Sinkender Ölpreis gleich steigende Märkte?(Steffen

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eröffnet am: 18.08.05 19:06 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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18.08.05 19:06

887253 Postings, 6078 Tage moyaSinkender Ölpreis gleich steigende Märkte?(Steffen

Fallender Ölpreis bedeutet nicht direkt steigende Märkte!

von Jochen Steffens

Der Ölpreis ist gestern im weiteren US-Handel deutlich gefallen. Das hatte jedoch weniger mit den Öllager-Beständen zu tun, sondern vielmehr mit der Nachricht, dass der Benzinverbrauch in den USA rückläufig ist. Das wiederum hat zwei Gründe: Zum einen geht die Driving-Season zu Ende, aus diesem Grund sind die Benzinlagerbestände nicht mehr so wichtig. Zum anderen bewirken die hohen Benzinkosten in den USA, dass nun endlich auch die Amis ihren Verbrauch einschränken.
Die Tendenz zu sparsamen Autos ist schon länger zu erkennen.

Der hohe Ölpreis verursacht weltweit Zurückhaltung und Sparsamkeit, die letzten Endes wieder dazu führen können, dass der Verbrauch sinkt.
Wir sind nun im August, bis zur Wintersaison wird noch einige Zeit vergehen, so dass es sein kann, dass der Ölpreis sein vorläufiges Hoch erst einmal gesehen hat.

Sinkender Ölpreis gleich steigende Märkte?

Trotzdem bedeutet das nicht unweigerlich, dass die Märkte nun direkt steigen. Es kann zu einem Verzögerungseffekt kommen. Der Ölpreis muss schon deutlich unter Druck kommen, damit diese Botschaft bei den Anlegern ankommt, noch steht er auch trotz des Einbruchs viel zu hoch.
Hinzu kommt, dass einige Analysten wieder die lustige These vertreten, der sinkende Ölpreis sei ein Indiz dafür, dass das weltweite Wirtschaftswachstum nachlässt.

Lassen Sie sich also nicht von einer Verzögerung überraschen, wir sind noch im Konsolidierungsmodus. Und es passt wieder zu Miss Börse, dass sie ihre Verehrer in die falsche Richtung laufen lässt, schließlich will sie nur die Besten der Besten an ihrem goldenen Glanz teilhaben lassen.

Sollte der Ölpreis jedoch nachhaltig unter die 50 Dollar fallen, können Sie davon ausgehen, dass die Inflationssorgen in den USA deutlich nachlassen. Doch auch dieser Effekt wird zeitverzögert geschehen. Das bedeutet, erst einmal werden die nächsten Inflationszahlen schlechter sein, denn sie reagieren noch auf den aktuellen Ölpreis. Darauf wird nun eventuell getradet. Wenn dann diese schlechten Nachrichten durch sind, steigen die Märkte (sofern der Ölpreis weiter fällt), da sich dann der positive Effekt eines fallenden Ölpreises so langsam auswirken wird.

Aus diesem Grund kann es sein, dass sich auch die amerikanischen Konjunkturdaten erst noch einmal eintrüben, auch wenn der Ölpreis nun weiter fallen sollte. Es sind schließlich alles "alte" Zahlen.
Trotzdem wird das die Märkte belasten. Auch hier gilt dann: Erst wenn dann die schlechten Zahlen durch sind, wird in Erwartung besserer Zahlen auf steigende Märkte getradet.

Wenn also die Inflationssorgen sinken, die Konjunkturdaten sich verschlechtern und der Ölpreis weiter unter der 50 Dollar Marke notiert, werden die US-Zinserhöhungssorgen aus dem Markt genommen. Das wird Feuer unter den Kursen der amerikanischen Aktien sein.

Alles so gewollt?

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einer meiner "gewagten Thesen", dass vielleicht Alan Greenspan vor hat, den Dow zu seinem Abschied Anfang nächsten Jahres auf ein neues Allzeithoch zu bringen.
Vielleicht können Sie sich noch erinnern: Ich hatte mich gefragt, wie Alan Greenspan es schaffen will, den Markt so lange zu dämpfen, damit er nicht zu früh nach oben ausbricht. Wenn er nämlich bereits in der Mitte dieses Jahres ansteigt, könnte er aufgrund der Sorgen die mit einem Ende der Amtszeit Alan Greenspans verbunden sind, doch noch einbrechen.

Nun, einige Monate später weiß ich, dass der Markt (insbesondere der
Dow) nicht explodiert ist, der Ölpreis hat die amerikanischen Indizes unter Kontrolle gehalten. Im Moment schafft der Dow es nicht, die 10.700er Marke zu überwinden. Das Allzeithoch liegt bei 11.750 Punkten. Es fehlen demnach noch knapp 10 Prozent!

