie, sondern auch Renditearmut könnte die Folge im Alter sein, befürchtet die Fondsbranche: Angesichts der hohen Steuerbelastung von Kursgewinnen werde sich mancher Investor fragen, ob sich das Risiko, in Aktienfonds zu sparen, noch rechne - und im Zweifelsfall auf Rentenfonds umsteigen, die weniger Risiko haben - leider aber auch weniger Rente versprechen.

Der 100-Euro-Sparplan auf 30 Jahre bringt bei einer jährlichen Rendite von 9 Prozent rund 172.000 Euro, bei den rund 6 Prozent, die Rentenfonds in den vergangenen Jahren abgeworfen haben, wären es nur 98.000 Euro. Unter dem Strich kostet das beide Geld, Sparer wie Fiskus, doch der darf sich nicht beschweren: Schließlich ist niemand verpflichtet, sein Vermögen so zu verwalten, daß dem Staat darauf hohe Steuern zufließen.


Quelle: faz.net

Euer

   Einsamer Samariter

 

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