Opportunisten des Geldes - Banker und die Nazis

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neuester Beitrag: 23.08.05 22:22
eröffnet am: 22.08.05 18:02 von: Talisker Anzahl Beiträge: 26
neuester Beitrag: 23.08.05 22:22 von: johannah Leser gesamt: 651
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22.08.05 18:02
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36699 Postings, 6210 Tage TaliskerOpportunisten des Geldes - Banker und die Nazis

(Warnung für satyr: nicht vorschnell auf die Schlüsselreize Banker und Nazis reagieren - mit der Schweiz hat das hier nichts zu tun!)


Drittes Reich
Opportunisten des Geldes: Bankiers unter dem Hakenkreuz
Von Gerald Braunberger

22. August 2005 Sie biederten sich bei den Nazis an. Und profitierten. Das neue Buch des Historikers Christopher Kopper beschäftigt sich mit der Rolle der Bankiers im Nationalsozialismus. Vier prominente Bankiers aus dem Dritten Reich - unter ihnen einige, die auch in Nachkriegsdeutschland Karriere machten.

Karl Blessing

Die Blessings bilden schon fast eine kleine Bankiersdynastie. Karl Blessing (1900 bis 1971) war Führungsmitglied der Reichsbank und Präsident der Deutschen Bundesbank, sein Sohn Werner Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, und dessen Sohn Martin gehört heute zur Führung der Commerzbank.
Zwischen Opportunismus und Widerstand: Karl Blessing

Karl Blessing gelang ohne Studium, aber mit Unterstützung des wichtigsten deutschen Finanzmannes der Weimarer Republik und des Dritten Reichs, Hjalmar Schacht, ein steiler Aufstieg.

1937 wurde das NS-Mitglied ins Direktorium der Reichsbank berufen, aus dem ihn Hitler zwei Jahre später mit Schacht und anderen wegen eines aufmüpfigen Briefs an den Führer feuerte. Blessing wechselte zu der Margarine-Union, die der holländischen Unilever gehörte, und näherte sich gleichzeitig der SS an. Nach der Besetzung Hollands wurde Blessing zum Verwalter des Unilever-Konzerns ernannt, bald aber wegen des Verdachts entlassen, er denke mehr an das Wohl des Unternehmens als an das Wohl des Dritten Reichs.

Das Schwanken zwischen opportunistischer Regimetreue und halbherzigem Auflehnen setzte sich fort. Mit Billigung Görings tritt Blessing 1941 in die Kontinentale Öl AG ein, sucht aber 1943 Kontakte zum Widerstand. Wegen seiner guten politischen Kontakte fand kein Prozeß gegen Blessing statt. Nach dem Krieg ernennt die Unilever den Manager wieder zu ihrem Statthalter in Deutschland, ehe er 1959 zum Präsidenten der Bundesbank berufen wird.

Emil Georg von Stauss

Ein Netzwerker von hohen Graden war dieser Deutschbanker (1877 bis 1942), der tatkräftig half, Beziehungen zwischen Nazi-Größen und der Wirtschaft herzustellen. Dazu war von Stauss nicht nur als Mitglied des Vorstands und danach des Aufsichtsrats der Deutschen Bank gut plaziert: Er war auch der Vater der Fusion von Daimler und Benz und hielt den Aufsichtsratsvorsitz der Ufa sowie von Daimler-Benz, BMW und der Lufthansa.

Daneben verfolgte der Württemberger eine politische Karriere, zunächst als Reichstagsmitglied der konservativen DVP mit Sympathien für die Nazis, später als parteiloser Vizepräsident in Hitlers Alibiparlament ("teuerster Männergesangsverein der Welt"). In der Deutschen Bank wurde diese Annäherung an Hitler und Göring bis 1933 eher distanziert gesehen; danach profitierte die Bank durchaus von den guten Kontakten von Stauss, der allerdings niemals der NSDAP beitrat.

Karl Rasche

"Wer marschiert hinter dem ersten Tank? Das ist der Dr. Rasche von der Dresdner Bank!" hieß es seit Anfang der vierziger Jahre halb anerkennend, halb spöttisch bei den Kunden der Dresdner. Karl Rasche (1892 bis 1951) war nach den Worten Koppers "Motor des Arisierungsgeschäfts in Deutschland und dem besetzten Ostmitteleuropa" und ein williges "Werkzeug nationalsozialistischer Konzernpolitik".

