Profi-Strategien mit Tücken

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eröffnet am: 03.07.06 13:47 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 1
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24466 Postings, 5835 Tage EinsamerSamariterProfi-Strategien mit Tücken

Handelsblatt Anleger-Akademie

Profi-Strategien mit Tücken

Wenn an den Aktienmärkten die Kurse fallen, behalten professionelle Derivatehändler oft einen kühlen Kopf. Denn mit bestimmten Strategien können die Anlageprofis ihre Portfolios gegen wetterfest gegen Stürme an der Börse machen. Seit wenigen Jahren verpacken Investmentbanken solche Strategien auch für Privatanleger: In Deutschland vor allem in Form von Zertifikaten.

DÜSSELDORF. Entwickelt haben sich die Papiere aus dem Markt für Optionsscheine, wo vor allem Zocker das schnelle Geld suchen. Heute ist diese riskanteste Form der Derivate für Privatanleger nur ein Extrem in einer sehr breiten Palette strukturierter Finanzprodukte. Sie reicht von hochspekulativen Turbopapieren, die das Risiko eines Totalverlustes besitzen, über Zertifikate auf konservative, solide Basiswerte wie zum Beispiel deutsche Standardaktien und Bundesanleihen bis hin zu vergleichsweise sicheren Garantiezertifikaten, die zum Laufzeitende zumindest den Kapitaleinsatz des Anlegers zu 100 Prozent absichern.

Abgesehen von Indexzertifikaten, die genau den Kurs eines bestimmten Basiswerts nachzeichnen, bestehen Zertifikate aus der Kombination von mindestens zwei Wertpapiergeschäften. Meist ist dies ein Aktien- beziehungsweise Anleihekauf, der mit einem bestimmten Optionsgeschäft kombiniert wird.

Dadurch kann der Anleger seinem Investment mit dem Kauf des Zertifikats gegenüber der Direktanlage neues Profil geben, bei dem die Bewegungen des Basiswerts abgeschwächt oder gar verstärkt werden. Mit einem Discountzertifikat zum Beispiel ist es möglich, etwa eine Aktie billiger als über die Börse zu erwerben, dafür sind Gewinnchancen von vornherein begrenzt.

Wie sich einzelne Zertifikate während der Laufzeit verhalten ist, allerdings für Anleger ohne Kenntnisse in Optionstheorie nur schwer zu verstehen. Denn vor allem die Kursbewegungen der im Zertifikat enthaltenen Optionen sind nicht nur vom Kurs des Zertifikate-Basiswerts abhängig, sondern auch von dessen Schwankungsintensität (Volatilität), vom Zinsniveau und der Restlaufzeit (siehe Tabelle). So kann es passieren, dass der Kurs eines Bonuszertifikats fällt, obwohl die zugrunde liegende Aktie steigt. Das passiert zum Beispiel, wenn die Volatilität stark sinkt und damit die im Zertifikat enthaltene Optionskomponente an Wert verliert. Zwar reagiert der Optionspreis auch auf die Kursveränderung der Aktie, je nach Situation kann der Volatilitätseffekt aber stärker ausfallen.

Schon allein das komplizierte Laufzeitverhalten macht es für Anleger schwierig, Zertifikate aktiv zu handeln, von den Kosten ganz abgesehen. Daher sollten die Positionen in der Regel bis zur Fälligkeit gehalten werden. Als Beimischung im Depot können die Papiere dann das Gesamtrisiko vermindern. Bei einem Discountzertifikat zum Beispiel bildet der Rabatt auf den aktuellen Börsenkurs der Aktie ein Sicherheitspuffer gegen Kursverluste. Dieser Puffer greift dann, wenn die Zertifikate fällig werden.

Damit ist das Verhalten des Papiers zu einem bestimmten Zeitpunkt berechenbar. Wer eine Marktmeinung hat, kann seine Erwartungen mit Hilfe des Zertifikats genau im Portfolio abbilden. Wer beispielsweise davon ausgeht, dass der Dax-Index in einem Jahr auf dem gleichen Stand wie heute sein wird, der kauft ein Discountzertifikat auf den Index und streicht damit zu aktuellen Konditionen gut zehn Prozent Rendite pro Jahr ein. Es entgeht ihm dabei allerdings die Dividendenrendite des Index von rund drei Prozent, da die Ausschüttungen zur Finanzierung der Konstruktion genutzt werden.

Anleger, die die Schwankungen des Discounters während der Laufzeit berücksichtigen wollen, brauchen allerdings einen guten Berater.

Doch auch ohne Berater können Zertifikate als Beimischung im Depot Risiken ausbalancieren. Wer etwa Aktienpositionen durch Discounter auf die entsprechende Aktie ersetzt, versieht die Position dadurch mit einem Puffer nach unten. Bei Emission liegt der Preis des Discounters unter dem Aktienkurs (Discount). Zurückgezahlt wird bei Fälligkeit dann aber der Kurs der Aktie, bis zu einer Obergrenze (Cap). Erst wenn der Kursverlust der Aktie den Discount übersteigt, entsteht dem Anleger ein Verlust. Allerdings begrenzt die Discounter-Strategie nicht nur das Risiko, sondern auch die Gewinnchancen. Denn oberhalb des Caps würden Anleger mit der Aktie besser fahren.

Hier zeigt sich eine wesentliche Bedingung für den Zertifikatekauf: Wer erfolgreich in diese Papiere investieren will, braucht eine dezidierte Meinung zum Markt. Denn mit einem Zertifikat kann der Anleger nur dann richtig Geld verdienen, wenn dessen Profil zu der erwarteten Marktbewegung genau passt (siehe ?In fünf Schritten zum richtigen Zertifikat?). Schließlich gibt es einzelne Zertifikatetypen in unterschiedlich offensive oder defensive Ausprägungen.

In den kommenden Tagen zeigt die Anleger-Akademie, welche Konstruktionen sich für welchen Anlegertyp eigenen. Vom defensiven Garantiezertifikat, bei dem die Rückzahlung des Einsatzes garantiert wird, bis zum offensiven Outperformancepapier, das Kursgewinne des Basiswerts verstärkt. In der letzten Folge erfahren Sie zusätzlich, worauf Zertifikateanleger beim Kauf der Papiere achten sollten.


Quelle: HANDELSBLATT, Montag, 03. Juli 2006, 13:28 Uhr

Euch,

   Einsamer Samariter

 

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