Es ist also durchaus vorstellbar, dass der Dow diese 10 Prozent von Oktober bis März nächsten Jahres abarbeitet. Und siehe da, Geenspans Welt wäre in Ordnung.

In den Geschichtsbüchern wird in diesem Falle zu lesen sein: Alan Geenspan hat im Jahre 2006 sein Amt an seinen Nachfolger XXXX übergeben. Es ist seinem ökonomischen Geschick zu verdanken, dass er trotz des Jahrhundert-Crashs 2000-2003 sein Amt mit einem neuen Allzeithoch im Dow übergeben konnte. Diese unglaublich beeindruckende Leistung ist in den Lehrbüchern als Greenspans "Badewannen-Analogie"
bekannt geworden.

Ich würde an seiner Stelle dafür sorgen, Sie nicht?

Was dann mit seinem Nachfolger passiert? Wen interessierts.

Und bis dahin?

Das ist schon wesentlich schwieriger zu beantworten. Seitwärts, Abwärts, weiter hoch? Im Moment ist die sehr kurzfristige Ausrichtung schwierig. Die Wahlunsicherheiten in Deutschland sind nach der Bennennung des Finanzexperten Paul Kirchhof etwas zurückgekommen.
Sollte sich in den neuen Umfragen wieder ein klareres Ergebnis zugunsten der CDU/FDP erkennen lassen, wird das den Dax sicherlich wieder unterstützen.

Mich interessiert dabei, wie das mit der Steuervereinfachung tatsächlich aussehen wird. Meine Steuerberaterin bleibt bei diesem Geplänkel völlig gelassen und macht sich keine Sorge um ihren Job. Ich denke, Sie weiß warum.

Insgesamt kann der Markt jedoch noch unter Druck kommen, weil der hohe Ölpreis sich erst noch auch in den Unternehmenszahlen zum dritten Quartal auswirken wird. Wenn diese Zahlen durch sind, ist wieder größeres Aufwärtspotenzial vorhanden.

Aber, wie gesagt, der Markt ist bullish, gerade der Dax kann jeder Zeit nach oben ausbrechen.

Der Papst in Köln

Heute ist der Papst in Köln angekommen. Petrus hat zu diesem Anlass ein Bilderbuchwetter in Köln gezaubert - nach all dem Regen der letzten Wochen konnte der Zeitpunkt dafür nicht besser gewählt sein.

Mehrere Hunderttausend Menschen, hauptsächlich jugendliche Pilger mit blauen Rucksäcken, bevölkern die Kölner Innenstadt.

Ich habe mit einem Taxifahrer und einem Kioskbesitzer geredet (das sind grundsätzlich die "bestinformiertesten" Mitbürger). Sie sagen, dass von allen Seiten zu hören sei, wie auffällig friedlich diese Jugendlichen sich verhalten. Der Taxifahrer sagte, er hätte mit mehr Randale gerechnet, bei der heutigen Jugend! Aber diese Jugendlichen würden nur lachen, singen und das alles ohne Alkohol (das betonte er
besonders) - in Köln sei überall eine unglaublich friedliche Stimmung zu spüren, ein krasser Gegensatz zu sonst.

Der Einzelhandel ist weniger glücklich, ich habe Stimmen gehört wie:
Die haben alle kein Geld und sind sehr zurückhaltend. Na, vielleicht ändert sich das noch.

Wenn man sich das ganze Grauen, die Kriege, das Elend auf dieser Welt ansieht und dann miterlebt, wie hier hunderttausende Jungendliche aus allen Kulturen dieser Welt friedlichst miteinander umgehen ...

Aber es betätigt auch wieder meinen Eindruck, die Medien verursachen durch Ihre Sensationslust in unseren Köpfen ein Weltbild, das weit von der Realität entfernt ist. Die absolute Mehrheit der Menschen auf dieser Welt ist überaus friedliebend.
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US-Konjunkurdaten

von Jochen Steffens

Die Zahl der Erstanträge ist auf 316.000 gestiegen. Erwartet wurden 310.000 bis 315.000 neue Anträge nach zuvor 310.000 (revidiert von 308.000).

Hier tut sich nicht, damit hat die Zahl keine Auswirkung auf die Märkte.

ie Frühindikatoren sind um 0,1 % gestiegen. Erwartet wurde im Bereich
0,1 bis 0,2 % nach zuvor +1,2 % (revidiert von +0,9 %).

In den Erwartungen, aber schlechter, da wird sich wohl der Ölpreis auswirken.

Gruß Moya

 

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