Sparen sogar beim Arzt. Zehn Millionen droht Armut

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eröffnet am: 05.12.06 18:35 von: ostseebrise. Anzahl Beiträge: 1
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In Deutschland sind 13 Prozent der Bürger von Armut bedroht oder arm. Im Jahr 2004 seien 10,6 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren, betroffen gewesen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin mit. Die Gefahr von Armut sei im europäischen Vergleich aber unterdurchschnittlich, sagte der Vizepräsident des Amtes, Walter Radermacher. In Irland und Portugal sei jeder Fünfte (21 Prozent) im Jahr 2003 von Armut bedroht gewesen.

In Deutschland sind der Erhebung "Leben in Europa" zufolge vor allem junge Menschen, Alleinerziehende, Arbeitslose und Menschen ohne Schulabschluss betroffen. In den neuen Bundesländern ist die Armutsgefährdung mit 17 Prozent deutlich höher als in Westdeutschland mit 12 Prozent.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die 2004 pro Monat weniger als 856 Euro hatten, das sind 60 Prozent des mittleren Einkommens von 1427 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern ist demnach armutsgefährdet, wenn ihr weniger als 1798 Euro zur Verfügung stehen. Als arm werden Menschen bezeichnet, die jeden Monat weniger als 40 Prozent des mittleren Einkommens haben. Dies seien in Deutschland etwa 4 Prozent, sagte Thomas Körner vom Statistischen Bundesamt.

"Armutsrisiken sind vor allem Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsabschlüsse", sagte Radermacher. Mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen und jeweils ein Viertel der Menschen ohne abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung seien von Armut bedroht, von den Erwerbstätigen dagegen nur 5 Prozent. Auch in Familien von Alleinerziehenden ist das Armutsrisiko besonders groß: Fast ein Drittel (30 Prozent) lebt unter der Armutgefährdungsgrenze, bei Familien mit einem Kind sind es nur 7 Prozent.

Arme oder von Armut Bedrohte müssen auf viele grundlegende Dinge verzichten: Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) dieser Menschen lebt in Wohnungen mit Baumängeln und geht trotz gesundheitlicher Probleme wegen der zusätzlichen Kosten nicht zum Arzt. 14 Prozent müssen im Winter beim Heizen sparen.

Ohne soziale Transferleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kindergeld wäre der Untersuchung zufolge sogar fast ein Viertel (24 Prozent) der Bevölkerung armutsgefährdet. Es sei aber offenkundig, dass die Sozialleistungen nicht ausreichten, um Millionen Menschen wirksam vor Armut zu schützen, sagte die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Katja Kipping. "Wir brauchen eine bedarfsorientierte und repressionsfreie Grundsicherung."

Mit der Untersuchung gibt es den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge erstmals EU-weit vergleichbare Datenquellen über Einkommen, Armut und Lebensbedingungen. Die Statistik wird seit 2005 in allen EU-Ländern sowie in Norwegen und Island erhoben. Aus den anderen Ländern seien allerdings noch keine Daten für das Erhebungsjahr 2005 verfügbar. In Deutschland wurden rund 25.000 Menschen befragt.

http://www.n-tv.de/740744.html
 

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