Spekulationen um den Greenback

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eröffnet am: 18.04.03 12:37 von: Nassie Anzahl Beiträge: 1
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18.04.03 12:37

15990 Postings, 6766 Tage NassieSpekulationen um den Greenback

Bagdad ist gefallen, und bald dürften die kriegsbedingten Verzerrungen an den Devisenmärkten wegfallen - ob damit aber, wie im Vorfeld des Waffengangs von vielen Analysten gemutmaßt, eine Stärkung des Dollars einhergeht, ist mehr als fraglich.


 

Allein 2002 hat die US-Währung gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner etwa zehn Prozent an Wert verloren, gegenüber dem Euro waren es sogar 20 Prozent. Seit Anfang 2003 sackte der Dollar noch einmal kräftig ab, was viele Beobachter auf den drohenden Krieg zurückführten, der die Anleger in den vermeintlich sichereren Euro treibe. Da die Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft nach wie vor besser seien als die der Euro-Ökonomie, werde der Greenback bald zu alter Stärke zurückfinden.

Sollte das Argument zutreffen, müsste die US-Währung jetzt wieder an Wert gewinnen, doch von einer Trendwende ist an den Märkten bislang nicht viel zu sehen - kaum verwunderlich, denn die wirtschaftlichen Rahmendaten deuten auf eine länger anhaltende Durststrecke des Dollars hin.


Hauptgrund dafür ist das enorme US-Leistungsbilanzdefizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - mit steigender Tendenz. Ein derartiges Loch in der Bilanz ist nur zu finanzieren, wenn Ausländer in entsprechendem Umfang neue US-Anlagen erwerben.



Dollar-Talfahrt steht bevor


Zwar ist es kaum möglich, einen festen Wert zu bestimmen, den der Fehlbetrag nicht überschreiten darf. Doch klar ist auch, dass das Defizit nicht unendlich steigen kann. Deshalb wird es ab einem gewissen Punkt zur Korrektur kommen. Und wenn das Minus nicht dadurch verringert wird, dass das Wachstum im Rest der Welt anzieht, muss dazu der Dollar abwerten, was die US-Exporte stimulieren und die Importe begrenzen dürfte.


Die Anzeichen, dass eine solche Dollar-Talfahrt bevorsteht, mehren sich. So haben das Platzen der Aktienblase und die Bilanzskandale des vergangenen Jahres die Kauflust der Investoren getrübt. Damit einher geht eine Verschlechterung in der Qualität der Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits, das vermehrt durch den Kauf von Staatsanleihen statt durch private Investitionen gedeckt wird.


Flossen 2000 noch ausländische Direktinvestitionen im Wert von 300 Mrd. $ in die USA, so waren es 2002 nur noch 30 Mrd. $. Auch der Aktienerwerb ging kräftig zurück. Dagegen kauften Ausländer im vergangenen Jahr Staatsanleihen im Wert von 75 Mrd. $, 2000 waren es noch 30 Mrd. $. Damit steigt das Risiko für einen Dollar-Absturz, denn anders als etwa Direktinvestitionen können Bond-Anlagen schnell abgezogen werden - und sie signalisieren ein eingetrübtes Vertrauen der Investoren in die Leistungsfähigkeit der Privatwirtschaft.



Zentralbanken verringern Dollar-Reserven


Auch bei den großen Zentralbanken, deren Devisengeschäfte eine wichtige Bestimmungsgröße für den Wechselkurs sind, wächst die Dollar-Skepsis. Einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs zufolge hatten die Institute 1999 noch 5,8-mal so viele Dollar wie Euro in ihren Tresoren, 2002 waren es nur noch 4,6-mal so viel. Experten erwarten, dass die Popularität der Einheitswährung noch steigen wird. Die Zentralbanken von China, Russland, Kanada und Thailand haben angekündigt, vermehrt in Euro zu investieren.


All dies muss nicht bedeuten, dass sich die Dollar-Talfahrt ungebrochen fortsetzt oder gar ein Absturz des Greenback bevorsteht - Investoren im Dollar-Raum sollten diese Risiken jedoch einkalkulieren.

 

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