Pleitewelle bei Händlern durch Neuregelung des ...

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996 Postings, 6570 Tage eposterPleitewelle bei Händlern durch Neuregelung des ...

INTERVIEW: Pleitewelle bei Händlern durch Neuregelung des Autovertriebs
   MÜNCHEN (dpa-AFX) - Durch die Neuregelung des Autovertriebs in der EU
wird nach Einschätzung von Experten nicht nur auf die Pkw-Produzenten sondern
auch auf die deutsche Nutzfahrzeugindustrie in den kommenden Jahren eine neue
Pleitewelle bei Händlern, Vertragswerkstätten und Servicestationen zurollen.
"Das engmaschige Netz wird mit Sicherheit löcherig werden", sagte der
Vertriebschef der Nutzfahrzeugsparte des MAN-Konzerns , Fred van
Putten, am Mittwoch der Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX in München.

   Derzeit verfüge alleine MAN - nach DaimlerChrysler  der
zweitgrößte deutsche Nutzfahrzeugproduzent - in der EU über rund 1.200
Händler, Werkstätten und Servicestationen. "Im Zuge der Neuregelung wird es
dazu kommen, dass in Ländern, in denen wir viele Werkstätten und Händler
haben, deren Zahl drastisch abnimmt", sagte van Putten. Mittelfristig hält
er etwa in Deutschland einen Rückgang der MAN-Stützpunkte von aktuell rund
400 auf "zwischen 200 und 250" für sehr wahrscheinlich. "Bei den anderen
Herstellern sieht das ganz genauso aus", sagte van Putten.

FESTSCHREIBUNG HÖHERER STANDARDS FÜR HÄNDLER

   Vor allem der Markt für kleinere und leichtere Nutzfahrzeuge könnte - so
die Befürchtung der Branche - durch die Entscheidung der EU-Kommission
durcheinander gewirbelt werden. "Ich kann mir schon vorstellen, dass große
Ketten wie Aldi oder Lidl nicht mehr nur Pkw, sondern jetzt auch Kleinbusse
oder Pritschenwagen in Sonderaktionen zu Billigpreisen anbieten werden. Für
große Lastwagen oder Busse trifft das natürlich nicht zu", sagte van Putten.

   Einen Ausweg aus ihrem Dilemma sucht die weltweit von sinkenden
Absatzzahlen gebeutelte Branche laut van Putten zurzeit in der
Festschreibung neuer, deutlich höherer Standards für ihre Händler. "Nur so
können wir verhindern, dass wir - wie von der EU bei einem Marktanteil in
einem Land von mehr als 40 Prozent vorgesehen - jeden in unser Händlernetz
reinlassen müssen, der dann unsere angestammten Händler mit Billigpreisen
kaputt macht."

MARKEN-PROFIL VERWÄSSERT

   Ein weiteres Problem sei, "dass Händler und Werkstätten schon jetzt
mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes durch den Ersatzteilhandel und
Serviceleistungen erzielen und deshalb von zunehmender Konkurrenz durch
freie Händler besonders hart getroffen würden". Für die Hersteller bedeute
vor allem die vorgesehene Möglichkeit des Verkaufs von Wagen mehrerer
Anbieter unter einem Dach eine zusätzliche Belastung. "Das Profil der
jeweiligen Marke wird so verwässert", sagte van Putten.

   Die Europäische Kommission hat an diesem Mittwoch neue
Regeln für die Autobranche beschlossen. Sie sollen die Stellung der Autohändler
und der freien Werkstätten gegenüber den Autoherstellern stärken und sinkende
Preise für Neuwagen und Reparaturen bringen.

www.agora-direct.de
 

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