Pilotenstreik: Stillstand auf dem Rollfeld

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Pilotenstreik: Stillstand auf dem Rollfeld

Ab Freitag 0 Uhr streiken die Piloten der Lufthansa. Der Arbeitskampf könnte lang und nervenaufreibend werden.


Ab Mitternacht herrscht Stillstand


Der Streik wird auf allen deutschen Flughäfen ausgetragen und dauert bis Freitagmittag, 12 Uhr. Bei der Urabstimmung hätten 96 Prozent der 4200 abstimmungsberechtigten Mitglieder für einen unbefristeten Arbeitskampf gestimmt, teilte Cockpit mit. Die Wahlbeteiligung habe 98 Prozent betragen. Man plane in den kommenden vier Wochen jeden Donnerstag eine 24-stündige Arbeitsniederlegung, hieß es weiter. Es ist der erste unbefristete Streik in der Unternehmensgeschichte der Lufhansa.


Hotline und zusätzliche Züge


Die Lufthansa hat eine Hotline für Fluggäste eingerichtet. Unter der Nummer (0180)3100380 können Passagiere der Fluggesellschaft Condor Informationen über ihre Flüge erhalten, das gleiche gilt für Lufthansa-Passagiere unter der Nummer (0180)3803803, wie Sprecher Thomas Jachnow sagte. "Wir bemühen uns momentan, reduzierte Flugpläne zu erstellen", sagte Jachnow am Nachmittag. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden die Condorflüge alle wie geplant stattfinden. Bei Lufthansa-Kurzstreckenflügen sei es aber ratsamer, auf die Bahn umzusteigen, etwa bei Flügen nach Frankfurt am Main oder München. Die Flugtickets werden als Bahnfahrkarten anerkannt, sagte Pressesprecher Michael Lamberty. Die Bahn will zusätzliche Züge einsetzen.



Verhandlungen in Sicht


Die Pilotenvereinigung Cockpit wird nach eigenen Angaben möglicherweise ab kommendem Mittwoch wieder mit der Lufthansa verhandeln. Allerdings habe die Lufthansa bisher noch kein neues Angebot vorgelegt, sondern nur weitere Gespräche angeboten, erklärte die Pilotengewerkschaft.



Die Urabstimmung der Piloten war am 9. April eingeleitet worden, nachdem die Pilotengewerkschaft die Tarifgespräche mit der Lufthansa für gescheitert erklärt hatte. Cockpit fordert für seine rund 4200 Mitglieder bei Lufthansa und Condor Gehaltserhöhungen von durchschnittlich 35 Prozent sowie eine Ergebnisbeteiligung, was der Konzern ablehnt. Die Fluggesellschaft bot eine Erhöhung der Vergütungen um zehn bis 16,7 Prozent an. Die Vereinigung Cockpit brach daraufhin die Verhandlungen ab.



Anfangsgehalt bei über 100.000 Mark


Im Vergleich mit internationalen Kollegen fühlen sich die Piloten der Lufthansa, Condor, Condor Berlin und Lufthansa Cargo als zu schlecht bezahlt. Ihr Gehalt bekommen die Cockpitbesatzungen nach einem System, das nach Dienstjahren gestaffelt ist. Ein Copilot in seinem ersten Jahr kommt etwa auf brutto 106.200 DM jährlich. Dafür muss er monatlich 78 reine Flugstunden leisten. Die Vereinigung Cockpit verlangt eine Grundvergütung von 135.000 DM. Das sind 27 Prozent mehr, allerdings für 85 Flugstunden. In guten Jahren soll laut Cockpit noch eine Ergebnisbeteiligung von bis zu drei Monatsgehältern hinzukommen. Ein erfahrener Kapitän verdient nach 26 Jahren zurzeit 325.800 DM brutto im Jahr und soll nach Vorstellung der Pilotengewerkschaft bald 477.000 DM bekommen - ein Plus von 46 Prozent.



Die Kosten für das Cockpitpersonal schlagen mit knapp einer Mrd. DM pro Jahr zu Buche, heißt es bei der Lufthansa. Cockpit verweist auf das erfolgreiche Jahr 2000 mit einem operativen Konzerngewinn von knapp zwei Mrd. DM, auf Pilotenknappheit und gewachsene Belastungen im Cockpit. Die Lufthansa hatte jüngst einen massiven Gewinneinbruch im ersten Quartal gemeldet.



© 2001 Financial Times Deutschland , © Illustration:  AP

URL des Artikels:     http://www.ftd.de/ub/di/FTDIN5RBAMC.html
 
 

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