Porsche-Anleger müssen sich heute anschnallen

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neuester Beitrag: 03.03.03 23:30
eröffnet am: 03.03.03 23:30 von: first-henri Anzahl Beiträge: 1
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Aus der FTD vom 4.3.2003 www.ftd.de/kapital
Das Kapital: Porsche-Anleger müssen sich heute anschnallen

Umsatz plus 20 Prozent, Vorsteuergewinn plus 18,7 Prozent, Kurs minus 40 Prozent. So einfach lässt sich das letzte Halbjahr von Porsche zusammenfassen.

Die Aktie kostet damit noch den neunfachen geschätzten laufenden Gewinn, bei einem durchschnittlichen Wachstum von 20 Prozent über die vergangenen zehn Jahre. Doch Schuld ist nicht allein die Börsenschwäche. Die Luft ist raus, seit der Cayenne Realität ist. Dazu kam der schwache Dollar. Gegen den hat Porsche sich zwar abgesichert. Aber das geht nur auf Zeit - und ist teuer. Dann noch die schwachen Januar-Absätze in den USA, die den Verdacht genährt haben, dass am Ende eben auch Luxuskarossen unter Konjunkturflauten zu leiden haben. Der Februar hat das eindrucksvoll bestätigt, mit einem Rückgang des 911er-Absatzes von 40 Prozent. Die Anleger sollten sich am Dienstag lieber anschnallen.



Kein Wunder, dass die Zuffenhausener vorsichtig werden und einem Rückgang des Sportwagenabsatzes im zweiten Halbjahr vorbauen, der sich aus dem schon bekannten Absatzziel von insgesamt 65.000 Autos ohnehin ableiten ließ. Irritierend auch, dass Porsche den taufrischen Cayenne mit Lufthansa-Bonusmeilen bewirbt. Außerdem dürfte der Absatz des 911er im Vorfeld der Rundumerneuerung 2004/05 noch stärker stottern. Dazu droht neue Konkurrenz durch Lamborghini und Aston Martin. Auch dürfte der Boxster den Zenit des Produktlebenszyklus überschritten haben, wiewohl er mit einem neuem Antlitz versehen ist.


Pfiffige Analysten denken bereits noch einen Schritt weiter. Porsche hat ja durchblicken lassen, dem 911er, dem Boxster und dem Cayenne eine vierte Modellreihe hinzuzufügen. Noch ist nicht klar, ob diese kommt und um was es sich handelt. Aber die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie Premium-Image und -Bewertung verwässern könnte. Am Umsatz- und Ertragszuwachs gemessen, würde die neue Reihe dann für die Aktionäre nur wenig Wert schaffen.


All dem steht allerdings gegenüber, dass Porsche auch im nächsten Fiskaljahr wachsen sollte und weitere teure Modelle wie den GT3 einführt. Noch wichtiger sind die Bilanzen mit einem geschätzten Nettoguthaben von 1,2 Mrd. Euro zum Ende des Jahres und die freien Mittelzuflüsse im Industriegeschäft, die schon konservativ diskontiert einen Wert von 300 Euro je Aktie ergeben. Da sollte man sich wenigstens auf die Lauer legen.



Six Continents


 

Auf Dornen gebettet


Der lange Leidensweg der Aktionäre von Six Continents ist noch nicht zu Ende. Seit Jahren vernichtet die britische Traditionsfirma deren Geld. Daran hat auch der stattliche Erlös von gut 2 Mrd. £ aus dem Verkauf des ursprünglichen Stammgeschäfts um die Bass-Brauereien vor zwei Jahren nichts geändert. Denn der wurde ja in die Renovierung der Hotels und Pubs gesteckt. Das war eher teuer als lohnend. Flächenbereinigt ist der Umsatz der Gaststätten seit 1998 um sieben Prozent geschrumpft, und die Rentabilität bleibt vergleichsweise miserabel. Auch Intercontinental und Crowne Plaza sind seit Jahren weit davon entfernt, die Eigenkapitalkosten hereinzuspielen. Holiday Inn leidet derweil unter dem schwindenden US-Markt für Hotelzimmer der Mittelklasse.


An diesen Problemen würde auch die geplante Spaltung wenig ändern. Da ist es verständlich, dass die Anleger seit zwei Wochen vor allem auf eine erlösende Offerte von Hugh Osmond für die ganze Firma hofften. Aber der Pub-Tycoon war fürs Erste doch zu knauserig. Er bietet 648 Pence pro Aktie in Papieren der von ihm beherrschten Capital Management Investment - oder alternativ 643 Pence für jene, die 24 Prozent davon in bar kriegen wollen. Das liegt nur 10 bis 15 Prozent über dem allseits geschätzten Wert der beiden Sparten nach der Spaltung.


Osmond verspricht natürlich, einiges mehr aus dem Konglomerat herauszuholen als das jetzige Management. Da liegt die Latte nicht sonderlich hoch. Aber die Risiken würden die Aktionäre weiter tragen, falls sich etwa die geplanten Verkäufe von wenig profitablen Hotels länger als erwartet hinziehen.


Von Hotels und der Sprudelsparte Britvic versteht Osmond recht wenig. Der Verdacht liegt nahe, dass er eigentlich nur Interesse an den Pubs hat und sie jetzt billiger kriegen will als nach der Spaltung. Denn dann könnten auch jene Finanzinvestoren für die Gaststätten bieten, denen das zyklische Hotelgeschäft zu riskant ist. Umgekehrt würden Hotelketten wie etwa Hilton Group es lieber vermeiden, sich die Pubs mit aufzuhalsen.


Falls Osmond seine Offerte nicht nachbessert, sollten die Aktionäre deshalb für die geplante Spaltung stimmen - und auf Bieterkämpfe um die Reste hoffen. Möglich, dass dabei auch nicht viel mehr zu holen ist. Aber eine beschwerliche Reise gibt man auch nicht auf, nur weil man kurz vor dem Erreichen des Ziel erfährt, dass dort bestenfalls ein Zimmer bei Holiday Inn wartet.



© 2003 Financial Times Deutschland , © Illustration:  FTD  

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