Pumas Probleme mit dem Blow-Job-Fake

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Gefälschte Anzeige
 
Pumas Probleme mit dem Blow-Job-Fake

Von Thomas Hillenbrand

Weltweit operierende Markenunternehmen haben zunehmend Probleme mit gefälschten Anzeigen, die im Internet kursieren. Das jüngste Opfer ist der Sportschuhhersteller Puma, der sich mit zwei äußerst anzüglichen Bildern herumschlagen muss.

Gefälschte Puma-Anzeige: Empörung bei Management und Mitarbeitern
Hamburg/Herzogenaurach - Seit einiger Zeit kursieren im Internet Bilder, die wie eine Werbung für die Trendmarke Puma daherkommen. Da sind die Beine eines Mannes zu sehen, beschuht ist er mit Puma-Slippern, Modell M-Star. Vor ihm kniet ein Mädchen im Minirock, sie trägt das gleiche Modell, neben ihr liegt eine Handtasche mit dem Raubtier-Logo. Was genau da vor sich geht, zeigt das Foto nicht. Aber um das zu kapieren, braucht es nicht viel Phantasie. Zumal die Frau auf ihrem rechten Oberschenkel Tropfen einer milchig-weißen Flüssigkeit hat. Es existiert auch noch eine zweite Version mit identischer Optik, aber anderen Modellen.

So ein Motiv garantiert Aufmerksamkeit. Es ist die Art von Bild, die in Büros jeden Tag zehntausendmal weiterverschickt wird. PR-Strategen haben E-Mails deshalb bereits vor einiger Zeit als kostenlosen Werbeträger entdeckt. Weil sich per elektronischer Post Bilder und Videoclips seuchenartig verbreiten (lassen), nennt sich das Ganze in der Fachsprache Viral Marketing. Das Blow-Job-Bild ist vielleicht schmierig, schafft aber reichlich Aufmerksamkeit. Ganz umsonst.

Pumas PR-Leute können sich über den Gratis-Hype dennoch nicht freuen. Ihnen graust bei der Vorstellung, dass ihre Marke mit Sexismus in Verbindung gebracht und mit Sperma besudelt wird.

Puma versuchte es deshalb mit einer Gegenoffensive. Das Unternehmen teilt mit, dass es sich keinesfalls um eine offizielle Puma-Anzeige handelt. Mehrere amerikanische Blogger-Webseiten, die das Bild des vermeintlichen Puma-Pärchens veröffentlichten, wurden von der Rechtsabteilung des Sportherstellers mit Unterlassungserklärungen bedacht.

Feuer frei im Blogger-Land

Wodurch das Unternehmen die Sache natürlich erst richtig angeheizt hat. Souveräner reagierte unlängst der finnische Handy-Hersteller Nokia . Der hatte Probleme mit einem Videoclip, der ebenfalls durch das Internet geisterte. Zu sehen war eine Katze, die mit der Pfote an einem Deckenventilator hängen bleibt und nach mehreren Umdrehungen kreischend gegen die Wand klatscht. Diese ziemlich unglaubliche Szene wird von einem Beobachter festgehalten der - Gott sei Dank - ein Nokia-Multimedia-Handy zur Hand hat.

Während die PR-Leute in Herzogenaurach ob der Oralsex-Bilder wechselnd rot vor Scham und blau vor Wut anlaufen, ging der Weltkonzern Nokia mit dem potenziell imageschädigendem Problem wesentlich lockerer um. Statt des sinnlosen Versuchs, ein bereits kursierendes Späßchen juristisch niederzukartätschen, gaben die lakonischen Finnen lediglich zu Protokoll, der Katzenclip sei Nokia unaufgefordert angeboten worden - man habe das Material jedoch kategorisch abgelehnt. Ende der Durchsage, Ende der Aufregung.

Puma hingegen hat mit seinen Unterlassungserklärungen bisher vor allem erreicht, dass die bedrohten Web-Blogger kübelweise Häme über das Unternehmen ausgießen. Die Seite Gawker.com, einer der Initiatoren der Puma-Kontroverse, höhnt: "Das ist die beste Anzeige, die für euer Unternehmen seit Jahren gemacht worden ist, und ihr habt sie nicht selber entworfen. Tausende Leute zirkulieren Bilder, auf denen euer Markenzeichen zu sehen ist und ihr habt nicht einmal für das Product Placement bezahlt."

Gewisse Grenzüberschreitung

Der Sportartikel-Hersteller findet das alles gar nicht komisch. "Als Marke sind wir bemüht, unsere Anzeigenkampagnen aus einem einmaligen Blickwinkel heraus zu präsentieren und daher auch zu gewissen Grenzüberschreitungen fähig. Ein Einsatz dieser uns zur Kenntnis gebrachten Werbemethoden kommt für Puma allerdings unter keinen Umständen in Betracht", heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei genauerer Betrachtung werfen die beiden Fotos eine Reihe von Fragen auf. Die Bilder sehen nicht aus, als hätte sie irgendein Spaßvogel mal eben mit Photoshop zusammengeschraubt. Sie sind gut ausgeleuchtet und professionell nachbearbeitet. Zudem hat es den Anschein, als ob sich jemand die Mühe gemacht hätte, Models zu engagieren und sich Puma-Produkte im Wert von mehreren hundert Euro zu besorgen. Alles für einen Internet-Jux?

Puma-Sprecher Ulf Santjer sagt, dass sein Unternehmen erst durch die Verbreitung im Web auf die Bilder aufmerksam geworden ist. Weder die für Pumas weltweite Kampagne zuständige Werbeagentur noch Dritte hätten dem Unternehmen das Motiv jemals angeboten. "Wir wissen bisher nicht, wer der Urheber ist", so Santjer.

Während Puma weiter daran arbeitet, die gefälschte Anzeige aus dem Netz zu bekommen, zeigte der amerikanische Mitbewerber Pony unlängst, dass er beim Marketing eine wesentlich geringere Hemmschwelle besitzt als die Konkurrenz aus Herzogenaurach. Für ihre neue Kampagne haben die Kalifornier das Pornosternchen Jenna Jameson verpflichtet.

 

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