Scharping (Ein Nachruf)

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eröffnet am: 21.07.02 21:48 von: vega2000 Anzahl Beiträge: 1
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21.07.02 21:48

Clubmitglied, 44104 Postings, 7242 Tage vega2000Scharping (Ein Nachruf)

Wirklich große Männer erkennt man am Ende an ihrer Einsamkeit. Hier die Schwächlinge, die sich zu Herden zusammenrotten, dort der tragische Held, der allein und erhobenen Hauptes in die Abendsonne reitet. Zwar sagt der Dichter, der Starke sei am mächtigsten allein, aber er unterschlägt ja auch nicht die Wahrheit, dass vereint sogar das SPD-Präsidium ziemlich mächtig ist. Jedenfalls reicht es dazu, den Großen hinterrücks zu meucheln, dessen Brillanz die anderen nicht länger aushalten, und anschließend den Peter Struck eine scheinheilige Rede halten zu lassen über die Verdienste des Gemeuchelten. Als ob nicht jeder wüsste, dass der Nachfolger morgens vor dem Spiegel schon das Gesicht geübt hat, das er brauchen wird, wenn er seine erste Kompanie abschreitet. Feiglinge, Schufte, alle.
Freilich, das wahrhaft Tragische an manchen Helden ist dann doch die Art, wie sie sich ihre höchst eigene Welt zusammenphantasieren. Auch deshalb ist dies nicht der Tag und die Stunde, sich über Rudolf Scharping lustig zu machen. Wenn einer so verzweifelt bedeutend sein muss, wenn er sich bei dieser Anstrengung derart verkrampft, dass er, statt zu gehen, nur noch stolzieren kann, dann kann man sich das plötzliche Ende dieses Bedeutendseins gar nicht dramatisch genug vorstellen. So einer fällt buchstäblich aus allen Wolken, in denen er sich seine Größe jeden Tag mit aller Kraft eingeredet hat. Es ist ja kein Zufall, dass er ausgerechnet über seine Verbindungen zu einem PR-Menschen gestrauchelt ist: zu einem Mann, der ihm in Konzepten aufgeschrieben hat, dass man populär wird, indem man seine Reden mit immer demselben Satz beendet oder indem man behauptet, eine bestimmte Sorte von Musik zu lieben. Wer so etwas nötig hat, der braucht auch Mäntel, die 3700 Mark kosten, sowie eine Gelegenheit, vor den Augen der Welt seine Leidenschaftlichkeit in eroticis zu demonstrieren. Und jetzt? Jetzt wird bald keiner mehr zuschauen wollen, wenn Scharping wieder mal irgendwo badet. Furchtbar!
Weil er uns schon wieder leid tut, irgendwie, wünschen wir Rudolf Scharping ein paar gute Freunde, es darf auch seine Freundin darunter sein. Was er jetzt braucht, sind Menschen, die ihn mit der Tatsache vertraut machen, dass es auch ein Leben außerhalb von Amtssitzen und Sondermaschinen gibt, oder die ihn mit dem Hinweis trösten, dass er in einem Vierteljahr vermutlich eh nicht mehr Minister gewesen wäre ? wegen Wahlniederlage. (Wenn sie jetzt eintritt, wird er immer sagen können, das liege an seiner Entlassung.) So ungefähr könnte er mit der Sache umgehen, aber wie wir ihn kennen, wird er sich von Moritz Hunzinger ein Konzept schreiben lassen: Wie erledige ich Gerhard Schröder und werde wieder zum Hoffnungsträger. Und welche Socken trage ich dabei.
SZ

ariva.de  

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