Steuermann Bernanke auf Kurssuche

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neuester Beitrag: 30.06.06 09:01
eröffnet am: 28.06.06 23:05 von: J.B. Anzahl Beiträge: 9
neuester Beitrag: 30.06.06 09:01 von: Annologo Leser gesamt: 405
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13197 Postings, 5222 Tage J.B.Steuermann Bernanke auf Kurssuche

Steuermann Bernanke auf Kurssuche

Der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke steht mächtig unter Druck. Teils hat er sich seinen holprigen Start selbst eingebrockt, teils kämpft er aber auch mit Fehlern seines Vorgängers.

Eigentlich hat alles so gut angefangen: Als Ben Bernanke dem US-Kongress zum ersten Mal als neuer Chef der Notenbank Fed Rede und Antwort steht, urteilt die "New York Times" anschließend: "Ruhig und cool". Der Nachfolger des nach 18 Jahren an der Fed-Spitze zum "Magier" und "Maestro" verklärten Alan Greenspan habe "nichts gesagt, was die Finanzmärkte aus dem Konzept brachte". Soll heißen: Alles richtig gemacht. Das war Mitte Februar.

Keine viereinhalb Monate später hat sich das Bild komplett gewandelt: Vom "Märkteschreck Bernanke" ist die Rede, vom "Greenhorn nach Greenspan". Längst wird der vormalige Princeton-Professor, der ob seiner geldpolitischen Expertise mit so vielen Vorschusslorbeeren gestartet war, für die heftigen Marktturbulenzen der vergangenen Monate verantwortlich gemacht - egal, ob bei Aktien, Rohstoffen oder Devisen. Kaum einer spricht mehr davon, dass die meisten Märkte ohnehin reif für eine Korrektur waren. Selbst US-Präsident George W. Bush sah sich genötigt, angesichts der anschwellenden Kritik dem obersten Steuermann öffentlich den Rücken zu stärken.




Warten auf weitere Signale
Wenn Bernanke nun am Donnerstag nach zweitägigen Beratungen zusammen mit seinen Kollegen aus dem Offenmarktausschuss der Notenbank den neuen Fed-Leitzins festlegt, steht der 52-Jährige mächtig unter Druck. Zwar gilt es inzwischen als ausgemacht, dass der Ausschuss wegen der anziehenden Inflation den geldpolitischen Straffungskurs fortsetzt und den Zins auf 5,25 Prozent erhöht - den höchsten Stand seit März 2001.

Aber die Märkte richten den Blick schon auf die Zeit nach Freitag, sehnen Signale herbei, wie es weitergeht. "Was den zukünftigen Kurs betrifft, scheint alles möglich. Vielleicht ist bei 5,25 Prozent Schluss, vielleicht strafft die Fed weiter - so lange, bis die Alarmglocken der Konjunktur so laut schrillen, dass selbst die Fed-Hardliner sie nicht mehr überhören können", sagt David Milleker, US-Experte bei der Allianz Gruppe.

Weltweit blicken die Ökonomen und Märkte seit jeher sehr genau, was die Fed macht. Schließlich beeinflusst sie die Aktienkurse und Preise anderer Anlagen überall auf der Welt und entscheidet maßgeblich über Wohl und Wehe der globalen Wirtschaft. Wenn sie jetzt die Zinsen so stark nach oben schraubt, dass die US-Wirtschaft Schaden nimmt, könnte sie nach Ansicht vieler Ökonomen auch die Weltwirtschaft in die Krise stürzen. Vorbei wäre es mit Wachstumsraten von rund vier Prozent wie in den vergangenen Jahren. David Rosenberg, Chefvolkswirt bei Merrill Lynch, sieht gar eine 40-Prozent-Wahrscheinlichkeit für eine Rezession im Jahr 2007.



Tatsächlich macht der Blick in die Fed-Geschichte kaum Hoffnung. "Es ist ihr selten gelungen, die Inflation ohne gleichzeitigen massiven Wirtschaftsabschwung herunterzukriegen", sagt Milleker. Sechs der acht Leitzinserhöhungszyklen seit Anfang der 70er Jahre endeten mit einer mehr oder weniger starken Rezession der US-Wirtschaft. Am schlimmsten, so Milleker, sei es unter Greenspans Vorgänger Paul Volcker gewesen, unter dem der Zins bis auf 19 Prozent im Jahr 1981 stieg. Im Gegensatz dazu sei es etwa mit dem Zyklus zwischen Februar 1994 und Februar 1995, als der Zins um satte 250 Basispunkte stieg, gelungen, die Wirtschaft nicht zu drastisch abzubremsen. "Eine Rezession am Ende eines Zyklus ist nicht zwingend", sagt Milleker.