Der promovierte Jurist Rasche begann seine Karriere nach dem Ersten Weltkrieg im Ruhrgebiet, die ihn 1934 in den Vorstand der damals schwächelnden Dresdner Bank führte. Dort profitierte er von seinen guten Beziehungen zu Hermann Göring, der dafür sorgte, daß die Dresdner Hausbank seines Lieblingsunternehmens, des Montankonzerns Reichswerke AG, wurde. So half Rasche bei der Übernahme von Beteiligungen für die Reichswerke in Österreich 1938 (gegen Abs). Über die Arisierung der Wiener Bank S.M. von Rothschild erhielt der Banker Zugriff auf Industriebeteiligungen in der Tschechoslowakei, die er für die Reichswerke und die Dresdner akquirierte.

Dabei war Rasche eher Karrierist und Opportunist als politischer Überzeugungstäter. Er stand zwar schon früh politisch rechts und lernte als Banker prominente Nazis kennen, aber nach seinem Beitritt in die NSDAP 1933 zahlte er keine Beiträge und wurde aus der Mitgliederkartei gestrichen. Erst 1938 trat er in die SS ein.

Rasche wurde 1945 festgenommen, 1947 zu sieben Jahren Haft verurteilt, aber schon 1950 freigelassen. Die Dresdner Bank nahm ihn nicht mehr auf, eine Laufbahn als Unternehmensberater endete mit seinem plötzlichen Tod 1951.

Hermann Josef Abs

Wie das Verhalten des vielleicht bedeutendsten deutschen Bankers des 20. Jahrhunderts im Dritten Reich zu bewerten ist, darüber gehen die Ansichten noch heute auseinander. Fest steht, daß Hermann Josef Abs (1901 bis 1992) nach einer steilen Karriere beim Bankhaus Delbrück und der Deutschen Bank eine Position erreicht hatte, die ihm die Gelegenheit bot, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Bei den Arisierungen in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre bescheinigt Kopper Abs, "daß er trotz der zunehmenden Anfeindungen gegen die jüdischen Deutschen vorurteilslos und fair mit jüdischen Bankiers zusammenarbeitete".

Bekannt waren in der Berliner Bankenwelt damals auch Abs' ausgeprägter Katholizismus und seine wirtschaftsliberalen Neigungen, die den zur Eitelkeit neigenden, blitzgescheiten Banker davon abhielten, sich dem Nationalsozialismus innerlich anzunähern.

Nach Ausbruch des Krieges war auch Abs in fragwürdige Geschäfte verwickelt. So kaufte er 1940 in Görings Auftrag deutsche Auslandsanleihen im neutralen Schweden mit erbeutetem Gold aus der Niederländischen und der Belgischen Notenbank - wofür ihm Göring 293.000 Reichsmark auszahlte. Abs war Aufsichtsratsmitglied der IG Farben, die KZ-Häftlinge beschäftigte, und machte Bankgeschäfte in besetzten Gebieten. Andererseits stand er mit dem deutschen Widerstand in Kontakt, auch wenn er sich weigerte, dort aktiv zu werden. Seine umstrittene Rolle im Dritten Reich hindert Abs nicht an einer steilen Karriere im Nachkriegsdeutschland.
Die Bankiers und die Nazis

Eine politische Tradition in Deutschland sieht die Manager großer Banken als überaus mächtige Menschen, die über das finanzielle Schicksal von Unternehmen und Privatpersonen entscheiden. Doch als Hitler 1933 an die Macht kam, waren die deutschen Geldmanager schwach und ausgelaugt von der Bankenkrise des Jahres 1933, schreibt der Historiker Christopher Kopper in seinem neuen Buch.

So waren sie, selbst wenn sie es gewollt hätten, nicht in der Lage, gegen die braune Flut Widerstand zu leisten. Im Gegenteil: Entweder als Karrieristen oder als Gesinnungstäter spielten sie das Spiel der Nazis oder tolerierten es zumindest. Koppers Buch enthält nach einer einleitenden Schilderung der damaligen Lage der Banken eine Reihe knapp, aber inhaltsreich geschriebener Porträts ihrer führenden Vertreter. Nicht wenige wie Hermann Josef Abs kamen in der späteren Bundesrepublik zu hohen Ehren.

Die Bankgeschichte des Dritten Reichs ist das Spezialgebiet Christopher Koppers. Der Sohn des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper lehrte einige Jahre im Ausland [Hä? Göttingen is Ausland? Hatte ein Seminar zur Stasi beim ihm; Talisker] und gehört seit 2004 der Universität Bielefeld an.

