PREMIERE: Bislang unbekannte Bilanzlücken ...

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eröffnet am: 20.07.02 18:14 von: Happy End Anzahl Beiträge: 2
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20.07.02 18:14

95440 Postings, 7116 Tage Happy EndPREMIERE: Bislang unbekannte Bilanzlücken ...

Eine vertrauliche Studie belegt, dass der Pay-TV-Sender Premiere Schulden von mehreren hundert Millionen Euro hat, die nicht in den Bilanzen ausgewiesen sind. Zudem gibt es Zweifel an der Bewertung von Teilen der Filmbibliothek.

Hamburg - Die Investmentbank Morgan Stanley hat eine Bewertung des hoch verschuldeten Bezahlfernsehens Premiere vorgenommen, die neuen Geldgebern genauen Einblick in das ehemalige Kirch-Unternehmen geben soll. Auftraggeber der geheimen Studie unter dem Decknamen "Project Free Willy" sind die Hauptgläubiger Bayerische Landesbank und HypoVereinsbank, die Premiere inzwischen kontrollieren.

Das Geheimpapier, das dem SPIEGEL als "Working Draft" vom 17. Juli vorliegt, beinhaltet unter der Überschrift "historische Finanzinformationen" unter anderem die vollständigen Bilanzen der Jahre 1999 bis 2001. Demnach steigerte sich der Nettoverlust der KirchPay-TVvon rund 583 Millionen Euro 1999 auf 1,02 Milliarden Euro 2001. Die Verpflichtungen ("Total liabilities") konnten demnach lediglich von rund 2,46 Milliarden Euro 1999 auf 2,04 Milliarden gesenkt werden.

Zudem listet die Unternehmensbewertung Verbindlichkeiten auf, die gar nicht in den Bilanzen stehen. Laut Dossier schuldet Premiere diversen Banken und Investoren etwa 359 Millionen Euro für "zahlreiche Verkaufs- und Rückleasegeschäfte" mit Decodern. Allein bei der Hamburgischen Landesbank beliefen sich die "ausstehenden, nicht in der Bilanz erfassten Verpflichtungen" auf 146 Millionen Euro. Die Commerzbank warte auf 63 Millionen Euro, die Landesbank Kiel auf 29 Millionen Euro.

Zentral für einen künftigen Premiere-Erfolg sei die Gewinnung neuer Abonnenten. Noch in diesem Jahr sollen 560600 dazukommen, dann bis 2006 jährlich weitere 800000. Wenig erfolgreich lief aber laut den Zahlen der Investmentbanker zum Beispiel das Juni-Geschäft - trotz Fußball-WM. Statt der vorgesehenen 47819 neuen Kunden seien nur 26851 gewonnen worden.

Sparen will Premiere künftig vor allem bei den Programmkosten. Dazu sollen mit Dreiviertel der Hollywoodstudios Lieferverträge zu besseren Konditionen ausgehandelt werden. Dreamworks und Fox seien bereits um 50 Prozent gedrückt worden - "weniger als vorgesehen", wie die Banker urteilen. Zudem hätten nur "20 Prozent" der in der Filmbibliothek vorhandenen Pay-TV-Rechte Potenzial. So senkte Premiere die Bewertung der vorhandenen Filmrechte rückwirkend für die Bilanz 2001 von 244 Millionen auf 30 Millionen Euro mit einer Abschreibungszeit von acht Jahren.  

20.07.02 18:24

15990 Postings, 6797 Tage NassieSo funktioniert

halt die bayerische Amigobuchführung.
Diese Bilanzierungstricks sind typisch für Krisenunternehmen. Wundert mich
immer wieder wie blöd die Banker doch sind. Sitzen überall im Aufsichtsrat
und merken nichts.  

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