Vom neuen Mann wird nun erwartet, eine ähnlich "weiche Landung" zu schaffen. Bernanke befindet sich dabei in einer delikaten Situation - für die er teilweise selbst verantwortlich ist, die ihm aber auch Greenspan hinterlassen hat.

Als Freund klarer Worte ist Bernanke angetreten, für mehr Transparenz der US-Geldpolitik zu sorgen. Nach 18 Jahren "Greenspeak", wie die Märkte Greenspans sybillinischen Kommentare nannten, müssen die sich an Bernankes Wortwahl aber erst gewöhnen. Als Problem kommt hinzu, dass Transparenz so kurz vor einer Zinswende ein heikles Unterfangen ist. Bernanke, von dem alle erwarten, das Dickschiff US-Wirtschaft durch schwieriges Gewässer zu navigieren, muss selbst täglich nach dem rechten Kurs suchen.

Was die Suche erschwert, ist, dass er mit widersprüchlichen Aussagen für schweren Seegang sorgt. Da stellt er erst sogar für den Fall, dass die Risiken für die Inflation jene für die Konjunktur überwiegen sollten, eine Zinserhöhungspause in Aussicht - nur um wenige Tage später en passant einer TV-Journalistin anzuvertrauen, er fühle sich falsch verstanden. Dann bezeichnet Bernanke in einem Brief an einen Kongressabgeordneten die US-Inflationserwartungen als "gut eingedämmt" - nur um kurz darauf die Märkte mit Kommentaren zu überraschen, der jüngste Anstieg in der Kernrate der US-Verbraucherpreise sei "unwillkommen".

Der Dow-Jones-Aktienindex stürzte Anfang Juni nach diesen Worten um fast 200 Punkte ab, in der Folge fiel er erstmals seit März unter 11.000 Punkte. "Bernanke ist wechselhaft wie Jekyll und Hyde", mäkelt Jeffrey Saut, Direktor des Brokerhauses Raymond James.




Mitschuld Greenspans
Für die schwierige Lage ist jedoch auch Bernankes Vorgänger Greenspan verantwortlich. Das billige Geld, das die Fed seit 2000 in die Weltwirtschaft gepumpt hatte, muss abgeschöpft werden. Greenspan hatte damit bereits begonnen - aber zu spät und zu zaghaft. Das Resultat war vor allem eine Blase am US-Häusermarkt. Jetzt drohen die Spätfolgen der lockeren Geldpolitik, zusätzlich befeuert von den weltweit hohen Energie- und Rohstoffpreisen, die Inflation gerade zu einer Zeit steigen zu lassen, in der sich die US-Wirtschaft abkühlt.

Abzüglich der gewöhnlich stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise lag die Teuerung im Mai bei 2,4 Prozent auf das Jahr gerechnet - deutlich oberhalb der inoffiziellen Zielzone der Fed von ein bis zwei Prozent. Zwischen März und Mai gab es sogar den stärksten Anstieg binnen drei Monaten seit 1995.

Jan Amrit Poser, Chefökonom der Sarasin-Bank, erwartet, dass die Kerninflation erst Mitte 2007 bei 2,6 Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Barclays Capital und Allianz Gruppe halten beim derzeitigen Tempo des Anstiegs drei Prozent zum Ende 2006 für möglich. Zudem sind nach Einschätzung der Fed die Inflationserwartungen deutlich gestiegen. Den Geldtheoretiker Bernanke dürfte besonders das beunruhigen, weil die Inflationserwartungen das Vertrauen in die Notenbank widerspiegeln.

Gleichzeitig rechnen Ökonomen damit, dass nach dem noch mal starken ersten Quartal 2006 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 5,3 Prozent aufs Jahr gerechnet die US-Wirtschaft im zweiten Quartal an Schwung verloren hat - vor allem, weil der Konsum als wichtigste Stütze kaum noch Impulse gibt. Manche Volkswirte rechnen mit einem Wachstum von zwei Prozent - oder weniger. Schon sprechen einige von der Gefahr einer Stagflation, bei der Inflation und hohe Arbeitslosigkeit eine unheilige Allianz bilden. Ein heikles Szenario für einen Notenbanker.



