Schwindende Zinsmarge bringt US-Banken unter Druck

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eröffnet am: 26.08.05 12:25 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6209 Tage bammieSchwindende Zinsmarge bringt US-Banken unter Druck

Fast jede Bankfiliale in Manhattan lockt derzeit mit unüblich hohen Zinsen für kurzfristige Spareinlagen.

HB NEW YORK. "2,85 Prozent für Drei-Monats-Geld" verspricht Chase (ASQ: CCF - Nachrichten) , die Tochter der US-Großbank JP Morgan, im Schaufenster am Broadway. Die niederländische Bank ING plakatiert gleich eine halbe Hauswand in Orange, um für ihr täglich verfügbares Onlinekonto mit 3,3 Prozent Zins zu werben. Hinter den steigenden Sparzinsen steckt die US-Notenbank (Fed). Sie hat den Leitzins für Übernachtkredite in zehn Schritten auf inzwischen 3,5 Prozent erhöht.

Was die Kunden freut, wird für die US-Kreditinstitute zum Problem. Denn bislang steigen in Amerika nur die kurzfristigen Zinsen. Dagegen stagniert die Rendite für langfristige Ausleihungen ? bei derzeit kaum über vier Prozent.

Für die Banken versiegt so eine lieb gewonnene Ertragsquelle? das kurzfristige Aufnehmen von Geld, um es langfristig zu verleihen. "Es war fast wie Geld drucken, aber diese Möglichkeit fällt jetzt weg", sagt Joachim Döpp, Amerikachef der Commerzbank (Xetra: 803200.DE - Nachrichten - Forum) mit Sitz in New York.

Typischerweise beschaffen sich Banken ihr Geld über kurzfristige Kundeneinlagen und Zentralbankkredite. Dagegen vergeben sie oft längerfristige Kredite oder investieren in lang laufende Zinspapiere. 2002, als Fed-Kredite 1,25 Prozent und US-Spareinlagen noch weniger kosteten, konnten die Banken Geld günstig aufnehmen und es für mehr als fünf Prozent in US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit investieren. Mit diesem "Carry Trade", auch "Fristentransformation" genannt, ließen sich jährliche Gewinne von fast vier Prozent erzielen.

"Viele Banken haben Mühe, diese Erträge, die jetzt verschwinden, zu ersetzen", sagt William Demchak, Finanzvorstand der US-Regionalbank PNC Financial. Denn längst ist der Abstand zwischen Fed-Zins und zehnjährigen US-Staatsanleihen auf kaum mehr als einen halben Prozentpunkt geschrumpft. Experten sprechen von einem Abflachen der so genannten Zinskurve, die den Abstand zwischen kurz- und langfristigen Renditen darstellt. Volkswirte schätzen, dass die Fed den US-Leitzins weiter anheben und das Problem damit verschärfen wird.

Besonders schwierig wird es für die US-Banken, wenn die Zinskurve in den USA invertiert, das heißt: wenn der kurzfristige Zins höher ist als der langfristige. Diese Konstellation ist äußerst selten, weil Kreditgeber in der Regel einen umso höheren Zins verlangen, je länger sie ihr Geld verleihen. "Ich glaube, dass wir in den USA eine inverse Zinskurve bekommen werden", sagt Commerzbanker Döpp. Denn während die Fed den kurzfristigen Zins weiter anhebe, halte das große Kaufinteresse an US-Staatsanleihen die langfristigen Zinsen vorerst niedrig. Große Investoren wie Versicherer und Pensionsfonds greifen stark auf Langläufer zurück, um ihre langfristigen Verbindlichkeiten abzudecken.

Die Problematik einer inversen Zinskurve liegt darin, dass viele US-Regionalbanken die Spareinlagen ihrer Kunden in langfristige Wertpapiere wie Hypotheken-Anleihen und US-Staatsanleihen investieren. Bislang bringt diese Anlage zwar schrumpfende, aber immerhin positive Erträge. Kehrt sich das Verhältnis von kurz- zu langfristigen Zinsen jedoch um, dann müssten die Banken Hunderte von Milliarden von Anlegergeld umschichten.

Im vergangenen Quartal litten viele US-Banken bereits unter der flachen Zinskurve. Die Finanzchefin des Branchenriesen Citigroup, Sallie Krawcheck, erklärte das enttäuschende Abschneiden teilweise mit dem unerwarteten Zinstrend. Bank of America (NYSE: BAC - Nachrichten) , die zweitgrößte US-Bank, meldete fast eine Verdopplung des Finanzierungsaufwands ? nicht zuletzt wegen der höheren Renditen für die Sparbücher. Die Zinseinnahmen wuchsen dagegen nur hauchdünn um ein Prozent.

"Wir erwarten weiterhin Druck durch eine flachere Zinskurve", sagte Konzernchef Kenneth Lewis, "wir geraten zweifellos in die Zange." Die Zange von steigenden Finanzierungskosten bei kaum veränderten Einnahmen führte im letzten Quartal zu sinkenden Zinsmargen bei Citigroup (NYSE: C - Nachrichten) , Bank of America, PNC Financial, Wachovia (NYSE: WB - Nachrichten) und vielen anderen US-Banken. Die Zinsmarge bezeichnet den Unterschied zwischen Zinskosten und -erträgen im Kreditgeschäft.

Hinzu kam, dass die meisten Geldhäuser den Zinstrend falsch eingeschätzt hatten und verlustreiche Wetten eingegangen waren. "Einige Geldhäuser setzten im vergangenen Quartal auf steigende Langfristzinsen und lagen damit falsch", sagt Analyst Andrew Collins vom US-Wertpapierhaus Piper Jaffray. Dadurch erlitten Citigroup ebenso wie die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley Verluste im Eigenhandel mit Zinspapieren.

Zwar hat die Branche im laufenden Quartal ähnliche Pannen bislang offenbar vermieden. Doch die Zeiten müheloser Zinsgewinne sind vorbei.  

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