Polnische Putzfrau kann eigene Firma gründen

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eröffnet am: 12.07.04 08:34 von: chrismitz Anzahl Beiträge: 1
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16600 Postings, 7370 Tage chrismitzPolnische Putzfrau kann eigene Firma gründen

Trotz EU-Beitritt dürfen Polen in Deutschland kaum legal arbeiten. Es gibt aber Hintertürchen.

Rostock (OZ/dpa) In über vier Millionen deutschen Haushalten gehen 2,4 Millionen Haushaltshilfen ein und aus. Fast jeder sechste Akademiker-Haushalt soll eine Putzfrau haben. Sie macht alles, wozu vielbeschäftigte Frauen und Männer keine Zeit oder keine Lust mehr haben: Fenster putzen, Böden wischen, Bad und Küche putzen. Viele Haushaltshilfen kommen aus Polen, Tschechien, der Slowakei, dem Baltikum.

  Die Polin Maria (46) arbeitet seit zehn Jahren als Putzfrau und Pflegerin in Deutschland. Sie ist eine von Tausenden schwarzarbeitenden Polen in Berlin. Seit dem 1. Mai, als Polen offiziell der EU beigetreten ist, hat sich für sie fast nichts geändert. Bedingt durch Übergangsregelungen können sie in den populärsten Branchen für polnische Arbeitskräfte, dem Baugewerbe und den Reinigungsdiensten, noch längere Zeit nicht legal arbeiten. Es gibt aber Hintertürchen.

  Die polnischen Nachbarn können, wie Maria, ohne Kapital und bei geringen Kosten Einzelunternehmen gründen und über diese eigene Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel als Reinigungskraft oder Bauarbeiter. Sie müssen nur über Adresse und Kontonummer verfügen.

  Wer direkt aus Polen kommt oder nicht registriert ist, braucht auch Finanzmittel zum Leben für bis zu sechs Monate. ?Für Leute ohne zusätzliche Qualifikationen ist die Gründung des eigenen Unternehmens die letzte Hoffnung, sich hier zu etablieren?, sagt Sylwia Steinke, Beraterin im Polnischen Sozialrat Berlin.

  Doch mit der EU-Erweiterung gibt es für knapp zwei Millionen Putzfrauen auch die Möglichkeit, aus Schwarzarbeit in den rechtlich ?sauberen? Sektor zu gelangen. Sie können auf Basis eines Mini-Jobs angestellt werden. ?Es herrscht ein Informationsdefizit?, bestätigt Andrzej Berlin, stellvertretender Vorsitzender des polnischen Sozialrates in Berlin. Nach Angaben der Mini-Job-Zentrale der Bundesknappschaft müssen für Hausangestellte neben den Lohnkosten von bis zu 400 Euro monatlich (Höchstsatz) maximal 128 Euro im Jahr für Steuern und Sozialversicherung gezahlt werden. Eine Unfallversicherung kostet bis zu 50 Euro im Jahr. Verdient die Haushaltshilfe weniger, sind die Abgaben geringer.

  Trotzdem wird sich an der jetzigen Situation kaum etwas ändern, ist sich Andrzej Berlin sicher. Bürokratische Hürden im Nachbarland seien so hoch, dass es kaum Anreize gebe, offiziell in Deutschland zu arbeiten.

  Jerzy Idzikowski, Sekretär der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Polen, bestätigte aber, dass das Interesse an selbstständiger Erwerbstätigkeit in Deutschland seit 1. Mai gestiegen sei. Die Polen seien seit dem EU-Beitritt bei der Gründung kleinerer und auch größerer Firmen in Deutschland mutiger. Seit Mai hätte Polen allein in Berlin 70 Einzelunternehmen gegründet.  

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