Bernanke steht dabei vor dem gleichen Dilemma wie seine Vorgänger Paul Volcker und Greenspan. Auch sie mussten anfangs kämpfen, um sich ihren Ruf als Wächter der Preisstabilität zu erwerben. Beide nahmen gar eine Rezession in Kauf, um die Inflation zu brechen. Und anders als es die Lobeshymnen zu Greenspans Abschied nahe legten, hat auch er anfänglich Fehler gemacht. Mit einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte, die er bei seiner ersten Sitzung 1987 durchdrückte, trug er etwa zum Börsencrash bei. Am 13. Oktober, dem "Schwarzen Montag", stürzte der Dow Jones um 508 Punkte ab - der größte Ein-Tages-Verlust seit der großen Depression der 30er Jahre.

Nach Einschätzung von Ökonomen wird auch Bernanke im Zweifel die Zinsen lieber zu stark zu erhöhen, um die Glaubwürdigkeit der Fed sicherzustellen - zumal er als Neuling sich den Respekt der Märkte erst erarbeiten muss. Greenspan konnte es sich zum Ende hin erlauben, bei einer sich abzeichnenden Konjunkturschwäche Zinserhöhungen zu stoppen, auch wenn die Inflation erst einmal noch weiter anzog. Bernanke sieht diesen Spielraum offenbar nicht - womöglich auch weil er an den Märkten den Ruf hat, Inflationsgefahren nicht ernst genug zu nehmen. Hoffnungen, die Signale einer Abkühlung der US-Wirtschaft könnten die Fed veranlassen, eine Pause bei den Zinserhöhungen einzulegen, schwinden damit. Schon prognostizieren erste Bankhäuser, dass der Leitzins in den Vereinigten Staaten auf bis zu sechs Prozent ansteigen könnte.

Für die Fed ist das eine riskante Strategie. "Bernanke läuft Gefahr, den wirtschaftlichen Aufschwung zu opfern, um seine Glaubwürdigkeit als Bekämpfer der Inflation zu untermauern", sagt Rosenberg.

Sollte Bernankes Kalkül nicht aufgehen, so kann er nur darauf hoffen, dass ihm Ähnliches wiederfährt wie seinem Vorgänger - dem wurden schließlich sämtliche Anfangsfehler verziehen.







Thema


http://www.ftd.de/index.html?id=83555
 

29.06.06 18:25

13197 Postings, 5222 Tage J.B.@ all

Weniger alls 2 Stunden noch!!!  

29.06.06 18:36

632 Postings, 5216 Tage Annologowetten dann sind wir auch nicht klüger

und die märkte zeichen ohnehin eine chart wo man nachher sagt.. hätte ich mir gleich denken können;
naja, von diesem post seit ihr auch nicht klüger, ich auch nicht.
baba  

29.06.06 18:40

13197 Postings, 5222 Tage J.B.@Annologo

Naja, da kann ich dir nicht ganz folgen!! Heute wird der Kurs für zumindest die nächsten 3 Monate vorgegeben!! Ich gehe schon davon aus, dass wir heute Klarheit erhalten und dann ist endlich Schluss mit der Nervösität der Märkte!!


mfg J.B.  

29.06.06 19:18

632 Postings, 5216 Tage Annologowirst sehen, es kennt sich erst niemand aus

aber egal, hauptsache der eur/usd geht in den keller, hihi  

29.06.06 19:23

13197 Postings, 5222 Tage J.B.@Annologo

Dann wünsch ich dir viel Glück!!!

mfg J.B.  

29.06.06 19:33

632 Postings, 5216 Tage Annologo...

mal sehen, gefährlich ist ja alles handeln  

29.06.06 23:49

632 Postings, 5216 Tage Annologoder wird

doch hoffentlich wieder mal auf 1,26 runter kommen die nächsten tage oder!? bin short wie man schwer erraten kann.  

30.06.06 09:01

632 Postings, 5216 Tage Annologodann kann ich jetzt

nur warten, dass der euro/usd wieder runter kommt, war ganz schlecht gestern.
Warum nur sooo positiv!? da stimmt doch was nicht oder?
 

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