Christopher Kopper: Bankiers unterm Hakenkreuz. Hanser-Verlag. München 2005. 24,90 Euro


Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.08.2005, Nr. 33 / Seite 36
Bildmaterial: picture-alliance / dpa  
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22.08.05 18:55

129861 Postings, 6149 Tage kiiwiiTja Talisker,

weißt Du auch, wer der Autor ist ?
Und wo z.B. Frau Blessing (die Frau des Enkels) arbeitet ?


MfG
kiiwii
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Was hört man Neues von der SPD ?
 

22.08.05 19:35
1

36699 Postings, 6210 Tage TaliskerKiiwii, mal nen Tipp,

ganz für umsonst, ey - lies doch mal die Sachen bis zum Ende...

Talisker

P.S.: Aber nein, stimmt, wo Frau Blessing (die Frau des Enkels) arbeitet, das weiß ich nicht.  

22.08.05 19:51

69017 Postings, 6162 Tage BarCodeHm, wo die Frau Blessing arbeitet

weiß ich jetzt auch nicht. Aber ich weiß wo der Freund der Schwester des Enkels von einem Bekannten eines der Genannten sich gerade aufhält...

Und das weißt du garantiert nicht, kiiwii!

Bin ich jetzt gebildet?

Gruß BarCode  

22.08.05 20:01

129861 Postings, 6149 Tage kiiwiiUnd wer der Vater

der besagten Frau Blessing ist, weißt Du das denn ?


MfG
kiiwii
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22.08.05 20:44

69017 Postings, 6162 Tage BarCodeWir sind einfach nicht so nah dran

an den Bankerkreisen wie du, kiiwii. Das müssen wir ja immer wieder neidlos anerkennen.

Gruß BarCode
PS: Dorothee? Goldmann-Sachs? BfG-Bank?  

22.08.05 21:58

129861 Postings, 6149 Tage kiiwiiKorrekt

Dorothee Blessing geb. Wieandt


MfG
kiiwii
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22.08.05 22:06

59073 Postings, 7234 Tage zombi17Jetzt kann ich endlich friedlich einschlafen!

Kiiwii, möchtest du unser neues Idol sein? Jemand an dem wir uns auch in schlechten Zeiten aufrichten können, jemand der uns Halt gibt und jemand der immer ein aufmunterndes Wort für uns hat. Du bist so schlau, so einzigartig, so kiiwii!
Machet Atze, ähh kiiwii.  

22.08.05 22:15

36699 Postings, 6210 Tage TaliskerSohn und Vater im Interview

http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/...,-Kaufleute/543815.html  

22.08.05 22:21

129861 Postings, 6149 Tage kiiwiizombi, das war ein hartes Stück Arbeit für mich

bis zu diesem Deinem Posting; dachte schon, ich müßte die 10.000 voll machen.
Aber nun siehst Du es endlich ein:
"Ich bin ...., Du sollst keine anderen .... neben mir haben"
;-)))



MfG
kiiwii
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22.08.05 22:23

42128 Postings, 7727 Tage satyrKiwi Lass das Padex aus dem Dope-Dann gehts dir

22.08.05 22:23
1

59073 Postings, 7234 Tage zombi17Keine Sorge, ich habe schon

lange keinen mehr neben dir.  

22.08.05 22:26

129861 Postings, 6149 Tage kiiwiiSo muß es sein ;-))

MfG
kiiwii
ariva.de
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22.08.05 23:05

3488 Postings, 5693 Tage johannahGerald Braunberger, Frankfurter Allgemeine Sonntag

zum Thema:

Sahra Wagenknecht über ihre Alternativen zum kalten Kapitalismus.

Kann man im Jahre 2005 wirklich noch eine überzeugte Anhängerin von Karl Marx sein und sich den Glauben an eine grundlegende Änderung der Verhältnisse bewahren? Man kann: "Marxistin sein heißt zu versuchen, die Gesellschaft von ihren ökonomischen Grundlagen her zu verstehen. Es heißt auch, sich nicht mit diesem Kapitalismus abzufinden und eine sozialistische Alternative für möglich zu halten."


Diese Kolumne und die aus P1 passen gut zusammen und zeigen, wessen Geistes der Gute ist.

