Rentnern droht Ärger vom Finanzamt

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eröffnet am: 30.10.05 11:34 von: bammie Anzahl Beiträge: 3
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Der Staat kontrolliert die Einkünfte der Ruhe- ständler genauer als je zuvor. Zudem müssen sie seit 2005 deutlich mehr Steuern auf ihre Renten zahlen. Wer in den vergangenen Jahren Einkünfte verschwiegen hat, lebt gefährlich

von Christina Anastassiou

Viele ältere Menschen haben ein entspanntes Verhältnis zu ihrem Finanzbeamten. Glauben sie doch, die Rente sei grundsätzlich steuerfrei. Doch mit dieser Idee liegen sie falsch. Und damit droht 2006 vor allem jenen Senioren Ungemach, die Zinserträge, Betriebsrenten oder weitere Einkünfte in den vergangenen Jahren ohne Wissen des Fiskus kassiert haben. Dieter Ondracek, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft: "Wir schätzen, daß rund 300 000 Rentner rückwirkend Steuern zahlen müssen." Das Finanzministerium nennt auf Anfrage keine Zahlen.

Auslöser ist das seit Jahresanfang geltende Alterseinkünftegesetz - in zweierlei Hinsicht. Erstens ist der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente auf einheitlich 50 Prozent gestiegen. Bis 2020 kommen für jeden neuen Rentnerjahrgang zwei Prozent hinzu, bis 2040 jährlich ein Prozent. Wer dann in den Ruhestand geht, muß Abgaben auf seine komplette Rente zahlen. Dagegen zählte bis Ende 2004 das Alter bei Renteneintritt. So versteuerte etwa nur 27 Prozent des Alterssalärs, wer mit 65 den Job aufgab.

Zweitens müssen Rentenkassen, Versorgungswerke und private Versicherer Zahlungen an Ruheständler nun einmal jährlich der Zentralen Stelle für Altersvermögen (ZfA) melden. Klappt die technische Umsetzung, kann das 2006 erstmals für 2005 geschehen. Die ZfA wird die Daten ans zuständige Finanzamt weiterleiten. Pech für den, der Renteneinkünfte vergessen oder verschwiegen hat.

Unter dem neuen Gesetz dürften laut Deutscher Steuer-Gewerkschaft 1,2 oder 1,3 Millionen zusätzliche Ruheständler ihre Erklärungen bis Mai 2006 abgeben. Steuerfrei bleibt, wer lediglich eine gesetzliche Rente unter 1.550 Euro im Monat bekommt. "Der sogenannte kleine Rentner hat nichts zu befürchten. Die Steuerpflicht wird aber den treffen, der eine hohe Rente und zusätzlich Kapitalerträge sowie Mieteinkünfte bezieht," sagt Steuerberaterin Margot Voß-Gießwein von Pricewaterhouse-Coopers in Düsseldorf.

Das sind nicht wenige. Harald Hafer, Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL): "Der typische Rentner besitzt seit Jahren eine kleine, vermietete Wohnung, die er dem Fiskus verheimlicht hat."

Oft steckt mehr Unwissenheit als Mogelei hinter dem Handeln der älteren Herrschaften. "Allein durch die schrittweise Senkung des Sparerfreibetrags von umgerechnet 3068 Euro im Jahr 1999 auf derzeit 1370 Euro für Alleinstehende sind viele Rentner unbemerkt in die Steuerpflicht gerutscht", sagt Steuerberater Ulrich Derlien von der Münchener Kanzlei Peters, Schönberger & Partner.

Weitere Kontrollmöglichkeiten des Staates erschweren die Lage. Zum einen dürfen die Finanzämter seit April abfragen, wer bei welcher inländischen Bank ein Konto unterhält. Derlien: "Der Datenabruf reicht drei Jahre zurück, er erfaßt sämtliche, am 1. April 2003 existierenden Konten." Änderungen und Löschungen werden dabei drei Jahre lang gespeichert.

Zum anderen stellen Banken seit 2005 Jahresbescheinigungen über Kapitaleinkünfte aus. Wer diese Dokumente nicht in der Steuererklärung nennt, kann bei der Kontenabfrage entdeckt werden. Sigurd Fleischer vom Anlegerdienst "Fuchs-Briefe": "Dann müssen Finanzämter nur noch prüfen, für welche Konten Freistellungsaufträge erteilt wurden und für welche nicht. Bei letzteren liegt der Verdacht nahe, daß hier unversteuerte Einkünfte liegen."

Den Senioren, die es mit dem Tribut an den Fiskus nicht immer so genau genommen haben, droht also von drei Seiten Gefahr. Hafer vom BDL: "Die Rentner sollten wissen, daß es fünf vor zwölf ist. Sie müssen endlich anfangen, ihre Unterlagen durchzuschauen."

Trägt doch der Aufgespürte harte Konsequenzen. Er muß für bis zu zehn Jahre Steuern nachzahlen nebst jährlicher Zinsen von sechs Prozent und gegebenenfalls einer Geldstrafe. Ondracek von der Deutschen Steuer-Gewerkschaft: "Weisen die Finanzbeamten dem Rentner eine vorsätzliche Tat nach, brummen sie ihm etwa die Hälfte der nachzuzahlenden Steuern als Geldstrafe auf."

Was tun? "Wer fürchtet, er hätte eine Erklärung abgeben müssen, sollte sich von einem Steuerberater ausrechnen lassen, ob die Angst begründet ist", sagt Derlien.

Knackpunkt: Erfährt der eigene Berater, daß der Rentner Kapitalerträge verschwiegen hat und zeigt jener sich nicht selbst an, darf der Steuerprofi nicht mehr für ihn arbeiten. Schließlich wären künftige Erklärungen ebenfalls unvollständig, und der Steuerberater leistete Beihilfe zur Mogelei.

In größeren Fällen ist die Selbstanzeige die einzige Chance, einem Strafverfahren zu entgehen (siehe Kasten). Hat der Senior die Erträge der vergangenen Dekade offengelegt, braucht er nur Steuern und Zinsen nachzuzahlen.

Für die Zeit nach der Selbstanzeige haben Steuertüftler schon wieder Pläne. Hanno Kiesel, Partner bei Ernst & Young in Stuttgart: "Liegen die Einkünfte eines Rentners über dem Grundfreibetrag, kann er Steuerzahlungen künftig durch geschickte Gestaltung vermeiden." Diese abgabefreie Grenze beträgt derzeit 7664 Euro.

Eine Möglichkeit besteht Kiesel zufolge darin, Geld in Zertifikaten anzulegen. Diese sind nach einjähriger Haltefrist steuerbefreit. Risikofreudige können von Anleihen und Sparbüchern auf Aktien umsteigen, also von Zinseinkünften auf Dividenden. Denn letztere werden nur zur Hälfte besteuert. Das setzt aber voraus, daß die Anleger die Entwicklung an der Börse im Blick haben.

Artikel erschienen am 30. Oktober 2005  

30.10.05 11:53

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