MfG/Johannah  

22.08.05 23:07

59073 Postings, 7234 Tage zombi17Ach, der gute Johann wieder:-) o. T.

22.08.05 23:12

69017 Postings, 6162 Tage BarCodeJohanna

1. Kennst du die Zeitung zufällig? Die Faz ist dir schon ein Begriff, oder?
2. #1 ist eine Buchbesprechung.

Gruß BarCode  

22.08.05 23:13

59073 Postings, 7234 Tage zombi17Kann doch mal vorkommen, BC, nicht immer so streng o. T.

22.08.05 23:30

3488 Postings, 5693 Tage johannahBarCode

Die FAZ ist das größte Blättchen im SPD Medienimperium. Ist dir das auch bekannt?

Ob nun Buchbesprechung oder Kolumne ist im Prinzip egal. Der Ton macht die Musik. Wenns dich interessiert, hier eine weitere Buchbesprechung von ihm.

Rudolf Hilferding "Das Finanzkapital"

"Gerald Braunberger begrüßt die Neuauflage dieses "Klassikers" von 1910 ausdrücklich, zumal er Hilferdings Überlegungen zum Teil eine überraschende Aktualität bescheinigt. So findet sich, wie der Rezensent feststellt, so mancher Gedanke des Autors zum Imperialismus heute in der Diskussion um die Globalisierung wieder. Zwar zeige sich durchaus der Einfluss Karl Marx`, jedoch sei der Autor keineswegs ein dogmatischer Marxist gewesen." ....

MfG/Johannah  

22.08.05 23:34

59073 Postings, 7234 Tage zombi17Woran erinnert mich dein Postingstil bloss?

Ich zermartere mir den Kopf, aber der Groschen will nicht fallen"fg"  

22.08.05 23:39

69017 Postings, 6162 Tage BarCodeNein, das wusste ich nicht!

Ob kiiwii das weiß?

Mann, hab ich Bildungslücken. Gehört Springer etwa auch der SPD?

Oder liegt da nicht doch eine klitzekleine Verwechslung vor?

Gruß BarCode  

23.08.05 00:10

69017 Postings, 6162 Tage BarCodebtw, johannah

Hilferding gehört zu den herausragenden historischen Gestalten der deutschen Politik der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts und der Sozialdemokratie. Es ist absolut kein Wunder, dass er auch in der FAZ auftaucht (auch wenn sie nun wirklich nicht der SPD gehört). Er wurde übrigens 1941 von der Gestapo ermordet.

Gruß BarCode  

23.08.05 09:27

25551 Postings, 7064 Tage Depothalbierereigentlich ist das doch alles egal, weil die nazis

und heute deren nachkommen weiterhin viele schlüsselpositionen besetzen und ihnen eh keiner was kann oder konnte, außer dem schleyer, den habense erwischt.

und der bücherschreiber verdient ein bißchen kohle mit seinen geschichtchen, das wars dann aber auch.  

23.08.05 09:36

36699 Postings, 6210 Tage TaliskerAha, Depothalbierer.

Kannst du mir mal bitte einen Nazi nennen, der noch eine Schlüsselposition bekleidet?
Und, klar, Aufarbeitung der Geschichte is total unnütz, dient nur dem Bücherschreiber beim Kohlescheffeln, hindert zudem andere daran, inhaltsleer und unbeleckt von Fakten im Raum des Wagen herumzusalbadern...

Johannah, du bist richtig niedlich.

Gruß
Talisker  

23.08.05 09:40

25551 Postings, 7064 Tage Depothalbierermain talli

" ...und heute dren nachkommen" ist der entscheidende satz.

daß die meisten vorkommen inzwischen die hufe hochgerissen haben, weiß ich selber.  

23.08.05 09:41

25551 Postings, 7064 Tage Depothalbierermoin sollte das heißen o. T.

23.08.05 22:22

3488 Postings, 5693 Tage johannahTalisker, danke fürs Kompliment, auch wenn du es

so nicht gemeint hast.

Das ewige Herumreiten an der braunen Vergangenheit dieses Nation ist mittlerweile mehr als langweilig. Sie können wir nicht leugnen. Wir hatten aber auch die rote Vergangenheit. Und diese verdient es mindesten genau so aufgearbeitet zu werden wie die braune. Immerhin sind seit 1917 unter dem Zeichen von Hammer und Sichel ein Vielfaches an Toten und Drangsalierten zu beklagen als unter dem Hackenkreuz.

Ich will nur, daß beide Mördersysteme auf gleiche Ebene gestellt werden und die Scheuklappentragende Linke so langsam zur Besinnung kommt.

Wenn nun sogar der Spiegel anfängt über Marx Tacheles zu reden, so bin ich guter Hoffnung, daß wir endlich zur Normalität zurückkehren.

MfG/Johannah

 

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